Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ladendiebstahl

Hadmut
11.7.2019 20:51

So ne Anmerkung.

Ich war vorhin noch bei Metro, eigentlich wollte ich nur Versandtaschen und ein Ordnungsregister für einen Ordner kaufen. Als ich reinkam, so eine seltsame Begebenheit: Zwei Männer, so Anfang 20, soweit sich aus einem kurzen Missfallenslaut überhaupt erahnen lässt, osteuropäischer Akzent kamen rein und wollten flotten Schrittes in den Verkaufshalle.

Nun ist Metro aber kein öffentlich zugänglicher Laden, sondern nur für Gewerbliche, man braucht einen Kundenausweis. Ohne Kundenausweis kann man nicht nur an der Kasse nicht bezahlen, man kommt auch nicht ohne weiteres rein, denn der Eingang ist mit automatischen Schranken in Hüfthöhe versperrt, die aufgehen, wenn man seine Kundenkarte an den Scanner hält. Zwar halte ich da meine Karte auch nicht immer hin, weil man einfach mit durchgehen kann, wenn andere reingehen, aber in der Situation ging gerade kein anderer durch, die Schranken waren zu. An der großen Schranke für die großen Einkaufswagen sind es zwei solcher Drehschranken, geschlossen ist da noch eine Lücke von so vielleicht 20cm.

Die zwei haben sich da nun ohne auch nur irgendwie zu fragen oder zu gucken quasi mit Gewalt durchgequetscht. Normalerweise würde man ja irgendwie denken, dass das irgendeinen Zweck erfüllt, wenn jemand seinen Laden durch Schranken versperrt. Fiel natürlich den Damen vom Empfang auf, die auch gleich laut und fuchtig wurden und die anhielten und fragten, ob sie einen Metro-Ausweis hätten. Erst wollten die sich nicht drauf einlassen, haben dann aber aufgegeben und sind wieder gegangen.

Ich also drinnen das Zeug geholt, was ich kaufen wollte. Auf dem Weg zur Kasse durch die Klamottenabteilung, kam an einem Regal mit Blousons für das Übergangswetter vorbei, von 50 auf 30 auf 20 runtergesetzt. Quasi Sommerschlussverkauf. Mal eins anprobiert. Passt. Gefällt. Nachdem sie gerade in der Wettervorhersage mitteilten, dass das mit der Klimaerwärmung für Berlin erst mal nichts wird und wir eher mit kühlem, regnerischem Wetter zu rechnen haben und die alte Jacke auch schon abgeranzt ist, dachte ich mir, für 20 Euro könnt man’s ja mitnehmen.

An der Kasse dauerte es länger. Weil das Ding durch ein Stahlseil durch den Ärmel mit Schloss und Alarm-Tag gesichert war und die Verkäuferin eine ziemliche Weile brauchte, um das Ding abzukriegen. Sie hat es dann als erledigt in das Fach hinter der Kasse für die bezahlten Waren gelegt, da ging aber eine Warnlampe an und irgendwas piepte. Oh, sagte sie, da ist noch einer dran. Im Bund der Jacke war eine zweite Diebstahlsicherung, kleiner, weniger auffällig, und auch schwierig zu entfernen, sie brauchte wieder etwas, bis das Ding endlich draußen war.

Bisschen viel Sicherheit für eine 20-Euro-Jacke, meinte ich. Naja, die hätte ja ursprünglich mehr gekostet, meinte sie. (Ja, wahnsinnige 50 Euro.) Ob bei ihnen so viel geklaut würde, dass das so notwendig wäre. Oh ja, sagte sie, das könnte man sich gar nicht vorstellen, es würde einfach alles geklaut. Da würde das Zeug massenweise rausgetragen, deshalb müssten sie auch alles kontrollieren. (Sie hatte jede Tasche der Jacke kontrolliert, ob ich da nichts drin versteckt hätte, und sich dann dafür entschuldigt.) Das fände ich seltsam, sagte ich, weil sie doch nur einen geschlossenen Kundenkreis mit registrierten Kunden hätten, da käme man doch sonst gar nicht rein. Ob registrierte Kunden denn auch stehlen würden, das sei doch eigentlich wider Erwarten.

Oh ja, oh ja, sagte sie. Eigentlich nicht so die Gewerblichen, aber die Freiberufler. Unter den Freien seien viele, die klauen, was sie kriegen können.

Ob’s abnähme, zunähme oder gleich bliebe, wollte ich wissen. Es nähme stark zu, war ihre Antwort.

Fragt sich, wie lange das noch so laufen kann.

Es gibt viele Berichte, dass Geschäfte in Berlin systematisch und hemmungslos einfach ausgeräumt werden. Und viele Ladenbesitzer dann auch aufgeben, weil sie das nicht mehr tragen können. Und selbst wenn, dann wird der Schaden ja letztlich auf die anderen Kunden umgelegt.

Vielleicht sind solche Selbstbedienungsläden einfach nicht mehr tragbar, nicht mehr mit unserer Gesellschaft kompatibel.

Vielleicht wird das wesentlich auf Internet-Handel hinauslaufen. Und Bedienläden.

In Südafrika waren wir mal in einer als kriminell berüchtigten Ortschaft zum Tanken an der Tankstelle, und die Reisegruppe ging, wie immer, in den Mini-Supermarkt an der Tankstelle (so wie hier auch üblich), nur um da zu staunen: Man kam nicht an die Waren. Man könnte nur in einem mit massivem Edelstahl vergitterten Gang (wie ein Löwe im Zirkus) laufen, alle Waren waren aber mindestens ein Meter weg. Dann hat man einem gesagt, was man will, und der hat das in einen Einkaufskorb gepackt. Dann hat man an der Kasse (hinter Panzerglas) bezahlt, und dann erst den Inhalt des Korbs in einer Tüte bekommen. Ich denke, sowas werden wir hier über kurz oder lang auch bekommen.

In New York war ich in einem Fotogeschäft, die auch eine besondere Kaufart anbieten: Man bestellt im Internet, bezahlt, sie packen alles zusammen und man kann es dann dort sofort, auch nach Ladenschluss, abholen.

Ich habe das auch schon in mancher Apotheke gesehen (da allerdings eher aus Platznot), dass die nur einen winzigen Apothekenladen haben, das Lager mit den vielen Regalen dann aber in irgendeiner Wohnung im Obergeschoß liegt. Die geben unten ein, was der Kunde will, und dann kommt das Zeug auf einer Wendelrutsche oder mit einem Druckluftpostsystem dann nach unten.