Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Möge der Schmalz mit Dir sein!

Hadmut
19.12.2019 0:55

Star Wars IX: Warum ich mich den Jubelarien der Presse nicht so anschließen kann, obwohl selbst die nur lauwarm sind.

Als Kind war ich ja total begeistert von Star Wars und habe die alle auch gleich im Kino gesehen. Ich hatte neulich 1977 behauptet, wurde aber daran erinnert, dass der in den USA 1977 rauskam, in Deutschland aber erst 1978, weil es damals noch oft ein dreiviertel Jahr dauerte, manchmal sogar mehr, bis amerikanischen Filme in Deutschland gezeigt wurden. Eigentlich war ich auch gar nicht so scharf drauf, aber Bekannte hatten ihn dann so empfohlen, dass ich doch reingegangen bin und war dann sehr begeistert. Ich glaube, die beiden ältesten Teile IV und V habe ich inzwischen mindestens ein Dutzend Mal gesehen, eher mehr, während mir I,II,III nicht gefielen.

Fange ich mal damit an, über IX was Gutes zu sagen.

Eigentlich kann ich dasselbe sagen wie über VII und VIII: Die neuen gefallen mir vom Look, vom Design, von der Darstellung sehr, sehr gut, weil sie (im Gegensatz zu I,II,III) diesen alten Star Wars-Look richtig gut treffen. Die ersten drei waren noch physisch gebaut und optisch getrickst. bei den nächsten drei haben sie sich in der damaligen, noch nicht so wirklich guten Computertechnik verspielt. Nun haben sie eine richtig gut Mischung aus wieder physisch gebaut und weit besseren Computertricks.

Dazu kommt eine richtig gute Kameraführung und ein enormes Gefühl für die Dramatik von Räumen, es sieht auch wirklich alles und sofort nach Star Wars aus.

Und ihre Sache auch zum dritten Mal gut gemacht hat Daisy Ridley ihre Sache als Rey, auch wenn sie doch gar zu sehr danach aussieht, als habe man Luke Skywalker in jeder Hinsicht bis zur Schauspielerwahl kopieren und nur auf weiblich transen wollen. Warum Frauen einen ganzen Krieg lang immer dieselben Klamotten anhaben, habe ich noch nicht verstanden, es hat aber wohl etwas damit zu tun, dass der Zuschauer die Charaktere auch bei schnellen Schnitten und Dynamik sofort erkennen können soll. Als sie dann doch mal einen Mantel überhaut oder die böse Finster-Rey (aus dem Teaser) in Finsterklamotten vorbeikommt, muss man dann halt doch genauer hinschauen, ob sie es ist. Sie ist zwar hübsch, aber kein so ausgeprägter Charakterkopf (oder gerade deshalb).

Und sie müht sich dann halt auch redlich ab, das Drehbuch abzuspulen. Bei Rey ist die Besetzung gut, aber die Story schwach, während bei Kylo Ren die Rolle besser ist, aber Adam Driver in meinen Augen eine glatte Fehlbesetzung. Der wird zwar nach hinten hin besser (ich sage nicht, warum, um nicht zu spoilern), aber gerade das belegt, dass er für alles außer hinten schlicht der falsche Mann war.

Und ein paar Gags kriegen sie hin, nicht so billige Lacher. Wenn etwa Rey mal das geile Laserschwert einschaltet, und der andere im gleichen Stil nur die trübe Taschenlampe, nehmen sie sich schon auf die Schippe.

Genug des Lobes.

Die Story ist … naja, also wie soll ich das jetzt ausdrücken … sie hat mir nicht so … also eigentlich haben sie keine richtige Story. Das ist das, was mich da stört. Früher haben Filme Geschichten erzählt. Gerade die Teile IV und V (die ich einfach für die besten halte) haben sich ja am Anfang erst mal Zeit gelassen, um eine Story zu erzählen, Leute vorzustellen, Fragen und Spannung aufzubauen, wo man sich dann fragte, wie das weitergeht und worauf es hinausläuft.

Hier dagegen dachte ich lange Zeit nur „Huch”, weil man erst mal mit sehr schnellen und unzähligen Schnitten in ein Dauerfeuer von Star-Wars-Szenen genommen wurde, quasi eine Überdosis Star-Wars-Design. Ich fand diese trapezförmigen Gänge, die seltsamen Beleuchtungen und diesen ganzen schwarzen oder weißen Todesstern-Chic ja echt toll, aber das war jetzt zuviel. Und nachdem sie dann ausreichend Star-Wars-Design gezeigt haben, geht es weiter, indem sie einige alte Charaktere wieder ausbuddeln, wiedersehen mit X, Wiedersehen mit Y, und Z hört man dann auch mal. Als ob man sie alle nochmal auflaufen lassen wollte um sich nochmal ihren Applausvorhang zu holen. Und dabei auch viele Szenen und Details aus alten Filmen wiederholt. Fans bedienen.

Irgendwie erinnerte mich das an das Harry-Potter-Problem. Da hatte ich damals die Bücher gelesen und mich schon gefragt, wie man das wohl in einen Film packen könnte, und so waren die Filme dann auch: Im Galopp ohne Erzählzeit durch die Szenen gerast, weil man genau wusste, dass das Publikum aus Kindern die Bücher auswendig kennt und das Fehlen jeder Szene gnadenlos anmäkeln würde. Hier hatte man wohl eine Checkliste aus Gegenständen, Eindrücken, Orten, Szenen, Leuten, die man ums Verrecken zitieren wollte.

Und dann hatte man einige offene Handlungsstränge und Fragen, die es zu beantworten galt.

Gut, die Stränge wurden geschlossen, die Fragen geklärt, und natürlich wäre es wieder mal ein Großschlachtfeld für Familienpsychotherapeuten, denn die Familienprobleme ziehen sich dort ja durch alle Teile.

Und so kommen auf alle Fragen dann doch – teils unerwartete, aber logische und stimmige – Deckel. Ich hätte ja zwischendrin mal gewettet, dass auch auf jeden Topf ein Deckel kommt, weil es so billig romatisch wurde, dass der Happy-End-Ausgang so gewiss wie in bei Die Schöne und das Biest auf dem Traumschiff schien, glücklicherweise haben sie dann den Schmalz aber doch nicht auf 100% getrieben.

Dafür ist das ganze sowas von politisch korrekt.

Damit Frauen- und Schwarzenquote stimmen, kommt dann noch die attraktive schwarze Amazone auf dem Pferd daher, und für den anderen Topf gibt es noch eine scharfe rote Weiße, von der man aber zugunsten der Schwarzen nur mal einen kurzen Blick auf das offene Visier erhaschen kann. Warum Frauen sich perfekt schminken, wenn sie den Intregalhelm sowieso nie abnehmen, habe ich auch nicht verstanden. Dafür gibt es eine auffällig auffällige reine Schwarzen-Szene, die eigentlich nicht handlungstragend wäre, aber sowas von laut schreit „Huhu, hallo, hergucken, wir sind politisch korrekt!” Geschenkt. Die Frau war ja gut drauf, aber die andere in Rot hätten sie auch mal rauslassen können.

Und weil inzwischen auch bei Jedi-Rittern und Laserschwertern die Frauenquote gilt, Rey aber einfach nur eine und damit zuwenig ist, wurde noch eine zweite Jedi-Ritterin samt eigenem Laserschwert aus dem Hut gezaubert. Apropos: Weil Luke Skywalkers Laserschwert (es wird ja ein Haufen altes Zeug rausgekramt) eine tragende Rolle spielt, hier der Hinweis: Wer es noch nicht weiß, Lukes Laserschwert sieht so aus, wie es aussieht, weil es damals billig aus altem Schrott gebaut wurde, es ist nämlich der fast unveränderte Battriegriff eines alten Graflex-3-Blitzgerätes für olle Blitzbirnen aus den 50er oder 60er Jahren. Eigentlich hat man nur die schwarzen Plastikleisten mit einer Blindnietzange drangeballert, fertig. Dass das Ding oben so schräg abgeschnitten ist, den Knopf da hat und auch diese zwei Klemmen an der Seite – alles Original Blitzgerät. Wie die Wasserhähne und Bügeleisen bei Raumschiff Orion.

Und die ganze Botschaft des Filmes ist, dass man alles sein kann, was man will, und es auf die Abstammung und wo man herkommt, überhaupt nicht ankommt. Männlein oder Weiblein, Schwarz oder Weiß, Jedi oder Sith, völlig egal, Du kannst alles weren, was Du willst. Es trieft so elend vor Zeitgeist. Ach, wär dat schön jewesen, wenn da einfach mal irgendwer so frontal auf die political correctness gepfiffen hätte.

Bei all diesem Punkten einer Aufgabenliste – Design und optische Eindrücke, Schaulaufen der Charaktere, Handlungsstränge schließen, Fragen beantworten, Political Correctness bedienen, Fans füttern – blieb dann auch nicht mehr viel Luft für eine Story, und auch nicht mehr der Wille. Wenn man gerade dabei ist, alles aufzuräumen und sauberzumachen, wirft man keine Fragen auf.

Und dass in einem Disney das Gute siegt und das Böse vernichtet wird, steht außer Frage (ich hätte es ja einen Brüller gefunden, wenn die wirklich mal auf den Putz gehauen hätten und die fiesen bösen so richtig durchgewonnen hätten, damit die Leute so richtig im Krisenzustand nach Hause gehen, mal so ein richtiger Schocker).

Und damit’s auch der letzte kapiert, folgt man fast durchgängig dem Muster, dass die Guten immer hell angezogen sind und gesund aussehen, während die Bösen alle finster dreinblicken, schwarz tragen und zwar eine unendlich große Sternenzerstörerflotte mit Planetenvernichtungswaffen, jede Menge fieser Roboter und bösartiger Maschinen, es dann aber wohl nicht mehr für die Stromrechnung gereicht hat, die fies-finsteren Höhlen, in denen sie hocken, ein bisschen auszuleuchten. Böse hocken nun mal gerne scharz gekleidet bei Dunkelheit in finsteren Höhlen und bösen da so vor sich hin.

Fazit

Die Übernahme durch Disney hat der optischen Darstellung gutgetan, aber nicht dem Drehbuch und der Story. Es ist, wie ich das schon früher mal formuliert habe, Disney-Scheiße, vor Zeitgeist und Moral triefend.

Einerseits handwerklich gut gemacht, andererseits einfach auch auf doofes, genügsames Publikum mit fester Anspruchsliste ausgelegt. Sie wünschen, wir spielen.

Neben mir saß eine Frau, die alle 15 Minuten auf ihrem Handy ihre diversen Social Media durchgecheckt hat. Ich habe nicht verstanden, wofür die ins Kino geht.

Beim Rausgehen brummelte auf der Treppe vor mir einer, dass man den ganzen Film auch 20 Minuten kürzer hätte fassen können. Anscheinend herrschte da aber die Logik, wer viel zahlt, soll auch viel Star Wars bekommen.

Wir wissen nun auch endlich, wie es kam und dass jetzt (hoffentlich) auch endlich Schluss ist mit den Familienproblemen.

Zwei kleine Details, die mich geärgert haben

Ähnlich wie im letzten Teil an Carrie Fisher, hätte man an den verstorbenen Peter Mayhew erinnern können, der Chewbacca gespielt hat, zumal der neue Chewbacca einige Male doch aussieht wie ein Statist in einem schlechten Affenkostüm. Immerhin stirbt Prinzessin Leia dann auch einen feierlichen Tod dahin, als das Restfilmmaterial von Teil VIII aufgebraucht war.

In einer Sternenschlachtszene tauchte in einem Schnitt kurz einer an einer Bordkanone auf, von dem ich im ersten Augenblick kurz dachte, es wäre Anthony Daniels (Schauspieler von C3PO). War er dann aber doch nicht. Danach dachte ich mir aber: Warum eigentlich nicht?

Wenn ich das richtig gelesen habe, war Anthony Daniels der einzige Schauspieler, der in allen 9 Filmen (und noch Rogue One) mitgespielt hat. Und man hat nicht ein einziges Mal sein Gesicht gesehen. Man hätte ihm das einfach geschuldet, dass der wenigstens mal in einem der schnellen Filmschnitte, bei denen irgendwer an irgendwelchen Bordkanonen sitzt, der als Rebellionsoffizier eine Sekunde oder zwei ballert, damit auch dessen Gesicht mal drin ist. Ich finde sowas irgendwie stillos.

Ende und Wertung

So richtig befriedigt kam ich da nicht raus. Ich bin zweieinhalb Stunden unterhalten worden, indem ich mit Bildern und Action beworfen wurde, an sich auch nicht schlecht unterhalten worden, auch wenn ich dann doch mittendrin (wie offenbar der vor mir auf der Treppe) einige Längen drin fand. Da hatten sie einfach keine Story zum Füllen.

Es ist jetzt aber auch nicht so, dass ich die Teile VII bis IX unbedingt wieder sehen will. Das ist alles so naja, jetzt habe ich es gesehen und jetzt weiß ich, wie es ausgeht.

Irgendwie ist ihnen allgemein nichts für die Teile VII bis IX eingefallen, und ich habe den Verdacht, das stört die nicht mal. Die glauben, das gehöre so.

Irgendwie kommt man sich dann da auch wie auf einer Schitzeljagd vor, von Punkt A zu B und von B zu C und von C zu D, um die Zeit überhaupt mit irgendwas zu füllen.

Als ich rauskam, dachte ich mir, wenn schon die Macht jetzt nicht so der Brüller war und ich kein Laserschwert habe, dann möge jetzt wenigstens die Bratwurst mit mir sein. War sie aber nicht, der Weihnachtsmarkt vor dem Kino war schon geschlossen.

Freilich wird man reingehen, wenn man die anderen Teile kennt, weil man ja wissen will, wie es ausgeht. Es ist auch kein rausgeworfenes Geld, man bekommt schon was dafür. Aber hinterher weiß man’s dann. Nicht mehr und nicht weniger.