Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

In eigener Sache: Werbung im Blog oder was sonst?

Hadmut
25.4.2016 1:26

Nach 10 Jahren Bloggen stellt sich die Frage, wie es weitergehen kann und soll. Wie können die nächsten 10 Jahre laufen?

Im Sommer habe ich 10-jähriges Blog-Jubiläum. Das Blog hat in den letzten 3-4 Jahren drastisch an Bekanntheit, Besucherzahlen, Einfluss zugelegt. Manche Zeitungsredaktion wäre über solche Zugriffszahlen froh. Außerdem merke ich, dass ich weniger verlinkt und trotzdem mehr gelesen, also von der Sekundär- zur Primärquelle werde. Darauf laufen auch viele Zuschriften und Anrufe hinaus, und ich merke ja auch, wie oft mich Leute persönlich auf das Blog ansprechen.

Nach 10 Jahren und ein paar inhaltlichen Schwenkern muss ich mir nun überlegen, wie ich weitermache, wie ich das Blog verbessere, wie ich der veränderten Bedeutung und den damit einhergehenden höheren Ansprüchen gerecht werde. Oder anders gesagt: 10 Jahre und keine wesentliche Fortentwicklung ist ja auch nichts.

Außerdem habe ich in letzter Zeit ja auch ein paar „Tiefenbohrungen” angestellt, was Auskunftsansprüche, Presserecht und so weiter angeht. Und daraus ja auch Erkenntnisse gezogen.

Ich habe daher ein paar Probleme identifiziert, die es zu lösen gilt.

Das juristische Problem

Ihr habt’s ja mitbekommen: Nicht alle wollen mir Presserecht und damit presserechtliche Auskunftsansprüche zugestehen. Ein zentraler Punkt dabei ist, dass man private Blogger nicht anerkennen will.

Ich überlege daher, eine Medien- und Verlagsfirma zu gründen.

Der Haken daran ist, dass man Firmen nicht pro forma gründen und dauerhaft betreiben kann, wenn man nicht irgendeine Geschäftstätigkeit vorweisen kann. Ich brauche irgendwelche Einnahmen, um eine ernstliche Firma zu betreiben und als gewerbliche Presse auftreten zu können.

Was das juristische Problem in das Geld-Problem (siehe unten) transformiert.

Das thematische Problem

Mir gerät das Blog gerade thematisch etwas zu knapp. Ich will wieder Themen aufgreifen, die ich früher besser gepflegt habe, etwa technische Themen, Fotografie, Reisen, Konferenzbesuche.

Gleichzeitig aber auch in politischer Hinsicht mehr machen, denn ich bin mir sehr sicher, dass die nächsten 10 Jahre sehr heiß werden.

Das transformiert das Problem in zwei andere: Nämlich ein Zeitproblem. Und so ein bisschen ein Geld-Problem (siehe unten) für Reisekosten, Eintritte und so.

Das Termin-Problem

Viele »öffentliche« Veranstaltungen, vor allen der Politik und der Wissenschaft, sind so gemacht, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, nämlich unter der Woche während der Arbeitszeit.

Gerade da, wo die hingehen, die unter der Woche nichts vernünftiges arbeiten (müssen) passieren aber die faulsten Dinger. Da müsste man hin.

Das transformiert sich in ein Zeitproblem.

Das Zeit-Problem

Das größte Problem, das ich derzeit habe, ist das Zeit-Problem. Und noch dazu ein Dilemma.

Einerseits möchte ich gerne mehr bloggen, und habe auch mehr als genug Material und Themen, um auch ein geschlosseneres, vollständigeres Bild abzugeben. Und auch tiefer gehen und besser schreiben.

Andererseits bin ich weit über meinem Zeitlimit.

  • Ich kann nicht noch mehr Zeit aufwenden, das kostet mich schon oft mehrere Stunden am Tag, mitunter ganze Tage am Wochenende.
  • Ich lese meine Artikel schon lange nicht mehr zur Kontrolle, sondern schreibe sie einfach runter und haue sie raus, was halt manchmal zu Satzbau-, Schreibfehlern usw. führt. Zu mehr reicht die Zeit einfach nicht.
  • Ich bekomme von den Lesern viele gute und nützliche Hinweise.

    Aber ich komme nicht mehr nach. Aktuell habe ich so um die 2.000 Hinweise in der Mailbox, die ich gelesen und vorab für interessant befunden habe, die ich aber bisher nicht beantworten und bearbeiten konnte. Das ist natürlich nicht schön, wenn sich Leser Mühe geben, irgendwas auszubuddeln und ich antworte erst nach 3, 4 Monaten. Hinweisen der Art Guck mal dies, lies mal das, geh doch mal dorthin, kann ich schon gar nicht mehr folgen. (Übrigens die Bitte, zu solchen Hinweisen dazuzuschreiben, warum ich etwas anschauen soll und was ich da finde.)

    Manche Hinweise sind schon wieder veraltet, bis ich endlich dazu komme, sie zu bearbeiten.

    Und wenn ich mal Urlaub mache, auf Dienstreise bin oder wie jetzt mit dem Seitenlayout beschäftigt, häufen sich sofort große Haufen an, die ich nicht mehr abgearbeitet bekomme.

  • Schon die Umstellung des Layouts hat lange gedauert und sich über Wochen hingezogen, weil ich immer erst mal gebloggt habe.

    Ich habe aber schon seit Jahren vor, das vermaledeite und in Bezug auf Sicherheit katastrophale WordPress und PHP rauszuwerfen und durch was Gescheites zu ersetzen. Geplant und durchdacht habe ich viel, schon seit Jahren, aber ich komme nicht zur Umsetzung. Das muss aber irgendwann mal gemacht werden. WordPress ist ein ziemlicher Misthaufen, und mir haben sie auch schon mal über strukturelle Sicherheitslücken Backdoors und Spam-Proxies reingedrückt. Ich muss dringend eigene Blog-Software erstellen.

  • Manche Leser finden es gut, dass ich Kommentare abgeschaltet habe, andere finden es schlecht und wollen sie wieder haben. Mir fehlt aber die Zeit, sie zu moderieren.

  • Ich werde auch nicht jünger und merke das gerade ziemlich deutlich, dass ich zuviel am Computer sitze. (Und das will für einen Vollblutinformatiker etwas heißen!) Das ist nicht gesund.

    Ich will mehr bloggen und muss trotzdem die Zeit am Computer reduzieren.

Die Frage ist also, wie ich an mehr Zeit komme.

Mir fallen da zwei Wege ein:

  1. Ich überlege, meinen Hauptjob von 5 auf 4 Tage pro Woche zu reduzieren und dafür einen Tag pro Woche für das Blog und Veranstaltungsbesuche aufzuwenden.
  2. Ich überlege, für einige Nebentätigkeiten wie Blog-Moderation oder Quellen prüfen Leute anstelle. 400-Euro-Job, Studentenjob, irgendwas für Mütter die zuhause sitzen, denn das kann man an jedem Computer mit Internet und zu jeder Tages- und Nachtzeit machen. (Viele glauben mir sowieso schon nicht, dass ich das bisher alleine mache. Neulich hat sich einer gemeldet, der in meiner Redaktion sein Praktikum machen wollte.)

Beides kostet aber Geld (bzw. zu Gehaltseinbußen, die ausgeglichen werden müssen.) Was die Sache in ein Geldproblem transformiert. (siehe unten).

Das Geldproblem

Eigentlich habe ich kein Geldproblem. Bisher.

Denn bisher kostet mich das Blog außer viel Arbeit kein Geld, und was an Büchern, Reisekosten, Rechtskosten und so weiter anfällt, haben die Spenden so ungefähr gedeckt (an dieser Stelle übrigens mal vielen Dank an alle Spender! 🙂 ).

Nun kommen aber die oben genannten Anforderungen dazu, und wenn ich meinen Hauptjob reduzieren oder andere einstellen muss, muss das ausgeglichen werden.

Außerdem habe ich noch ein ganz anderes Problem:

Wir haben mit ein paar Kumpels vor 15 Jahren (wegen der Insolvenz von KPNQwest) den Verein gegründet, um unsere Domains, Mail usw. weiterlaufen zu lassen und da weiterzuforschen, was wir vorher in der Firma machen konnten. Wir betreiben zusammen einen Server, der ca. 30 bis 40 Personen dient und über 100 Domains hostet (mail, web,..).

Das hat aber zwei Haken.

Der erste ist, dass ich da nicht machen kann, was ich will und brauche, sondern jede Änderung Rücksicht auf die anderen Teilnehmer nehmen muss. Ich kann nicht einfach mal die Datenbank oder den Webserver austauschen. Und deshalb das Blog dort auch nicht oder nur schwer weiterentwickeln.

Der zweite ist, dass der Server zwar über 100 Domains und virtuelle Webserver hostet, aber ich mit meinem Blog sowas um die 98% des Web-Netzwerkverkehrs mache. Das geht zwar gerade noch so, aber steigern kann man das nicht mehr. Und ich bekomme bei Neuanschaffungen (wir kaufen alle 5 Jahre ne neue Kiste, steht gerade wieder an) auch nicht die Prozessorkerne und den Speicherausbau, den ich gerne hätte, weil der Verein (und übrigens ich selbst in Doppelfunktion, denn ich bin zweiter Vorsitzender) selbst das nicht braucht und die Vereinsmaschine an den Anforderungen aller und nicht eines einzelnen ausgelegt sein soll.

Wenn ich das Blog ausbauen will, bleibt mir also nichts anderes übrig, als entweder dem Verein für die nächste Maschine (und das passiert demnächst) einen Stapel Geld draufzulegen, damit er für mich die Maschine dicker kauft, oder mir eigene (virtuelle) Maschinen zu mieten, also irgendwo in die Cloud zu gehen.

Das kostet alles Geld.

Oder anders gesagt: Ich habe die Grenze dessen, was als kostenloses Hobby-Projekt geht, nach 10 Jahren weit überschritten.

Das Wachstumsproblem

Das Blog muss technisch und inhaltlich wachsen, wenn es der gestiegenen Bekanntheit, gestiegenen Bedeutung und gestiegenen Benutzerzahlen entsprechen soll. Ich will auch neue Darstellungsformen ausprobieren, Dinge, die mit WordPress usw. einfach nicht gehen.

Werbung?

Man kann es drehen und wenden, alle aktuellen Anforderungen und Probleme, die ich erfüllen und lösen muss, wenn das Blog vernünftig weiterlaufen soll, laufen auf Geldbedarf hinaus.

Und davon ganz abgesehen: Ich habe enorm viel Frei- und Lebenszeit in dieses Blog versenkt. Ich kann und will auf der Ebene nicht weitermachen, sondern brauche Wochenenden und Feierabende auch mal wieder zurück, etwa mal für Sport oder einfach ausschlafen. Ich merke, dass zuviel anderes liegenbleibt, dass zuwenig Restzeit übrig bleibt. Da muss sich schon was verändern, und ein Versuch ist eben, zugunsten des Blogs meinen Hauptjob etwas zu reduzieren. Das Geld fehlt dann, denn Miete und so laufen weiter.

Ich habe keine Ahnung, wieviel man mit Werbung verdienen kann und ob das trägt. Ich werde es aber auch nie erfahren, wenn ich es nicht zumindest mal ausprobiere. Zwar heißt es unter Bloggern, dass das nicht viel bringt, aber da momentan die Zeitungsauflagen einbrechen, könnte ich mir vorstellen, dass sich Werbekunden neue Felder suchen.

Ich weiß, dass das vielen stinken wird und manche Leser vergrault. Ich mag’s eigentlich auch nicht. Ich erinnere aber daran, dass ich hier sehr viel Arbeit aufwende um kostenlosen Service zu bieten, und das irgendwann so nicht mehr geht. Das hat dann auch irgendwo gesundheitliche Grenzen, wieviel Zeit man am Rechner sitzen kann. Und die spüre ich inzwischen. Berufskrankheit Informatiker. Ich war neulich deshalb schon in der Physiotherapie, und der meinte, er hat reihenweise Informatiker dort. Ich muss mich irgendwie verändern.

Wer ne bessere Idee hat: Gerne willkommen. Immer her damit.

Für die, die sich daran stören und zetern werden: Alternativvorschläge gerne willkommen.