Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Bundespressetagsheuchelei von Merkels Sprecher

Hadmut
3.5.2018 9:30

Es ist abstoßend. [Nachtrag: Noch mehr Heuchelei]

Ich hatte doch vor einigen Tagen erst davon berichtet, dass in Hamburg die Staatsanwaltschaft einen Blogger und einen Sänger mit Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen drangsaliert, weil die – entgegen dem allmeinen Schweigegebot für die Presse, die das wohl nicht berichten darf – sagten, dass bei dem Mord in Hamburg an Mutter und Kleinkind dem Kind vor den Augen der Mutter und in aller Öffentlichkeit auf einem Bahnhof der Kopf abgeschnitten worden sei. Die Staatsanwaltschaft wollte das nicht näher kommentieren und nur davon sprechen, dass das Kind an Schnittverletzungen im Halsbereich verstorben sei, während im Internet der – angebliche – Durchsuchungsbefehl aufgetaucht ist, in dem steht, dass der Kopf fast ganz abgetrennt wurde und die Mutter noch versucht hat, ihr Kind zu schützen. Die Staatsanwaltschaft meint, die postmortale Würde des Kindes verbiete es, über die Art des Todes zu berichten.

Wenn ich so und in diesem Alter gestorben wäre, würde ich größten Wert darauf legen, dass die Öffentlichkeit erfährt, was passiert ist. Ich halte es im Gegenteil für extrem unwürdig, wenn man nicht darüber reden will und darf, und ein totes Kind einfach so kommentarlos wegräumt wie eine Tüte Milch über dem Verfallsdatum. Ich halte es für postmortal unwürdig, es zu verschweigen.

Offenbar will man aber nicht, dass darüber berichtet wird und geht mit juristischer und polizeilicher Gewalt dagegen vor. Gerade hatte ich ein Videoblog verlinkt, in dem jemand sehr zu Recht darauf hinwies, dass sich niemand an postmortaler Würde aufgehalten hat, als da in Italien der Türkei ein totes Flüchtlingskind angeschwemmt worden war und man die Leiche – gerne allein, von allen Seiten oder auch mit dem jungen Polizisten – fotogen in allen Medien brachte. Und bei Leichen in Syrien hatte man auch nie Hemmungen. Jetzt gerade – war’s am Sonntag? – kam ein 20.15-Krimi, in dem es um einen auf einen Pfahl aufgespießten abtrennten Kopf ging. Deutlich in die Komik gezogen. Und die Polizei ist da inzwischen auch nicht mehr zimperlich, neulich ging ein Portrait eines schon deutlich angemoderten Toten durch die Social Media, ob jemand wüsste, wer das ist. Da fragte auch keiner nach postmortaler Würde.

Wenn’s aber um Morde in Deutschland geht, und das auf Kritik an der Kanzlerinpolitik hinauslaufen könnte, dann darf man das plötzlich nicht mehr berichten, dann handelt man sich Hausdurchsuchung, Beschlagnahme der ganzen IT, Strafverfahren ein.

(Ich habe gerade noch einen anderen Fall in der Recherche, demnächst vielleicht mehr über Eingriffe in die Pressefreiheit in Deutschland.)

Heute ist Tag der Pressefreiheit.

Oder besser gesagt, wie auch bei Frauentag und sowas, wieder mal ein Tag der Heuchler.

Und so kommt der Regierungssprecher, der auch schon ausgeschlafener ausgesehen hat, und sagt:

Wer glaubt denen noch was?

Nachtrag: Noch mehr Heuchelei. Ich dem oben verlinkten Blog-Artikel hatte ich ja schon darauf hingewiesen, dass derselbe Heiko Maas pro Pressefreiheit heuchelte, der zuvor im Zuge der Verschärfung des Sexualstrafrechts jene Strafrechtsänderung bewirkt hat, auf deren Grundlage die Staatsanwaltschaft in Hamburg gegen die Blogger vorgeht. Natürlich lässt Maas auch heute nichts aus:

Derselbe, der vorher das Gesetz so geändert hat, dass die Staatsanwaltschaft in Hamburg denen das Haus durchsucht, der sich nicht an das allgemeine Presseschweigen hält. Das Schweigen einer Presse, die zu signifikanten Teilen direkt oder indirekt im Besitz der SPD ist.