Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die hausgemachte Mischung

Hadmut
1.9.2016 21:07

Yoho, ich kann Euch sagen, Isopropanol zieht schwer in die Birne.

Eines meiner ständigen Probleme ist die Reinigung von Objektiven und anderen optischen Oberflächen.

Das Unterfangen ist ebenso teuer wie mühsam und doch manchmal erfolglos.

Wie kriegt man Dreck von Objektiven runter?

Das allerwichtigste, billigste und bewährteste Mittel ist der Blasebalg. (Ich war ja neulich in der Riesen-Moschee in Abu Dhabi, von der manche behaupten, sie wäre die größte der Welt, während sie drinnen nur behaupten, sie währen die mit dem größten Teppich aus einem Stück. Schwere Sicherheitsvorkehrungen wegen Terrorgefahr, alles wird durchsucht und gefilzt. In der Autoeinfahrt für Lieferanten haben sie eine Scannerzeile wie beim Faxgerät im Boden, die von jedem Auto, das drüber fährt, ein Unterbodenbild fertigt. Anlässlich meiner eigenen Durchsuchung bekam ich Ärger. Nicht wegen der Kamera, nicht wegen meines übrigen Krempels, sondern wegen des Blasebalgs. War einer von Hama, der außen geriffelt ist und der so ganz entfernt an eine Handgranate erinnert. Zwar haben sie schnell eingesehen, dass das Ding ungefährlich und nur ne Luftpumpe ist, sie meinten aber, ich könnte es wegen seines Aussehens ja einfach hochhalten und „Bombe” rufen, was dort für ne deftige Panik genügen würde. Also musste ich meinen Blasebalg bei der Polizei deponieren. Den Rest konnte ich problemlos mit reinnehmen.) Damit kriegt man den meisten Staub und Dreck von der Linse und aus der Kamera, vor allem das Zeug, was beim sonstigen Putzen alles verkratzen würde. Immer, immer erst mal Blasebalg.

Wenn das nicht reicht, ein sehr weicher Foto-Reinigungspinsel. Löst lockere Teile, die zu sehr hafteten um weggeblasen zu werden.

Aber dann wird’s problematisch.

Für unterwegs und wenn’s schnell gehen muss, habe ich immer einen Lenspen dabei. Nachdem ich verschiedene Theorien über die Funktionsweise gesehen habe, ist mir nicht klar, welche nun stimmt, aber die Dinger sind gut. Inzwischen auch nicht mehr so teuer, und sehr bewährt, damit bekommt man viel Schmierschmutz runter. Bisher ohne sichtbare Kratzer, aber wegen des direkten Kontakts sollte es auf Notfallanwendungen bzw. seltenen Einsatz beschränkt bleiben.

Das letzte Mittel ist Flüssigreiniger und optisches Papier. Wobei viele Dippelkacker ja darauf hinweisen, dass man auf gar keinen Fall den Reiniger auf die Linse aufsprühen dürfte, damit der nicht reinläuft, sondern nur auf das Papier, um dann mit dem feuchten Papier zu wischen. Sehe ich etwas anders. Wenn man das im Gefühl hat und so vorsichtig sprüht, das es nicht verläuft, habe ich damit die deutlich besseren Ergebnisse erziehlt. Dünn ansprühen, kurz anweichen lassen, dann mit dem Papier aufwischen. Und das Papier nie direkt anfassen oder aufdrücken, sondern immer so ein „Blümchen” wickeln, das nur aus seiner minimalen Eigensteifigkeit an die Linse gedrückt wird.

Problem dabei: Welchen Reiniger?

Gut gefahren bin ich die letzten Jahre mit dem von Hama. Allerdings scheinen sie da mal die Rezeptur geändert zu haben, außerdem finde ich den ziemlich teuer (was sich allerdings etwas relativiert, wenn man mal herausfindet, wie teuer diese Sprühfläschchen im Einkauf sind). Was mich etwas nervt, dass Hama die im 10ml-Fläschchen verkauft (und draufschreibt, es wären 12 drin), noch dazu sehr teuer. Zugegebenermaßen reicht das zwar sehr lange, ist aber immer gerade dann alle, wenn man es nicht gebrauchen kann oder mal einen größeren Dreckfall hat. Und Linse-in-der-Margarine ist damit nicht zu retten.

Ich habe auf Reisen, vor allem in Asien/Australien/Neuseeland schon einige Male Optikreiniger nachgekauft, der sich aber stets als hundsmiserabel erwies. Gesundheitlich harmlos, aber grottenschlecht. Die verwenden laut Aufschrift destilliertes Wasser und „detergent”, also eigentlich nur Spülmittel in edelfein. Taugt gar nichts. Damit verschmiert man den Dreck nur, entfernt ihn aber nicht. Außerdem verdunstet das Zeug nicht (oder eben nur wie Wasser), womit die Linse nass bleibt, bis man eben alles weggewischt hat. Will man also nicht, dass Wasser in das Objektiv läuft, braucht man die dreifache Menge an Optikpapier, und das Ergebnis ist ein noch schlimmer verschmiertes Glas.

Noch schwieriger ist Sensorreinigung. Auch hier: Blasebalg und natürlich Kamera mit dem Loch nach unten halten, damit der Dreck auch rausfallen kann. Selbstreinigungsmechanismen der Kameras eigentlich ein Witz.

Da gibt es sündhaft teure „Swabs” (spezielle Reinigungswischer wie plattgeklopfte Wattestäbchen) und Reinigungsflüssigkeit. Kostet im Set rund 50 Euro und reicht für 5 bis 10 Mal reinigen. Inzwischen sind endlich etwas günstigere Konkurrenzprodukte auf dem Markt aufgetaucht.

Wobei die Kamerahersteller (jedenfalls meiner) ja sagt, dass man Sensoren gar nicht zu reinigen hätte, Finger weg. Mehr als Blasebalg ginge nicht, das sei Sache des Service. Kostet einen Haufen Geld, manchmal machen sie es einem auch kostenlos. Sie sagen, wenn man selbst den Sensor kaputt macht, hat man einen Totalschaden, weil ein Sensortausch so teuer wäre, dass er wirtschaftlich unsinnig wäre. Würden sie den Sensor kaputt machen, gäb’s Ersatz vom Hersteller.

Nur: Sagt sich so.

Ich hab mal ne ganze Serie von Reisefotos durchgehend versaut, weil die Kamera neu war. Neu gekauft, vor der Reise natürlich geprüft und getestest, alles einwandfrei.

Böse: Kameras mit mechanischem Spiegel sind geölt. Und wenn die fabrikneu sind, kann es vorkommen, dass durch die Spiegelbewegungen überschüssiges Öl abgeschüttelt wird und auf dem Sensor landet. Winzige Ölspritzer. Und da sieht man es nicht. Nicht im Sucher, nicht im kleinen Display, nicht bei der Sensorkontrolle. Habe ich unterwegs nicht gemerkt (bzw. zu spät) und mich dann zuhause am Rechner zu Tode geärgert. Es gibt zwar Programme, die bei gleichbleibenden Flecken ganze Bildreihen korrigieren, aber das ist dann halt doch alles irgendwie murks und nicht echt. Wie man die wegkriegt, wenn man hunderte von Kilometern vom nächsten Service weg ist und die da Wartezeiten von Wochen haben, sagen einem die vom Hersteller nicht.

Dafür haben sie mir mal gesagt, was sie da zum reinigen verwenden.

Die haben da nämlich so magische Dinge. Kleine Glasflaschen mit Drückspender, der oben in einem kleinen Schälchen ein paar Tröpfchen ansammelt, die sie mit ganz edlen feinen fusselfreien Spezialtüchern aufnehmen, diese um ein Hölzchen aus handverlesem göttlichem Edelholz wickeln und damit dann bedächtig den Sensor streicheln. Für anderen Teile der Kamera nehmen sie dann aber einen ordinären Industrieschaumreiniger aus der Sprühdose.

Ob man diese magische Flüssigkeit kaufen könnte. Also die, die sie für Sensoren verwenden. Sensoren reinige ich nur, wenn es nun gar nicht anders geht (die üblichen käuflichen Sensorlupen begeistern mich nicht, ich hab eine, und die taugt nichts. Das beste zur Sensorkontrolle, was mir bisher untergekommen ist, sind die großen beleuchteten LED-Lupenleuchten, die man an den Schreibtisch anschraubt, die es alle Jahre mal bei LIDL gibt. Aber halt nicht zum Mitnehmen.) Aber ich würde das gerne für die anderen Glasflächen an der Kamera verwenden.

Nein, die Flüssigkeit könnte man nicht verkaufen. Sie bekämen die nur für den Eigengebrauch von der Mutterfirma aus Japan, Hersteller unbekannt. Man könne mir aber verraten, dass es sich um eine schlichte Mischung aus 60% Isopropanol und 40% Waschbenzin handele. Könne man sich in jeder Apotheke mischen lassen, die hätten die Komponenten auch in der nötigen Reinheit.

Ich hab mal vor 5 Jahren, noch im Münchner Raum, versucht, das in einer Apotheke zu bestellen. Also, äh, nee, das dürften sie so nicht abgeben, und geht nicht, und wissen sie nicht, und können sie nicht, und irgendwie würden sie das heute auch nicht mehr lernen, sowas selbst zusammenzurühren. Sie stünden nur noch rum und verkaufen Schachteln.

Inzwischen hat mich das Problem mal wieder gewurmt, weil ich wieder nix gescheites zu kaufen gefunden haben. Beziehungsweise wohl schon, es gibt Reinigungsmittel von Zeiss, das wohl über jeden Zweifel erhaben ist, was sich aber auch in der Preisgestaltung zeigt.

Irgendwie wollte ich es jetzt dann doch mal wissen und habe gegoogelt. Die Mischung Isopropanol und Bezin findet sich in diversen Foren, aber erstens mit leicht unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (manche schwören auf 55/45) und vor allem den Hinweis, dass man Wundbenzin statt Waschbenzin verwenden müsse. Deutlich reiner (man will sich ja keine Mineralölrückstände aufs Glas schmieren) und viel niedrigere Verdunstungstermperatur, verschwindet bei Zimmertemperatur schnell und rückstandslos.

Andere schwören auf Methanol, wieder andere auf Methanol mit Azeton (was aber für Kunststoffteile bestimmt nicht gut ist).

Also hab ich mir vorgenommen, die erstere Mischung mal zu testen. Ein Liter reines Isopropanol bestellt, dazu ein Liter reines Wundbenzin und zehn Glas-Pumpfläschen 100ml. Damit ist man auch deutlich über 40 Euro los, aber kann dafür mal rund einenhalb Liter herstellen, und hat nicht immer nur so kleine 10ml-Fläschen.

Und ausprobiert.

Natürlich erst mal an Teststücken.

Ich hatte vor Jahren mal gebrauchte Objektive auf eBay gekauft, bei denen unglaublich verschmierte Filter (Pol und UV) drauf waren, Wollte die eigentlich längst wegwerfen, habe sie dann aber als Teststücke für Reiniger aufgehoben. Bisher hat kein Reiniger die Dinger sauber bekommen, alles lief immer nur darauf hinaus, die Schmiere hin und herzuwischen und es immer schlimmer zu machen.

Mit der neuen Mischung und einen (älteren, wiederzuverwendenden) Mikrofaserglaslappen probiert:

Beide Filter sind jetzt sauber.

Was jetzt nicht unbedingt heißt, dass die Mischung viel besser ist als die bisherigen Reiniger. Aber wenn man das Zeug aus Literflaschen mischt und in einer 100ml-Flasche statt in einer 10ml-Flasche hat, dann ist man damit auch nicht so sparsam und gibt mal ordentlich Zeugs drauf (zumal es sich ja eh nur um Filter handelte, die eigentlich dem Mülleimer geweiht waren, es also völlig egal war, ob das irgendwo reinläuft).

Hat funktioniert. Naja, die Kratzer kann man damit nicht rauswischen.

Aber natürlich ohne Gewähr. Keine Haftung oder ähnliches, falls sich irgendwer damit was kaputt macht oder in Brand setzt. Das Zeug ist sehr brandgefährlich.

Und es dröhnt. Isopropanol umzufüllen spürt man schon. Gut lüften.

Verblüffend übrigens, wie teuer die kleinen Braunglasfläschen sind, wenn man sie mit Pumpzerstäuber nimmt.