Ansichten eines Informatikers

FAZ stellt Don Alphonso kalt

Hadmut
6.3.2018 23:13

Die stalinistischen Säuberungen gehen voran.

Wie ich schon schrieb: Man wiederholt im Prinzip die Karlsbader Beschlüsse. Facebook und Twitter hat man schon gebügelt. Blogger und ähnliche mahnt man gerade im großen Stil ab.

Und jetzt: Die FAZ wirft Don Alphonso raus.

Es gibt jede Menge Kommentare dazu, zusammengefasst unter dem Hashtag #ausFAZwirdTAZ. Manche meinen, dass gewisse Journalisten da mal Gebrauch von der Pressefreiheit gemacht haben in dem Sinne, die Presse müsse frei von Meinung werden. Die Mehrheit glaubt aber, die FAZ habe einfach nur nicht mehr die Eier in der Hose, sich noch gegen linken Meinungsdruck zu stellen.

Es gab mal eine Zeit, in der war die FAZ noch halbwegs brauchbar. Zwar ein übles Professorenblatt, aber gelegentlich brauchbar. Als ich noch Mitarbeiter an der Uni war, kam der Professor (Beth) zu seinem wöchentlichen Oberseminar (falls er zufällig mal in der Uni war und Lust hatte) – vulgo: ordinäre Mitarbeiterbesprechung, die durch Umbenennung als Lehrdeputat abgerechnet wurde – in der er erzählte, welche genialen Ideen seinem genialen Geist wieder gekommen wären, die zu implementieren er uns unwürdigen Mitarbeitern gestatten würde. Irgendwann bekamen wir raus, dass er die immer aus der FAZ abgeschrieben hatte. Wir abonnierten also die FAZ und schlossen vorher durch Setzen von Kuchenstücken auf Artikel Wetten darauf ab, was er als seine geniale Erfindung ausgeben werde. Das ist – bekanntlich – über 20 Jahre her und seither wusste ich über die FAZ nichts sonderlich positives mehr zu berichten – außer Don Alphonso. Der ragte da mit Hirn, Biss und eigenem Denken weit aus dem Rest heraus. Man scheint ihn aber nicht mehr haben zu wollen, weil man wohl keine ebenbürtige Frau als Autorin gefunden hat, die man ihm gegenüberstellen könnte. Sieht man ja bei SPIEGEL: Lobo überragt Stokowski gerade mal um etwa die Höhe seines Irokesenschnittes.

Der politische Druck war offenbar zu groß, und als Zeitung kann man sich politischem Druck heute nicht mehr widersetzen. Die Leser rennen weg, die Umsätze und Auflagen schrumpfen, und früher oder später wird man auf staatliche Zuschüsse angewiesen sein, und die bekommen natürlich nur die Mainstreams und Staatstreuen. Ich habe seit 20 Jahren keine FAZ mehr gekauft, und mit den Werbeeinnahmen von Webseitenbesuchen dürfte es jetzt auch fast nichts mehr werden.

So sieht’s aus: Einer nach dem anderen wird kaltgestellt. Gut, die positive Nachricht ist, dass man ihn nicht, wie einen anderen, bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum gefunden hat. Noch nicht.

Die Frage ist, ob es was bringt. Ob nicht irgendwann die Beklemmung des Schweigens und des Verschwindens von Meinungen stärker wirkt als die Meinung.

Ach ja: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.