Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Gut, dass ich weiß, wo meine Vulva aufhört.”

Hadmut
6.7.2019 13:21

Über Seelenpein und Navigation am Südpol und Einblicke in die weibliche Weltsicht.

Was bin ich froh, dass ich Schwanzträger bin. Es macht mein Dasein auf dieser Welt soviel einfacher und unkomplizierter, trotz der ständigen Benachteiligungen immer und überall. Das Ding ist einfach wartungsarm bis wartungsfrei, ermöglicht mir das Stehpinkeln und man kann ihn sich einfach so anschauen und dann sind die Fragen der Zeit geklärt.

Der noch psychotischere Ableger der Süddeutschen namens „Jetzt” berichtet über die Seelennöte einer Frau, die den Beschluss gefasst hat, sich einen Gipsabdruck ihrer Vulva fertigen zu lassen.

Schrecklich.

(Neulich habe ich mal irgendwo einen Film über das gleiche Thema gesehen, da berichtete eine Frau als Reporterin und Kundin über einen schrägen Typen, ich glaube, es war sogar in Berlin, bei dem die Weiber schier Schlange stehen, damit er ihnen mit Gummihandschuhen die Muschel begrapscht und einkleistert.)

Denn seit einiger Zeit erlebt die Vulva ein Revival. Immer wieder rufen Feminist*innen dazu auf: „Schaut euch eure Vulven an!“ Eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vulva soll zu einem positiven Körperbewusstsein und mehr sexuellem Selbstbewusstsein verhelfen. Diese Mission teilt auch die Wiener Künstlerin Gloria Dimmel, aka „g.sus.christ“. Die 26-Jährige fertigt seit etwa zwei Jahre Gipsabdrücke von Vulven an. Mittlerweile besteht ihre Sammlung aus rund 200 „Vulvis“, wie sie die Abdrücke nennt.

Äh…ja.

Und daraus entsteht dann die blanke Seelenpein:

Zwei Wochen später holen wir unsere Abdrücke ab. Ich bin aufgeregt. Werde ich meine Vulva erkennen?

Spoiler: Ja, sie hat sie erkannt, weil man ihr gleich ihr Exemplar in die Hand gedrückt hat.

Auch ich bin zufrieden und betrachte neugierig das Ergebnis:

Ich kann jede Pore, jede einzelne Hautfalte sehen. Meine äußere rechte Schamlippe ist etwas dicker, als meine linke. Die Klitoris ist von der Klitorisvorhaut bedeckt, die inneren Schamlippen sind nur ganz leicht zu erkennen. Zuhause mache ich ein Foto des Abdrucks und verschicke es. Die Reaktionen sind gemischt.

Na, sowas aber auch.

Und dann wundern die sich alles, dass sich am Südpol das Klima verändert.

Und dann der Hammer, der einen erschüttert:

„Von unten nach oben auftragen“, erklärt sie. Es fühlt sich komisch an, mir vor fremden Menschen an meine Vulva zu fassen. „Aber nicht so weit hoch. Den Teil brauchen wir nicht“, sagt sie lachend und meint meinen Venushügel. Gut, dass ich weiß, wo meine Vulva aufhört.

Joooooaaaaaah. Das ist schon wichtig. Bisher dachte ich, es reicht zu wissen, wo sein Handtuch ist. Aber das ist natürlich von weit größerer Wichtigkeit.

Ich muss mal zum Patentamt. Ich hätte da noch Ideen.

Worauf ich jetzt noch warte ist, dass es dann Sitte und Mode wird, die Abdrucke außen an die Wohnungstür unter das Namensschild zu hängen. Oder als E-Mail-Signatur einzubinden. Als Twitter-Profilbild zu verwenden.