Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Aus der Bedienungsanleitung eines Airbus A320

Hadmut
21.5.2016 14:39

Was man für den Hausgebrauch so wissen sollte. [Nachtrag 2]

Für so ein Flugzeug gilt letztlich auch nichts anderes als für eine Kamera oder ein Waffeleisen: In der Bedienungsanleitung steht, wie man damit umgeht.

Ein aufmerksamer Leser hat mir gerade die Seite mit den Emergency Procedures der Lufthansa für A320 für den Fall von Rauch oder giftigen Dämpfen geschickt (Danke!)

Wenn ich das englische Flieger-Abkürzungs-Kauderwelsch als Laie und mit Googles Hilfe richtig verstehe heißt das (wie ich schon schrieb):

  • Sauerstoffmaske und Schutzbrille aufsetzen, anscheinend muss man da noch was einstellen, sie schreiben 100%/Emergency.
  • Seat Belts / No Smoking-Zeichen an
  • Wenn Treibstoff austritt: Kabinenumlüftung an, Zapfluft aus
  • Wenn kein Treibstoff austritt: Kabinenumlüftung aus, Zapfluft auf hoch
  • Kabinendruck auf 10000 Fuß oder MEA (minimum enroute altitude, also Mindestflughöhe für die Route) einstellen
  • Sinkflug auf Level 100 (das sind glaube ich genau 10000 Fuß) oder MEA einleiten
  • Air Traffic Control informieren
  • Sobald man auf FL 100 oder MEA angekommen ist, Zapfluft aus, Belüftung voll aufdrehen (es scheint da verschiedene Belüftungssysteme zu geben und das Flugzeug bei hinreichendem Außendruck auch direkt belüftbar zu sein), eine Staudruck-Turbine anwerfen (ich dachte immer, die wäre nur für Strom und Hydraulik).
  • Und wenn es erforderlich ist, die Cockpit-Fenster zu öffnen: Maximalgeschwindigkeit 200 Knoten, Kopfhörer auf, und dann die Fenster auf.
  • Man möge sich auf gewaltigen Lärm einstellen und deshalb verstärkt auf optische Warnhinweise achten.

Ich nehme mal an, dass diese Vorgaben keine Spezialität von Lufthansa sind, sondern von Airbus so vorgegeben sind.

Das heißt, dass man direkt nach Einleiten des Sinkfluges die Flugüberwachung informiert.

Da wird also nicht einfach nur Rauch gewesen sein.

(Irgendwer wollte mich mal für völlig bescheuert erklären als ich sagte, dass man im Flugzeug die Seitenscheiben aufkurbeln kann. Ich weiß nicht mehr, wer das war. Man sieht aber ziemlich viele Fotos auf denen Flugzeuge am Flughafen die Seitenscheiben offen haben und die Piloten rausgucken oder irgendwelche Präsidentenstander raushängen. Man kann die Seitenscheiben tatsächlich öffnen, aber sie sind etwas zu hoch um wie beim Manta die Ellenbogen cool rauszuhängen.

Solltet Ihr mal in die Verlegenheit kommen, zahlt es sich aus, mein Blog gelesen zu haben.)

Nachtrag: Ich habe noch etwas Leser-Feedback bekommen.

Für die Kabinenluft gibt es eine separate Notfalleinrichtung (RAM AIR), die zwar ähnlich wie die Straudruckturbine (RAT = Ram Air Turbine) heißt, und auch ähnlich funktioniert, aber doch ein getrenntes System ist. Die RAT ist tatsächlich, wie ich schrieb, für Strom und Hydraulikdruck zuständig, während es für den Luftdruck noch eine Stauklappe am Flugzeugboden gibt, die geöffnet werden kann und durch den Staudruck die Kabinenluft beaufschlagt. Und übrigens auch eingesetzt wird, um Rauch aus der Kabine zu blasen.

Da kann man übrigens bei einem Test am Boden sehen, wie die RAT eines A320 ausklappt und getestet wird.

PACK 1+2 bezeichnet übrigens die beiden Zapfluftklimaanlagen. Anscheinend hat der A320 zwei davon auf beiden Seiten. Ich kenne das nämlich (vor allem von Boeing) so, dass die Luft nur auf einer Seite gezapft wird. Es gab nämlich mal einen bösen Unfall, bei dem ein Triebwerk Feuer gefangen und ausgefallen war, und das Flugzeug dann abgestürzt ist, weil der Pilot irrtümlich das intakte Triebwerk abgeschaltet und gelöscht hat. Man hat das untersucht und herausgefunden, dass der früher auf einem etwas anderen Muster geflogen war, bei dem die Luft auf der anderen Seite gezapft wird. Und der war darauf gedrillt, dass wenn es im Flugzeug nach Rauch stinkt, es deshalb das linke (oder rechte, weiß nicht mehr) Triebwerk sein muss, das brennt, jedenfalls, das, aus dem gezapft wird. Und weil es bei dem Muster dann andersherum war, hat er das falsche Triebwerk abgeschaltet und ist abgestürzt.

Interessant ist auch: Es gibt ja immer so die oft verlachte Situation in Katastrophenfilmen, in denen beide Piloten tot oder krank oder aus dem Flugzeug gefallen sind und die arme Stewardess den Flieger landen muss. Eine baltische Flugschule ist der Frage im Simulator mal nachgegangen und hat ausprobiert, ob eine Laiin nach 5 Minuten Einführung und Funk-Unterstützung von außen es schafft, einen A320 zu landen. Guckt’s Euch an.

Nachtrag 2:

Ich habe noch eine zweite Seite aus der Bedienungsanleitung bekommen, was bei Rauch oder Rauch in der Avionik zu tun ist, als das, was hier wohl vorlag.

Zunächst mal fühlt man sich an Hitchhikers Guide erinnern, denn darüber steht in großen unfreundlichen Lettern: LAND ASAP. Sie hätten auch PANIC NOW hinschreiben können. Und dann verschiedene Verfahrensweisen, wie man versucht, die Ursache einzugrenzen. Beispielsweise die Zapfluftanlagen wechselseitig auszuschalten um zu sehen, ob das gegen Rauch hilft.

Bemerkenswerterweise steht hier nichts davon, die Flugsicherung zu informieren. Allerdings steht da schon, dass man bei dichtem Rauch mit der oben beschriebenen Notbelüftung durch Abstieg fortfahren soll. Außerdem dann zur Konfiguration für elektrische Notfälle übergehen soll.

Man bekommt da schon so ein bisschen Gefühl dafür, was die da wohl getrieben haben könnten, nachdem der Rauchdetektor anging (und sie vermutlich den Rauch auch selbst wahrgenommen haben).