Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Medienversagen: Linke, sehet Euer Werk!

Hadmut
10.12.2016 21:37

Wie es kam, dass Linke gegen ihre eigenen Methoden wettern.

Es ist gerade das galoppierende Narrativ, dass Linke auf die Methoden draufhauen, die eben noch ihre eigenen waren. Wobei man sich aber sehr darüber streiten kann, ob Rechte nun die Methoden der Linken kopieren und die Linken deshalb ihre eigenen Methoden nun angreifen, oder ob es in Ermangelung anderer Rhetorik einfach so weit gekommen ist, dass Linke nun einfach so Rechte ihrer Methoden beschuldigen. Die Stasi hat ja auch Leute diffamiert indem sie behauptete, die gehörten zur Stasi.

Die FAZ kocht gerade an der Suppe, dass in Amerika inzwischen gelogen würde, dass die Wände wackeln.

Gut, das ist nichts neues. Neu ist nur, dass sich inzwischen auch die FAZ daran stört. Bisher kam denen das ja bisweilen gelegen.

Als vergangene Woche ein bewaffneter junger Mann die Pizzeria „Comet Ping Pong“ in Washington D.C. betrat und um sich schoss, markierte das die bislang haarsträubendste Zuspitzung der Fake-News-Epidemie in Amerika. Edgar Maddison Welch war aus North Carolina nach Washington gereist, um einer Geschichte „auf den Grund zu gehen“, die seit Ende Oktober in sozialen Netzwerken und in den Medien kursiert.

Demnach sei die Pizzeria geheimer Treffpunkt eines Pädophilenrings um Hillary Clinton und ihren Wahlkampfmanager John Podesta. Das gehe aus den geleakten Clinton-E-Mails hervor. In den E-Mails, so die Verschwörungstheoretiker, fänden sich Codeworte: „Pizza“ stehe für Mädchen, „Hotdog“ für Jungs, „Sauce“ für Orgie, und so weiter. Beweise gab es keine, Zeugen auch nicht, dafür sinnfreies Geraune über geheime Symbole und „verdächtige“ Fotos. „Pizzagate“ verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit im Netz. James Alefantis, Eigentümer der Pizzeria, erhielt Morddrohungen, das FBI schaltete sich ein, das Portal Reddit blockierte den Suchbegriff „pizzagate“ schließlich. Die Verschwörungstheoretiker frohlockten: Das sei der letztgültige Beweis, dass sie recht hätten. Der Wahnwitz mit Methode wäre nicht der Rede wert, hätte er nicht solche Kreise gezogen und nicht Verweischarakter: Hier zeigt sich ein Muster, das die amerikanische Öffentlichkeit unter Trump prägen könnte.

Mmmmmh, ja. Das wäre vielleicht glaubensverführerisch, wenn es nicht so viele Politiker gäbe, die eben pädophil sind und Pädophilenpornos gucken. Bei uns zum Beispiel. Und dass sich Bill von der jungen Praktikantin einen hat blasen lassen, ist jetzt auch kein Gerücht. Und dass ständig irgendwelche Promis verfolgt werden, weil sie – angeblich oder echt – irgendwelche Kinder oder Frauen belästigt hätten, ist ja nun auch nicht neu. Siehe neulich Bill Cosby.

Ist das also überhaupt eine „Lüge von Rechts”, oder die Fortsetzung linker, feministischer Propaganda durch schiere Massenträgheit? Hat nicht auch bei uns die Presse die Gesellschaft darauf konditioniert, jedem Vergewaltigungsvorwurf sofort und ungeprüft zu glauben? Kachelmann, Gina Lisa Lohfinkt und so? In den USA beispielsweise der Rolling-Stone-Fall?

Was läuft denn da für eine Nummer ab?

Erst trimmt man die Gesellschaft auf grenzenlose Lügenempfänglichkeit, tabuisiert und sanktioniert jegliches Anzweifeln von Vergewaltigungsvorwürfen, und jetzt lastet man genau das plötzlich den Rechten an?

Müsste man nicht eher schreiben, dass Hillary Clinton nunmehr die von ihr selbst als Feministin geförderte Klatsche abbekommen hat, und deshalb auch damit leben muss? Lehrstunde der Kategorie „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu”?

Wo waren denn alle die, die jetzt „Lüge!” schreien, wenn es um Vergewaltigungsvorwürfe gegen Hillary geht, als es um Vergewaltigungsvorwürfe gegen Männer ging? Selbst als der Fall Gina Lisa schon längst als Lüge entlarvt war, sprach die FAZ immer noch von „angeblicher Vergewaltigung”, nicht von Lüge. Warum gelten für eine Hillary Clinton so andere Maßstäbe als für Männer? Wessen Interessen vertritt die FAZ?

Und mal so ganz trocken gefragt: Woher wissen die eigentlich, dass der Verdacht gegen Clinton gelogen ist?

Man könnte ihn unbewiesen nennen. Unwahr. Aus der Luft gegriffen. Wenn man ihn untersucht hätte und vielleicht widerlegen könnte. Lüge dagegen geht über Unwahrheit hinaus, sie unterstellt dem Lügner absichtliche Unwahrheit wider besseres Wissen. Man kann auch Unwahrheiten sagen ohne Lügner zu sein, vielleicht einfach aus Dummheit. Guckt Euch an, was deren Universitäten an Ausschuss produzieren. Leute, die auf permanente Unwahrheit abgerichtet sind, manche von denen glauben den Mist aber. Sind sie Lügner?

Woher kommt „Pizzagate“?

Der „New Yorker“ vermutet, „Pizzagate“ rühre von den Vorwürfen gegen Donald Trump her, mit sexuellen Übergriffen auf Frauen geprahlt zu haben. Trump verteidigte sich mit Verweisen auf Vergewaltigungsvorwürfe gegen Bill Clinton. Das Troll-Heer seiner Anhänger verschärfte die Angriffe. Geleakte Clinton-E-Mails aus dem Laptop des wegen eines Sex-Skandals mit Minderjährigen unter Druck stehenden Anthony Weiner waren Auslöser für die Spekulationen über einen Kinderpornoring.

Also sind es doch Spekulationen und keine Lügen?

So ganz erlogen sind sie ja dann offenbar nicht, denn in der Weiner-Affäre war ja schließlich was, und die Verbindung zwischen Hillary Clinton und ihrer „Adjutantin” war schon sehr seltsam. Da kann man nicht mehr sagen, dass das so frei und aus der Luft gegriffen ist. Es ist vielleicht überzogen oder überinterpretiert oder überspekulativ. Aber nicht frei erlogen.

Außerdem müsste man die Frage stellen, wer damit angefangen hat. Denn offenkundig hat ja das Clinton-Lager das Fass im Kampf gegen Trump aufgemacht. Und jetzt jaulen sie, dass mit ihrem eigenen Pulver auf sie geschossen wird?

Woher will die FAZ eigentlich wissen, dass das unwahr ist?

Die Gerüchte über Hillary Clinton gingen, wie das Portal „Buzzfeed“ nachzeichnet, von einem Neonazi-Twitter-Account aus, landeten auf dem Verschwörungsforum „Godlike Productions“ und Aggregats-Seiten wie „Your News Wire“ und „True Pundit“, auf die der ursprüngliche Twitterer mit dem Zirkelschluss verlinkte: „Meine Quelle hatte recht!“

Wer die Pressefreiheit so beeinträchtigt, muss sich nicht wundern, wenn die Leute finsteren Quellen glauben.

Mit dem Angriff im Restaurant ist die Sache längst nicht vorbei. Michael Flynn junior, der Sohn von Trumps designiertem Sicherheitsberater Michael Flynn und selbst Mitglied des Übergangsteams, wurde entlassen, als er am Tag nach den Schüssen im „Comet Ping Pong“ auf Twitter bekundete: „Bis #Pizzagate als unwahr bewiesen ist, bleibt es eine Nachricht.“

Frage: Wieviele der Studentinnen, die an amerikanischen Universitäten Studenten fälschlich der Vergewaltigung beschuldigt haben, hat man von der Uni geworfen? Mir fiel jetzt kein Fall ein. Die Tussi, die da wochenlang mit der Matratze rumgelaufen ist, ist immer noch an der Uni, ebenso wie ihre Dozentin. Der fälschlich Beschuldigte dagegen musste um seine Reputation kämpfen, war trotz Unwahrheit von der Universität geflogen.

Dummerweise geht die Entprofessionalisierung der amerikanischen Nachrichtenmedien Hand in Hand mit dem Zynismus, mit dem Fake-News-Autoren auf ihren Websites für lukrative Klick-Reichweiten sorgen.

Entprofessionalisierung der amerikanischen Nachrichtenmedien. Da ist doch mal ein Punkt. Sind da die Rechten dran schuld? Und sind die deutschen da besser? Oder ist es nicht so, dass die Linken in den letzten Jahren alles auf blindgläubige Propaganda abgerichtet haben?

Die „Washington Post“ veröffentlichte kürzlich ein Interview mit dem Nachrichtenerfinder Paul Horner, der bekannte, Trumps Präsidentschaft sei insofern gut fürs Geschäft, als „man inzwischen nichts mehr schreiben kann, was die Leute nicht glauben“. So sei Trump an die Macht gekommen – indem er schlicht irgend etwas behauptete. Sein Wahlkampfteam verbreitete unter anderem eine Horner-Falschmeldung über eine bezahlte Anti-Trump-Demonstrantin.

Mag sein, aber dann hat Trump auch nur ausgenutzt, was man vorher schon bereitet hatte. Lügende Medien und die Gewöhnung des Lesers daran, jeden Mist zu glauben, sind ein Produkt des Feminismus/Genderismus und des Political-Correctness-Gebashes.

Mit dem Einwand, dass etwas nicht stimmt, mit der Frage nach Belegen oder auch dem Gegenbeweis kommt man in den Vereinigten Staaten inzwischen keiner Falschdarstellung oder Lüge mehr bei.

Oh ja. Ergebnis von Gender und Feminismus. (Und letztlich auch der Religion und Kirchen in den USA, und des Kreationsmus-Krampfes.) Hat man nicht jahrelang auf alle eingeprügelt, die auch nur das leiseste Wort gegen Feminismus erhoben haben?

Das ist das Ergebnis. Das ist nicht einfach passiert, das hat man so gebaut.

Das hat auch damit zu tun, dass der Begriff „Fake News“ im Nu seine Bedeutung gewandelt hat. Als „Fake“ gilt – hüben wie drüben des politischen Spektrums -, nicht nur eine falsche Sachdarstellung, sondern eine abweichende Meinung. Das macht es den Rechtsextremen von der Alt-Right-Bewegung leicht, den Begriff als Synonym für das vermeintliche Bemühen der „Mainstream-Medien“ auszugeben, den Bürgern die Ansichten des Establishments einzutrichtern.

Hüben wie drüben.

Ganz einfache Frage: Wer war zuerst da? Feminismus/Genderismus oder Alt-Right? Von wem muss es also kommen, wenn es beide machen?

Nochmal der Satz aus dem Zitat von oben:

So sei Trump an die Macht gekommen – indem er schlicht irgend etwas behauptete.

Sind nicht Linke, Genderisten, Feministen, Social-Justice-Warrior, kurz, das ganze Political-Correctness-Gesindel an die Macht gekommen, haben obendrein sämtlichen Quotenfrauen und Gender-Priesterinnen ihre Stellen verschafft und sämtliche öffentlichen Kassen geplündert, indem sie schlicht irgend etwas behauptet haben?

Warum fanden Medien, auch die FAZ, das bisher nicht anstößig, jetzt aber schon?

Warum schreibt niemand über linke Lügen?

Ist das Problem nicht offensichtlich gerade nicht die Lüge als solche, sondern dass die Linke aufschreit, weil sie ihr Monopol, ihr Patent, ihren Alleinanspruch auf die Lüge verletzt sieht und sie wieder für sich alleine haben will?