Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Austausch von Werten

Hadmut
23.12.2015 20:12

Winnetou soll auch nicht mehr sein, was er mal war.

RTL macht ja schon seit einiger Zeit ne Menge Wind über deren Neuverfilmungen der alten Winnetou+Shatterhand-Filme.

Zufällig bin ich gerade darüber gepurzelt, dass ein Gericht jetzt RTL (in erster Instanz) untersagt hat, die alten Filmtitel wie „Winnetou und Old Shatterhand” oder „Der Schatz im Silbersee” zu verwenden. Der Verlag hatte geklagt.

Grund für das Verbot sei, dass sich RTL da eine andere Story ausgedacht hat, die mit den Texten von Karl May fast gar nichts mehr zu tun haben soll. Zitat dazu aus dem Artikel:

RTL plant früheren Pressemitteilungen zufolge für 2016 die Ausstrahlung der “Winnetou”-Neuverfilmungen. Mitte Dezember bei einem Set-Termin in Köln hatte Regisseur Philipp Stölzl (“Der Medicus”) auf die neue Richtung der Filme verwiesen: Es gehe um den Austausch von Werten und eine “völlige Neuinterpretation des Winnetou-Mythos”.

Stölzl erläuterte: “Das Herzstück der Winnetou-und-Old Shatterhand-Geschichte ist: Zwei Männer, die aus sehr unterschiedlichen Kulturen mit ganz unterschiedlichen Werten kommen und die besten Freunde aller Zeiten werden.”

Ah ja. „Austausch von Werten”. Zwei Männer aus unterschiedlichen Kulturen mit unterschiedlichen Werten kommen zusammen und werden die besten Freunde aller Zeiten. (Gab’s schon, hieß sogar „Ziemlich beste Freunde”, und war so gut, dass RTL da sowieso nicht drankommt. Nur: Die hatten wirklich ne eigene Story und mussten nicht Figuren und alte Storys klauen und ummodeln.)

Wird jetzt wirklich alles durchgegendert und auf political correctness gebügelt? So wie Han Solo als zweiter schoss, Pippis Papa jetzt Südseekönig ist und Luke durch ne Frau ersetzt wird?

Ich fände das ja alles in Ordnung, wenn die sich was Neues ausdenken würden (wie eben bei „Ziemlich beste Freunde”, den ich so – und nur so – prima fand). Aber dieses Remake von Altem, dieses nachträgliche korrigieren und anpassen, das geht mir auf den Wecker. Was kommt als nächstes? Asterix und Obelix schwul (und deshalb unverheiratet)?

Auf der Artikelseite gibt’s unten noch einen Link auf einen anderen Artikel. J. K. Rowling wird gerade geshitstormt, weil sie den enormen Fehler macht, Harry Potter fortsetzen zu wollen, auch noch als Musical. Dabei wird die Rolle der Hermine durch eine Farbige besetzt. Eigentlich wurscht, Musical-Besetzungen sind sowieso völlig austauschbar, und das Musical wird ohnehin so überflüssig, aber umsatzgetrieben wie ein Abenteuerpark (und Farbige haben wegen der meist besseren Stimmen ohnehin einen festen Platz in den Musical-Besetzungen, jedenfalls in London und am Broadway). Aber dieses Quotengedöns ist doch lästig wenn es auffällt, dass es immer auf so eine Beteiligungsnummer und nicht auf die Auswahl des besten Sängers rausläuft.

Ich finde das schon lange penetrant (und hatte das schon vor Einrichtung des Blogs in früheren Zeiten mal über den Film „The Day After Tomorrow” geschrieben), und es fällt mir immer stärker auch auf allen möglichen Werbeplakaten und Selbstdarstellungen von Firmen, Hochschulen, gerade jetzt in Abu Dhabi auf den Spielzeugverpackungen in den Shopping Malls und so weiter auf: Man nehme eine irgendwie scheinbar zufällig zusammengewürfelte Menschengruppe (Day After: Die gerade in der Bibliothek waren, als die Welt unterging. Oder auch wer gerade im Bus sitzt oder in der Firma an den Schreibtischen sitzt), und immer sind die politisch korrekt zusammengesetzt, immer Frau/Mädchen, Schwarze, Asiaten, je nach Umfeld noch Hispanics, und oft kein weißer Mann/Junge mehr dabei. (Ich denk mir dann immer, dass wenn sie so davon überzeugt sind, dass jede Personengruppe auf der Verpackung repräsentiert sein muss, um das Ding zu kaufen, es ja konsequenterweise bedeuten muss, dass ich es dann nicht mehr kaufen kann/soll/darf.)