Ansichten eines Informatikers

Medien-, Presse- und Journalistensterben und die große Krise

Hadmut
26.4.2017 21:42

Jetzt weiß man, warum der Presse- und Medienbereich in letzter Zeit so komisch riecht: Die Verwesung hat eingesetzt.

Scheint, als würden da Teile des Pressewesens bereits nekrotisch. FOCUS schreibt über die BILD, dass bei denen (wieder einmal) der Umsatz enorm einbricht, und sie auch deutlich an Bedeutung verlieren. Schöne Erklärung dafür:

Die Bedeutung der „Bild“ nehme auch publizistisch immer weiter ab, erklärt Martin Welker, Professor für Journalismus und Kommunikation an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln gegenüber FOCUS Online: „Die Menschen sind gebildeter als früher und legen deswegen mehr Wert auf Qualitätsjournalismus. Auch wenn die Bild an sich arbeitet, macht sie aber nun mal keine gute journalistische Arbeit.“

Journalisten schreiben häufig, als wären sie schlau und der Leser blöd. Anscheinend dreht sich die Situation aber langsam um. Warum sollte jemand noch Zeitungen kaufen, wenn er das Gefühl hat, selbst schlauer als die Autoren zu sein?

Ein interessanter Punkt ist, dass ihre Kosten konstant bleiben, aber die Umsätze und die Einnahmen wegbrechen.

Über sechs Millionen Euro Umsatz innerhalb eines halben Jahres, einfach weg.

Das ist mehr als nur ein Ausrufezeichen – es ist eine Gefahr für den gesamten Springer-Verlag.

Scheint, als wäre Friede Springer jetzt auch nicht so talentiert.

Genau dazu passt auch, dass selbst die ach so angesehene Journalistenschule in Leipzig anscheinend richtig Probleme hat. Laut Leipziger Volkszeitung setzen die 2017 die Immatrikulationen für den Studiengang aus. Sie müssten erst ihren Studiengang neu aufbauen.

Nanu? Was bringt denn eine Universität zu Selbstkritik? Machen die doch sonst nicht.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber wir brauchen Zeit für einen Neubeginn und stehen zudem in der Verantwortung gegenüber den Studierenden und Lehrenden“, sagte Fakultätsdekan Professor Roger Berger. Dass nun die Reißleine gezogen wird, begründete er mit einer gravierenden Abnahme der Bewerberzahlen für den Studiengang. Seit geraumer Zeit gebe es diese Negativ-Tendenz als „Indikator für eine gesunkene Attraktivität“. Außerdem sei der Studiengang personell nicht ausreichend abgesichert. Als „kapazitäre Defizite“ bezeichnete das Professor Thomas Kater, der Studiendekan der Fakultät.

Anscheinend wollen auch kaum noch Leute Journalist werden. (Hat neulich schon ein Journalist irgendwo auf irgendeiner Veranstaltung gesagt, ich glaube, ich habe dazu gebloggt.)

Und vielleicht liegt es auch daran, dass (zumindest auf mich, aber vermutlich nicht nur auf mich) der heutige Journalismus nicht mehr den Eindruck vermittelt, als ob man im Journalistik-Studium noch irgendetwas vernünftiges lernt oder da durchzukommen, ohne dass man komplett gender-durchgeprügelt wird.

Man sieht ja auch an dieser Artikel über Leipzig wieder, dass Journalismus zu den Geistes- und Sozialwissenschaften gehört, und die damit eben oft an den Fakultäten für Sozialwissenschaften und Philosophie beheimatet sind. Und die produzieren seit Jahren nur noch Müll. Die sind inzwischen so von Ideologie und schierer Dummheit zerfressen, dass da nicht nur keine Befähigung mehr vermittelt wird, sondern die Leute da reihenweise mit Gender-Dachschaden rauskommen. Deshalb schreiben die dann auch so. Und nachdem die Leute den Zeitungsmist nicht mehr kaufen, pflanzt sich das nun fort und schlägt sich endlich auch auf die Universitäten durch.

Erste Botschaft: Die Leser wollen die Zeitungen nicht mehr, weil sie Mist geworden sind.

Zweite Botschaft: Die Absolventen wollen das Studium nicht mehr, weil es Mist geworden ist.

Es spricht sich inzwischen herum, dass man sich mit dem, was man da studiert, nicht mehr ernähren kann, und früher oder später – sozilogische Fakultät halt – als Taxifahrer oder Hartzer endet.

Immerhin kommt der Backlash damit endlich mal bei den Universitäten an, denn etwas anderes als Geld und dessen Entzug kapieren die ja nicht mehr. Wenn man denen sagt, dass das Mist ist, was sie da machen und lehren, kapieren die das nicht. Nimmt man ihnen Geld und Stellen weg, kapieren sie es. (Naja, drum nennt man es jetzt ja auch „faktenbasierte“ Wissenschaft. Man muss ihnen einfach Fakten schaffen, auf Sprache reagieren sie nicht mehr.)

Ich bin mal gespannt, ob sie daraus etwas lernen und welche Konsequenzen sie ziehen, was sie anders machen wollen.

Ich bin auch mal gespannt, was in 10 Jahren von unserer Presse noch üblich ist. Schon vor Jahren hat mal jemand prophezeit, dass es bald keine großen Zeitungen auf Papier mehr geben werde. Da könnte der Recht haben, auch wenn er das sicherlich ganz anders gemeint hat.