Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mehr oder weniger Brüste und Vulven?

Hadmut
3.8.2019 16:13

Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht. [Nachtrag]

Playboy – ja, sowas habe ich vor 30 Jahren hin und wieder mal gelesen. Und die Interviews waren auch nicht schlecht. Penthouse war ne ordentliche Stufe schärfer, vor allem der amerikanische. Meine Zimmernachbarin im Studentenwohnheim wollte die immer unbedingt auch mal haben, wenn ich mal einen hatte.

Ich hatte mal ein paar teure, vornehme Boxershorts aus bestem Material, mit lauter kleinen Playboy-Logos drauf, das fanden damals noch echt viele Frauen attraktiv. Und es war bei denen, die sich attraktiv geben, auch üblich, mit Playboy-Klamotten rumzulaufen. Wenn ich da an diese scharfe kleine blonde enorm gutgebaute Amerikanerin mit den knappen Hotpants und ihren Playboy-Tanktops denke, die damals auf der Neuseelandreise mit dabei… aber lassen wir das.

Irgendwann wurde es langweilig. Und nicht nur, weil sich die Witze auf der Rückseite des Centerfolds wiederholten.

Während die Welt sich weiterentwickelt hat, sind Frauen so evolutionär, physiologisch, physiognomatisch, austattungsmäßig doch eher stehengeblieben. Da hat sich nicht allzuviel getan, von Frisuren, Tattos und Piercings mal abgesehen.

Zwar hat der Playboy über die Jahre schon enorme Fortschritte gemacht, aber die kamen aus Mode und der Verbesserung der Fototechnik und des Fotokönnens. Sie hatten mal zu einem Jubiläum eine Sammlung sämtlicher Playboy-Cover seit der ersten Ausgabe. Als Sammlung ein ganz wunderbares Zeitdokument über Mode, Fototechnik, Fotografierstile und den Stand der erotischen Darstellung.

Irgendwann wiederholt sich’s, und im Internet gibt’s für umme mehr und besseres zu sehen. Ich habe den Playboy noch eine Zeitlang auf Dienstreisen gelesen, weil es den bei Air Berlin mit so albernen Schutzumschlägen (ein ganzes Jahr lang: Zwei Berggipfel durch die Wolken) gratis gab. Gratis ging gerade so. Bis der selbst gratis zu langweilig wurde und ich dahinter kam, dass in der ebenso gratissigen Metropolitan die zwar alberneren aber unterhaltsameren Sexfortbildungsartikel standen. Wer Sex aus der neurotisch-absurden Perspektive sehen will, muss Frauenzeitschriften lesen. Es war kurzweilig bis zur Air-Berlin-Pleite. Oder vorher. Die Firma hat irgendwann angefangen, für Dienstreisen statt Air Berlin Ryan Air zu buchen, weil billiger. Nix mehr Playboy, nix mehr Cosmo.

Das Thema ist eigentlich tot.

Manchmal denke ich mir, die hatten ein paar richtig gute Fotographen, und ich hätte liebend gerne mal für den Playboy fotografiert – aber nicht heute. In den 80ern oder 90ern. Der Playboy ist so tot wie der Bedarf daran.

Und der Wille, darin abgebildet zu sein.

Das war ein, zwei Jahrzehnte lang geradezu ein Muss. Jede, die sich für wichtig hielt, zog sich im Playboy aus. Manche boten sogar selbst Geld dafür. Wer nicht im Playboy war, existierte gesellschaftlich nicht oder muss so hässlich gewesen sein, dass sie was zu verbergen hatte. Schauspielerinnen? Playboy. Sportlerinnen? Playboy. Vor allem dann, wenn sie schon abtakelten und es mit der Karriere nicht mehr so lief, ein sehr beliebtes Mittel um zu zeigen: Was wollt Ihr denn? Ist doch noch alles da und frisch!

Die ständig wiederholte Ausrede dazu: „Wunderschöne Aufnahmen, damit ich meinen Enkeln mal zeigen kann, wie ich ausgesehen habe”. Selten waren gerade die Aufnahmen wunderschön, die die Abgebildete so titulierte. Das waren meistens die, die den Zeitpunkt verpasst hatten.

Grundsätzlich besser waren immer die „Ich war jung und brauchte das Geld”-Typen. Heißt: Oooh, ich war so scharf und konnt’ mich nicht beherrschen…

Die Zeit ist vorbei.

Wir leben heute in der feministischen Mischung aus Prüderie und Vulvenexhibitionsmus. Klingt paradox, ist paradox. Feministisch halt. Brüste zeigen und jeden beschimpfen, der guckt.

Ein Leser berichtet nun mit Hinweis auf Daily Mail, dass der Playboy wie alles, was mal erfolgreich war, nunmehr gegendert und feministisch übernommen werde:

Playboy has hired a team of millennials to transform it into a socially conscious publication as it struggles to find its voice in the modern era.

It relaunched earlier this year as an ad-free quarterly under the editorial leadership of a gay man and two women who are all under the age of 32

The cover of the new summer issue features three activists posing underwater instead of models, but the women are still nude

Playboy bunnies are now called ‘brand ambassadors,’ while playmates are ‘paid freelancers’ and no longer appear on the cover

The summer issue contains an article on gender-neutral sex toys as well as an interview with Tarana Burke, the activist who founded the #MeToo movement

Playboy has abandoned Hugh Hefner’s legacy and hired a team of millennials to transform it into a woke publication with a focus on social consciousness — while still continuing to fill its pages with naked women.

Der Leser ist verschreckt, entsetzt, zutiefst verunsichert und erfleht meine Deutung und Prognose, ob das jetzt bedeute, dass der Playboy in Zukunft mehr oder weniger Brüste und Vulven zeigen werde.

Tut mir leid, weiß ich nicht. Da bin ich überfragt.

Vermutlich mehr Nackte, aber mit Transen und Hässlichen und Extremfetten und so, weil alles gleich.

Nachtrag: Erleuchtend ist sicher auch der Artikel der New York Times, wonach sie zwar immer noch nackte Frauen bringen, aber die dann von Schwulen und Frauen fotografieren lassen. Der schwule Fotograf des Titelbildes fragte sich beim Auftrag, ob die auch wissen, was sie tun.

Vermutlich ist das Schema: Zahlen sollen hetereosexuelle weiße Männer, das Geld bekommen sollen Schwule und Frauen. Man wird sehen, ob’s funktioniert.

(Und nein, ich kann mich nicht dauerhaft von Fotographie zu Fotografie durchringen. Da schüttelt’s mich jedesmal.)