Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Ertrinkende retten”

Hadmut
1.7.2019 23:37

Über Sprachpanscherei, Demagogie, Propaganda und anderen Unfug. [Nachtrag]

Ach, was ging das heute rund mit Italien und der Kapitänin Rackete. Mal hieß es Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden

Zuvor soll der Tweet noch schärfer formuliert gewesen sein:

Dazu noch die Nummer mit Bundespräsident Steinmeier, der meinte, dass Italien sich gefälligst über die eigenen Gesetze hinwegzusetzen habe, wenn er und die EU das so wollten.

Man überschlägt sich damit, Carola Rackete raushauen zu wollen. Böhermann & Co. sammeln gerade Verteidigungsgeld, zusammen mit den Italienern haben sie über eine Million. Man fragt sich irgendwie, ob da wirklich so viele Spenden eingegangen sind, oder ob die Spendensammelei nur die Geldwäsche zur Verdunklung ist, dass die Drahtzieher der Aktion gerade auch die Anwälte zahlen. Damit keiner so genau fragt, wo da eigentlich das Geld herkommt.

Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die sich nicht für Carola Rackete einsetzen, sondern in eigener Sache unterwegs sind und das eine SPD-Aktion (samt deren Außenstelle ZDF) war, und die sich nun für ihre Mitarbeitern einsetzen, weil das irgendwie „aus dem Ruder gelaufen ist” und das verzogene Töchterchen aus reichem Haus (irgendwo stand, die Eltern hätten ihr zum teuren Studium in England dort noch ein Haus dazugekauft) mit der Situation irgendwie überfordert war und die Nerven verloren hat. Und überhaupt erst losgezogen ist, weil die Welt sich weigerte, so zu sein, wie man es vom linken Schlaraffenland erzählt.

Es hört sich alles an wie „Wir möchten nicht kriminalisiert werden”.

Was schon grundsätzlich erstaunlich ist. Denn dieselbe SPD-Meschpoche wettert sonst, besonders nämlich gegen „Rechte” oder auch gegen „Hate Speech”, man müsse das Gesetz durchsetzen, auch im Internet, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein, Gesetze müssten auch im Internet gelten (als ob sie das nicht sowieso schon täten). Geht es aber um ihre eigenen Interessen (und dem Duft nach womöglich Machenschaften), dann ist es plötzlich moralisch geboten, sich über Gesetze hinwegzusetzen, dann nennt man es „ziviler Ungehorsam”, und meint, in dem Fall sei der Rechtsbruch erlaubt und geboten, so wie Kinder glauben, man dürfe lügen, wenn man dabei die Finger kreuzt.

Diplomatie

Was aber auch diplomatisch eine Katastrophe ist.

Salvini lässt wissen, Steinmeier möge sich um seinen eigenen Scheiß kümmern:

(Google-Übersetzung: Wir fordern den deutschen Präsidenten auf, sich um das zu kümmern, was in Deutschland geschieht, und möglicherweise seine Mitbürger einzuladen, die italienischen Gesetze nicht zu verletzen und die Gefahr zu laufen, italienische Strafverfolgungsbeamte zu töten.)

Wer weiß. Vielleicht macht Steinmeier ja gerade genau das. Sich um seinen eigenen Scheiß kümmern.

Interessant ist auch die Presseschau nach Italien. Gucken wir uns einen für und einen dagegen an.

Rückendeckung für seine Äußerung erhält Matteo Salvini dagegen von der überregionalen Tageszeitung „Il Messaggero“ aus Rom. Ein Kommentar bringt den Personalpoker zur Ernennung des neuen EU-Kommissars in Verbindung mit der Affäre „Sea-Watch 3“:

„Italien ist ein souveräner Staat, der die Pflicht hat, seine Grenzen zu verteidigen, und niemand sonst hat das Recht, darüber zu bestimmen“, schreibt Marco Gervasoni. „Die Flut von Interventionen in den letzten Stunden“ nährten den Verdacht, die gesamte „Sea-Watch 3“-Affäre sei mit „viel Liebe zum Detail vorbereitet … – und Kapitänin Carola sollte den Verantwortlichen erklären, für wen sie unser Land in Schwierigkeiten bringt“. Es handele sich um einen politischen Akt, „der Italien zu Verhandlungen zwingt, wenn es um EU-Ernennungen und Vertragsverletzungsverfahren geht: In all dem erscheint die Absicht, das Leben von Einwanderern zu retten, nur als ein Instrument, sonst hätte das Schiff ‚Sea-Watch‘ andere Häfen angelaufen, lange vor unseren.“

Danach sieht’s aus. Als wäre das ganze Ding inszeniert, um Italien politisch auszuspielen.

Komischerweise sagen die von der Gegenseite etwas ähnliches:

Und die Zeitung „La Repubblica” kommentiert:

„Viele Feinde, viel Ehre: Wenn es dieses Motto war, das Matteo Salvini mit der ‚Sea-Watch‘-Geschichte in die Tat umsetzen wollte, besteht kein Zweifel, dass Europa ihn zufriedenstellt. Die Reaktion der europäischen Partner auf die Verhaftung von Carola Rackete ist eindeutig, und sie baut eine Wand der Kritik auf, die die italienische Regierung eindeutig isoliert. … Steinmeiers Eingreifen hat eine eindeutige Bedeutung. Für die deutsche Öffentlichkeit können und müssen Regeln im Falle eines moralischen Dilemmas gebrochen werden. … In Berlin, um es kurz zu sagen, hat die Linie der italienischen Regierung nur die volle Zustimmung der Populisten von der Alternative für Deutschland und ein wenig auch von der liberalen FDP.“

Eine Wand der Kritik, die die italienische Regierung eindeutig isoliert. Die gehen gerade gegen alles vor, was nicht Euro-Links ist.

Was für ein Satz: „Für die deutsche Öffentlichkeit können und müssen Regeln im Falle eines moralischen Dilemmas gebrochen werden.”

Aber nur, wenn’s links ist. Ansonsten bitte volle Härte des Rechtsstaat, nix darf rechtsfreier Raum sein. Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.

Anscheinend ist die Sache mit den doppelten Maßstäben nicht nur mir aufgefallen:

Naja, also die Sache ist die. Schwule hinzurichten, indem man sie vom Hochhaus wirft oder öffentlich hängt, ist das eine, da gratuliert man als Bundespräsident natürlich gerne. Queer war gestern, heute sind wir auf Islam. Deshalb ist es dann natürlich etwas völlig anderes, wenn eben jene Muslime auf dem Mittelmeer in Not geraten, in die sie sich selbst begeben haben. Die müssen selbstverständlich gerettet werden, natürlich unter Brechen jeglichen Rechts.

Natürlich braucht man da doppelte Maßstäbe.

Man könnte Steinmeier und Maas natürlich ganz leicht zum Platzen bringen, indem man ihnen erklärt, dass im Mittelmeer schwarze Schwule sterben, weil der Iran sie mitten im Meer vom Hochhaus auf das Deck der Sea Watch 3 wirft. (Notfalls nimmt man halt eine Ölplattform.) Dann zerreißt sie es. Dann platzen sie unter Forderung des Rechtsbruchs gratulierend.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich unseren Bundespräsidenten Steinmeier für einen linken Heuchler halte? Oh ja, habe ich.

Die Seenot-Technik

Bestehen an der „Seenot” nicht nur technische Zweifel, wenn etwa Boote gezeigt werden, die ohne Motor und ohne Ruder irgendwie auf das Mittelmeer gekommen sein wollen oder sollen, oder etwa Frontex ein Drohnenvideo zeigt, wonach ein Fischkutter einen leeren seenottauglichen Kahn hinter sich herschleppt, an die zur Seenot ausgewählte Stelle fährt, und dort dann die Passagiere in den Kahn umsteigen lässt, um sich gemeinsam in Seenot zu begeben?

Warum steigen sie denn dann überhaupt vom sicheren Kutter in den seenotigen Kahn um, wenn ihnen darin doch der Tod droht?

Sehr beachtlich ist dabei auch der Hinweis der Faktenchecker von fragwürdigen (und wenn ich mich recht erinnere auch Soros’) Gnaden, nämlich von „Correctiv”, die die Meinung da korrigieren wollen:

Das Frontex-Video, auf dem die zukünftig in Seenot Ertrinkenden zu diesem Zweck in den Kahn umsteigen, sei zwar echt, aber selbstverständlich kein Beleg für das, was das Video zeigt. Bilder und Videos sind genau dann Beweise und „Fakten”, wenn es politisch gerade passt. Für die Besucherzahlen zur Trump-Inauguration zum Beispiel, da sind Fotos „unwiderlegbare Fakten”. Weil’s politisch gerade passt. Hier passt’s halt gerade nicht. Die doppelten Maßstäbe und so.

Mag verstehen, wer will. Es wollen viele so verstehen. Es hebt die Faktendiskussion der letzten Jahre, deren Ausgeburt Correctiv ist, auf das mystisch-selbstwidersprüchliche Niveau, das man braucht, um Marxist zu sein.

Die Seenot-Schleife

Seenot ist schlimm. Ich habe zwar praktisch keine Ahnung von der Seefahrt, nur einen Sportbootführerschein und den halben Weg zum Küstenschifferschein, dabei aber die Lust verloren, und kann mich nicht entfernt mit Kapitänen oder sonstigen Kunden messen. Die Seefahrt ist nicht so mein Ding. Ich habe gerade mal gelernt, dass schon die Ostsee lebensgefährlich ist, wenn man reinfällt, und dass man sofort Hilfe zu rufen hat. Und dass man da die Fälle nachlesen kann, weil die protokolliert werden. Sind nicht so viele. Vor allem, weil man aus den Fällen, die vorkommen, lernt und versucht, Wiederholungen zu verhindern. War schon bei der Titanic so.

Irgendwo las ich nun, dass eines dieser Rettungschiffe, die vor Libyen rumschwimmen, schon über 30.000 Menschen aus Seenot gerettet haben soll.

Das geht wie am Fließband.

Die steigen da in einen Kahn oder ein Schlauboot, zumindest nach meinem Faktencheck von vornherein ohne den nötigen Treibstoff, und geraten einer nach dem anderen, praktisch ausnahmslos, mit wunderbarer Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit allesamt in lebensbedrohliche Seenot. Und mehr oder weniger alle an der gleichen Stelle.

Und jedesmal geht das Geschrei los: Gottogott, die armen Menschen, man muss sie retten. Todesgefahr am Fließband. Steht irgendwie im Leistungskatalog des Reiseveranstalters. Abenteuer mit garantierter Lebensgefahr, verbessert die Einreisechancen.

Also ich glaube das ja gerne, dass die da naiv losfahren mit schwindsüchtigen Kähnen und dann in Seenot geraten. Mich hat in Namibia der (ca. 30-jährige) Sohn eines Häuptlings, der da als einziger des Stammes englisch konnte, und mit dem ich mich länger unterhalten habe, gefragt, wie lange man denn von diesem Land Germany so mit dem Auto fahre, bis man da bei ihnen sei, ob das weit wäre. Ob man da auch mal so vorbeikäme. Ich habe ihm gesagt, dass das mit dem Auto jetzt nicht so einfach wäre, weil halt ein Meer dazwischen ist, und das auch ansonsten eine gehörige Strecke wäre, Sahara und so noch dazwischen, also an einem Nachmittag wär’s nix. Aber mit dem Flugzeug sehr bequem über Nacht, so oben am Himmel. Bei 10 Stunden Flug wohl so geschätzte 9000 km, da brauche man mit dem Auto selbst wenn da kein Wasser wäre, schon vier bis sechs Wochen. Da war der baff. Insofern glaube ich schon, dass Leute, die noch nie ein Meer gesehen haben, das für eine Art Fluss halten, bei dem an übersetzt.

Was ich aber nicht mehr glaube, ist, wenn da 30.000 Leute (eigentlich viel mehr, das bezog sich ja nur auf ein einziges Schiff) allesamt, einer nach dem anderen, auf genau die gleiche Art in genau die gleiche Seenot geraten sein sollen.

Irgendwie musste ich da an „Das Schiff Esperanza” denken, was wir so in der achten oder neunten Klasse mal selbst als Hörspiel machen wollten. Wurde letztlich nichts draus. Ein Menschenschmuggelschiff, dessen Kapitän vorgibt, Menschen nach Amerika zu schmuggeln, sie aber immer nur auf einer Sandbank aussetzt, wo sie dann allesamt jämmerlich absaufen. Irgendwann ist sein Sohn an Bord, der von dieser Praxis nichts weiß, mit ihm in Streit gerät und heimlich mit den Passagieren „nach Amerika” aussteigt und mit ihnen ertrinkt.

Was also würde jemand tun, der Menschen retten will?

Genau. Er würde den Schmugglern, die da Menschen allesamt auf dem Mittelmeer zu Absaufen aussetzen, das Handwerk legen. So wie beispielsweise den Piraten vor Somalia. Die beschießt man mal und lässt sie selbst absaufen. Es wäre ein Einfaches, dieses Sterben zu beenden, indem man den Schmuggel beendet, der per se niemals zu einer erfolgreichen Überfahrt führen kann.

Schmuggler tot, Menschen gerettet. Eigentlich einfach.

Aber das macht man nicht. Man macht genau das Gegenteil. Man kooperiert mit den Schmugglern, hilft ihnen, macht es ihnen billig.

Und erzählt uns ein ums andere Mal: Murmeltiertag. Schon wieder schreckliche Seenot, schon wieder die gleiche.

Seltsam nur: Hätte man jemals mal oder im aktuellen Fall eine vollständige Beschreibung gelesen, in welcher Art von Seenot die gewesen sein wollen und wie sie da hinkamen?

„Ertrinkende”

Weil „Seenot” so abgedroschen und nicht dramatisch genug ist, redet man moralverstärkend jetzt gern von „Ertrinkenden”. Mehrmals habe ich in den letzten Tagen von „Ertrinkenden” gelesen, als habe man sie im letzten Augenblick aus dem Wasser gefischt. Obwohl niemand behauptete, dass sie überhaupt im Wasser waren. Also die, die der Restle von Monitor neulich zeigte, die hatten keinen Motor dabei, aber am Ertrinken waren sie nicht, weil sie nicht im Wasser waren. Auch die auf dem Frontex-Video waren ganz sicher nicht am Ertrinken. Neulich gab’s mal zwei Videos, wo welche neben einem kaputten Schlauchboot im Wasser schwammen und rausgefischt wurden. Aber immer nur aus einem Blickwinkel. Nie so, dass man sehen konnte, ob die wirklich auf offener See waren. Bei einem anderen sah man, dass das Boot erst dann kaputt ging, als die Rettung nahe genug dran war. Und seit wir wissen, dass man Flüchtlinge mal bewusst mit falschen Landkarten auf eine gefährliche Route durch einen Fluss schickte, was drei nicht überlebten, aber zu dramatischen Bildern führte (es gab sogar mal ein Video, in dem Menschen im reißenden Fluss um ihr Leben kämpfen, während vorne die perfekt geschminkte Reporterin strahlend und professionell das Sterben in die Kamera moderiert), halte ich das auch nicht für ausgeschlossen, dass man ab und zu mal ein paar absaufen lässt, damit es dramatisch wird. Kinderleichen am Ufer wirken enorm. Da geht jeder Zweifel stiften. Ständig heißt es, wir würden bei allem und jedem manipuliert, mit Deep Fakes, Fake News, inszenierten Bildern zugedonnert um uns bei Wahlen zu beeinflussen und so weiter. Bringen die Medien aber wieder mal ein Bild von einem toten Kind, schaltet jegliche Kritikfähigkeit ab. Dann glaubt man alles, was die einem dazu erzählen. Weil dann, wenn es politsch gerade passt, Bilder und Videos dann eben doch wieder unwiderlegbare Fakten sind. Steigen Leute vom Kutter in den Kahn: Dann nein, das beweist gar nichts. Totes Kind am Strand: Dann ja, beweist alles. Wie man’s gerade braucht.

So zum Beispiel:

„Ertrinkende” ist das Totschlagargument. Danach hat der mich direkt auf Twitter geblockt, damit man dazu nichts mehr sagen kann. „Punkt.” Wie ein anderer anmerkte: So ist das heute. Wer zuerst „Punkt.” sagt, hat Recht.

Was aber sind eigentlich „Ertrinkende”?

Denken wir mal an das linke Gerechtigkeitssprech, dass uns all die links Armleuchtenden mit ihrer Partizipiensprache aufdrücken.

Früher war man einfach Student. Oder auch Studentin.

Das ging aber aus Gerechtigkeitsgründen nicht mehr, das musste Studierende heißen. Für Deutsch nennt man es Partizip I, für Latein viel schöner „Partizip Präsens Aktiv” (wie zwischen Viertelpfünder und Royal). Oder genauer gesagt dessen Substantivierung, denn zunächst würde es „studierender Mensch” heißen. Sprachlich nicht nur völlig verkorkst, sondern auch noch schlicht falsch, denn man bezieht es nicht nur auf Leute, die gerade über Büchern brüten und diese studieren (was es nämlich sprachlich als Partizip gerade ausdrückt), sondern auch auf Leute, die gerade nicht studieren, sondern irgendetwas anderes machen, also eben nicht studierend sind.

Man bezieht es sogar auf Leute, die noch nie studiert haben, sondern es gerade mal zur Immatrikulation geschafft haben, die überhaupt nicht vorhaben zu studieren, oder trotz Besitzes eines Zeugnisses der „Allgemeinen Hochschulreife” dazu nicht entfernt in der Lage sind.

Das ganze dumme Politsprech hat die Partizipien als vermeintlich geschlechtslos gekapert (was Unfug ist, weil ein Studierender und eine Studierende doch wieder männlich und weiblich sind, also nichts gewonnen, aber viel kaputt gemacht ist, deshalb hat man sich dann nochmal auf den Plural Studierende hinausgerettet, was eigentlich bedeutetn würde, dass die gerade alle zusammen in der Bibliothek sitzen und über Büchern brüten), und ihrer Partizipienbedeutung, nämlich dass jemand gerade jetzt und in diesem Augenblick in einer Tätigkeit ist, völlig entleert.

So gibt es auch keine Hochschullehrer mehr, das sind jetzt „Lehrende”, und zwar sogar dann, wenn sie gerade im Bett liegen und schlafen, also ganz sicher nicht lehren.

Selbst wenn man dieses Politgeschwätz außer Acht lässt, haben die Medien und der allgemeine Sprachgebrauch die Sprache völlig kaputtgemacht. So gibt es auch „Alleinerziehende”, und zwar selbst dann, wenn die Kinder gerade nicht da sind, ergo also gerade nicht erzogen werden können, oder generell bei dem, was die da machen, von „Erziehung” keine Rede sein kann.

Im Zeitalter des linken Geschwätzes sind Partizipien wert- und inhaltslos geworden. Sie bedeuten nichts mehr. Nur noch Brennholz für die Sprachpanscherei.

Was also sind dann „Ertrinkende”?

Eine Semantik der Art, dass die gerade im Wasser sind und absaufen, ist da nicht mehr gegeben.

Leute, die sich mit der bloßen, entfernten, ungewissen Absicht fassen, irgendwann mal zu Ertrinken? Oder es mehr oder weniger in Kauf zu nehmen?

Oder ist es vielleicht einfach die soziale Rolle als Opferposition in der Gesellschaft? So eine Art Kastenwesen? So in der Art von „Privilegierte”? Die heißen ja auch so, obwohl sie gerade nicht vor sich hinprivilegieren. (bzw. von irgendwem privilegiert werden, ist ja Partizip Passiv. Perfekt Passiv, um es mit Blick auf Latein auszudrücken.) Ich kann mich ganz allein in die Wüste im Schlafsack hinlegen, und gelte trotzdem als „Privilegierter”, obwohl weit und breit keiner da ist, der mich gerade privilegieren würde, was grammtikalisch Voraussetzung eines Partizip Passivs sein würde. Gut, da kommt noch der Vergangenheitsaspekt mit eingetretenem Erfolg dazu, ein Abgeordneter wurde einmal abgeordnet und das hält dann für seine Amtszeit. So wäre ein Ertränkter auch über den Vorgang hinaus im Ergebnis für längere Zeit tot.

Aber ein Ertrinkender?

Wie ein Studierender?

Ist das denn sprachlich noch mehr als jemand, der in der Gesellschaft diejenige soziale Rolle einnimmt, zu deren Gunsten die Joker-Karte Rechtsbruch zu ziehen ist? So wie man sich zu einem Geschlecht bekennt? Geschlecht „Ertrinkender”?

Das Problem ist einfach, dass man von links die Sprache so dermaßen kaputt gemacht hat und so oft Drama produziert hat, dass man sich selbst die Möglichkeit genommen hat, sprachlich und von der Glaubwürdigkeit noch den Notfall auszudrücken. Nachdem man uns bisher eintrichterte, dass das schlimmste, was einem widerfahren könnte, wäre, dass man sich als Intersexueller nicht entscheiden könnte, welche Klotür man wählen müsste, und dafür schon kein Superlativ stark genug war, so wie man jede Form des Dissensens gleich mit der ultimativen Tötung des Holocausts und jeden Andersdenkenden mit mordenden Nazis gleichgesetzt hat, man sich also immer gleich am obersten sprachlichen Eskalationsende bewegte, hat man sich selbst die Möglichkeit genommen, den Notfall noch sprachlich auszudrücken und dies glaubwürdig zu artikulieren. Dazu kommt, dass man zu oft gelogen hat. Linke sind so wohlstandsverwöhnt, dass deren Katastrophenmaßstab schon da endet, wo man mit dem falschen Pronomen angesprochen wird.

Deshalb ist es inzwischen völlig nullglaubwürdig, wenn einer noch von „Ertrinkenden” spricht. Die Antwort kann dann nur noch lauten: Sprecht sie halt mit dem gewünschten Pronomen an und installiert eine dritte Klotür im Mittelmeer, und zwar regenbogenfarbig. Dann ist alles gut.

Partizipien sind entwertet, wertlos, aussagelos, und deshalb „Ertrinkende” eine Nullaussage.

Solange es keinerlei Hinweise darauf gibt, in welcher Notlage die tatsächlich gewesen sein sollen und wie sie dahinkamen, und warum überhaupt so, wie vor ihnen schon 30.000 andere, ist das eine Nullaussage. Solange sind Ertrinkende so ertrinkend wie Studierende studierend sind.

Fazit

Mir erscheint das alles so, wie es die italienische Presse angesprochen hat: Als inszenierter Schwindel, als Vorwand, um Italien politisch, genauer gesagt die Regierung medial zu destabilisieren.

Zwar erscheint diese Carola Rackete nach Berichten wie eine trotziges, verzogenes Töchterlein reicher Eltern, das die Realität nicht einsehen und sich nicht an Regeln halten will, und andere in die Scheiße fährt, weil sie sich übernommen hat und nicht weiß, wie sie aus der Situation wieder rauskommt, in die sie sich gebracht hat.

Schaut man sich aber die Reaktionen von Steinmeier, Maas, Böhmermann, dann habe ich einen anderen Eindruck. Dann war sie die (naive) Kapitänin, die für andere Leute die Drecksarbeit machen sollte, und das ging dann halt etwas schief, anders als geplant. Hat länger gedauert, hat ein Patrouillenboot des Zolls eingeklemmt. Ich habe den Eindruck, die hätte da noch länger warten sollen, bis die Italiener aufgeben, und die Nerven verloren. Und jetzt machen die Auftraggeber eben alles, um sie da wieder rauszuhauen.

Und ich könnte mir gut vorstellen, dass die Million (angeblich in Deutschland über 700.000 und in Italien über 400.000 Euro), die da an Spenden zusammenkam, nicht von so vielen Menschen kam, wie behauptet, sondern man nur das Prinzip verwendet hat, das man auch bei Parteispenden anwendet, nämlich viele Leute kleine Beträge zahlen lässt. Wer kontrolliert schon 27.000 Zahlungen?

Käme heraus, dass eine NGO dahintersteckt, oder schlimmer noch, eine GO, gar eine deutsche, dann würde da die Luft brennen.

Nachtrag: Es wurde ja irgendwo kolportiert, dass irgendwer vom Schiff gesagt hätte, dass man Angst gehabt habe, dass die Leute sich umbringen, indem sie vom Schiff springen. Was etwas seltsam für „vor dem Ertrinken Gerettete” ist. So ähnlich wie Syrien-Flüchtlinge, die in Syrien Urlaub machen.

Irgendwie bekommt das so ein Aroma, als wäre die Aktion deshalb vorzeitig durch Nervenverlust schief gegangen, weil die Leute gemeutert haben. Also ob die das gar nicht wollten, da auf dem Schiff politisch verheizt zu werden. Meuterei auf der Bounty.

Ich hielte es für mehr als nur zwingend erforderlich, mit eben diesen „Ertrinkenden” vom Schiff zu sprechen und sich mal erzählen zu lassen, wie das aus deren Sicht aussieht und gelaufen ist und wie sie auf dieses Schiff gekommen sind. Seltsamerweise gab es zwar diverse Reporter, die auf dem Schiff waren und Selfie-Berichte gedreht oder die Besatzung interviewt haben, aber ich könnte mich nicht erinnern, irgendwo ein Interview mit einem der „Ertrinkenden” gesehen zu haben, und jetzt sind die unwiederauffindbar in irgendwelchen Flüchtlingslagern verschwunden.