Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zu Fuß nach Südostasien

Hadmut
30.8.2019 14:17

…und wieder zurück. Ich war gerade da.

Neulich hatte ich ja mal das Reiserätsel, in dem ich erwähnte, war mir alles auf dem Weg zum Abendessen beim Afrikaner so passiert sei, und in dem es Aufgabe für den Leser war, herauszufinden, dass es überhaupt ein Rätsel war, dass es um eine Reise ging, und dass das Restaurant in Südafrika ist.

Heute war ich in Südostasien.

Eigentlich habe ich heute einen Home-Office-Tag eingelegt. (Da kann man auch mal unterbrechen und was bloggen.) Deshalb Mittagessen mal in einer anderen Auswahl von gastronomischen Örtlichkeiten. Zwei Straßen weiter hat mal ein kleines asiastisches Restaurant, eher so eine Mittagsküche, aufgemacht, die ich nun unbedingt mal antesten wollte. Also hin. Man kommt da also in ein winziges Lädchen, innen dunkler als draußen, Stimmen schnattern in irgendwelchen asiatischen Sprachen durcheinander, eine unglaubliche, saunaartige Hitze schlägt einem schon an der Schwelle entgegen, heiß und feucht, die Ventilatoren schwirren, an der Wand irgendwas in asiatischer Schrift, und mir geht so durch den Kopf hier bin ich richtig, da will ich rein.

Ein schon etwas ausgefranstes, aber von drachenverziertem Knopf zusammengehaltenes Bündel von endlosen Beschreibungen unzähliger Sushi-Varianten und anderer Gerichte sieht nach längerer Lektüre aus, neben mir bestellt eine afrikanische Frau auf englisch, man solle ihr einfach irgendwas „spicy” bringen – sie hat offenbar keine Lust, den Katalog zu studieren. Ich bekomme einen heißen Yasmin-Tee, dazu eine heiße Miso-Suppe und dann irgendwas mit Reis, Gemüse, Huhn und Curry, auch alles ganz heiß. Alles ist heiß. Die Luft, das Essen, das Getränk, die Suppe.

Nun ist die Sache die: Ich verfüge über einen qualitätsgeprüften hochspezialisierten professionellen männlichen Funktionskörper aus modernsten Biobaustoffen, der mit einem Hochleistungskühlsystem aus flächendeckend hocheffektiven, überdimensionierten, wartungsfreien, hochverfügbaren und redundant ausgelegten dezentral agierenden aber zentral über den Körperdatenbus ferngesteuerten Druckschweißdrüsen ausgestattet ist, die verzögerungsfrei einsetzen. Oder umgangssprachlicher: Ich schwitz’ wie Sau. Ich sitze also da in einem engen heißen asiatischen Laden vor heißem asiatischen Essen, das ich mit Stäbchen und Löffel in mich reinschaufel, um mich herum schnattert’s in englisch und irgendwas asiatischem, mir läuft die Brühe in Strömen (Homeoffice heißt glücklicherweise, dass ich sofort unter die Dusche und mich komplett umziehen kann.) und ich komme mir vor wie … komme mir vor wie … wie … ja, genau wie auf einer der Reisen nach Südostasien. Und das zwei Straßen weiter.

Als ich dann bezahlt habe, musste noch ein paar Sekunden warten, vor mir war noch jemand dran, sah ich dann das an ihrer Sushi-Küche:

Erster Gedanke: Ah, gut. Öfters mal bin ich in einem andere Sushi-Laden, der mitunter Unmut erregt, weil er alles, auch denen, die vor Ort essen, auf Wegwerf-Plastikschalen serviert, die eigentlich zum Transport gedacht sind und eher widerwillig Sonderwünschen nach normalen Tellern nachkommt. Von Supermärkten weiß ich, dass das da nicht erlaubt ist, in Behältnisse von Kunden zu verpacken, aber ich denk mir halt, es ist dann auch irgendwo jedermanns eigene Aufgabe, sein Zeug sauber zu halten, wenn sichergestellt ist, dass der da nichts in die Küche einschleppt.

Zweiter Gedanke beim Rausgehen: Moment Mal!

Kann ja wohl nicht sein.

Plastikmüll zu vermeiden ist generell eine prima Idee, aus unterschiedlichsten Gründen.

Aber wieso glaubt ein Asiate, dass Plastikmüll, den man in Berlin (!) in den Müll wirft, im Ozean landet?

Hat er damit am Ende vielleicht sogar noch Recht?

Mein Wisensstand war, dass der Plastikmüll im Meer im wesentlichen aus Südostasien, besonders Indien und China, und Südamerika kommt, weil es da viele Gegenden gibt, in denen alles in die Flüsse geworfen und dann ins Meer geschwemmt wird.

Ist das Ansehen unserer Gesellschaft so kaputt, dass ein Berliner Asiate glaubt, dass die Berliner Stadtreinigung den Müll letztlich im Meer verklappt, oder ist unser Müllsystem so kaputt, dass das wirklich so ist?

Grübeln auf dem Heimweg: Was ist eigentlich besser?

  • In einem Land zu leben, in dem die Leute aus Rücksicht auf Umwelt jeden Plastikmüll vermeiden?
  • In einem Land zu leben, in dem Leute sorglos mit Plastiktellern umgehen, weil sie sicher sind, dass es umweltgerecht und ordentlich entsorgt wird und das Müllsystem funktioniert?