Ansichten eines Informatikers

Warum man Gorillas einfach abgeschafft hat

Hadmut
13.1.2018 18:53

Die political correctness hat wieder zugeschlagen.

Vor zweieinhalb Jahren kam es zu einem für Google peinlichen Vorfall, ein Foto wurde falsch klassifiziert:

Ein Mann beklagte sicht, dass er uns seine Freundin von Google als „Gorillas” eingestuft wurden.

Nun wäre es im Rahmen der Vernunft gewesen, zu sagen, dass solche neuronalen Netze erst im Entstehen sind und man diese Technik erst entwickelt, sich das auch erst finden muss. Wir sind noch nicht in der Lage, solchen Netzen so viele Neuronen zu spendieren, wie echte Gehirne haben, und schließlich ist die Bildklassifikation von Google ja schon verblüffend gut. Ich habe neulich die Quelle eines Bildes gesucht und eines zur Anfrage geschickt, das eine Frau von hinten in einer ziemlich artistischen Verrenkung mit einem Surfbrett über sich in der Luft zeigte. Richtig klassifiziert: Frau beim Surfen. Und solches mehr, ich bin ziemlich beeindruckt, wie gut Google klassifiziert, zumal ich als Informatiker jetzt nicht auf Anhieb wüsste, wie ich sowas zu programmieren hätte. Vermutlich haben sie einfach nur ein großes neurales Netz gebaut und Leute mit Captchas dazu gebracht, Klassifikationen vorzunehmen, auf die sie dann ihre Netzwerk trainiert haben: Klicken Sie alle Bilder an, auf denen Frauen sind.

Seien wir mal ehrlich: Ohne den Leuten auf dem Foto böses zu wollen, die optische Distanz zu Gorillas ist jetzt nicht so extrem groß. Ich will den Leuten nichts böses, aber den Gorillas auch nicht. Dafür, dass diese Netzwerke derzeit noch viel weniger Neuronen als Menschen im Gehirn haben, ist das Ergebnis so rein optisch doch nahe dran. Man könnte nun einer Technik gegenüber aufgeschlossen sein und sagen, dass es zwar nicht schmeichelhaft, aber so objektiv gesehen doch schon recht nahe dran war. Man muss nicht gleich beleidigt sein, wenn eine Technik noch nicht perfekt funktioniert.

Aber der Druck der Berufsbeleidigten war natürlich enorm, und man drängte Google, etwas zu unternehmen.

Anscheinend haben sie zwei Jahre dran gepuzzelt und es nicht geschafft. Womöglich ist die Aufgabe einfach noch zu schwer für derzeitige Netze.

Aber der Druck war hoch.

Und laut diesem Bericht ist das Ergebnis nun, dass Google Gorillas, Orang Utans und Schimpansen einfach gar nicht mehr erkennt.

Was Gorillas davon halten und ob sie sich nun diskriminiert fühlen, hat man nie gefragt.

Und ob daraus nicht andere Nachteile etwa für Schulunterricht entstehen, auch nicht.

Man könnte sogar die Frage stellen, ob man jetzt nicht ein noch größeres „rassistisches” Problem hat, weil es jetzt nämlich nicht mehr nur ein einfacher Fehler einer falschen Klassifizierung (als ob das nicht ständig passierte) ist, sondern es jetzt quasi offiziell ist, dass man Schwarze nicht automatisiert von Gorillas unterscheiden könne. Also eigentlich das Gegenteil dessen, was man wollte.

Schöne neue Welt. Symptome der Verblödung.