Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Bitcoins und die wundersame Geldvermehrung

Hadmut
16.1.2018 0:32

Oh je.

Ganz viele Leute haben mich angeschrieben, ich solle doch mal was zu Bitcoins schreiben.

Es freut mich sehr, wenn die Leser mich zu so vielen Themen für eine vertrauenswürdige Autorität halten, das ist ja auch eine Ehre. Umso mehr schmerzt es mich, wenn ich die Erwartung an und ab nicht erfüllen kann, sie enttäuschen muss.

Tut mir leid, aber meine Zeit ist leider auch auf 24 Stunden am Tag beschränkt, und die letzten 20 Jahre habe ich mich sehr intensiv mit Umzügen, der Untersuchung von Hochschulbetrug und dem Thema Genderismus beschäftigt, dass ich die Zeit nicht mehr hatte, mich mit allen Gebieten der Informatik oder auch nur der Sicherheitstechnik näher zu befassen. Ich bin in Quantenkryptographie und Bitcoins nicht sehr beschlagen. Das ist halt einfach bei den Prioritäten eher hinten gekommen.

Das hängt auch damit zusammen, dass ich mich eben mal vertieft mit Kryptographie beschäftigt habe, und da gab es eben schon früher Zahlungssysteme, wie etwa Digital Cash usw. von David Chaum (bei denen mir übrigens ziemlich sauer aufstieß, welche Möglichkeiten die an den US-Universitäten haben, was Firmengründungen, Patente usw. angeht, und wir da in Deutschland nur im Regen standen). Und wer meine damalige Auseinandersetzung kennt, weiß auch, dass ich damals ein völlig stümperhaftes und untaugliches „Bezahlungssystem”, dass die Bezeichnung nicht verdiente und voller hanebüchener Fehler war, zerlegt habe, das eine Doktorandin als Dissertation einreichte, und das eine Auszeichnung bekam, obwohl den Prüfern nachweislich bekannt war, dass es fehlerhafter gröbster Blödsinn von lächerlicher Naivität war. Aber sie war eben Frau, die können da alles abgeben. Die kam dann zu IBM ins Forschungszentrum damit.

Während Bitcoins für manche Leute die Offenbarung waren, hat’s mich nicht interessiert, war für mich Yet-Another-Zahlungssystem.

Ja, natürlich ärgere ich mich, dass ich damals nicht für Kleingeld Bitcoins gekauft habe und heute nicht Multimillionär bin. Aber ich habe auch die falschen Aktien gekauft. Könnte ich die Zukunft voraussagen, wäre ich sowieso längst der Reichste der Welt.

Außerdem gibt es genug schlaue Leute, die über Bitcoins reden und schreiben. Die brauchen nicht auch noch mich. Ich schreibe lieber über die Dinge, die sonst verschwiegen werden.

Rüdiger Weiss erklärt beispielsweise, warum das mit Demokratie und Vertraulichkeit nicht mehr viel zu tun hat.

Ich persönlich habe inzwischen ganz erhebliche Bedenken bei dem Gedanken, dass solche Systeme darauf beruhen, dass eine Vielzahl von Leuten anonym Rechner betreiben, die Besitz und Zahlung verteilt verwalten. Wenn ich mir beispielsweise die aktuellen Prozessorbugs wie Meltdown und Spectre anschaue, oder wie durch #MeToo und Codes of Conduct die ganze IT-Szene umgekrempelt wird, dann käme ich wirklich nicht mehr auf die Idee, einem solchen System, das auf einer willkürlichen Kooperation und nicht ausgesprochenem Konsens Anonymer beruht, nennenswert Geld anzuvertrauen.

Stellt Euch einfach mal vor, es käme morgen heraus (oder würde fälschlich behauptet) Donald Trump oder Harvey Weinstein hätten Milliarden in der Bitcoin. Das könnte ziemlich schnell auf Vernichtung hinauslaufen.

Ich würde auch kein Zahlungssystem verwenden wollen, weder als Zahler noch als Empfänger, bei dem man morgens nicht abschätzen kann, was die Währung nachmittags wert ist.

Geradezu absurd ist dabei der enorme Energieverbrauch der Bitcoins. Alle reden von Klimaerwärmung, CO2 und Energieeinsparung, aber keiner stört sich daran, dass Bitcoins unglaublich viel Strom verheizen, und zwar in den Ländern, in denen er am billigsten ist, weil die die primitivsten Kraftwerke haben.

Man kann aber auch mal diesen Bericht über Bitcoin-Millionäre und -Milliardäre lesen.

Ein zentrales Problem ist nämlich, dass Bitcoins – bei anderen Cryptowährungen soll es anders sein, aber hier ging der Wahnsinn ja los – nur in der Hand sehr weniger Leute mit riesigen Mengen sind.

Und da drängt sich mir doch – bin ich da eigentlich der einzige? – ein enormes Betrugsmanöver auf. Stellt Euch vor, die meisten Bitcoins gehören einer Handvoll Leuten, und die sprechen sich ab, sich Bitcoins, also eigentlich wertlose Zahlen, einfach wie wild gegenseitig im Kreis herum zu verkaufen. Zu einem willkürlichen, steigenden Mondpreis. Das können sie ja tun, denn es bleibt ja im Ergebnis ein Nullgeschäft. Obwohl überhaupt kein Wert geschaffen und nur im Kreis geschoben wird, explodiert auf einmal der Kurs und hebt immer weiter ab. Man sorgt auf diese Weise dafür, dass große Bitcoinmengen zu hohen Preisen verkauft werden, obwohl eigentlich gar nichts passiert, lockt damit genug Gierige an, und verkauft denen immer nur ein paar Bitcoins zu hohen Preisen.

Der Punkt ist nämlich: Mit Bitcoins verdient man ja (im Gegensatz zu Aktien, hinter denen echte, arbeitende Firmen stecken, die Dividenden zahlen) kein Geld, Zahlen auf der Festplatte bringen ja nichts, die kosten nur enorm Geld für Strom und Rechner (wer zahlt das eigentlich?). Geld machen die nur, indem sie es von den Doofen zu den Cleveren verlagern.

Jeder Bitcoin-Gewinn setzt also entsprechende Bitcoin-Verluste auf anderer Seite voraus.

Und wenn da Leute Multimillionäre und Milliardäre sind, dann heißt das nur, dass andere dieses Geld verlieren, denn eine wundersame Geldvermehrung gibt es nicht. Auch wenn viele das glauben. Wie beim Schneeballsystem: Die ersten werden reich, alle anderen gehen pleite.

Neulich las ich auch irgendwo, dass diese Abermillionen und Milliarden, auf denen die sitzen, nur fiktiv seien. Gemessen an dem fiktiven Wert ihrer Börse seien die zwar so hoch, aber verkauft und in echtes Geld gewechselt haben die das damit noch lange nicht. Angeblich, ich weiß nicht, ob es stimmt, seien die Dinger nach außen gar nicht so leicht verkäuflich. Was für meine Überlegung künstlich hochgepumpter Kreisverkäufe spricht.

Es ergibt aber Sinn.

Wer auf dem Papier Bitcoin-Milliardär ist, hat vielleicht nur eine Milliarde heiße Luft, und nur 30 Millionen echte Dollar, ist aber trotzdem reich. Wer weiß, vielleicht gibt es genug Dumme und sie haben wirklich Milliarden in echter Währung, aber die haben die Dummen dann eben weniger.

Erfahrungsgemäß enden solche Megaschneeballsysteme am Ende mit vielen Selbstmorden und Mordgedanken. Vielleicht leben die ja auch gar nicht mehr lange genug, um ihr Geld noch auszugeben.

Egal, wie Bitcoins funktionieren, sie können so nicht funktionieren. Immer mehr Leute glauben, sie würden da reich und investieren. Und keiner stellt sich die Frage, wo das Geld für alle eigentlich herkommen soll.

Jedes Schneeballsystem bricht zusammen, wenn es an seine quantitativen Grenzen kommt. Bitcoins sind von vornherein begrenzt, wachsen immer langsamer, und sind irgendwann ausgeschöpft. Aber es sprießen dafür neue Währungen aus dem Boden, und genau das hat das Aroma eines Schneeballsystems, nur dass eben nicht die Bitcoins einzelne Generationen darstellen, sondern ganze Cryptowährungen. Man wird immer mehr machen, weil die, die schon Geld reingesteckt haben, ihre Gewinne haben wollen. Es gibt aber nur begrenzt viele Dumme auf der Welt, denen man das Geld wegnehmen kann.

Und deshalb glaube ich, dass es gar nicht darauf ankommt, wie die Dinger genau funktionieren.

Der wesentliche Punkt ist der gesunde Menschenverstand. Und der sollte sich fragen, wo das Geld, das man gewinnen will, eigentlich herkommen soll.

Wie die Verwaltung des Systems dann kryptographisch passiert, ist nachrangig. Ich sag’s Euch nur ungern, aber: Primzahlen kann man nicht essen.