Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Rotz, Wasser und Realität, auf Video aufgenommen

Hadmut
1.12.2019 15:36

Zur Genese von Angstzuständen unter besonderer Berücksichtigung von Medienprinzessinnen.

Die Zeitgeistprinzessin Ronja von Rönne, die laut Wikipedia nichts Gescheites gelernt oder jedenfalls keinen Studienabschluss darin zustandegebracht hat, ist, wie sollte es mit dieser Vita anders sein, prima im intellektuellen Abwrackhafen Presse untergekommen. Die Medien haben eine seltsame Vorliebe für Frauen, die keine Berufsausbildung hinbekommen haben, und nennen sie dann talentiert. Zwar hatte sie mal geschrieben, warum sie der Feminismus anekle, doch viele Leser meinten, das sei nur Provokation, sie hielte sich nur für die beste aller Feministinnen, andere beschreiben sie als Refugee-Welkcome-Klatscherin. Seit man unter Journalismus nur noch Provokation versteht, kommt man damit schon sehr weit.

Anscheinend ist sie aber bereits für ihren Feminismus-Ekel-Artikel von den anderen Feministinnen durch Rechtsverortung gemeinungsbloglyncht worden, denn für den Zeitgeistmonopolfeminismus sind alle außer ihnen selbst Rechte, das brauchen die zur moralischen Selbstverherrlichung. Da gilt jeder als rechtsradikal, der mal etwas schrieb, was irgendeinem Rechten gefallen haben könnte.

Und die beschreibt nun – keine Ahnung, warum angeblich so talentierte Autorinnen so einen deutsch-englisch-Kauderwelsch von sich geben – per Video einen Vorgang, was ihr manche als zumindest sehr ehrlich weil spottinkaufnehmend attestieren, nämlich die Überraschung, dass die Welt dann noch nicht aus Zucker ist. Anscheinend waren sie da mit einem Kamerateam unterwegs und dann halt so ein bisschen … wie soll man das jetzt sagen … weiße-Männer-freier Kulturaustausch:

Wie schlau es ist, einem Angreifer im Konfliktfall die Kamera vor die Nase zu halten, und „Ich habe alles auf Kamera” zu rufen, ist eine anderer Frage. Den reinen Verlust der Kamera würde ich da noch als sehr glücklichen und bestmöglichen zu erwartenden Ausgang ansehen.

Und wegen so einem bisschen Begrüßungsritual, was man in manchen Gegenden noch als freundlichen Umgangston und Klärung der Hierarchien einstuft (es erinnert mich manchmal an meinen Besuch im Berliner Zoo, als ich bei der Fütterung der Gorillas durch Zuwerfen die Tierpflegerin fragte, ob sie zu denen auch ins Gehege könnten, dass sie das schon lange nicht mehr machen und auch versicherungsrechtlich nicht mehr dürften, denn auch wenn die Gorillas das noch nicht mal böse, sondern rein kommunikativ gorillaherzlich meinten, könnte so ein Hallo-willkommen-und-übrigens-der-Boss-hier-bin-ich-Begrüßungsknuff eines 250kg-Gorillas bei Menschen zur Folge haben, mit gebrochenen Rippen in der Ecke zu liegen. Es sind halt einfach andere Umgangsformen.), und so als Mann und Fotograf habe ich solche Begegnungen schon öfters gehabt, bekommt Klein-Ronja dann gleich die posttraumatische Psychokrise in Form einer Panikattacke:

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Ich dachte ich bin tough und kann alles wegbügeln. Aber alle Ironie und Reflexion hilft nicht, der Angriff vorher hat mich drei Stunden später eingeholt. Erste Panikattacke im Taxi heim, davor haben mich noch zwei alte Typen anzüglich angemacht und ekelhafte kussgeräusche gemacht. Ich rolle von Panikattacke zu Wutattacke. Das hier ist die tatsächliche Antwort auf Situationen wie die im letzten Post. Alte Angriffe kommen hoch. Das Gefühl von Machtlosigkeit, die dumpfe Ahnung dass der Typ heute nicht gefasst wird. Die Enttäuschung über eine Welt in der Hass immer noch so viele Menschen regiert. Ich weiß, ich war tapfer in der Situation aber gerade geht es mir einfach nur schlimm. Ich teile das, weil das die Realität ist. Und die fordern doch alle immer von Social Media. Bin jetzt offline und mit meinem Freund. Danke für eure Anteilnahme. Happy internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen.

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Das Gefühl von Machtlosigkeit, die dumpfe Ahnung dass der Typ heute nicht gefasst wird. Die Enttäuschung über eine Welt in der Hass immer noch so viele Menschen regiert. Ich weiß, ich war tapfer in der Situation aber gerade geht es mir einfach nur schlimm. Ich teile das, weil das die Realität ist. Und die fordern doch alle immer von Social Media.

Mmja.

Nun kann man einem Menschen schlecht Vorwürfe aus seinen Ängsten machen, denn Ängste per se sind ja erst mal (außer den selbstfabrizierten, selbsteingeredeten) nichts, was der freien Kontrolle und Entscheidung unterliegt. Nur hier liegt der Fall anders, da fällt das eher unter „Eat your own dog food”. Denn bislang tat sie das ja alles ganz anders ab, etwa in diesem ZEIT-Artikel von 2017 über die AfD:

Ich finde Ängste höchst uninteressant. Ich finde Ängste generell in ihrer Daseinsstruktur ermüdend ähnlich: Man hat da so ein schlechtes Gefühl, und dann erzählt man davon im Internet und dann schreiben Nutzer drunter, wie mutig man sei, dazu zu stehen.

Ängste werden auch oft gelobt, denn ohne Ängste würden wir ja alle von einem Zehn-Meter-Turm in einen Pool ohne Wasser springen. Das ist natürlich Unsinn, kein Mensch braucht Ängste, wenn er über einen Quadratzentimeter Vernunft verfügt. Die kleine Stimme, die einem sagt: Wenn du da runterspringst, kannst du das Stand-up-Paddling dieses Jahr vergessen. Oder was ihr junge Menschen so für Hobbys habt.

Aber viele Parteien richten sich nicht an die Vernunft der Wähler, sondern nur an die Angst.

Die AfD zum Beispiel behauptet von sich, sich ganz besonders gut mit Ängsten auszukennen. Ihre Wähler nennen sie ja zu Recht nicht “Kämpfer des Guten und Gerechten auf der Welt”, sondern “besorgte Bürger”. Nun ist es so, dass man Ängsten nicht chancenlos ausgesetzt ist. Psychologisch gibt es eigentlich nur eine Methode, sich von Ängsten zu befreien: und zwar Bento-Artikel zu schreiben.

Unsinn. Die einzige Methode, sich frei von Ängsten zu machen, ist die Konfrontation. Wer unter Klaustrophobie leidet, fährt am besten so lange U-Bahn, bis er jeden Witz der BVG-Kampagne kennt und sein Unbewusstes irgendwie geschnallt hat, dass öffentliche Verkehrsmittel zwar ein scheußliches, aber kein tödliches Umfeld sind.

Komisch eigentlich, dass gerade die Rechten immer gegen die hypersensiblen Bento-Linken hetzen, sich aber selbst einen deutschlandgroßen, abgezäunten Safe Space bauen möchten.

Wenn eine Partei damit angibt, sich den “Ängsten der Bevölkerung” zu widmen, ist das ja erst mal lobenswert. Wenn ein Deutscher ernsthaft Angst hat, dass jeder Immigrant mit Tötungswillen und Lkw-Führerschein nach Deutschland kommt, muss man sich darum kümmern. Psychologisch richtig wäre also Konfrontation: Man setze den armen besorgten Bürger mit einem Flüchtling an einen Tisch, serviere ihnen Tee, und lasse sie ihre Vorurteile durchbrechen. Niemand muss sich für seine Angst vor Terror und Fremden schämen, das meine ich ernst. Aber niemand muss deshalb gleich AfD wählen.

Naja, da sie ja laut diverser Darstellung kein Studium fertigbekommen hat und sich von Praktikum zu Praktikum gehangelt habe, könnte man das jetzt als Angst-Praktikum ansehen, obwohl das ja noch unterste Konfliktstufe war. Wahrscheinlich verzogen-verwöhntes Töchterchen, das zum ersten Mal im Leben in einer Angst-Situation war, und das noch ohne Papi und Mutti, denn Erfahrung mit solchen Situationen scheint sie wirklich nicht zu haben, sonst hätte sie sich nicht nur anders verhalten, sondern würde auch nicht hinterher heulend auf dem Klo sitzen.

Naja, Zeitgeistprinzessin eben. Nichts an Ausbildung hinbekommen, nie Realitätskontakt, bisschen provokant daherfaseln, sich über andere Stellen und dafür von der Presse-Boheme als talentiert hingestellt werden.

Und diese arrogante Sorte ahnungsloser Besser-Mensch, die schon beim ersten Feindkontakt selbstdokumentarisch heulend zusammenklappt, die wagt es, andere dafür zu beschimpfen und zu kritisieren, dass die das, was sie schon nach 10 Sekunden zusammenbrechen lässt, nicht als Dauerzustand haben wollen. Mutet anderen als Dauerzustand zu, was sie selbst nicht für Sekunden aushält.

Wie schrieb sie da:

Denn das hier ist der Umgang der AfD mit der Angst: Vermeidung statt Konfrontation. Wenn einfach kein Flüchtling reinkommt, muss man keine Angst haben.

Eine ziemlich beschissene Scheintherapie, das wäre, als würde jemand zu seinem Psychiater sagen: Ich traue mich nicht mehr aus meiner Wohnung, und der Arzt würde mit freundlichem Gesicht vorschlagen: Dann bleiben Sie halt einfach drinnen hocken, bis Sie sterben.

Da hat sie noch über Leute mit Angst gespottet.

Das Positive an der Sache ist ja, dass Journalisten inzwischen alle Handys dabei haben und darauf trainiert sind, das alles selbst aufzunehmen (und manchmal sogar zu posten), wenn sie irgendwann mal doch auf Realität stoßen.

Ich dachte ich bin tough und kann alles wegbügeln. Aber alle Ironie und Reflexion hilft nicht, der Angriff vorher hat mich drei Stunden später eingeholt. Erste Panikattacke im Taxi heim…

Ja, das denken viele, dass sie tough sind, solange sie Gewalt nur im Fernsehen sehen und für das Problem weißer Männer halten. Bis sie zum ersten Mal wirklich etwas damit zu tun haben. Solche Mädchen sind aber nicht tough. Sie sind eben Mädchen. Ich habe auch durchaus schon andere kennengelernt, eine Handvoll Frauen kannte ich tatsächlich, die nicht nur theoretisch-körperlich in der Lage waren, Männer zu verprügeln, sondern das in Bedrohungssituationen auch tatsächlich gemacht haben. Aber die sahen nicht nur ganz anders aus, die haben auch ganz anders geredet und nicht solchen Blödsinn von sich gegeben.

Aber es sagt sich leicht, solange man mühelos zuhause oder in irgendwelchen Redaktionsräumen sitzt und sich per Tastatur über andere auslässt.

Ich bin eine Presse mehr als leid, in der solche befähigungslosen ahnungslosen Bessermenschtussis und Zeitgeistprinzessinnen uns allen diktieren wollen, was wir zu denken und wie wir uns zu verhalten haben.

Oder kurz gesagt: Die Ära des Weißen Mannes ist abgekündigt und abbestellt, es ist nur noch nicht allen klar, was das bedeutet.

Geliefert wie bestellt. Mit Rotz und Wasser.