Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das Gejammer des Nachtwächters Mathias Döpfner

Hadmut
2.4.2019 1:41

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Wer nicht denkt, erfährt es über den Schmerz.

Wer’s nicht kapiert, der merkt’s im Geldbeutel.

Ich bin heute durch den Tweet eines Lesers auf einen Jammerartikel des Springer-Vorsitzenden und Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger aufmerksam geworden:

Es droht die “völlige Unterwerfung unter das Regime amerikanischer und chinesischer Technologiegiganten”.

Ach.

Ja, wie dieser Leser schon feststellt, gibt es das bei mir – ich darf mich vorstellen, ich bin Informatiker, einer von diesen Technologie-Heinis, die man hier abgesägt hat – seit (über) 10 Jahren zu lesen.

Eigentlich schon seit 20. Denn habe habe ich angefangen, das zu publizieren und jahrelang versucht, das Presse, Verlagen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen anzubieten, wurde aber permanent ignoriert und totgeschwiegen. Nein, Greta bin ich nicht. Hab auch keine Zöpfe. Vor allem bin ich nicht weiblich. Wäre ich Frau und hätte irgendwas mit Sexismus gefaselt, wäre ich durch alle Zeitungen und Talkshows gekommen.

Aber ein Mann, der erzählt, wie man hier ganze Technologiezweige abwürgt, noch dazu erst von korrupter CDU und dann feministisch rot-grün, wen sollte der denn als kooperative Opposition finden?

Irgendwann habe ich mir dann eben gedacht, wenn es nicht mit der Presse geht, dann muss es ohne gehen. Idiotenhaufen.

Nun also, jetzt, wo ihnen ihr eigenes Geschwäft davon schwimmt, jetzt kommen sie plötzlich an.

Zeitungsverleger-Präsident Mathias Döpfner sieht im Internet einen Überwachungskapitalismus heraufziehen. Europa drohe die Unterwerfung unter das Regime amerikanischer und chinesischer Technologiegiganten.

Oh, ein Blitzmerker. Einer von der ganz schnellen Truppe. Steht vor dem abgebrannten Haus und sagt, es drohe ein Feuer.

Und die, die es als letzte merken, halten sie für die vierte Gewalt und die, die man zur Information der Bevölkerung demokratisch brauche.

Meine Güte, sind das Nachtwächter.

Ist er neu in dem Job?

Seit 17 Jahren ist Mathias Döpfner Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE.

Boah. Der ist wirklich von der ganz schnellen Truppe, ein Blitzmerker.

Wohlgemerkt: Und der ist ihr Vorstandsvorsitzender und Präsident. Wahrscheinlich noch deren schnellster in Sachen Auffassungsgabe. Manchmal wundert’s mich, dass die Presse schon mitbekommen hat, dass es einen zweiten Weltkrieg gab.

Nie in dieser Zeit hat er WELT oder anderen verlagseigenen Medien ein Interview gegeben. Jetzt macht er eine Ausnahme – aber nicht als Axel-Springer-Chef, sondern in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Denn die Verabschiedung der Urheberrechtsreform im Europaparlament ist nicht nur ein historischer Wendepunkt für die Medienbranche und die gesamte Kreativwirtschaft. Döpfner sieht in dem Projekt noch viel mehr: ein Signal der beginnenden Emanzipation der Bürger von der Übermacht amerikanischer Tech-Giganten.

Emanzipation der Bürger.

Huahahahahaa. Zwingen uns hier Informationsfilter auf und reden von Emanzipation.

Döpfner: Weil so Anreize geschaffen werden. Jetzt bekommen all diejenigen, die Inhalte schaffen, endlich die Chance auf ein Geschäftsmodell.

Nee. Falsch.

Wir haben kein Geschäftsmodell, weil wir keine Technik haben, und die haben wir nicht, weil wir seit 20, 30 Jahren systematisch sabotiert und auf Konsumenten-Niveau gehalten werden. Und jetzt wollen sie einfach vom Geschäftsmodell der Amerikaner was abhaben.

Und dass das so ist, ist ein zentraler „Verdienst” der Presse. Die hat dabei mitgemacht, uns hier durchzuverblöden, Technik zu verhindern, alles auf Gender-Geschwätz zu ziehen.

Wenn wie bisher das geistige Eigentum anderer für kommerzielle Zwecke genutzt werden kann ohne die Verpflichtung, einen fairen Anteil der Erlöse weiterzugeben, wird auf Dauer niemand mehr Inhalte erstellen.

Wieder falsch.

Es gibt jede Menge Inhalte ohne Erlöse, für die ganz andere zahlen. Man nennt sie „Propaganda”. George Soros mit seiner Open Society zum Beispiel, der zahlt ganz viel und an ganz vielen Stellen. Dem geht’s nicht um Erlöse.

Und es gibt ganz viele „große Brüder”, die gerne bereit sind, uns mit Inhalten zu überschütten. Ohne Erlöse. Wikipedia zum Beispiel.

Heute saugen die Plattformen die Inhalte ab und vermarkten sie, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Schon wieder falsch.

Man könnte das zum Beispiel sperren. Über Firewalls. Über robots.txt. Man könnte das leicht verhindern, dass die Plattformen „absaugen”. Warum tut man es nicht? Der Punkt ist, dass die Zeitungsbranche auf einem so hinterletzten Loch pfeift, dass sie auf Google & Co. geradezu angewiesen ist, damit noch Leute auf ihre Webseiten kommen. Man hat die letzten 20 Jahre komplett verpennt – man könnte ja Döpfer mal fragen, was er in den 17 Jahren eigentlich gemacht hat, und man könnte Springer mal fragen, warum sie sich so einen als Vorstandsvorsitzenden leistet, wenn der nach 17 Jahren mit runtergelassenen Hosen dasteht und die Presse sich über einen korrupten in-die-EU-weggelobten Querualanten der CDU zu retten versuchen muss.

Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich zum ersten Mal öffentlich gesagt, dass digitaler Journalismus nur bestehen kann, wenn er auch zahlende Leser findet. Und dass es zahlende Leser nur geben wird, wenn ein Rechtsrahmen existiert, der geistiges Eigentum schützt.

Und wieder falsch.

Kein Leser geht auf irgendeine Plattform um dort zu lesen, weil dort das geistige Eigentum so gut geschützt ist.

Sie haben es einfach verpennt, etwas ordentliches anzubieten. Ihre Webseiten sind einfallslos. Der Versuch, die alte Papierzeitung elektrisch schreien zu lassen, mehr nicht. Und jetzt soll es am Urheberrecht liegen, dass sie Zeitung machen wie vor 200 Jahren.

Vielleicht liegt das Problem ja aber auch an ganz anderer Stelle.

Die allwissende Müllhalde Wikipedia meint, dass neben etwas Angela Merkel auch dieser Mathias Döpfner Mitglied der „Atlantik-Brücke” ist.

Und da werden bekanntlich deutsche Journalisten und Manager darauf abgerichtet, amerikanische Kolonie zu bleiben.

Und dann kommt der jetzt daher und jammert, dass wir technologisch unterworfen würden.

Sollte man nicht eher mal die Frage stellen, warum Mitglieder dieser Atlantik-Brücke, Leute wie Merkel oder Döpfner, nicht wegen Sabotage, Spionage, geheimdienstlicher Agententätigkeit im Gefängnis sitzen?

Ich stelle mal eine konkrete Frage:

Wir wurden damals an der Uni systematisch sabotiert und ausgeschaltet. Mich hat’s besonders getroffen, weil ich der Jüngste und Letzte des Teams war und alle anderen schon durch oder weg waren, als das mit dem Kryptoverbot anbrannte. Als Universitätsinstitut waren wir auch eine Dienststelle.

Was nun, wenn man Internet- und Kryptoforschung als Teil der öffentlichen Sicherheit auffasst? Da läge da etwa verfassungsfeindliche Sabotage im Sinne des § 88 StGB vor. Und so weiter.

Die Frage ist also, wie Atlantikbrücke, 20 bis 30 Jahre Technologiesabotage, Leistungsschutzrecht und Leute wie Döpfner zusammenhängen.

Warum überhaupt bei uns so viele Leute Karriere machen und in Politik und Presse sitzen, die in der Atlantikbrücke stecken oder die an amerikanischen Universitäten abgerichtet wurden.

Und warum das Ergebnis der Tätigkeit all dieser unfassbar begabten Leute ist, dass wir in den letzten 20 Jahren technologisch einfach über den Haufen gerannt und zur Beute gemacht wurden.

Warum das nie irgendwie angesprochen wurde, warum das totgeschwiegen wurde. Warum beispielsweise mir nie einer zugehört hat.

Und warum sie jetzt zwar merken und jammern, dass sie technologisch unterworfen werden, aber alles, was ihnen als Gegenmittel einfällt, ist, daran finanziell beteiligt zu werden. Nicht etwa technische Maßnahmen.

Man könnte so auf den Gedanken kommen, dass das Leistungsschutzrecht und die Urheberkassiererei eine Art Judas-Lohn der Atlantikbrücke für den Verrat und die Auslieferung des ganzen Landes als fette Beute ist.

Hochinteressant ist freilich auch die Kette Mathias Döpfner – Friede Springer – Angela Merkel – Axel Voss.