Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Anruf vom „Microsoft-Service”

Hadmut
11.5.2019 10:01

Oh. Eben habe ich auch so einen Anruf bekommen. Ich wollte gerade zum Einkaufen, da klingelte das Telefon.

Eben bekam ich dann auch mal selbst einen dieser einschlägig bekannten Anrufe, in denen sich einer als Microsoft-Service ausgibt und einem dann einredet, man hätte irgendein dringendes Problem und und sie könnten einen instruieren das zu beheben.

Der Typ sprach nur sehr akzentbeladenes, nicht so wirklich vollständiges Englisch. Ich bin mir micht sicher, wie ich den Akzent einordnen sollte, möglicherweise Indien.
Interesssanterweise wurde eine Telefonnummer aus einem Kaff in Deutschland angezeigt, die beim Rückruf-Versuch aber als nicht vergeben angesagt wurde. Es ist ja bekannt, dass beim Telefonieren immer zwei Rufnummern übertragen werden, und die zweite vom Absender frei wählbar ist, dummerweise die meisten Telefone aber nur diese zweite anzeigen und auch der Router nur diese zweite listet. Allerdings muss ich gerade zugeben, dass mir das aus der ISDN-Zeit so bekannt war, ich aber nicht weiß, ob das im Zeitalter von VoIP auch noch so ist. Möglicherweise bleibt die Originalnummer beim Telefonprovider hängen und mein Telefon hat gar keine Chance, die echte Nummer anzuzeigen. Die Tonqualität und die Latenz deuten jedoch auch darauf hin, dass es etwas weiter weg war.

Erst wollte ich gleich wieder auflegen. Die Betrugsmasche ist ja bekannt. Und ich habe ja auch keinen Windowscomputer. Aber dann wollte ich doch mal wissen, was die da jetzt eigentlich von mir wollen und habe mich doof gestellt, auf alten Tattergreis gemacht, der alles nur mühsam versteht und dem an alles mindestens dreimal erklären muss. So mit schleppende-Zunge-Englisch, immer nur so Jaa, jaa,… (Yaa.. Yaa…) und Ahaaa. Eigentlich dachte ich, das müssten die doch merken, dass das nicht stimmen kann, wenn sie in Deutschland irgendwo anrufen, einen debilen Tattergreis dran haben, der aber so rein zufällig vor seinem Computer sitzt und englisch spricht. Haben sie nicht gemerkt.

Jedenfalls wollte der mir erzählen, dass sie von meinem Computer ganz böse Up- und Downloads gemessen hätten, und da üble Dinge vor sich gingen, die man ganz dringend unterbinden müsste, und mir der Microsoft-Service liebenswürdigerweise helfen würde, das ad hoc zu beheben. Wie schön.

Jaaa… ja … ja, ja… Oh … really?

Er wollte von mir, dass ich irgendwas mit der Windows-Taste auf der Tastatur mache. Die Windows-Taste. Das wurde natürlich nichts (weil ich ohne Windows-Rechner jetzt nicht auswenig im Kopf habe, was da im Windows-Menü wie erscheint), also habe ich natürlich die Windows-Taste nicht gefunden, und mich von ihm endlos lang und in drei Wiederholungen (schwerhörig bin ich alter Greis natürlich auch) in die untere linke Ecke lotsen lassen, aber mich dann, um es nicht noch mehr zu übertreiben und ihn zum Aufgeben zu bringen, mich darauf eingelassen, dass da eine Strg-Taste ist. Was rechts davon wäre, wollte er wissen. Ob ich die Windows-Taste sehe. „äääaaaahh… don’t know …. ja … a black key… only black key…” A black key? „Dadd keyboard es ooollllddd..” Ah, old… Er versucht mich stattdessen dann zum Webbrowser zu bringen. Ob ich Google hätte. Google … google … let me see … (ich krame laut hörbar in meiner Schreibtischschublade) … nah, don’ think so … can’t find one… Er so kurz vor dem Durchdrehen. Ob ich Firefox oder Internet-Explorer oder Chrome hätte. Naja, damit’s vorangeht ein Alte-Männer-Jaja.

Er buchstabiert mir mühsam umstänlich anydesk. Eingeben, Googlen, erste Antwort anklicken. Man kommt anydesk.com, eine Fernwartungssoftware. Die sollte ich dann anklicken und starten. Ist mir zwar erst hinterher eingefallen, dass ich noch hätte warten sollen, bis er mir sagt, mit wem ich mich verbinden soll, aber irgendwie kam ich an dem Punkt auch nicht weiter, weil ich dazu das Programm unter Windows hätte starten müssen. Sie haben zwar auch eine Linux-Version, aber das hätte mir gerade noch gefehlt, sowas auch noch zu starten. Er wollte nämlich dann auch wissen, was ich sehe, und das hätte ich mir ohne Kenntnis der Software nicht aus den Fingern saugen können. Ich sagte also, dass ich nichts sehe, aber etwas höre. Das wollte er nicht wissen, ich müsste doch was sehen. Nee, sag ich, ich sehe nichts, ich höre nur etwas. Kann nicht sein, meint er. Doch sage ich, ich höre was. Ob er nicht wissen wolle, was ich höre. Naja, gut, ließ er sich darauf ein, was ich denn höre? Dann in ganz normalem Englisch: Einen Idioten, der glaubt, ich würde meinen Recher für ihn aufmachen. Für wie doof er mich eigentlich halte. Vier, fünf Sekunden lang kommt gar nichts mehr, dann legt er auf.

So platt die Masche ist, viele Leute, die keinen technischen Hintergrund haben und sich nur aus Laiensicht und oberflächlich damit auskennen, haben eigentlich keine reelle Chance, das als Einbruchsmasche zu erkennen und sich dagegen zu wehren. Wenn der jetzt noch deutsch gesprochen hätte…