Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Als das Wissen ins Exil musste

Hadmut
11.8.2019 16:21

Für Intellektuelle ist es höchste Zeit, ins Exil zu gehen und eine Not-Republik, so etwas wie ein „Little Germany” zu gründen, um das Wissen dort zu retten. [Nachtrag: Oh]

Die Frage ist nur: Wo? Wo könnte man noch hin? Bleiben eigentlich nur noch Mond oder Mars.

Die WELT schreibt gerade [Korrektur: war 2014, also vor der Flüchtlingskrise] zum abstürzenden Wissensstand der Deutschen und „Deutschen”: Massenverblödung – Das gebildete Deutschland schafft sich ab

Sage ich im Blog und auf dieser Webseite seit 20 Jahren.

Das Wissen der Deutschen erodiert. In Neukölln etwa haben 40 Prozent der Jugendlichen keinen Schulabschluss. Dabei haben wir aus unserer Geschichte gelernt, dass Dummheit tödlich sein kann.

Wir wollen aber doch Kommunismus-Sozialismus. Und der geht nur mit Dummen. Außerdem gibt’s auch gar nicht so viel Schlaue auf der Welt, wie man für die sozialistische Gesellschaftsverdichtung bräuchte. Wir haben ja nicht mal genug Wohnungen.

Leider wahr: Hitler, Stalin, Kennedy, Ulbricht und Co. – es geht wild durcheinander, wenn junge Leute nach Personen und Ereignissen der Zeitgeschichte gefragt werden. Das zeigen Studien der vergangenen Jahre wie die des „Forschungsverbunds SED-Staat“ an der FU Berlin unter dem Titel „Später Sieg der Diktaturen?“. Selbst der prinzipielle Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur ist etwa 40 Prozent der Jugendlichen nicht bekannt. Keinen Zweifel am totalitären Charakter des Nationalsozialismus hat nur gut jeder Zweite, und lediglich etwas mehr als die Hälfte der Befragten hält die alte Bundesrepublik für eine Demokratie. Unter jugendlichen Migranten bewerten gar 40 Prozent Hitlers Nazi-Staat positiv oder neutral.

Naja, was erwartet man, wenn man die historischen Gegner der Juden importiert und sie über ihre Meinung zum Juden-Mörder befragt? Die alte Regel: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Aber genau das will man ja haben, Leute, die auf Demokratie schon deswegen keinen Wert legen, weil sie erst gar nicht wissen, was das ist. Weil sie Demokratie ja wie im D von DDR leben sollen, nämlich im Sinne von Marxismus-Leninismus: Das Volk ist dumm, deshalb gibt es die Einheitspartei aus Kadern, die alles für das Volk regelt.

Nun war das Problem, dass das mit den sozialistischen Kadern bei uns nicht funktionierte, weil das Volk zu gebildet war und zu leicht merkte, wie dumm die sozialistisch-kommunistischen Kader sind und dass das alles nur leere Rhetorik und dummes Geschwätz ist. Also müssen noch Dümmere her, damit die sozialistischen Dummen dort die Kader sind wie der Einäugige der König unter Blinden.

Marxismus-Leninismus funktioniert eben nur mit einer ausreichenden, weit überwältigenden Zahl von Dummen, damit die Kaderpartei als schlauer erscheinen kann, und die nicht merken, was für einen Mist die reden.

Und was geschah am 13. August 1961? Rund die Hälfte der Deutschen kann diese Frage nicht beantworten, pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls. Das ergab eine aktuelle Umfrage von infratest dimap. Bei den unter 30-Jährigen konnten sogar nur 32 Prozent das historische Ereignis richtig einordnen. Der Bildungsnotstand erfasst alle Schichten der Gesellschaft.

Zugegeben: Den genauen Tag habe ich auch nicht auswendig im Kopf, die Frage hätte ich auch nicht beantworten können, obwohl ich nicht im Ruf stehe, der Dümmsten einer zu sein. Das ist dann doch eher stupides Geschichtslernen nach Datumstabellen, was wenig bringt, schon gar kein Verstehen, zumals auch noch falsch ist. Der Mauerbau fand nicht an einem Tag statt, und am 13. August wurden die Zonen abgeriegelt, aber noch nicht die Mauer gebaut, denn das ging alles überstürzt. Viel wichtiger wäre, wer das warum gemacht hat, und dass die DDR mit Demokratie schlicht gar nichts zu tun hatte.

Als Schüler habe ich Geschichtsunterricht gar nicht gemocht, weil es bei uns damals bedeutete, endlose Listen von Daten und Namen auswendig zu lernen und in Klassenarbeiten zu reproduzieren. Gelernt hat man dabei nichts. Die Note gab es dafür, dass man hinschreibt, dass am x.y.zzzz der A den B zu irgendwas ernannt oder ihn umgebracht hat. Warum und wieso, das war nicht interessant. Man musste x,y,z,A,B aufzählen können. Dass es letztlich eigentlich völlig wurscht war, wie der hieß und ob es am Dienstag oder Freitag war, sondern auf die Gründe und Wirkungen ankam, war damals in der Pädagogik nicht so vorgesehen und mit den streng thematisch geordneten Geschichtsbüchern auch nicht möglich. Die Zusammenhänge habe ich erst später verstanden.

Rüdiger Dammann, Lektor und Autor, wundert das nicht. „Alles, was wir Allgemeinbildung nennen, ist eine einzige Katastrophe“, meint er. Dammann arbeitet seit Jahren in sozialen Projekten an sogenannten Brennpunktschulen in Berlin-Neukölln, -Wedding und -Moabit. Der Anteil an Migrantenkindern, die meist schon in Deutschland geboren sind, ist dort sehr hoch, bis zu neunzig Prozent. Der durchschnittliche Bildungsstand in diesem Milieu offenbart sich in einer anderen Zahl: Etwa 40 Prozent der Neuköllner Jugendlichen haben keinerlei Schulabschluss.

Wozu auch?

Die Partei wird ihnen sagen, was sie wissen, glauben, denken, machen sollen. Wie in 1984.

Ein erschreckender Tatbestand, der jedoch vermeintlich progressive „Experten“ und Journalisten nicht davon abhält, das weitgehend grammatikfreie Migranten-„Kiezdeutsch“ als kulturelle Bereicherung zu feiern.

Genau das wird doch gefeiert. Ein- oder zweihundert fundamentale Grunzlaute knapp oberhalb von Gorilla reicht für das sozialistische Empfehlsbefängervolk. Grammatik ist so bourgeois und würde ausgrenzend wirken, das kann man nicht mehr dulden. In der chinesischen Kulturrevolution hat man ja auch den Leuten, die Klavierspielen konnten, die Finger gebrochen, damit sie es nicht mehr konnten und alle gleich sind. So läuft es auch mit der Grammatik.

Dass sie damit künftige Hartz-IV-Karrieren fördern, mag diesen wohlmeinenden Zynikern nicht bewusst sein.

Aber genau das ist doch gewollt.

Das ist doch das Ziel.

Kann nicht funktioren, daber dafür sind schon die sozialistischen Kader zu blöd.

„Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?“, lautet der Titel eines gerade erschienenen Buches, in dem eine wachsende Verarmung der Sprache deutscher Jugendlicher beklagt wird.

Mit diesem Satz ist man an vielen Schulen schon Elite.

Doch Vielfalt und Komplexität der Sprache sind immer auch Bedingung für das Verstehen von Zusammenhängen, das mit dem Verstehen von Texten einhergeht. „Geh isch Aldi, du Ramadan“, reicht da nicht aus.

Reicht wofür nicht aus? Im Berliner Straßenleben reicht das heute.

Und es wird nicht lange dauern, bis es der Duden als korrektes Deutsch aufnimmt, und das sogar exklusiv unter Ausschluss des Alten, weil die ja inzwischen meinen, dass Deutsch eben das wäre, was in Bevölkerungsgruppen gesprochen wird. Die Kanakengrammatik dürfte also in naher Zukunft zur offiziellen Grammatik werden.

Was etwa ein Parlament sei, was Bundestag und Bundesrat bedeuteten, was ein Rechtsstaat ist und woran man eine Diktatur erkennt – Fehlanzeige.

Wozu? Die Partei, die Partei, die hat immer Recht…

Das Schlimme daran: „Menschen, die ihre Geschichte nicht kennen, können auch keine Moral entwickeln. Es sind geschichtslose Wesen, die weder ihre eigene Herkunft noch die ihrer Religion kennen.“ Als Dammann einmal die Geschichte von Jakob und Esau aus dem Alten Testament der Bibel vorlas, glaubten die meisten Schüler, er habe aus dem Koran zitiert.

Ihre Geschichte? Ein Bevölkerungsanteil, der bald die Mehrheit stellen wird, kommt nicht von ihr, es ist nicht deren Geschichte.

Und die Geschichte des arabischen Kulturraums ist da recht einfach erzählt: Vor Mohammed kam nichts, danach kam auch nichts mehr, Koran reicht als Geschichtsbuch. Fertig.

Direkt gefragt: Was soll denn da in den letzten 1400 Jahren groß passiert sein? Beispielsweise die Geschichte Syriens. Seit dem 7. Jahrhundert fünf Absätze oder so.

Was gäb es da überhaupt zu lernen, zu wissen, zu verstehen?

Es entstehe ein funktionaler Analphabetismus, der dazu führe, dass auch Siebtklässler Texte noch mühsam, teilweise Buchstabe für Buchstabe, entziffern, als wären sie Siebenjährige. Überhaupt werde zu wenig gelesen.

Wozu?

Wir haben heute überall Video, und die 1984-Teleschirme in Form von Handys immer dabei. Die erzählen und zeigen uns, was zu befolgen ist, in Bild und Ton. Und dass die Emojis als Hieroglyphen die Schrift ersetzen, habe ich schon erwähnt.

Bilder versteht man leichter. Als der dänische Zeichner Kurt Westergaard im September 2005 seine islamkritischen Karikaturen veröffentlichte, waren sich die Schüler einig: Dem Mann müsse der Kopf abgeschlagen werden. Vom Grundrecht auf Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit hatten sie noch nicht gehört.

Sag ich doch: Bild wirkt.

Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, bestätigt den Befund. „Je niedriger der Bildungsstand, desto weniger interessieren sich die Jugendlichen für Geschichte.“ In vielen Familien aus dem Migrantenmilieu gebe es „keinerlei Inspiration, die die Kinder ergreifen könnte“, gar niemanden, der von der deutschen Geschichte erzählt. So entstünden keine Anknüpfungspunkte für weitergehende Fragen. „Da passiert meist zu Hause gar nichts, null. Da ist ein komplettes Vakuum.“

Geliefert wie bestellt.

Genau diese Leute braucht man als sozialistischen Empfänger der Befehle der Partei. Wie in 1984.

Hinzu komme, dass sich viele eben nicht als Deutsche oder deutsche Staatsbürger begreifen, sondern als Palästinenser, Senegalesen und Türken. „Was haben wir mit eurer Geschichte zu tun?“, heißt es dann. Buschkowsky: „Da steht doch ein Lehrer auf verlorenem Posten, wenn er von den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis erzählt, in denen Millionen Juden umgebracht wurden. Die harmloseste Reaktion von zumeist muslimischen Migrantenkindern ist demonstratives Desinteresse. Manchmal wird’s auch heftig und nicht zitierfähig.“

Wie man das nennt?

Bevölkerungsaustausch

Dafür wird gerade jeder als Nazi in die Ecke gestellt, der das anspricht. Was nicht originär schlimm ist, wenn die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr weiß, was ein Nazi ist. Dumm halt, wenn die dann glauben, dass „Nazi” das deutsche Wort für „haram” sei, weil Linke es so gebrauchen.

Und die Verblödung ist in Berlin zwar weit fortgeschritten, breitet sich aber aus:

Neukölln ist nicht überall, und die Situation in höheren Schulen, etwa in Baden-Württemberg, ist deutlich besser. Doch seitdem unter der grün-roten Landesregierung die Lehrerempfehlung fürs Gymnasium unter dem Signum umfassender „Chancengleichheit“ entfallen ist, „mischen sich die Bildungshintergründe und Lernniveaus“ mehr als früher, wie eine junge Gymnasiallehrerin in Stuttgart vorsichtig formuliert.

Wohlgemerkt: Das sind die Jungidioten, die sich einbilden, alles besser zu wissen als die Alten. Und das sind die Ursachen für Fridays-for-Future:

Die 15- bis 16-Jährigen hätten zwar ein „starkes Inselwissen“, doch fehle es ihnen an Zusammenhängen und vertieften Kenntnissen“. Stattdessen höre man im Unterricht oft Stammtischparolen. Dennoch gelte auch heute noch im Schwabenland: Zentrale Begriffe wie Diktatur und Demokratie müssten „sitzen“. Immerhin das.

Freilich werde im neuen „Bildungsplan“ der Landesregierung mehr Wert auf soziale Kompetenz gelegt, auf „Problembewusstsein“, Quellenkritik und Methodenwissen – nicht zuletzt auf „schülerzentriertes Lernen“. Den Lehrern gebe diese Stärkung der pädagogischen Meta-Ebene mehr Freiheit in der Unterrichtsgestaltung, was manchmal zulasten des historischen Stoffs und des Niveaus der Reflexion gehe. Dazu kommt: Auch im Gymnasium macht sich der Megatrend bemerkbar – niemand liest Zeitungen.

Ich hatte oben geschrieben, dass unser Geschichtsunterricht damals stark mit dem Auswendiglernen von Daten zu tun hatte. Scheint aber noch schlechter geworden zu sein.

Bei uns war es übrigens im Englischleistungskurs noch Pflicht, ein amerikanisches Nachrichtenmagazin zu abonnieren – die Klasse durfte jeweils zwischen Times und Newsweek wählen. Das musste man lesen und dann im Englischunterricht sagen können, was drin steht.

Ich glaube, wir haben gerade die letzte Gelegenheit, unser Wissen noch zu aggregieren und irgendwo außerhalb Europas in Sicherheit zu bringen.

Ich glaube, dass wenn meine Generation, die Boomer, dann erst mal in Rente, zu alt, zu pflegeheimig, zu alzheimerig, zu tot und damit weg ist, es zu einem schlagartigen Einsturz der einheimischen Bevölkerung und des einheimischen Wissens kommt und dann geht gar nichts mehr.

Ich prognostiziere den Kollaps der Wissensgesellschaft für in etwa 10 bis 15 Jahren.

Wobei ich anmerken würde, dass der Zustand schon fortgeschritten und der point of no return bereits überschritten sein könnte.

Ein zentrales Problem dabei ist, dass die Konservierungstechnik der letzten 5000 Jahre, nämlich Texte auf Stein oder Papier so waren, dass man im wesentlichen mit Sprachkentnnissen den Wissensneustart hinlegen und sich wieder einarbeiten konnte. Das geht mit unserem heutigen elektronisch gespeicherten Wissen nicht mehr. Wer raus ist ist raus. 20 Jahre tote Wissensgesellschaft und das Wissen ist nicht mehr zugreifbar.

In 20, 30 Jahren wird sich das auf Koran, „Geh isch Aldi” und eine Einheitspartei reduzieren. Von Nazis, Holocaust und so weiter wird man nicht mehr viel wissen, außer dass Hitler ein guter und erfolgreicher Muslim war, er deshalb kein Schweinefleisch aß, Bart trug und Juden auslöschte, aber die bösen islamophoben Kapitalisten aus Satanland USA ihn deshalb im Kreuzzug umgebracht haben, bevor er fertig war. Und 9/11 war die Rache dafür, weil jeder Muslim Kapitalisten bekämpft. Kapitalismus haram.

Nachtrag: Oh. Artikel war von 2014.

Macht aber nichts, weil man daran so gut sieht, dass die Politik nichts dagegen unternommen hat, sondern alles noch schlimmer wurde. Es ist also alles noch viel schlimmer.

Mir haben übrigens viele Leser dazu geschrieben, wieviele Lehrerinnen sie kennen, die daran gescheitert sind oder aufgegeben haben. Viele unterrichten nur noch in Privatschulen.