Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Geld wiegen

Hadmut
1.8.2018 22:15

Da habe ich eine ganze Menge Zuschriften bekommen. [Nachtrag]

Die Quintessenz: Die Märkte machen das wohl sehr unterschiedlich. Es gibt wohl Märkte, bei denen die Kassierer aus einem speziellen Tresor einen Kasseneinschub entnehmen, der mit einer genauen Menge Wechselgeld bestückt ist, und ihn nach der Arbeit in diesen Tresor wieder einschieben. Dann kommt abends der Geldtransporter des Cash-Dienstleisters und holt alles ab, damit nachts kein Geld im Markt ist, zählt das dann automatisch und mit Mehraugenprinzip überwacht, und erstellt dann einen Bericht, wieviel Geld in welchem Kasseneinschub war. Und bringt morgens wieder einen Bestand an frisch befüllten Einschüben. Sowas hatte ich vermutet, und genau das machen wohl auch manche.

Dann gibt es welche, bei denen stur von Hand nachgezählt wird. Großmarkt. Ausgerechnet die, die sich eine Zählmaschine locker leisten könnten.

Und es gibt welche, bei denen die einzelnen Geldfächer tatsächlich einzeln herausgenommen und in einer bestimmten Reihenfolge mit Waagen wie dieser gewogen werden, was aber voraussetzt, dass die Münzen sauber sortiert sind. Manche Leser haben Rechnungen angestellt, wann sich innerhalb der Toleranzen aus verschiedenen Münzen ein „kleinstes gemeinsames Vielfaches” ergibt, ab dem man Münzen vom Gewicht verwechseln könnte.

Sogar die Geldscheine wiegen sie. Einer berichtete, dass die Waagen so genau seien, dass sie erkennen, wenn im Fach für 10-Euro-Scheine ein 5-Euro-Schein steckt. Was aber heißen müsste, dass die Geldfächer nicht nur herausnehmbar sein müssten (man sieht es auf dem Foto, aber an allen Kassen, mit denen ich bisher zu tun hatte, waren die nicht einzeln entnehmbar), sondern auch so genau kalibriert, dass die Gewichtsabweichung zwischen einem 5- und 10-Euroschein (oder eben sogar zwischen 10 und 20 und 50) erkennbar sein müsste.

Fände ich erstaunlich. Denn es gibt Geräte, in die man einfach einen Haufen Münzen einwirft oder ein Bündel Geldscheine einsteckt, und die das dann richtig zählen und gleich noch auf Echtheit prüfen. Die aber auch mehr kosten und Krach machen.

Ich hege aber immer noch die Vermutung, dass es den Supermarktketten gar nicht so darauf ankommt, ob das alles 100%ig stimmt und es wichtiger ist, dass das alles flüssig und mit wenig Arbeitsaufwand schnell durchgeschaufelt werden. Denn bei den Waren kommt’s ihnen auch nicht so drauf an, da wird auch einfach weggeworfen, was angedätscht ist, und wenn einem Kunden etwas herunterfällt (was eignetlich der Kunde bezahlen müsste), sind sie immer sehr kulant, nur keine Diskussion, mit der Kehrmaschine drüber und fertig. Und wenn sie Klappmesser und sowas im Angebot haben, sind nach 2 Stunden die Hälfte der Verpackungen leer, weil der Inhalt geklaut ist. Scheint die nicht sonderlich zu stören, anscheinend ist eine gewisse Schwundquote ganz bewusst eingepreist, und ich habe mir sagen lassen, dass das Cash-Handling auch ziemlich teuer ist, die also ohnehin nicht das an Geld kriegen, was sie eingenommen haben. Womöglich geht’s da gar nicht so um die Genauigkeit, sondern darum, dass der Durchfluss hoch ist. Lieber 100 Euro ungenau und mit durchschnittlichem Fehler umgesetzt als in der gleichen Zeit 50 Euro exakt abgezählt. Zumal der Ladendiebstahl hier ohnehin Volkssport ist.

Aber man will ja das Bargeld ohnehin abschaffen.

Nachtrag: Ach, einen Punkt habe ich vergessen. Zu dem oben beschriebenen System, das ich so vermutet hatte und dass auch so abläuft, nämlich die ganzen Kassenschuber nach der Arbeit am Stück in spezielle Tresore zu schieben und vom Dienstleister abholen und zählen zu lassen, soll es unlängst einen Artikel im Fachblatt „Lebensmittel Zeitung” (Fachpublikation für Manager im Lebensmitteleinzelhandel) gegeben haben.

So eine Lösung hat natürlich den Vorteil, dass die Mitarbeiter auch selbst nicht mehr an das Geld kommen und deshalb erstens nicht überfallen oder erpresst werden können und sich zweitens auch selbst nicht am Geld bedienen können. In der Kasse ist der Schuber noch an einen bestimmten Kassierer gebunden und die Kasse weiß, wieviel Geld da sein müsste, da kann man nicht unentdeckt entnehmen. Wenn das Ding dann bei Arbeitsende aus der Kasse genommen und am besten gar nicht mehr geöffnet wird, sondern verriegelt bleibt, und direkt in den Tresor geschoben wird, gibt es eigentlich keine Möglichkeit mehr, dass sich da noch jemand bedient.

Hat was.

Sowas hatte ich ja vermutet, und so hätte ich das auch selbst konstruiert. Sowas wie das Wiegen würde ich gar nicht machen, solange Kassierer nicht auffällige Fehlbestände aufweisen, sondern Deckel zu, sofort in den Tresor, und gar nicht erst mit offenem Bargeld herummachen.

Da fällt mir auch ein, dass ich das vor 10 oder 20 Jahren mal irgendwo in einem Großmarkt gesehen habe, dass die das Geld nicht mal zu Fuß von den Kassen zum Geldraum bringen, und auch die Tür zubleibt, sondern die Kassen beim Erreichen bestimmter Geldmengen ein Signal geben und die Kassierer dann ein Geldscheinbündel in kleine Rohrpostbehälter stecken und jede Kasse an das Rohrpostsystem angeschlossen ist, die das Geld also im Affentempo an der hohen Decke entlang in den Tresorraum geschossen haben. Da war es auch wichtiger, das Geld in Sicherheit zu bringen, als es vom Kassierer genau nachzählen zu lassen.