Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Berichten oder nicht berichten?

Hadmut
2.8.2019 19:18

Gibt mal wieder Ärger für den öffentlich-rechtlichen Medienkrampf.

Über den Jungen vom Frankfurter Bahnhof hatte man noch ausgiebig berichtet, weil Kind und so schlimm.

Über den Mord mit dem Schwert in Stuttgart hat man nicht berichtet, und Deutschlandradio rechtfertigt sich gerade:

In den Sozialen Medien wurde an uns die Frage herangetragen, warum wir bislang nicht über dieses Verbrechen berichtet haben, das im Netz auch als „Macheten-Mord“ bezeichnet wird.

In den Nachrichten des Deutschlandfunks spielen einzelne Kriminalfälle nur selten eine Rolle. Voraussetzung für die Berichterstattung ist eine bundesweite und gesamtgesellschaftliche Bedeutung, so wie in dieser Woche bei der Tat vom Frankfurter Hauptbahnhof.

Das Verbrechen von Stuttgart ist grausam und erfüllt auch unsere Redaktion mit Trauer und Fassungslosigkeit. Die bundesweite und gesamtgesellschaftliche Relevanz sehen wir aber derzeit nicht. Die Staatsangehörigkeit eines Menschen begründet diese Bedeutung für sich genommen noch nicht. Das gilt auch für die Intensität der Debatte in Sozialen Medien.

Was war dann an dem Vorfall in Frankfurt so grundlegend anders?

Die emotionale Seite? Hier Kind und dort nur mittelalter Mann?

Ist es nicht so, dass der Fall von Stuttgart, der nach bisherigem Wissen als brutale vorsätzliche Tat eines einschlägig Polizeibekannten mit angeblich falscher Identität eine viel größere politische und gesellschaftliche Relevanz hat als der Fall in Frankfurt, der als schwere psychische Erkrankung dasteht?

Und ist es nicht so, dass Migration und der Umgang mit polizeibekannten Straftätern Gegenstand demokratischer Meinungsbildung und Wahlen sind, während man psychische Erkrankungen nicht ernstlich wird abwählen können? Beim Fall in Stuttgart also die gesellschaftliche Relevanz viel höher ist?

Irgendwo gab es eine hübsche Zusammenstellung von Medien aus der ganzen Welt bis Australien, die über den Schwertfall berichteten.

Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.

Und sogar die WELT meint, dass sie das hier nicht mehr versteht, warum man die beiden Fälle so unterschiedlich wertet.