Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Volksfeinde, Terroristen, Lügner“

Hadmut
10.6.2017 21:11

Finger-pointing als Tugend.[Nachtrag]

Danach war ich bei einer Diskussion mit Carolin Emcke, Martina Bäurle, Christian Mihr (ROG) und Hajo Seppelt, moderiert vom NDR.

Dazu fällt mir jetzt auch nicht viel ein, außer dass es mich gestört hat. Mit der einen Hand zeigten sie ständig auf andere Staaten, mit der anderen klopften sie sich selbst und gegenseitig auf die Schulter. Und wieder mal das ständige Selbstmitleid, wie Journalisten weltweit beschimpft werden. Aber nicht, wie es denen geht, die vom Journalismus beschimpft werden und so. Wie gefährlich es war, im Ausland etwa aus Brasilien zu berichten und so.

Es hat mich vor allem deshalb so gestört, weil die wieder mal so extrem selbstgefällig und selbstgerecht auftraten. Klar, wenn man selbst bei ARD und ZDF sitzt, fette Gehälter und Pensionen einstreicht und immer gleich mit der vollen Medienkeule zuschlagen kann, dann hat man gut reden, was Pressefreiheit angeht.

Ich hab dann gefragt, ob sie vielleicht nicht doch erst mal vor der eigenen Haustür kehren sollten. Mag ja sein, dass sie da oben auf dem Podium herrlich Pressefreiheit genießen, Leute wie ich hätten sie nicht. Ich habe 5 Jahre gebraucht, um eine IFG-Auskunft (nicht erwähnt, aber gedanklich: Humboldt-Universität) durchzusetzen, werde ständig an der Nase herumgeführt (gedanklich: Bundestag, BMJV,…) oder ständig beschieden, dass ich gar kein Auskunftsrecht hätte, weil ich keine Presseausweis habe, und dass man hier in Deutschland zwar nicht in den Knast kommt, aber beruflich und wirtschaftlich plattgemacht wird, wenn man falsche Fragen stellt (gedanklich: Krypto, Kinderpornosperre, MDR,..)

Kam nicht gut an, die Frage. Frage aus dem Publikum in bösem Ton, wer ich sei.

Vom Podium abgekanzelt (ich glaube, es war Seppelt), ob ich denn wüsste, was die ARD alles machen würde, soundsoviel Radio- und Fernsehprogramme, ob ich die denn alle sehen würde? Typische Kampfrabulistik, zwingt einen nämlich, erst mal „nein“ zu sagen, kann man ja alle nicht sehen und dann in die Defensive, obwohl es mit der Frage überhaupt nichts zu tun hat. Journalismus heute. Und ich würde das ja sicherlich nur aus meiner singulär-subjektiven Sicht sehen (Ach… reicht das nicht, um Mangel an Freiheit zu beklagen? Und warum hat die Perspektive beim Feminismus den Medien jahrelang gereicht?)

Und überhaupt, er sei zufrieden, ihm gehe es gut mit seiner Pressefreiheit.

Ja, glaube ich ihm gerne, dass es ihnen da oben auf dem öffentlich-rechtlichem Podium gut geht, anderen aber nicht. Das interessiere sie nur nicht.

Viel mehr kam nicht rüber.

Später, nach der Veranstaltung, fragte mich aber eine Journalistin, wieso ich denn eigentlich keinen Presseausweis hätte.

Ich habe ihr erklärt, dass man dafür nachweisen muss, mindestens die Hälfte seines Einkommens als Journalist zu erzielen, was bei mir aber nicht der Fall ist, weil ich im Hauptberuf eben Informatiker bin.

Das schienen die da noch nicht zu wissen. Und welchen Angriffen auf Karriere und Finanzen man ausgesetzt ist, wenn man die falschen Fragen stellt, scheinen die auch nicht zu wissen.

Aber man setzt sich dahin, verkündet, wie gut die Pressefreiheit in Deutschland wäre, zeigt lustvoll auf andere, und findet sich gut. Und weiß eigentlich nicht, was abläuft. Und will es auch nicht wissen.

Journalismus heute.

Nachtrag: Ein Aspekt erschien mir zunächst weniger, nach nochmaligem Nachdenken aber doch wichtiger: Ich hatte bei meiner Frage erwähnt, dass auch in der vorherigen Veranstaltung Kachelmann erwähnt hatte, dass man gerne auf türkische Gefängnisse zeigt, aber die Deutschen nicht betrachtet.

Da wurde mir vom Podium widersprochen. Man habe auch Kachelmann schon gesagt, dass man das überhaupt nicht vergleichen könne, türkische Gefängnisse seien viel schlimmer als deutsche. Sagt sich leicht, wenn man auf der Seite derer steht, die Kachelmann damals runtergeschrieben haben. Ich habe außerdem mal von einem Fall erfahren, in dem ein Mann in einem deutschen Gefängnis immer wieder vergewaltigt wurde. Man hat nie etwas unternommen. Geht es um Frauen, knastet man auch Unschuldige ein, geht es um Männer, interessiert es keinen.