Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Vom Wesen des Faschisten

Hadmut
11.8.2019 15:03

Weil’s gerade mal wieder so gut passt und wir uns wieder den Zuständen 1917 ff. angleichen.

Ich hatte das ja schon verschiedentlich beleuchtet, dass „Faschisten” in seiner Wortbedeutung zwei (nach meinem derzeitigen Wissensstand) nicht ganz zu trennenden Herkunftspfade hat, beide von italienisch fascio oder fascia, was u.a. soviel wie Bund oder Bündel heißt, nämlich einmal die aus dem römischen stamenden Rutenbündel mit dem Beil als eine Art Machtsymbol und als Bedeutung von „Kampfverbände”, die sich als kleine, anscheinend marodierende Kampfgruppen aus Veteranen des ersten Weltkrieges gebildet hatten in der Auseinandersetzung der Sozialisten/Kommunisten Italiens, die aber ein eigenes Land bleiben wollte (national) und russischen Kommunisten, die alles zu einer Suppe verarbeiten wollten.

Und dass die Entstehungsreihenfolge Kommunisten – italienische Faschisten – kommunistische Antifaschisten als Gengenkampfgruppen – deutsche Nationalsozialisten war, es sich also eigentlich durchgehend um intrasozialistische Bruderkämpfe handelt, die aus dem Streit um das Detail entstanden sind, ob man die Nationalstaaten erhalten soll oder nicht. Der Streit zwischen Faschisten und Antifaschisten erinnert mich immer an Aldi Nord und Aldi Süd, das waren ja auch Brüder, die ursprünglich zusammengehörten und sich dann über den Detailstreit zerstritten und entzweiten, ob man an der Kasse Zigaretten anbieten solle oder nicht. Oder der Streit der Brüder Dassler, der zur Trennung in Adidas und Puma führte.

Ursprünglich war das eine rein interne Streiterei, aber weil man schon so viele Leute hatten, die unter der Bezeichnung „Antifaschisten” gegen die „Faschisten” kämpften, ohne so genau verstanden zu haben, was sie da eigentlich tun, und es für deren Gemüter als zu schwierig erschien, sie auf ein neues Feindbild umzuprogrammieren, erklärte man ihnen einfach, dass die neuen Gegner USA=Kapitalisten und Deutsche=Nationalsozialisten auch alles „Faschisten” sind, obwohl zumindest im Allgemeinen nicht (schon in Bezug auf die SA, die wie so vieles kopiert war) stimmte. Auch seither ist der Antifa kein Licht mehr aufgegangen und noch heute kämpft sie nach dem Befehl von damals gegen alles, was man als „Faschisten” bezeichnet, egal, was es ist – Kapitalisten, Nazis, Amerikaner, Deutsche und so weiter und so fort. Programmierte Kampfroboter, die nie einer abgeschaltet hat.

Ein Leser hat mir dazu einen Link auf diesen Wikipedia-Artikel über „Schwarzhemden” mit einem einordnenden Zitat geschickt. Daraus nehme ich mal etwas mehr her:

Als Schwarzhemden (italienisch: camicie nere) wurden inoffiziell die Mitglieder paramilitärischer Milizen der italienischen Faschisten bezeichnet. Offiziell formierten sich die Schwarzhemden von 1919 bis 1923 als Squadristen (italienisch: squadristi), danach von 1923 bis 1943 als faschistische Miliz (Milizia Volontaria per La Sicurezza Nazionale, kurz MVSN). […]

Mussolini war wegen seiner Befürwortung eines Eintritts Italiens in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Entente aus der Sozialistischen Partei Italiens (Partito Socialista Italiano, PSI) ausgeschlossen worden und hatte mit seiner Tageszeitung Il Popolo d’Italia weiter für den Kriegseintritt geworben. Um diesen Bestrebungen Nachdruck zu verleihen, hatte er 1914 die Fasci d’Azione Rivoluzionaria (FAR) gegründet, die sich nach Kriegseintritt auflösten.

Nach Kriegsende kam es in den Jahren 1919 und 1920 (Biennio rosso) besonders im industrialisierten Norditalien unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution und der Agitation der Dritten Internationale zu Versuchen der Sozialisten und Syndikalisten, die herrschende Ordnung durch Fabrikbesetzungen, Landbesetzungen und Streiks zu stürzen und damit die Voraussetzungen für den Übergang zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zu schaffen. Die Arbeiter organisierten sich teilweise in bewaffneten Kampfbünden.

Gegen diese revolutionären Kräfte formierte sich zunächst nur lokaler Widerstand von Kampfgruppen aus arbeitslosen Soldaten bzw. Abenteurern, die Schutzgelder von Grundbesitzern erhielten bzw. mit der Industrie Werkschutz-Verträge schlossen. […]

Am 23. März 1919 fasste Mussolini die lokalen Gruppen in Absprache mit deren Kommandanten unter der organisatorischen Leitung von Roberto Farinacci zusammen und gab ihnen den Namen Fasci italiani di combattimento (wörtlich: “Italienische Kampfverbände”). Auf der Piazza San Sepolcro in Mailand verkündete er das Ziel der Gründung:

„[Heute] gründen wir eine Gegenpartei, die Fasci di Combattimento, sie wendet sich gegen zwei Gefahren. Erstens gegen den Hass der Linken und zweitens gegen deren Zerstörungswut.“

Das heißt, dass zuerst, ausgehend von Russland, deren kommunistische „Revolution” ausbrach und die dann auch versuchten, sich in Italien auszubreiten und per Streik, Besetzungen und so weiter versuchten, das alles in eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu konvertieren.

Dagegen bildeten sich eben diese Fasci italiani di combattimento, gesteuert von Mussolini, finanziert von Industriellen und Grundbesitzern, die dem paramilitärisch entgegenwirkten.

Und gegen diesen Widerstand der „Faschisten” bildeten sich Gegenkampfeinheiten der Kommunisten, eben die „Antifaschisten”.

Ich hatte mal geschrieben, dass Hitler und seine Gang im Prinzip nur abgerissene Schießbudenfiguren waren, die vom ersten Weltkrieg übrig geblieben sind, da dann aber ein ominöser Geldkoffer auftauchte und sie von der Gattin eines Großindustriellen erst mal gekämmt, gewaschen und eingekleidet worden waren, dass die da alle wirkten wie eine gecastete Boy-Band, und dass eigentlich alles, was diese Nazis symbolisch ausmachte, Uniformen, Hakenkreuz, Hitler-Gruß, „Heil Hitler”, Rassen- und Erblehre, wild zusammenkopiert, geklaut, Zeitgeist war, nichts davon echt, das meiste aber von Mussolini kopiert.

Letzlich ist damit auch die ganze Situation, nämlich dass die, die durch den Kommunismus am meisten zu verlieren haben, die „Kapitalisten” im marxistischen Sprachgebrauch, schlicht die Gegner, sich damit kampferfahrene arbeitslose Soldaten des ersten Weltkrieges heranholten um gegen den sich ausbreitenden Kommunismus zu kämpfen.

Interessant ist dabei besonders der im Text oben auftauchende Begriff der Entente, ich bringe den Satz nochmal:

Mussolini war wegen seiner Befürwortung eines Eintritts Italiens in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Entente aus der Sozialistischen Partei Italiens (Partito Socialista Italiano, PSI) ausgeschlossen worden und hatte mit seiner Tageszeitung Il Popolo d’Italia weiter für den Kriegseintritt geworben.

Il Popolo d’Italia – eine Zeitung, die sich dem Weltkommunismus entgegenstellt – „Populisten”.

Was ist Entente? Obwohl die Wikipedia längst links durchseucht und propagandistisch durchverlogen ist, findet man auch dazu eine paar interessante Zeilen:

Die Triple Entente (kurz nur: Entente, von französisch entente [ɑ̃.tɑ̃t] „Einvernehmen“, „Vereinbarung“, „Absprache“) war ein informelles Bündnis zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Russland. Sie entstand auf Basis der Französisch-Russischen Allianz von 1894. Großbritannien (damals unter Premierminister Arthur Balfour) und Frankreich (damals unter Staatspräsident Émile Loubet) legten 1904 ihre Interessengegensätze bei (Entente cordiale); Großbritannien (damals unter Premierminister Henry Campbell-Bannerman) und das Kaiserreich Russland (unter Nikolaus II.) schlossen 1907 den Vertrag von Sankt Petersburg.

Da außer dem französisch-russischen Bündnis keine weitergehenden bindenden Verpflichtungen bestanden, war die Wirkmächtigkeit der Triple Entente zunächst eher beschränkt. Vielmehr entstand durch informelle Militärabsprachen das Gespenst einer „Einkreisung“, was die politische Entwicklung in Deutschland bis zum Ersten Weltkrieg beeinflusste.

In der Geschichte verankert ist die Bedeutung der Triple Entente als kriegsentscheidende Koalition im Ersten Weltkrieg. Ihre Gegner waren die Mittelmächte, von denen das Deutsche Kaiserreich und die Habsburgermonarchie Österreich-Ungarn die wichtigsten Verbündeten waren. Das Militärbündnis der Triple Entente basierte auf dem Pakt von London, der am 5. September 1914 (etwa einen Monat nach Kriegsbeginn) geschlossen wurde. […]

Die USA (Kriegserklärung an Deutschland am 6. April 1917) legten Wert darauf, nur eine assoziierte Macht zu sein. Präsident Woodrow Wilson wollte so eine Sonderrolle der USA begründen, die ihm potentiell eine Vermittlerrolle ermöglichen sollte. Ausdruck dieser Rolle war auch, dass die USA zunächst nur Deutschland den Krieg erklärten, nicht Deutschlands Verbündeten.[3] Erst am 7. Dezember 1917 folgte, nach dem Zusammenbruch der italienischen Front am Isonzo, auch die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn. […]

Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde zwischen Deutschland und Sowjetrussland zunächst im Dezember 1917 ein Waffenstillstand und am 3. März 1918 der Friedensvertrag von Brest-Litowsk geschlossen. Damit war der Erste Weltkrieg an der Ostfront beendet und die Situation veränderte sich: Aus Verbündeten wurden Feinde. So landeten bereits drei Tage später britische Truppen auf russischem Territorium. Es folgten weitere Invasionen französischer, amerikanischer, japanischer und griechischer Truppen in verschiedenen Regionen des ehemaligen Russlands zur Unterstützung der Weißen Armee bei der Restauration und zur Wahrung bzw. Erweiterung von Einflusssphären.

Wichtiger für die Fortdauer des Russischen Bürgerkriegs waren allerdings die massiven Lieferungen und Hilfsleistungen der Entente an die weißen Truppen in Sibirien und Südrussland (Ukraine). Winston Churchill schrieb in einem Memorandum vom 15. September 1919, England hätte 1919 für die weißen Truppen in Russland die enorme Summe von 100 Millionen Pfund ausgegeben und Frankreich im selben Jahr zwischen 30 und 40 Millionen Pfund.[4] Die militärische Unterstützung erfolgte bis 1922 und endete mit einem Debakel.

Siehe dazu auch: Intervention der Entente-Mächte im Russischen Bürgerkrieg

[Begriffserklärung: Als Weiße Armee (russisch Белая армия Belaja armija; Originalschreibweise: Бѣлая армія), auch Weiße Garde (russisch Белая гвардия Belaja gwardija), bezeichnet man die Truppen der russischen Weißen Bewegung, die im Russischen Bürgerkrieg (1918–1922) gegen die Bolschewiki kämpften und deren Hauptkontrahenten waren. Keimzelle der Weißen Armee war die Freiwilligenarmee. ]

Das war also eine Verbindung aus Frankreich, England, dem Zarenreich Russland und etwas entfernter den USA, also im Prinzip fast dieselbe Kombination, die später als die Westaliierten im zweiten Weltkrieg auftraten.

Und das wiederholte sich im Prinzip dreimal, eigentlich vier- oder fünfmal:

  • Im russischen Bürgerkrieg, Weiße Armee (Zarenanhänger) gegen Rote Armee (Bolschewisten)
  • Italien, Faschisten gegen Kommunistischen Umbau, Mussolini will in den ersten Weltkrieg gegen die Kommunisten eintreten
  • Hitler-Deutschland
  • Zweiter Weltkrieg
  • Und eigentlich muss man den von der DDR gedeckten und geförderten Terror der Rote Armee Fraktion (RAF) gegen die BRD genau darin einordnen – Rote Armee Fraktion eben

Beachtlicherweise gab es die Erkenntnis, dass Hitlerdeutschland und der Nationalsozialismus eine Abwehrreaktion gegen den sich aggressiv ausbreitenden Kommunismus in Russland (bis zum ersten Weltkrieg direkt angrenzender Nachbar des Deutschen Reiches und auch danach noch gefühlter Nachbar) war, was ja schließlich und letztendlich auch nachgelesen werden kann, schon einmal, führte aber zum „Historikerstreit” ab 1986, hauptsächlich zwischen Ernst Nolte und Jürgen Habermas.

Wikipedia über Nolte:

Ernst Nolte (* 11. Januar 1923 in Witten; † 18. August 2016 in Berlin) war ein deutscher Historiker und Philosoph. Insbesondere seine Studien zum europäischen Faschismus, die er in den 1960er Jahren vorlegte, waren einflussreich. Seine These von einem „kausalen Nexus“ zwischen den Verbrechen des Gulag-Systems in der Sowjetunion und dem Holocaust, der Vernichtung der europäischen Juden im Nationalsozialismus, löste 1986 den Historikerstreit aus.

Und

Am 11. Juli 1986 veröffentlichte die Wochenzeitung Die Zeit den Artikel Eine Art Schadensabwicklung, den sie auf Seite 1 als „Kampfansage“ vorstellte. Darin kritisierte Jürgen Habermas „die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung“ (Untertitel), namentlich in Aufsätzen von Michael Stürmer, Andreas Hillgruber, Klaus Hildebrand und vor allem Ernst Nolte. Er stellte seinem Artikel ein Zitat Noltes voran, wonach Hitler eine „asiatische“ Tat – den Holocaust – als Reaktion auf bekannte stalinistische Verbrechen begangen und die Forschung diesen Zusammenhang bislang ignoriert habe.

Ich halte Habermas für einen demagogischen Schwätzer und kommunistischen Idioten, schon wegen dessen Beteiligung an der kommunistischen Frankfurter Schule, zumal die von in die USA geflohenen gegründet war, die ihre zentrale Aufgabe darin sahen, Geschichte so zu bügeln, dass sie ihnen passt. Mir schaudert’s, wenn ich sehe, wieviele Neodeppen Habermas hinterherlaufen, ich habe sogar mal einen Richter im Gericht erlebt, der zur Rechtsfindung Habermas zitiert hat.

Bedauerlicherweise ist der fragliche ZEIT-Artikel „Eine Art Schadensabwicklung” hinter Paywall, und ich weigere mich aus grundsätzlichen Erwägungen, der ZEIT Geld zu geben. Dass es darin ziemlich schwachsinnig zugegangen sein mag, lässt ein Meta-Artikel von 2011 erahnen.

Es wiederholt sich

Ich habe schon oft geschrieben, dass wir in einer um 100 Jahre verschobenen Wiederholung der Vorgänge ab 1917 stecken. Schon das damalige kommunistische Reich war darauf ausgelegt und angewiesen, das russische und das deutsche Reich zusammenzulegen und zu einem großen kommunistischen Europa zu verbinden – zum Grausen von England und Frankreich.

Wie ich jetzt wieder darauf komme?

Mir ist ein Tweet aufgefallen. Genauer gesagt, zwei.

Der erste kam von der Tagesschau:

Die Tagesschau hat sich längst von ihrer Aufgabe der Nachrichten und Berichterstattung verabschiedet und zum linken Propagandaorgan verändert. Da geht es eigentlich nur noch um politische Meinungsmache. Wenn staatliche Nachrichtensendungen derartige inhatliche Verschiebungen zeigen, dann ist eigentlich ein Umbruch, ein Putsch, eine Neuorganisation im Gange.

Auf mich wirkt das, als würde sich der Groll der russischen und italienischen Kommunisten gegen Mussolini gerade als Hundert-Jahre-Echo an Salvini wiederholen. Da wollen welche ein großkommunistisches Einheitseuropa bauen, und es sind schon wieder die Italiener, die nicht mitmachen.

Schon versucht man, sie durch Provokation und Konfrontation zu stürzen. In Österreich hat man Kurz und Strache mit dem Ibiza-Video politisch umgelegt, irgendwas lief doch da gerade mit und gegen Kurz, und jetzt wollen sie halt noch Salvini aus dem Weg schaffen. Der Riegel Polen-Ungarn macht ihnen noch zu schaffen.

Da fiel mir dann eine Antwort auf diesen Tweet auf:

Die Wortwahl von vor 100 Jahren.

Und dann diese Antwort darauf:

Wir stecken gerade in der Wiederholung der Zustände von vor 100 Jahren.

Nur nicht so offensichtlich wie damals.