Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Handelskrieg USA gegen Deutschland

Hadmut
4.2.2017 12:46

Ist Euch mal aufgefallen, dass wir mit runtergelassenen Hosen dastehen?

Man kann ja über Trump denken, was man will, und seine Aktionen für noch so schlecht halten, ich sehe darin selbst dann, wenn sie schlecht sind, einen enormen Vorteil: Es wird einfach mal der Filz, dieses elende „Weiter so” und „Selbstverständlich” aufgebrochen, man muss mal wieder über Dinge nachdenken, über die man nicht mehr nachdenken wollte. Eine Ruptur. Das muss manchmal einfach sein, vor allem nach solchen Korruptionssuppen wie Clinton oder Obama.

Trump will den Markt der USA abschotten, und wettert gerade gegen die Deutschen, wegen ihres Exportüberschusses. (Exportüberschuss kann man auch interpretieren als: Deutsche Politik, wir arbeiten wie bekloppt und bekommen kaum was dafür.)

Abgesehen hat er es vor allem auf deutsche Autos, es stinkt ihm, dass da in manchen vornehmen Gegenden der USA nur deutsche Autos rumstehen. (Wer mal die amerikanischen Schüsseln gefahren ist, bekommt so ein Gefühl dafür, warum das so ist.) Und meckert an, dass in Deutschland dagegen kaum amerikanische Autos herumfahren. (Wer mal die amerikanischen Schüsseln gefahren ist, bekommt so ein Gefühl dafür, warum das so ist.) Nun will er deutschen Autoherstellern an den Kragen.

Das Problem daran ist: Das kann er. Nicht er hat ein Problem damit, sondern wir.

Sie stellen zwar in den USA komische Schüsseln her, aber immerhin, sie tun es und die Schüsseln fahren. Ein deutsches Auto zu haben ist nett, aber man muss nicht, es geht auch ohne. Zumal uns Tesla, und demnächst vielleicht auch Google und Apple (wobei Apple angeblich ja wieder aufgegeben hat) bei Fahrzeugen durchaus alt aussehen lassen können. Die USA können aber problemlos den Import deutscher Autos weitgehend zum Erliegen bringen, mit welchen Mitteln auch immer, sie haben daraus kein Folgeproblem.

Wir hingegen sind von den USA völlig abhängig.

Software: Haben wir hier (noch) eine Computerproduktion, Betriebssysteme, Textverarbeitung, Office-Pakete, Cloud-Dienste und so weiter?

Stellt Euch vor, wir müssten als Antwort auf einen Handelskrieg den Verkauf von Microsoft- und Apple-Produkten stoppen. Die lachen uns aus, denn dann geht hier gar nichts mehr. Schon allein die Gesundheitsversorgung würde zusammenbrechen, die öffentlichen Verkehrsdienste würden nicht mehr funktionieren und all die „Internet-Experten” der Politik wären vom Internet komplett abgeschnitten.

Internet-Dienste: Google, Facebook, und was da noch so rumschwirrt, machen aus uns Milliardengewinne. Natürlich nicht hier. Versucht mal die in Deutschland zu sperren. Haben wir hier ne Suchmaschine? Wäre ein Projekt wie der Berliner Flughafen. Die Regierung, die hier Facebook sperrt, würde sofort abgewählt.

Oder Schutzzölle erheben? Wieviel Prozent Zoll würde man denn da auf eine Dienstleistung erheben, die nichts kostet?

Oder Musik? Spielfilme? Entertainment? Fernsehserien? Lindenstraße und Dr. Klein statt Navi CIS und Sex and the City?

Die Folge dieser deutschen Sitz-im-Sessel-Politik (nicht nur aber vor allem von Merkel) ist, dass wir a) bei unseren Produkten keine Alleinstellungsmerkmale mehr haben und b) selbst kein komplettes Portfolio haben und auf andere angewiesen sind und deshalb c) erpressbar sind.

Den Handelskrieg haben wir verloren, bevor er begonnen hat. Einen Handelskrieg gegen die USA könnten wir deshalb nicht führen, weil wir ihn schon gegen uns selbst nicht führen können. Die kommen ohne uns aus, aber wir nicht ohne die.

(Nebenbemerkung: Es ist lächerlich, dass man in München, wo es immerhin mal ein Limux-Projekt gab, inzwischen wieder zu Windows will – nach Beratung durch Microsoft-Vertragspartner. Es ist absolut lächerlich, dass wir einerseits mit großem Getöse eine Cyber-Krieger-Truppe aufstellen, gleichzeitig aber von einer Windows-Infrastruktur völlig abhängig sind.)