Ansichten eines Informatikers

Ein Leser beschwert sich…

Hadmut
21.9.2018 0:35

darüber, dass ich so viele Schreib- und Grammatikfehler in den Texten hätte.

Klar kann ich besser schreiben. Mache ich ja auch, tagsüber bei meiner hauptberuflichen Tätigkeit.

Dieses Blog hier führe ich aber nach Feierabend, und der geneigte Leser wird bemerken, dass ich meistens 8 Stunden arbeite, danach bis mindestens Mitternacht blogge, ein bisschen schlafe, und dann geht es von vorne los.

Zeitlich bin ich am Limit. Ich kann das Blog nur so führen, indem ich die Texte schnell und in höchstmöglicher Geschwindigkeit schreibe und ohne Kontrolllesen rausschicke.

Nur zur Orientierung: Ich habe inzwischen über 5000 Mails mit Hinweisen in der Inbox, 5000 Mails „für später” in der Redaktionsbox, und etwa 10.000 abgearbeitete oder aussortierte Mails. Wohlgemerkt, allein von diesem Jahr!

Darunter sind viele sehr wichtige und nützliche Mails mit Hinweisen, aber leider auch vieles, was mich nur Zeit kostet und mir nichts bringt. Immer wieder suchen Lesen den sozialen Kontakt, und wollen per Mail mit mir mal plaudern. Das ehrt mich, dafür habe ich Respekt, aber es kostet Zeit, die ich nicht habe, und bringt mir gar nichts. Ich habe dafür einfach nicht die Zeit.

Schwer machen es mir auch die Leute, die mir „das müssen Sie unbedingt lesen” oder „Schauen Sie mal das!” schicken oder auch nur im leisesten zu sagen, warum. Was ich da finde. Aber ich soll mir mal eben einen 2-Stunden-Video ansehen um vielleicht zu erahnen, was man mir sagen will. Auch das kostet enorm Zeit.

Dann gibt es gerade zwei oder drei Leser, die mir ständig – obwohl ich schon gebeten habe, damit aufzuhören – dämliche Bildwitze zuschicken, die sie irgendwo im Internet gefunden haben. Mag ja sein, dass sie das witzig finden, aber meistens ist es eben nicht witzig, sondern einfach nur Lächerlichmachung. Das kostet Zeit und bringt nichts.

Und immer wieder kommen auch Leser auf die tolle Idee, dass wenn ich irgendein Thema mal am Rande angesprochen habe, ich mich doch gleich erst mal vier Semester voll reinarbeiten müsste.

Ich kann nicht noch mehr Zeit aufwenden. Mein Tag hat nur 24 Stunden, und davon gehen mindestens schlafen und arbeiten ab.

Wenn sich dann noch einer beschwert, dass ich zuviele Schreib- und Grammatikfehler drin habe, obwohl ich die Texte oft spätnachts und in Eiltempo schreibe, dann wird es einfach zu viel. Dann finde ich es auch irgendwann von der Erwartungshaltung unverschämt. Ich leiste schon enorm viel Zeit für dieses Blog, und dann kommen immer wieder Leute und wollen noch mehr, noch mehr, noch mehr.

Auch die, die ich kürzlich schon ansprach, die mich dann erst mal belehren wollen, was ich inhaltlich wieder falsch geschrieben habe und erst mal hätte lernen und lesen müssen. Ja, verflixt, wenn sie es besser wissen als ich, warum schreiben sie dann den Blogartikel nicht selbst und besser?

Seltsam finde ich auch die Leute, die mir schreiben, wenn ich nicht endlich dies oder das verbessere, sie mein Blog nicht mehr lesen wollten/könnten/würden. Ja, warum lesen sie es denn dann überhaupt? Glauben die Leute im Ernst, ich würde mein Blog bei – weiß nicht – vermutlich weit über hunderttausend Lesern an einem einzelnen Leser ausrichten, den ich nicht kenne, von dem ich noch nie gehört habe?

Klar könnte ich das Blog auch besser schreiben.

Aber dazu würde ich mehr Zeit brauchen, die ich nicht habe.

Und das ginge nur hauptberuflich.

Dann aber könnte ich das Blog nicht mehr frei anbieten, sondern müsste den Zugang gegen Bezahlung anbieten.

Oder um auf eines meiner Themen zurückzukommen: Es gibt schon Leute, die mir gewaltig auf den Sack gehen, die etwas kostenlos und frei zugänglich bekommen und sich dann noch darüber beschweren, dass es nicht an ihrem Geschmack ausgerichtet ist. Kleiner Denkanstoß: Dieses Blog dient allein einem einzigen Zweck: Meiner Meinungsfreiheit. Und damit meinem Geschmack.

Es darf jeder lesen.

Aber keiner muss. Wem’s nicht gefällt, der darf’s auch gerne bleiben lassen. Oder anders gesagt: Die Drohung eines mir völlig unbekannten Mister X, mein Blog nicht mehr zu lesen, lässt mich völlig kalt, das ist mir völlig egal. Ich habe ständig Leute, die nicht mehr lesen, weil sie ihre Quellen wieder mal wechseln, und ich bekomme ständig Mails von Leuten, die mir schreiben, dass sie mein Blog gerade neu entdeckt haben.

Das ist halt so, dass es fluktuiert. Und es ist nicht schlecht so.

Wem die Qualität nicht reicht: Mehr geht nicht. Nicht neben dem Hauptberuf. Und selbst das nur, weil ich nicht mal eine Topfpflanze und auch sonst keine Hobbys mehr habe und auch zu Sport nicht mehr komme.

Wer sich beklagt, sollte sich lieber bei denen beklagen, die das hauptberuflich-gewerblich machen oder gar öffentlich-rechtlich zwangsbezahlt werden. Lieber sollte man die fragen, warum die nicht schreiben, was Hobbyisten wie ich schreiben.

Denn das ist das eigentliche Problem. Nicht die geschwindigkeitsbedingten Schreib- und Grammatikfehler, die (wie schon oft beschrieben) zudem vom schnellen Tastaturschreiben kommen.