Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Schlaue und Dumme

Hadmut
11.12.2019 20:50

Eine seltsame Diskussion.

Ich hatte doch darüber geschrieben, dass wir früher mit einfacherer Lehrtechnik bessere Ergebnisse erzielt haben und die Kaputniklinken heute versuchen, die verheerenden Ergebnisse ihrer Katastrophenpädagogik darauf zu schieben, dass die Schulen technisch nicht modernst ausgestatett sind, als ob Bildung nur mit modernsten digitalen Mitteln möglich wäre.

Auf Twitter kam es dann zu sowas:

Mal abgesehen davon, dass so ein Google Mapper auch nur findet, solange der Akku reicht, GPS, Glonass usw. läuft und Google ihm auch noch gestattet, etwas zu finden (denn wenn Facebook und Youtube zensiert werden, werden auch auf Google Maps bald nicht mehr alle Adressen zu finden sein, über kurz oder lang werden Teilnehmer, die zu politisch unerwünschten Veranstaltungen wollen, zu falschen Orten geführt werden), stimmt es auch nicht.

Ich werde hier in Berlin häufig (wahrscheinlich sehe ich so wissend und vertrauenswürdig aus) nach dem Weg gefragt, und nicht selten fällt mir auf, dass die Leute, die mich fragen, dabei das Handy mit Google Maps in der Hand halten, es aber nicht verstehen. Nicht selten habe ich den Leuten dann die Routenführung von Google Maps eingeschaltet und gesagt, sie sollen einfach machen, was das Handy ihnen sagt, oder erst mal erklärt, dass das da eine Art Landkarte von Berlin ist und die Linien da Straßen darstellen. Neulich hatte ich mit einer zu tun, die zu einer BVG-Geschäftsstelle musste, aber kein Deutsch und kein Englisch konnte und sich praktisch gar nicht verständigen konnte, aber das Ziel in ihrer BVG-App (Verkehrsbetriebe von Berlin) schon eingegeben hatte. Sie war richtig gefahren, hatte aber nicht begriffen, dass die App dann auf Google-Maps-Kartenstücken den Fußweg von der U-Bahn zum Ziel anzeigt. Mit Händen und Füßen gestikulierend habe ich ihr dann klargemacht, dass die an der übernächsten Kreuzung rechts ab müsste und das der gepunkteten Linie auf der Landkarte entspricht.

Gibt aber auch Deutsche, die das nicht kapieren.

Es ist also mitnichten und keineswegs so, dass jeder Grundschüler mit Google Maps sein Ziel finden würde. Erstaunlich viele Leute haben das Konzept einer Landkarte nicht verstanden.

Auch wenn man den Gebrauch eines Sextanten nicht beherrscht: Die, die früher noch zumindest die Grundlagen der Geographie und Geodäsie erlernt haben, sind nämlich die, die sowas wie Google Maps programmieren konnten. Sich auf einen Computer zu verlassen, ohne zu verstehen, was er tut, ist vielleicht effizient, solange er funktioniert, aber man muss dafür nicht schlau sein.

Davon ganz abgesehen: Sogar auf der Raumstation ISS haben sie Sextanten, und auch die Kapitäne der US Navy müssen für den Fall elektronischer Kriegführung wieder den Umgang mit dem Sextanten lernen.

Man stellt ja auch keine Leute ein, deren Wissen aus Google und Siri besteht.