Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Hartz IV macht schwanger

Hadmut
31.5.2016 9:17

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst missinterpretiert hast.

Die BZ meldet:

Jedes siebte Kind lebt von Hartz IV

Rund jedes siebte Kind in Deutschland ist von Hartz-IV-Leistungen abhängig. 2015 waren demnach im Schnitt 1,54 Millionen unter 15-Jährige betroffen, rund 30.000 mehr als 2014. In einzelnen Regionen ist die Lage deutlich schlechter: So ist in Bremen und Berlin mit 31,5 Prozent fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren von Hartz-IV-Leistungen abhängig (Ende 2015).

Fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren von Hartz-IV-Leistungen abhängig

Wäre ich jetzt Soziologe oder Genderist, wo es üblich ist, sich zu einer Korrelation einfach eine beliebige, politisch genehme Kausalität auszudenken und energisch Konsequenzen zu fordern, würde ich daraus jetzt folgern, dass Hartz IV erwiesenermaßen schwanger macht, damit frauendiskriminierend ist und aus „Geschlechtergerechtigkeit” abgeschafft werden muss. (Und würde dafür mindestens einen Doktor kriegen.)

Weil ich das aber nicht bin, verkneife ich mir hier jetzt mal Spekulationen darüber, was die Kausalität dafür ist, woher es also kommt, sondern schlussfolgere, wofür das kausal sein wird, wozu es also führt.

Es führt dazu, dass es in vielen Schulklassen und Cliquen Hartz-IV-Kinder geben wird. Die werden nicht gleichmäßig verteilt sein, in manchen Schulklassen ist das dann vielleicht nur ein Kind, in anderen dafür die Mehrheit oder sogar die ganze Klasse.

Entweder führt das dann zur Spaltung und einer Art Ausgrenzung (Kinder können gemein sein), und aus den Ausgegrenzten werden dann solche Psychowracks, die nachts durch die Straßen ziehen und vor lauter Neid Autos anzünden und Scheiben einwerfen. Daraus erwächst Linksradikalismus.

Oder sie nehmen den dominanten Teil ein und es führt zu einer regelrechten Hartv-IV-Mentalität, dass es aussichtslos oder überflüssig sei, noch etwas zu lernen, und man sich gleich auf Hartz-IV-Bezug einschießt. Hier nochmal das Zitat aus einer Leser-Zuschrift:

Ca. um das Jahr 2010 (ich war damals noch Schüler eines mittelmäßigen Gymnasiums in Frankfurt/Main) fuhr ich mit der S-Bahn und musste das Gespräch zweier Mädchen im noch schulpflichtigen Alter mit anhören. Nach Sprachverwendung und -inhalt handelte es sich maximal um Hauptschülerinnen. Fragte die eine die andere, was sie denn später mal arbeiten möchte, sagt die andere doch glatt: “Isch geh Arbeitsamt, mach ich Harz IV. Isch bin doch nich blöd und arbeide, wenn isch Gelt so von Staat bekomm.”

Es bilden sich dann ganze Bevölkerungsschichten und schließlich ganze Hartv-IV-Ghettos wie eben Bremen oder Berlin. Eben diese Abstiegsgesellschaft.

Und daraus erwächst dann eben Linksradikalismus – Neid auf den Teil der Gesellschaft, der einen tragfähigen Beruf erlernt hat – aber auch Rechtsradikalismus, nämlich als (Allein-)Anspruch auf den Vollversorgungsposten, der durch Neuankömmlinge als Konkurrenz bedroht wird.

Im Prinzip ist beides das gleiche, nämlich die Aggression abgehängter Gesellschaftsteile, die sich nicht mehr selbst ernähren können oder wollen, nur in verschiedene Richtungen: Linksradikalismus ist Aggression nach oben wegen der Differenz der Lebenssituationen. Rechtsradikalismus ist die Aggression nach unten in Konkurrenz um den Futtertrog. Beides aber aus derselben Versagerposition heraus. Und es schließt sich auch nicht gegenseitig aus, sondern gehört eher zusammen.

Wäre ich jetzt Soziologe – was ich glücklicherweise nicht bin – würde ich da nun wieder kausal Schlussfolgern, dass der Feminismus an allem schuld ist. Der nämlich hat dazu geführt, dass viele Frauen studiert und keine – oder wenige – Kinder mehr bekommen haben, und dass viele Familien kaputt gegangen sind und deshalb viele alleinerziehende Mütter auf Hartz IV rumhocken, und damit erst dieses Missverhältnis verursacht haben, das im Ergebnis zur Rechts- und Linksradikalismus führt.