Ansichten eines Informatikers

Wer ist schuld? Zuschrift eines arbeitslosen Informatikers

Hadmut
4.8.2017 21:43

Lest Euch das mal durch, aber setzt Euch vorher:

Ich hatte doch über eine böse Leserzuschrift gebloggt. Dazu schreibt mir einer anonym:

Sehr geehrte Herr Danisch,

ich verstehe Ihre Sichtweise, kann sie aber intellektuell nicht nachvollziehen. Haben Sie schon mal in Erwägung gezogen, dass Sie persönlich durch Ihre hoho Steuerlast in Wirklichkeit ein destruktives Element darstellen? Unser System ist krank, und zwar unheilbar krank, dabei sehe ich in den Gendermist nur ein Symptom, aber das wäre wiederum eine ganz andere Debatte… Fakt ist aber dass Sie diesen ganzen Mist mitfinanzieren und sich dabei als moralisch höherwertig empfinden. Ich sehe das anders – für mich gehören Sie zu eben jener gesellschaftlichen Gruppe, die an sich die Macht hätte diesen ganzen Schwachsinn durch Arbeitsverweigerung zu beenden, aber das tun Sie nicht. Stattdessen malochen Sie, halten das System am laufen und beschweren sich über das System, für dessen Erhalt Sie freiwillig malochen. Ja freiwillig – niemand zwingt sie dazu. Und ja ich kann es verstehen, dass man nicht mal eben von einem gut bezahlten Job in Hartz 4 abrutschen will, dennoch gibt es andere Möglichkeiten und Mittelwege.

Stellen Sie sich einfach mal von wie es wäre wenn die Vernünftigen in unserem Land sich nicht dadurch für etwas besseres halten würden weil sie Nettozahler sind, wenn es unter Intellektuellen ein vollkommen akzeptierter und gangbarer Weg wäre aus Prinzip Hartzer zu sein, wenn diejenigen, die ihre Arbeit scheiße bzw unterbezahlt finden einfach kündigten. Dieser ganze Spuk hätte in kürzester Zeit ein Ende. Aber nein – man will ja selbst kein Assi sein, da man sich ja eben darüber definiert.

Das Grundproblem ist das Menschen wie Sie sich im Inneren immer noch mit diesem kaputten System identifizieren und die Krankheit deswegen lieber heilen wollen anstatt sie zu befeuern, auf dass wir den unheilbar kranken Patienten endlich zu Grabe tragen können.

Bitte nehmen Sie mir meine Zeilen nicht übel – ich lese Ihren Blog sehr gerne und habe höchsten Respekt vor Ihnen. Und gerade deswegen wünsche ich mir, dass Sie meine Gedanken nicht einfach abtun, sondern versuchen meine Perspektive einzunehmen.

mit freundlichen Grüßen

ein arbeitsloser Informatiker mit vollem Bauch und sehr sehr viel Freizeit

Was insofern schon schrott ist, weil ich mich nicht für marialisch höherwertig halte, sondern das Konzept der Moral für willkürlichen Mist halte.

Richtig ist, dass ich diesen ganzen Mist mitfinanziere. Die Frage ist aber, wer an dem Mist schuldig ist: Die, die arbeiten, oder die, die es nicht tun?

Und nein, ich maloche nicht freiwillig. Ich möchte eine Wohnung, Essen und einen gewissen Lebensstandard haben. Ich würde dafür gerne weniger als 40 Stunden arbeiten, aber das geht nicht. Nicht nur, weil es für Leute wie mich keine kleineren Jobs gibt (Frau müsste man sein…), sondern auch, weil Arbeit auf Kooperation beruht, und die setzt voraus, dass die Leute zusammen da sind.

Ich könnte auch nicht von einem gutbezahlten Job in Hartz IV rutschen. Denn erstens würde man mir vorhalten, dass ich einen gesuchten Beruf habe, und von mir weiter erwarten, dass ich arbeite. Zweitens würde man mir dann noch mehr wegnehmen, nämlich alles, was ich habe, und wofür ich bisher geschuftet habe. Die Hartz IV-Nummer funktioniert nur dann, wenn man noch nie gearbeitet hat und es erst gar nichts gibt, was man demjenigen wegnehmen könnte.

Und wenn keiner mehr einzahlen würde, dann gäbe es für Hartzer auch nichts mehr zu beißen.

Im Gegenteil, ich fühle mich von diesem System versklavt, insbesondere, weil man mir ja die Karriere, die ich haben wollte, kaputt gemacht hat.

Und das Problem sind nicht die, die arbeiten und zahlen, das Problem sind die, die bekommen ohne zu arbeiten. Wer heute Informatiker ist und nicht arbeiten will (und da gibt’s Arbeit genug), der sollte meines Erachtens auch kein Hartz IV bekommen.

Und das Problem sind die, die dieses Ausplünderungssystem wählen.