Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das Schauspielverbot

Hadmut
14.7.2018 12:34

Neuester political-correctness-Trend: Man verbietet Schauspielern, etwas zu spielen, was sie nicht sind.

Nächste Eskalationsstufe des Wahnsinns.

Scarlett Johansson wollte und sollte in einem Film einen „Transmann” spielen, also jemanden, der als Frau geboren ist, aber sich als Mann fühlt, nach einer wahren Geschichte.

Abgesehen davon, dass das Thema inzwischen so durchgekaut ist, dass es mich nur noch ankotzt und ich von diesem ganzen LBQTTIXY!@-Kram inzwischen die Schnauze so übergestrichen voll habe (denn es ist ja auch immer nur das gleiche Gefasel in der Endlosschleife, inhaltlich kommt da ja gar nichts rüber, dass ist ja alles immer nur Jammer- und Dummen-Drama, der beste Film, der mir dazu einfällt, ist Orlando, und das war 1992 und den fand ich schon alkalisch langweilig, weil außer kontinuierlichem Gender-Leid nichts passiert, außer dass Somerville mal vorbeikommt und singt), hätte ich mir Johansson in so einer Rolle sehr gut vorstellen können, weil sie ja ein eher kantiges Gesicht hat und burschikos auftreten kann. Als Besetzung hätte ich die für genau richtig gehalten.

Aber nein, die „community” hat solchen Aufstand gemacht, dass sie davon Abstand genommen hat. Nur eine Transgender-Person dürfe Transgender spielen, hieß es.

Irgendwie haben diese Leute nicht verstanden, was Schauspielerei ist.

Man muss kein Bankräuber sein, um einen Bankräuber zu spielen. Kein Mörder, um den Mörder im Krimi darzustellen. Und man muss auch nicht tot sein, um die Leiche zu spielen.

Manchmal frage ich mich, was in den Köpfen solcher Leute vor sich geht, wenn sie Science Fiction mit Außerirdischen sehen, oder Phantasyfilme wie Herr der Ringe. Was denken die sich wohl, wer Klingonen und Orks spielt?

Drollig ist ja, dass das alles immer unter dem Großthema „cultural appropriation” läuft, dass niemand das Recht habe, irgendwelche Rollen oder Äußerlichkeiten geschützter Minderheiten wie Frisuren, Kleidung oder auch nur ein Essen zu kochen, übernehmen dürfe. Kurioserweise ging vor ein paar Tagen durch die Presse, dass es da gerade wieder großen Rassismus-Zoff gibt, weil ein paar schwarze Frauen sich für irgendein Dorffest in Österreich passend eingekleidet, sich also ins Dirndl geworfen haben. Ist ja auch enorm kleidsam. Das nun wieder passte ein paar Einheimischen nicht, die sich abfällig darüber äußerten, und schon ging’s wieder in die Rassismusbalgerei, das sei natürlich Rassismus und Nazi und das alles. Kann man so sehen. Ich bin ja selbst ein Verfechter der Auffassung, dass man sich den jeweiligen örtlichen Sitten annähern sollte, when in Rome, do as the Romans do. Insofern halte ich es für völlig legitim und integrativ und angemessen und sittenrespektierend, wenn sich Frauen dort, egal wer sie sind, ein Dirndl anziehen. Im Gegensatz etwa dazu, dort in arabisch-türkischem Kittelmantel und mit Kopftuch aufzutauchen. Das halte ich für schlechtes Benehmen. Von mir aus also: Dirndl frei. Sieht auch viel besser aus.

Beachten sollte man aber diese seltsame Doppelmoral, diese doppelten Maßstäbe:

  • Regen sich Österreicher über schwarze Frauen im Dirndl auf, dann ist es Rassismus und Nazi und muss bekämpft werden.
  • Regen sich in den USA schwarze Frauen über Weiße auf, die Rasta-Locken tragen, afrikanische Gewänder tragen oder afrikanisches Essen kochen, also genau das gleiche umgekehrt, dann findet man das ganz toll, weil sie ihre kulturelle Identität gegen weißen Kolonialismus verteidigen.

Dieses ständige Doppelmoraldenken und Anlegen sich widersprechender Maßstäbe geht mir so auf den Wecker. Das ist einer der zentrale Hauptpunkte, warum ich diese Leute für dumm, verlogen, korrupt, widerlich halte. Da gibt es bei mir im Hirn eine Stelle oder Drüse, die da immer ganz laut schreit „halt Dich fern, das ist widerlich”. So wie man sich vor faulendem Unrat ekelt. Ich kann dieses doppelmoralige überhaupt nicht ab.

Stellt Euch nun also mal vor, man wollte in Hollywood einen Film über eine „normale” Person (das, was sie mit dem superdämlichen Begriff „cis-gender”) drehen und einer transsexuellen Schauspielerin oder intersexuellem Schauspieler die Rolle verweigern mit demselben Argument, das wäre ja Fake, das wäre sie ja nicht. Dann würde ein Sturm losdonnern, gegen den Weinstein eine Kindergartenspielerei ist.

Wehe dem, der die Rollen von Indianern oder Schwarzen nicht mit Indianern oder Schwarzen besetzt. Selbst eine mittelschwarze Schauspielerin (war es nicht Halle Berry?) bekam neulich massiven Ärger, weil sie eine real existierende Person spielte, die aber einen etwas dunkleren Hautton hat, und sich deshalb eine Kleinigkeit dunkler schminken ließ. Die Community, die sonst sagt, man dürfe niemanden wegen seiner Hautfarbe diskriminieren, spuckte Feuer und Galle, weil die Rolle nur von jemandem hätte gespielt werden dürfen, der exakt dieselbe Hautfarbe hat. (Von gleicher Schuhgröße sagten sie allerdings nichts.) Aber wehe dem, der einem Schwarzen eine Rolle verweigern würde, weil die Rolle einen helleren Hautton zum Inhalt hat.

Macht euch klar, wie verlogen das alles ist.