Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Toxdat

Hadmut
12.7.2019 18:34

Über das Morden, das Promovieren und das Naheliegende. Obwohl da eigentlich alles dasselbe ist.[Nachtrag]

Ich hatte doch gefragt, ob jemand ein Geheimdienstgift kennt, mit dem man Leute so ganz langsam umlegen kann und das mit Zittern anfängt. Und bekam so manche Antwort. Abgesehen von historischen Figuren der jeweiligen Zeitgeschichte, die vor ihrem Ableben auffällig gezittert haben sollen (was nichts bedeutet, weil das so viele Ursachen haben kann), bekam ich den Hinweis, ich möge meinen Blick doch auf Ehrenfried Stelzer und Toxdat lenken.

Stelzer war Jurist, Kriminalist, Oberst der Stasi und – na, so’n Ding aber auch – von 1968 bis 1989 Direktor der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität zu Berlin.

Während seiner Zeit als Direktor der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität wurde dort 1988 die Datenbank Toxdat angelegt. Er war Mitglied der SED, zuletzt im Rang eines Obersts und prägte kurz vor dem Mauerfall die “Bekämpfung des Neofaschismus” in der DDR. Hierzu schlug er noch im November 1989 dem Chef der Sicherheitsabteilung im ZK, Wolfgang Herger, ein “antifaschistisches Koalitionsprogramm” vor.

Von wegen, die Antifa würde Gewalt nur gegen Sachen verüben, nicht gegen Menschen. Denn Toxdat war eine Datenbank der subtilen und hinterhältigen Gifte zum Zwecke des leisen Mordens.

Hochinteressant ist dabei dieser Zeitungsartikel der Schweriner Volkszeitung, weil es da nämlich nicht nur um das unauffällige und effektive Morden ging, sondern weil er selbst seine Doktorarbeit über das „Erzwingen von Geständnissen” gemacht hatte.

Oberst Rudolf Genschow erhielt seinen Dr. jur. für eine Studie über die Möglichkeit „systematischen Eindringens” in das Bundeskanzleramt. Die liest sich nach Angaben Voigts wie ein Drehbuch für die erfolgreiche Plazierung des DDR-Spions Günter Guillaume in der Nähe des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt.

Und die hatten da und mit solchen Themen so viele Stasidoktoren, dass es sogar Erich Mielke zuviel wurde.

Was übrigens wunderbar dazu passt, dass die mir in Dresden damals zu gewissen promovierten trüben Tassen erklärten, dass die Promotion in der DDR an sich schon in Ordnung gewesen wäre, aber eben nicht nur, es haben auch die politischen Promotionen gegeben, vor allem an irgendwelchen Militärakademien. Oder eben an der Kaderschmiede und zentralen Ideologiekathedrale Humboldt-Universität.

Und auch da bekomme das wieder einen neue Geschmacksrichtung, dass eben jene Susanne Baer von eben jener Jura-Fakultät eben jener Humboldt-Universität als Verfassungsrichterin eben meine Verfassungsbeschwerde in den Müll geworfen hat, weil ich darauf drängte, dass – wie das Bundesverfassungsgericht es 1991, also noch vor dem direkten Stasi-Einfluss, selbst entschieden hatte – Prüfungen, Anforderungen, Bewertungsmaßstäbe einer einheitlichen gesetzlichen Grundlage bedürfen. Das hätte deren Doktor-Theater jäh beendet.

Wenn die aber nun schon so gut darin waren, ihre Leute im Kanzleramt zu platzieren, liegt dann der Gedanke nicht nahe, dass sie auch Merkel da reingeschoben haben? (Was ja nicht notwendigerweise heißt, dass Merkel das selbst wusste.)

Und könnte es vielleicht sein, dass man eine stuhlklebende Merkel gerade jetzt schnell loswerden will, weil die Gelegenheit gerade günstig ist, einen neuen, frischen Kanzler der Stasi-Außenstelle „Grüne” zu installieren? Bevor die Wählergunst wieder abflaut? Wo doch die CDU gerade keinen Nachfolger hat, weil AKK … naja, eben AKK. Dass Merkel vielleicht gerade ihren Plan eines vorzeitigen Abtritts wegen AKK-Schwäche aufgegeben hat, das aber manchen Leuten nicht passt, und man dann … man muss sie ja nicht gleich umlegen, es reicht ja, sie aus dem Amt wieder rauszukicken. So nach dem Motto „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen…”

So ein paar Moleküle dies oder das in den Tee, und schon läuft’s mit den Nerven in den Extremitäten wie mit dem Internet in der deutschen Provinz.

Irgendsowas, wofür irgendwer den Doktor bekommen hat.

Ich überlege gerade, ob die mich nicht seit 20 Jahren an der Nase herumführen. Seit 20 Jahren sehe ich die allerdämlichsten und aufgesetztesten Dummdissertationen, inhaltsleer, falsch, dumm dahingerotzt. Oft erst nach der Prüfung geschrieben. Und natürlich die endlosen Plagiate deutscher Politiker.

Könnte es sein, dass das nur Scheindissertationen sind, nur irgendein schnelles Geschreibsel, damit irgendwas veröffentlicht ist, und in manchen Fällen geheime Schattendissertationen darüber bestehen, wie man irgendwas unterwandert oder irgendwen mordet?

Ich hatte mich ja damals im Promotionsstreit mit der Frage beschäftigt, was eigentlich wäre, wenn ich mit meiner Kryptodiss gegen irgendein Verbot verstoßen hätte, als die Uni da plötzlich auf totale Geheimniskrämerei machte und die Gutachten erst gar nicht herausgeben wollte und dann, als das Gericht es verfügte, sie in zwei inneinander verschlossenen und jeweils versiegelten Umschlägen ins Gericht gab, mit der Aufschrift, dass nur ein Richter sie öffnen und lesen dürfe? (Was das Gericht nicht interessierte, ich bekam da nach VwGO Akteneinsicht.)

Dissertationen können schon geheim werden, aber nicht wenn die Uni sie für geheim hält, sondern wenn das Bundesland, d.h. die Regierung sie zur Geheimsache erklärt. Dann dürfen sie nicht veröffentlicht werden. Was natürlich Fragen aufwirft, wenn einer einen Doktor haben will, aber nicht sagt, worüber er promoviert hat und warum die Dissertation nirgends zu finden ist.

Schattendissertationen darüber, wie man die Bundesrepublik übernehmen kann?

Ablehnung meiner Verfassungsbeschwerde, weil das solche Scheindissertationen massiv erschwert bzw. wegen des dann doppelten Aufwandes für zwei Dissertationen die Leute von solchen Sabotagedissertationen abgehalten hätte?

Nachtrag:

Als der Spiegel noch nicht so verstrahlt war, schrieb er 1999:

Mehrere Krebsfälle bei ehemaligen DDR-Dissidenten haben den Verdacht aufkommen lassen, die Staatssicherheit habe Oppositionelle in der Haft strahlenverseucht. Ähnliche Überlegungen gab es – und auch eine mysteriöse Röntgenkanone. […]

Eine Reihe von Indizien spricht seiner Ansicht nach dafür, daß mit der Strahlenkanone mißliebige Häftlinge im Rahmen von “MfS-Zersetzungsmaßnahmen” unbemerkt verseucht wurden – um ihnen langfristig Schäden zuzufügen. Eine Theorie wie aus einem James-Bond-Film.

Aber drei der prominentesten DDR-Dissidenten sind in den letzten Jahren in der Tat an seltenen Arten von Leukämie oder anderen Krebsleiden erkrankt. So starb Rudolf Bahro 1997 an einem Non-Hodgkin-Lymphom, vergangenes Jahr verstarb der Leipziger Liedermacher Gerulf Pannach ebenfalls an Krebs. Letzte Woche erlag schließlich der Schriftsteller Jürgen Fuchs, erst 48 Jahre alt, einer seltenen Blutkrebsart, dem Plasmozytom. “Jürgen Fuchs hegte die Vermutung, daß seine tödliche Krankheit nicht gottgewollt war, sondern menschengemacht”, so der Bürgerrechtler und Fuchs-Freund Wolf Biermann (siehe Seite 318).

Alle drei Krebsopfer saßen längere Zeit in Stasi-Haft. Einige Ex-Oppositionelle mögen ihr Schicksal nicht als Zufall abtun: Eindeutige Belege für Langzeit-Mordanschläge sind in den Akten der Betroffenen zwar nicht zu finden, doch es gibt Indizien. Auch läßt sich beweisen, daß die Stasi überlegte, wie Menschen durch Strahlen geschädigt werden können – etwa durch eine Ausarbeitung, die 1988 bei der Stasi-nahen “Sektion Kriminalistik” der Ost-Berliner Humboldt-Universität entstand.

Auf 911 Seiten wird da unter dem Studien-Titel “Toxdat” jede nur erdenkliche Möglichkeit aufgeführt, wie man Menschen durch Gift ums Leben bringen kann. Die Studie nennt mehr als 200 toxische und strahlende Substanzen und beschreibt detailliert, wie sie eingesetzt werden könnten.

Im Kapitel “Schädigung durch Beibringung radioaktiver Stoffe” werden in dem Toxdat-Papier Radionuklide besonderer Gefährlichkeit genannt, von Strontium-90 bis Plutonium-238 – aber auch “Mikromengen abgebrannter Brennstäbe” aus Kernkraftwerken. Solche Stoffe würden beim Menschen eine “kombinierte Schädigung” hervorrufen, “da der resultierende biologische Effekt aus einer chemischen (Gift) und einer physikalischen (Energie) Wirkung resultiert”. Beigebracht, “beispielsweise in Speisen und Getränken”, bewirkten sie “zu Siechtum führende Blut/Knochenmarkschäden und Krebs”.

Diese Wirkungen ließen sich bereits mittels “Dosen im Mikro- bis Milligrammbereich” erzielen. Aus der langen Zeit zwischen Attacke und Ausbruch von tödlichen Krankheiten ergebe sich ein “hohes Verschleierungspotential”. Schon “während der langen Latenzzeit manifestieren sich irreversible Schäden”, ohne daß der Betroffene etwas davon wahrnehme.

Und hier gibt’s auch noch was über die „Killerbibel Toxdat”:

In der ZDF-Dokumention „Sonderauftrag Mord. Die Geheimnisse der Stasi“Der tödliche Arm der DDR werden die tödlichen Taten der Stasi um den „Ersten Kriminologen der DDR“, Ehrenfried Stelzer, enthüllt.

„Focus“ schreibt : „In der Reportage „Sonderauftrag Mord“ beleuchten ZDF-Filmemacher die geheimnisvollsten Missionen der geheimnisvollsten Behörde der ehemaligen DDR: die Tötungseinsätze des Ministeriums für Staatssicherheit. Genauer gesagt: die vermeintlichen Tötungseinsätze. Denn Genaues weiß man (fast) nicht. Zum tödlichen Treiben der Stasi gibt es vor allem Mutmaßungen und selten wirklich belastbare Beweise. Was die Sache nur umso mysteriöser und noch spannender macht… Dass dies nicht alles nur Hirngespinste sind, dokumentiert mindestens ein Fall, in dem ein Mordauftrag der Stasi gerichtsfest belegt ist. Wolfgang Welsch war in der DDR Schauspieler und Regimegegner. Sieben Jahre verbrachte er in Gefängnissen, bevor die BRD ihn freikaufte. Im Westen baute Welsch eine Fluchthilfeorganisation auf, die vielen DDR-Bürgern ein Entkommen aus dem real existierenden Drangsalismus ermöglichte – ihn selbst aber erst recht zum Feind der Stasi stempelte.

Die Sendung ist nur leider gerade nicht in der Mediathek des ZDF.