Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Star Wars und die Frauen

Hadmut
26.12.2015 19:39

Verschiedene Nachträge zu meiner Star-Wars-Rezension.

Ui, da habe ich einige Zuschriften von Lesern mit Korrekturen und Hinweisen bekommen:

  • Ich hatte die schlappe Musik gerügt. Ein Leser wies mich darauf hin, dass auch im neuen Star Wars die Musik wieder von John Williams geschrieben worden sei, der sie nicht nur in den bisherigen Star Wars-Filmen gemacht hat, sondern auch für andere Super-Klassiker der Filmmusik wie Harry Potter steht. Ändert alles nichts daran, dass ich aus dem Kino gegangen bin und mich überhaupt nicht an die Filmmusik erinnern konnte, die ich gerade eben gehört habe, während mir die Filmmusiken von Star Wars IV und V oder Harry Potter tagelang nicht mehr aus den Ohren gingen.

    Was mich aber zu der Frage bringt: Warum ist eigentlich fast jede durchschlagende Filmmusik von Männern komponiert? (gespielt wird sie dann in den Orchestern von vielen Frauen.)

  • Ich hatte mich gewundert, warum Finn anders aussieht als Jango Fett aus SW II, der doch die Vorlage für die Klonkrieger sein sollte. Es gibt aber im Film angeblich eine Stelle (muss ich wohl überhört, nicht richtig verstanden oder mir einfach nicht gemerkt haben), und Kylo Ren sogar zum Vorwurf gemacht, dass die Armee durch normale Menschen ersetzt wurde, die schon als Säuglinge rekrutiert werden.

  • Das Drehbuch war wohl ein Brei, der von vielen Köchen verdorben wurde. Lawrence Kasdan, Michael Arndt, J. J. Abrams sollen beteiligt gewesen sein. Produziert von Bryan Burk, Abrams und Kathleen Kennedy. Wenn man so vielen Leuten gerecht werden muss, bleibt keine Zeit mehr für eine Story.

  • Das war klar, dass da sofort feministische Loblieder auf Rey erscheinen, wie dieses hier, die das Ende der „Damsel in Distress” loben. Prinzessin Leia sei ja schon ganz ordentlich und kämpferisch gewesen und habe selbst geballert, aber den goldenen Sklaven-Bikini haben ihr die Feministinnen nie verziehen. Carrie Fisher war damit wohl auch nicht so glücklich. Padmé Amidala war noch eine Nummer stärker, aber letztlich auch nur hübsche Verzierung, Begehrenswertes Objekt, Quotenfrau und die nach der Story eben erforderliche Mutter von Luke und Leia. Man feiert nun, dass Rey in der folge der Star Wars Hauptfiguren die erste wäre, über deren Aussehen im Film kein Wort verloren, kein Kompliment oder Lob vergeben wird (da habe ich gar nicht drauf geachtet, beim nächsten Mal aufpassen). Rey lief bisher auch nicht im bauchfreien Kostüm herum.

  • Dass Star Wars VII nur ein gegendertes Remake von Star Wars IV ist, ist auch anderen aufgefallen. Ein Leser hatte mir dazu einen Link auf eine wunderbare Zusammenfassung beider Stories (ist ja fast die gleiche) geschickt, nämlich auf http://www.rouming.cz/roumingShow.php?file=remakeshit.jpg. Dem ist nichts noch einiges hinzuzufügen. Nämlich dass Luke/Rey vom Mentor zu einer alten Kiste geführt wird, in der das Laserschwert eines Verwandten aufbewahrt wird, das Luke/Rey dann bekommt. Sogar die Kleidung ist abgekupfert. Es geht gar nicht mehr darum, neue Filme zu zeigen, sondern alte Filme gegen weitgehend inhaltsgleiche, aber gegendert und politisch korrektisierte auszutauschen, wie ich auch schon zu Winnetou beschrieben hatte: Der Austausch von Werten.

  • Der Trend, Filme in gegenderten bzw. geschlechtervertauschten Remakes zu bringen, setzt sich fort. Auch Ghost Busters wird durchgegendert. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es wäre streng politisch korrekt: Fett, hässlich, mit Quotenfarbiger und männlichem Rezeptionisten. Tatsächlich versuchen sie aber, die Charaktere 1:1 mit umgekehrtem Geschlecht zu imitieren. Sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Es gibt auch schon Proteste gegen solcherlei „Geschichtsfälschung”.

    Auch das A-Team wird wohl gegendert, wenn auch nur teilweise.

  • Nicht mal die Märchen der Gebrüder Grimm sind noch sicher. Die werden alle umgeschrieben und neu erzählt, die Märchen von den starken Prinzessinnen, die alles unter sich aus machen, und die Männer nur noch als Nebenfiguren rumlaufen lassen. So, wie sie die Schwestern Grimm geschrieben haben.

Ich hätte ja gar nichts gegen neue Filme mit stärkeren Frauenfiguren.

Aber diese geist- und ideenlosen Remakes von alten Filmen, bei denen die Story politisch korrekt gebogen und die Charaktere gegendert werden, die geht mir auf den Wecker. Die „Tribute von Panem”-Reihe gefällt mir zwar als Film nicht so, ich kann damit nicht viel anfangen. Aber immerhin: Es sind neue Filme und keine Neuaufgüsse alter Teebeutel.

Es zeigt mir aber vor allem Folgendes:

  1. Politische Ideologie führt wieder einmal über die Fälschung/Umschreibung von Geschichte. Grüße von Georgina Orwell.

  2. Ihnen fällt nichts ein, deshalb müssen sie plagiieren und remaken. Je genderistischer das Hirn, desto leerer ist es.

  3. Das Idealbild von der starken Frau hat einen gewaltigen Schönheitsfehler: Es führt fast immer über das Imitieren und Nachahmen von Männern. Frau ist nur stark, wenn sie Mann oder Männerrollen spielt. Mal drauf achten. Fällt einem übrigens auch bei Star Wars VII auf, obwohl die Figur der Rey ja eigentlich als selbständig und unabhängig ausgelegt ist: Die anderen Frauenrollen (ein Stormtrooper macht noch keine Frauenrolle, nur weil man seine drei Sätze von einer Frau synchronsprechen lässt.) sind nämlich anders ausgelegt. Sogar „General Leia” kommt nur vorbei, um sich an Han Solo zu schmiegen und traurig zu gucken. Selbst innerhalb der Star-Wars-Welt ist die Rolle von Rey keine Frauenrolle, sondern Rey eine Frau in einer typischen Männerrolle, sogar innerhalb des Gesellschaftssystems von Jakku. Und die Welt retten muss dann natürlich Luke, und nicht Leia.

Und wozu das ganze?

Vielleicht ist Hollywood am Ende weniger feministisch und mehr pragmatisch, als gedacht. Die Zeitschrift „Werben & Verkaufen” vom Januar hat das beschrieben: Mit den neuen starken Frauenrollen kommen viele Frauen als Zuschauer und Werbebeute. Und damit auch neue Werbekunden, die teure Werbung schalten. Sex-Film Fifty Shades of Grey etwa hat ganz neue Zuschauerinnenschichten erschlossen und ebenso Werbetreibende: Neu in der Kinowerbung sind Dr. Wolff (Scheidencreme), Fun Factory (Dildos und Vibratoren), Rotkäppchen-Sekt und die Partnerbörse Friendscout eingestiegen. Von wegen starke Frauen. Werbeopfer.


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