Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Magen- und Darmspiegelung

Hadmut
6.5.2019 16:12

Bloggen schlägt doch auf den Magen.

Oder: Innenansichten eines Informatikers.

Ach, ich habe gerade mal wieder eine Magen- und Darmspiegelung hinter mich gebracht. Die dritte. Ich war in Dresden und in München schon mal dabei, und eigentlich sollte man es ja alle 5 Jahre machen, aber weil beim letzten Mal was nicht ganz glatt lief (Magensäure in die Luftröhre gelaufen, hat zwei, drei Tage etwas weh getan weil verätzt und wund) und ich auch ansonsten schon genug bei Ärzten rumrenne, hatte ich es irgendwie verschlunzelt und auch das Datum falsch in Erinnerung. Eine Ärztin hatte mich neulich deshalb getadelt und gemahnt, das solle man ernst nehmen, das sei wichtig. Zumal wenn man wie ich schon mal an Krebs erkrankt war und bei den beiden früheren Untersuchungen jeweils ein Polyp entfernt worden war. Die sind wohl die Hauptursache für Darmkrebs. Die können da während den Untersuchungen durch dünne Röhren im Endoskop gleich Spritzen und elektrisch beheizte Drahtschlingen einführen, mit denen sie die Dinger unterspritzen, abschneiden und herausholen können.

Also wieder mal zur Magen-Darmspiegelung.

Viele haben ja Schiss davor. (Ha, Wortwitz, erklär’ ich gleich.)

Naja, angenehm ist es wirklich nicht. Es ist unangenehm. Aber nicht schlimm. Das einzig schmerzhafte ist der Stich im Arm, wenn die Kanüle gelegt wird. Und den unangenehmen Teil hat man schon hinter sich, wenn man die Arztpraxis betritt. Die eigentliche Untersuchung ist zwar im Prinzip sehr unangenehm und gruselig, davon merkt man aber gar nichts, weil in der Regel (sofern man will, soll auch Leute geben, die das voll miterleben wollen) sediert wird.

Beim ersten Mal bekam ich da „Dormicum”, was ich nicht so toll fand, weil ich da nur irgendwie weggetreten war, dann aber mit der Kamera tief im Hintern kurzzeitig wach geworden und auf dem Monitor live mitangesehen habe, wie der mir gerade im Bauch rumpult. Dafür war ich dann hinterher so matschbirnig, dass sie mich nicht mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach hause gelassen haben, sondern mich von einem Taxifahrer haben nach Hause bringen lassen. Da der aber offenbar eingewiesen war und öfter bematschte Leute von dieser Praxis abholte und wusste, wie er damit umzugehen hat, war das vielleicht auch so ein Dauergeschäft.

Beim zweiten Mal und heute bekam ich dann Propofol, was ich in mehrfacher Hinsicht angenehmer finde. Erstens ist man dann richtig weg und aus und merkt gar nichts. Zweitens ist man relativ schnell auch wieder voll da. Nach einer Stunde merkt man davon nichts mehr. Subjektiv. Vom Autofahren würde ich da dringend abraten, und ich glaube, man darf es an dem Tag auch nicht, aber ansonsten ist Teilnahme am Straßenverkehr und Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zumindest nach meiner Erfahrung gar kein Problem, man fühlt sich wieder ganz normal.

Während es bei der Magenspiegelung (meines Wissens) reicht, nüchtern zu kommen und vorher nichts zu sich zu nehmen, damit der Magen leer ist, muss man eine Darmspiegelung am Tag vorher und am Morgen vorbereiten. Das ist der unangenehme Teil der Sache.

Man bekommt beim Vorgespräch eine Packung mit mehreren Tüten Pulver, das man genau nach Vorschrift mit Wasser anrühren muss. Früher hatte ich mal eines mit vier Beuteln, die je einen Liter ergaben, diesmal hatte ich eines mit zwei Paaren aus je einem großen und einem kleinen Beutel, die zusammen in zweimal einen Liter Wasser gerührt wurden. Am Vortag darf man nach dem Frühstück nichts festes mehr essen, mittags höchsten dünne Hühnerbrühe, und abends dann den ersten Liter dieses Höllentranks. Danach einen Liter eines beliebigen, klaren Getränks. Am nächstn Morgen vor der Untersuchung nochmal das gleiche.

Das Zeug enthält irgendwelche Salze und Mineralien, dazu etwas Süß- und Aromastoffe, damit es nicht ganz so eklig schmeckt. Es schmeckt nicht sehr intensiv, und im ersten Augenblick zwar sehr komisch, aber nicht direkt schlecht. Aber bei mir melden sich ziemlich schnell die „Widerlich-Rezeptoren”. Irgendwie erkennt der Körper, dass das für die Verdauung gar nicht gut ist, und will einen davon abhalten, das zu saufen. Es schmeckt eigentlich nicht intensiv widerlich, aber ich empfinde es nach sehr kurzer Zeit als widerlich, auch wegen des Nachgeschmacks. Deshalb folge ich auch nicht der Empfehlung, es gekühlt zu trinken, sondern bleibe bei Zimmertemperatur. Das betäubt zwar die Geschmacksnerven nicht, aber auf diese Weise kann ich das in 0,25-Liter-Gläsern einfach runterstürzen, bevor der Körper richtig merkt, welche Widerlichkeit ich da gerade wieder reinkippe. Kostet trotzdem Überwindung. Andere Patienten sagten heute im Gespräch: „Man muss sich zwingen.” Genau das. Man darf es halt nicht lange im Mund halten, sondern gleich runter damit. Und nicht zuviel auf einmal, so nach 10 oder 15 Minuten das nächste Glas.

Die Wirkung ist … naja, wie drückt man das jetzt vornehm aus … man wird … man muss … es passiert … ach verdammt, was soll’s: Man scheißt sich einmal komplett leer. Fängt so eine dreiviertel Stunde nach „Genuß” an, und dann ist man im Bad gefangen, bis es nicht mehr geht und alles samt dem Zeug wieder draußen ist. Immer wenn man denkt, Puuuh, jetzt ist aber mal gut, jetzt reicht’s erst mal, abwischen, aufstehen, ist man ein paar Sekunden oder spätestens eine Minute später wieder auf der Schüssel, weil durch das Aufstehen und die Flüssigkeit das Zeug sofort nachfließt. Man verlässt ein bis zwei Stunden das Bad nicht, bis eben nichts mehr drin ist. Und ich kann Euch sagen, man erlebt dabei nie gekannte Geruchsperioden, je nachdem, aus welchem Verdauungsstadium es gerade kommt, was da das Licht der Welt erblickt. Bis es klar kommt und nach dem Zeug riecht, was man gerade gesoffen hat.

Deshalb hat vor einer Darmspiegelung jeder Schiss, auch der Mutigste. Geht nicht ohne. (Boaaah, was’n Kaulauer…)

Irgendwer sagte mir mal, die durchschlagende Wirkung beruhe nicht auf dem Zeug, was da mit drin ist, sondern sei rein hydromechanisches Ausspülen. Die Salze und sonstigen Ingredenzien würden nur dazu führen, dass der Darm die Flüssigkeit nicht aufnehmen kann, sie also tatsächlich auch in die unteren Darmregionen kommt, in die im normalen gesunden Zustand Flüssigkeit nicht hinkommt. Also: Leeren und Ausspülen.

Nee, ist nicht angenehm.

Aber der will ja auch was sehen und nicht mit der Kamera im Brei rumpoken.

Man kommt da also hin, muss Hose und Unterhose ausziehen, dafür ein lächerlich peinliches Höschen mit Eingriff hinten anziehen (warum wohl…), sich auf den Behandlungstisch legen, bekommt eine Kanüle in den Arm, noch so ein Beißstück mit Loch in den Mund, und dann …

… und dann …

Nix und dann.

Danach kommt nichts mehr.

Die nächste Wahrnehmung war, dass mir irgendwer gerade meine Hosen zumachte, die man mir irgendwie wieder angezogen hatte. „Herr Danisch, es ist fertig.”

Ich werde nie verstehen, warum sich Michael Jackson Propofol spritzen ließ, um zu „schlafen”. Es ist kein Schlaf. Es ist kein Schlafprozess. Man schläft nicht, sie drehen einem die Hauptsicherung raus.

Nur wach wird man nicht ganz so schnell wie man weg war, man fühlt sich da schon ziemlich erschlagen, aber nicht lange. Man hat auch kein Zeitgefühl. Ich fragte, wie lange es gedauert hat. „20 Minuten”. Ich wusste nicht, wieviel Zeit mir da fehlte.

Und doch ziemlich licht- und lärmempfindlich war in der Aufwachphase, bis das Zeug ganz abgeklungen war.

„Herr Danisch!”

„Ja…?”

„Herr Danisch, machen Sie mal die Augen auf.”

„Ich will nicht.”

„Herr Danisch, Sie müssen aber. Sie müssen jetzt rüber in den Aufwachraum. Da können Sie noch schlafen, aber gehen müssen Sie selbst.”

Ich fand das gemein.

Bei der Untersuchung in München haben sie einen irgendwie schlafend in den Aufwachraum bugsiert und man ist dort auf der Liege aufgewacht, und konnte da einfach liegen bleiben, bis man richtig wach ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal bei einer Darmspiegelung das Lachen kaum verkneifen kann, aber in München war es echt zum Brüllen komisch. Da lagen vielleicht 8 oder 9 Leute alle in einem Aufwachraum, und keiner konnte den anderen sehen, weil durch dünne Paravents getrennt. Aber hören. Alle paar Sekunden hat irgendwo einer gefurzt, dass die Paravents wackelt. Brrruuuuuuzzzzz! Pfuuuut – pft – pft – pft – pft. Pschschschiiiieeeh…

Hemmungslos. Monstermäßig. Ein einziges großes Furzen. Weil einem nämlich bei der Untersuchung der Darm mit Luft aufgeblasen wird. Und die dann aber wieder raus muss. Riecht aber nicht, weil Frischluft. Außerdem muss man keine Angst haben, dass Land mitkommt, ist ja keins mehr drin. Alles leer.

Heute war es anders, heute hat keiner gefurzt. Anscheinend verwenden die weniger Luft. Und keine Paravents. Dafür einen Aufwachraum, der schrecklich laut war (jedenfalls für meine temporäre Geräuschüberempfindlichkeit) gleich hinter dem Empfangszimmer, und schrecklich hell (jedenfalls für meine temporäre Lichtüberempfindlichkeit), Sonne direkt ins Fenster. Und zuwenig Liegen. Einer wurde gefragt, ob er schon aufstehen kann, sie bräuchten die Liege für den nächsten. Ich wollte höflich sein, und habe mich – mit vernehmlichem Grunzen – aufgesetzt, und bekam ein deutlich „SIE bleiben noch liegen und schlafen sich aus!” Wunderbar, genau das, was ich hören wollte. Denn Aufstehen hätte auch nichts besser gemacht.

Da fiel mir ein, dass ich etwas wichtiges vergessen hatte. Ich hatte vergessen vorher nach Bildern für mein Blog zu fragen.

Irgendwann dann doch Aufstehen und die Normalität kehrt wieder ein.

Besprechung im Arztzimmer.

Alles in Ordnung im Darm, keine Polypen, nichts Auffälliges, nichts zu behandeln, nichts zu überwachen.

Anders im Magen. Den fand er nicht so gut.

Einige entzündete Stellen, Rötungen, Schäden in der Schleimhaut. Gastritis. Durch die Magensäure. Gut, dass ich zuviel Magensäure habe, das weiß ich. Sonst könnte ich auch nicht alles für das Blog verdauen.

Ich bekomme auf, es künftig zu unterlassen, 4 Stunden vor dem Zubettgehen noch zu essen. Das verursache Magensäureausschüttung, die dann nichts Gutes mehr zu tun habe. Das sei nicht gut.

Tja. Das Bloggen schlägt also doch auf den Magen. Ich blogge ja bevorzugt so rund um Mitternacht, und zum Bloggen brauch ich meist was zu fressen, Hirnnahrung. Weil ich (mir zumindest einbilde) im Gegensatz zu manche anderen bei Schreiben das Hirn zu gebrauchen, und das braucht Energie. Windkraft reicht da nicht. Nicht bei mir. Ich muss da Kohle(nhydrate) einwerfen und verbrennen. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem sie herausfinden, dass ich beim Bloggen CO2 ausatme.

Logisch zu Ende gedacht heißt es aber eigentlich nur, dass ich künftig zwischen 4 und 6 Uhr morgens ins Bett gehe.

Er schreibt mir noch ein Medikament auf, von dem ich mal eine Packung nehmen soll. Weil’s unten eine neue Apotheke hat (sie bauen noch drin) gehe ich da gleich rein.

Es dauert. Irgendwer im Obergeschoss muss das Zeug im Lager suchen und irgendwie nach unten schaufeln.

Die Apothekerin überbrückt die Wartezeit, indem sie mir anhand des Geburtsdatums auf dem Rezept eine Astrologische Beratung (gratis) angedeihen lässt. Und weil die Apotheke neu ist, bekomme ich kein kleines Handtuch geschenkt. Es ist grün.

Auf dem Rückweg mache ich noch halt beim Vietnamesen, mich selbst wieder auffüllen. Auf der Papierhülle der Stäbchen steht nichts als ein QR-Code. Prima, denke ich, ein digitaler Glückskeks ist das, was mir an dem Tag noch gefehlt hat. War aber nur die Webseite eines Berliner Großhändlers für Asia-Restaurantbedarf.

Innenansichten eines Informatikers

Ich hatte vergessen zu fragen, ob sie mir ein paar Fotos für mein Blog machen können. Auf der Rückseite des Darmbefunds hatten sie hinten mit dem Farblaser aber ein paar Fotos ausgedruckt.

Und dann hatte ich ihm eine Frage gestellt, die ihm anscheinend noch nie einer gestellt hätte: Wie er’s mit den Urheberrechten der Fotos hält, ob ich die bloggen dürfte. Das Gesicht schien zu sagen „Schon wieder so ein Spinner…”. Er meinte dazu dann sehr freundlich, aber verständnislos, dass er überhaupt keine Urheberrechte daran hätte oder beanspruche. Es sei mein Darm, mein Befund, meine Bilder. Ich könnte damit tun, was ich will (nur nicht kürzer als 4 Stunden vor dem Zubettgehen essen).

Also: einmal mit dem Laser gerastert auf Paper gedruckt, gefaltet und wieder eingescannt (Jetzt wisst Ihr, welchen Weg so mancher meiner Blogartikel geht.):