Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zum Tanken nach Polen

Hadmut
6.12.2019 13:26

Ein Leser gibt zu bedenken.

Ein excelsheetender Pfennigfuchser aus dem grenznahen Gebiet zu Polen und Tschechien, der gerne dort tankt, weil es billiger ist, betreibt genaue Rechnungen, wann es sich lohnt, wie weit zu fahren, um billiger zu tanken.

Als ich noch in (genauer: bei) München gewohnt habe, hatte ich eine Tankstelle in nächster Nähe, die aber nichts so billig war. Ein Stück weiter gab es eine, die etwas billiger war. Ich habe aber mal nachgerechnet und bin drauf gekommen, dass der Unterschied und mein Tank nicht groß genug sind, als dass es sich lohnen würde, zur billigeren zu fahren. Die für mich günstigste Lösung war, dass wenn ich nicht sowieso unterwegs war und an günstigen Tankstellen vorbeikam, sondern „von zu Hause aus” tanken musste, die teurere zu nehmen, weil sie näher war. Wenn man im Stadtverkehr mit einem Verbrauch von 8 Litern rechnet, zu 1,50, kostet ein Kilometer 12 Cent an Sprit, bei einer 2 Kilometer entfernten Tankstelle also hin und zurück 48 Cent. Bei 2 Cent Preisunterschied lohnt es sich erst ab 24 Litern, so leer ist mein kleiner Tank aber selten. Und selbst wenn: Dann bin ich durch die Gegend gefahren und habe dort angestanden, weil’s da voll war, um im Ergebnis vielleicht 18 Cent gespart zu haben.

Ich habe eine Freundin, die grundsätzlich spart, koste es, was es wolle. Der habe ich mal vorgerechnet, dass ihre Fahrt zur günstigsten Geheimtipptankstelle mehr kostet, als sie dadurch spart. War ihr egal. Sie spart aus Prinzip und Protest, nicht des Geldes wegen.

Besagter Leser nun hat errechnet, dass sich das derzeit für ihn mit seinem Auto nur lohnt, wenn die Tankstelle maximal 15km einfacher Entfernung entfernt wäre – was der Fall sei. Er hat verschiedene Autos in der Familie und das für alle per Excel-Sheet in der ständigen Berechnung.

Würde man die Spritkosten aber durch Steuern so hoch treiben, wie angekündigt oder angedroht, und würden die ausländischen Tankstellen die Preiserhöhung zur Hälfte mitmachen (die sind ja nicht dumm) verschöbe sich die Break-Even-Entfernung je nach Fahrzeug (Benzin/Diesel, Verbrauch, Tankgröße) auf etwa 120km. Würden die Polen und Tschechen ihre Preise halten, dann käme er je nach Fahrzeug zwar auf deutlich unterschiedliche Werte, aber bis zu 300km.

Ich habe es jetzt nicht nachgerechnet, aber es reicht ja, wenn der davon überzeugt ist, um seine Entscheidung zu treffen.

Dann also, so schreibt er, würde es sich beispielsweise für Berliner und den ganzen Streifen zur Grenze lohnen, nach Polen oder Teschechien zum Tanken zu fahren. Natürlich noch mehr, wenn sie nicht nur den Tank, sondern auch Kanister vollmachen.

Interessante Frage, ob sich das CO2-mäßig überhaupt lohnt, wenn die Leute dann alle zum Tanken 100 km oder weiter fahren. Ob die Leute dann im Endergebnis nicht sogar mehr statt weniger fahren. Weil sie zwar mehr Geld als vorher ausgeben, um die Fahrt und den Sprit nach Polen zu finanzieren, aber immer noch deutlich weniger als wenn sie hier tanken würden.

Mir wäre jetzt aber nicht bekannt, dass die rot-grünen Spinner derartige Erwägungen anstellen um sich zu fragen, ob eine solche Erhöhung überhaupt zu weniger, oder nicht doch zu mehr gefahrenen Kilometern führt.

Denn bedenkt man, dass auch andere Güter dort billiger sind und man das alles mit einem Großeinkauf im Supermarkt oder Klamottenladen verbinden kann, könnte sich so eine Fahrt nach Polen oder Tschechien dann richtig rentieren.

Also ich noch in Dresden gewohnt habe, gab es dort eine teschechische Bäckerei. Nicht schön eingerichtet, sondern so ganz einfach, blank, rudimentär, völlig schmucklos, mit Ostblock-Charme. Die Backwaren kamen jeden Morgen per Lieferwagen aus Tschechien, waren allesamt schlichter, schmeckten auch etwas anders, einfacher, aber nicht schlecht. Und sättigend. Und das dann zu lächerlich niedrigen Preisen. Einmal die Tüte im Format kleiner Sack vollmachen, da kam man dann vielleicht auf einen Euro oder sowas. War gut besucht.