Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die verarschten 10%

Hadmut
4.4.2016 22:07

Hui, da habe ich viel Feedback bekommen.

Zu meinem gestrigen Artikel über die verbitterten 10% habe ich unerwartet viele Zuschriften bekommen, alle (bis auf eine, der meinte, dass auch die unteren Schichten Mehrwertssteuer usw. zahlen müssen) sehr zustimmend. Aber so zwei Richtungen haben sich herausgeschält: Die einen meinen, „verbittert” ist ein unpassendes Wort, dazu gedacht, die Leute gleich wieder herabzuwürdigen, zu pathologisieren, in ihrer Meinung zu entwerten, aber meine Sichtweise von „stinksauer” träfe es genau.

Die anderen sagten unumwunden ja, sie sind verbittert. Sogar sehr.

Von diesem Detail abgesehen identifizieren sich ziemlich viele Leute genau damit. Viele sehen sich in der Situation des Leistungsträgers, der arbeitet und arbeitet, und gleichzeitig ausgeplündert wird, für alles zahlen muss, und trotzdem als der an allem schuldige Bösewicht beschimpft wird.

Viele schrieben mir auch, dass sie sehr froh seien, das zu lesen, nicht etwa, weil sie sich darüber freuten, sondern weil sie bisher immer dachten, dass nur sie das so sähen und alleine wären.

Einer schrieb, dass wir im Herrschaftszyklus nach Polybios die Phase der Demokratie überschritten und in der Ochlokratie angekommen seien, der Herrschaft des Pöbels. Wir seinen in einem System angekommen, das nach seinen eigenen Spielregeln nicht mehr verändert werden kann (was ja sehr genau dem entspricht, was ich oft beschreibe, nämlich dem alternativlosen Einheitsblock schwarz-rot-grün und dessen aggressiver Verteidigung durch Medien, Angriffe und Sabotage gegen alle anderen wie FDP, Piraten, AfD. ) Wenn das System so totalitär geworden ist, dass es innerhalb seiner Regeln nicht mehr geändert werden kann, steht ein größerer Umbruch bevor, der außerhalb dieser Regeln stattfinden muss.

Ein anderer erklärte, worüber er so verbittert ist:

  • Diejenigen, die sich im ÖD [Anmerkung: meint wohl Öffentlicher Dienst] und seinem Ökosystem festgefressen haben erreichen im Prinzip das Gleiche oder mehr bei minimalem Aufwand.
  • Der gleiche ÖD, den ich mitdurchfüttere ist in sämtlichen Belangen gegen “mich”.
  • Die Journaille, deren Aufgaben ich fälschlicherweise noch mit Aufklärung und Berichterstattung verbinde, haut in die gleiche Kerbe.
  • Ein Teil ist “clever”, “smart” und “schlau” (wie ich diese Begriffe hasse), hängt sich dran und partizipiert mit Fähnchen im Wind. (Survival of the fittest?)
  • Der Rest ist desinteressiert bis zur Selbstaufgabe.

Ja. Würde ich voll und ganz unterschreiben.

Ein anderer wies darauf hin, dass man schon einen neuen Meinungskrieg gegen „die Verbitterten” eröffnet habe, darum auch diese Wortwahl. Man versucht das eben zu pathologisieren und für belanglos, für einen Charakterschaden zu erklären.

Was ja im Prinzip schon wieder beweist, dass das System in einem Zustand angekommen ist, indem es innerhalb seiner Regeln nicht mehr zu ändern ist, weil das System jede abweichende Meinung für illegitim erklärt. Prinzip Nordkorea.

Und was man dabei auch sehen muss ist, dass die Presse, die dem eigentlich entgegenwirken sollte, eine zentrale Rolle dabei einnimmt, dass es keine legitime Meinung als die Systemkonforme geben kann und darf.

Ich hatte ja angesprochen, dass ich irgendwo gelesen hatte, dass x% keine Einkommensteuer zahlen.

Ein Leser wies mich dazu darauf hin, dass das eine Aussage des Statistischen Bundesamtes für 2011 sei.

Demnach (Tabelle 4 auf Seite 9) tragen die oberen 50% der Steuerpflichtigen 92,7% der Einkommensteuer und 81% der Gesamteinkünfte. Die oberen 20% tragen alleine 50% des gesamten Steueraufkommens.

Die unteren 40% der Steuerpflichtigen tragen praktisch nichts bei.

Dabei sind Nichtberufstätige, Kinder und Rentner noch gar nicht berücksichtigt. Man muss die Prozentzahlen also nochmal deutlich runterskalieren.

Damit nicht genug, denn auch von denen, die dann übrig bleiben, muss man nochmal die abziehen, die zwar viel Geld bekommen und viele Steuern zahlen, dafür aber nichts arbeiten, all die Begünstigten durch Frauenquoten, Gender und öffentlichen Dienst. Denn wenn jemand, wie etwa Genderprofessorinnen und andere Quotenartefakte Geld aus öffentlichen Kassen bekommt, ohne dafür irgendetwas zu arbeiten, und einen Teil als Steuern wieder zurückgibt, hat er zwar auf dem Papier Steuern gezahlt, faktisch aber nichts beigetragen oder erarbeitet, sondern nur noch dem Steueraufkommen noch zusätzlich Geld entnommen, steht also auch als jemand, der in den oberen Prozentzahlen mitgezählt wird, auf der Verbraucherseite und muss zusätzlich herausgerechnet werden.

Damit kommt man schon dahin, dass gerade diese „verbitterten 10%” die sind, die mehr als die Hälfte des gesamten Steueraufkommens leisten. Und gerade kommt – Panama und so – die Meldung dazu, dass die, die richtig dick verdienen, sich auch der Steuerzahlung entziehen, während die 10% einer Steuerpflicht nicht entkommen können.

Gleichzeitig werden sie permanent beleidigt, beschimpft, verantwortlich gemacht, im Beruf behindert und obendrein immer wieder enteignet, etwa durch Niedrigzinsen oder Quotensperren in der Karriere. Oder dieses ständige Herumhacken auf dem bösen weißen heterosexuellen Mann.

Und ja, ich erkenne mich darin auch wieder.