Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Neues von der Humboldt-Universität: Berlin blamiert

Hadmut
12.11.2015 18:49

Haha. An der Humboldt-Uni geht’s mal wieder rund. Was ne Klapsmühle…

Der Tagesspiegel berichtete darüber (und wenn die linke Berliner Presse über Versagen an der HU berichtet, will das was heißen), dass an der HU die Suche nach einem Präsidenten gerade gegen die Wand fährt.

Hach, da wird mir ganz warm ums Herz, weil ich mein Kritiker-Leben ja mit der Korruption um die Rektorwahl in Karlsruhe angefangen habe. Da schwelgt man in Erinnerungen.

Ein Drama an der Humboldt-Universität! Da schien die Uni nach zäher Suche endlich ihren Traumprinzen fürs Präsidentenamt gefunden zu haben. Der Würzburger Mediziner Martin Lohse sollte es werden, ein hoch dekorierter Forscher mit viel Leitungserfahrung. Und nun das: Kurz vor der Trauung – die Wahl sollte in einer Woche stattfinden – macht sich der Bräutigam, praktisch schon auf dem Weg zum Altar, aus dem Staub. Die HU, die Mutter der modernen Universität und eine von elf Exzellenzunis des Landes, steht düpiert da.

Huahaha.

Na, bei der Braut würd ich auch ne Krise kriegen und das Weite suchen.

Ein unglaublicher Vorgang. Um kurz beim Kandidaten zu bleiben: Seine Begründung für die Absage mutet fast absurd an. Er habe sich den Job anders vorgestellt – mehr Wissenschaft, weniger Verwaltung und Finanzen.

Hihi, darüber hatte ich vor 15 Jahren schon mal berichtet, eben bei der Karlsruher Rektorwahl Hipplers: Nämlich dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat und nur darum geht, Geld ranzuschaffen, egal wie. Und der „hoch dekorierte Forscher” (naja, ein Christbaum mit ner Christbaumspitze oben drauf ist auch „hoch dekoriert”) weiß das nicht? Kann ja nicht jeder so tiefen Einblick in die Uni-Geschäfte haben wie ich.

Apropos Geld ranschaffen und Einblick: Ich hatte ja neulich von der Verhandlung berichtet, dass die HU zugegeben hat, dass die Gender Studies sich da nur einnisten und unbeobachtet bleiben konnten, weil die HU damals schon in Geldnot war, dringend Geld brauchte und vom Familienministerium Geld dafür bekam. Im Gegenzug gab’s den Freischein für die heutige Verfassungsrichterin, als Professorin getarnt beliebigen Schwindel und Betrug zu treiben. So sehen diese Geschäfte der Universitätsleitung aus: Die machen und erlauben für Geld einfach alles. Akademischer Straßenstrich. Wer zahlt, darf. Wie er will. Und die Uni bückt sich und hält still.

Insofern spricht das sogar für Lohse, dass er Wissenschaft machen und nicht Bordellchef werden will.

Wer’s noch etwas genauer wissen will, die haben noch einen zweiten Artikel:

Seine Rolle als künftiger Präsident habe er darin gesehen, die wissenschaftliche Exzellenz der Uni weiter voranzubringen. Nach Gesprächen mit HU-Vertretern in der vergangenen Woche sei ihm dann klar geworden, „dass vor allem eine Verwaltungsreform und die Sicherstellung der Finanzierung der HU“ anstünden. „Dafür bin ich nicht der Richtige.“ Lohse widersprach der Darstellung, er habe seine Kandidatur fest zugesagt. Vereinbart gewesen sei, dass eine Festlegung auf beiden Seiten erst nach Sondierungsgesprächen erfolgen solle.

Lohse sollte am 17. November gewählt werden, an diesem Dienstag wollte ihn das Konzil, das Wahlgremium der Universität, anhören. Der Rückzug Lohses ist ein Schock für die HU. Schließlich war man froh, mit dem Mediziner nach langer Suche und inneren Verwerfungen doch noch einen Kandidaten mit einer glanzvollen Vita gefunden zu haben.

Höhö. Das finde ich immer am schärfsten, die Rektorwahlen an den Universitäten, bei denen vorher feststeht, wer gewählt wird. War ja damals in Karlsruhe auch so. Und dass sich die HU freuen muss, wenigstens einen Glanzvollen gefunden zu haben – sagt doch genug über die, die schon dort sind.

Lohse ist ein gestandener Wissenschaftler und Forschungsmanager, der an seiner Uni in Würzburg und an vielen anderen Einrichtungen zahlreiche Leitungsfunktionen innehat. Kann es wirklich sein, dass er die Aufgabe an der HU zunächst unterschätzte?

Naja, was an man Universitäten eben so unter „Leitungsfunktionen”, „Manager” und „hoch dekoriert” versteht. Heißt nicht viel. Allerdings, und da komme ich dann doch noch zu meiner Gelegenheit, dem linken Tagesspiegel eine vor’s Knie zu treten, scheint der Artikel inhaltlich nicht zu stimmen und wesentliche Gründe zu verschweigen, um die Schuld dem Kandidaten aufzupacken.

Emmermann bestätigt, dass Lohse seiner Mail zufolge hinsichtlich der Herausforderungen an der HU „zu denselben Schlüssen gekommen sei, mit denen Amtsinhaber Jan-Hendrik Olbertz im Konzil nicht durchgedrungen sei“. Dieser hatte eine erneute Kandidatur von einer Verfassungsreform der HU abhängig gemacht, nach der die Universitätsfinanzen von einem Kanzler und nicht wie bisher von einem Vizepräsidenten verwaltet werden sollten.

Mir erschließt sich zwar jetzt nicht so ganz, worin der Unterschied liegen soll, ob da ein Kanzler oder eine Vizepräsident rumwurschtelt, aber sagen wir es mal so: Präsidenten/Rektoren sind in der Regel Wissenschaftler, während Kanzler in der Regel Juristen oder Verwaltungsleute sind. Wenn man das mal so interpretiert, dann geht das schon stark in die Richtung, dass da bei den Finanzen und dem Umgang mit Geld allerhand im Argen liegt, und nicht nur die alten Präsidenten das wussten, sondern auch der Kandidat das noch rechtzeitig vor seiner Wahl spitzgekriegt und die Notbremse gezogen hat. Dafür spricht auch

An der Humboldt-Universität ist am Montag das Entsetzen groß, als die Neuigkeit die Runde macht. „Ich bin schockiert und zutiefst enttäuscht“, sagt Julia von Blumenthal, Dekanin der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät. Die Historikerin Gabriele Metzler sagt: „Ich bedauere das.“ Auch Larissa Klinzing aus der Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die auch zur Findungskommission gehört, reagiert „zutiefst enttäuscht“. Sie habe für den Rückzug nur einen Tag vor der geplanten Anhörung im Konzil „überhaupt kein Verständnis“. Ein Unimitglied spricht von einer „180-Grad-Wendung von dem kooperativen und souveränen Verhalten Lohses in der vergangenen Woche“.

An der Universität ist man umso überraschter, als bisher nichts darauf hindeutete, Lohse könne auf einmal unüberwindbare Hürden für eine Präsidentschaft sehen.

Den hat mal wohl gewarnt oder der hat das irgendwie mitgekriegt, was ihm da an der HU blüht. Dass es da Probleme gibt, ist dem Text zu entnehmen:

„Man hatte den Eindruck, Lohse passt sehr gut zur Humboldt-Universität“, sagt Blumenthal. Es habe „keine Ecken, nichts Negatives“ gegeben – auch nicht bei den Themen Finanzen und Verwaltung, die Lohse jetzt als Begründung für seinen Absprung anführt.
Lohse habe vielmehr „gelassen“ gewirkt und der Uni vermittelt, gemeinsam etwas verändern zu können, sagt Blumenthal. Die Gruppen der Universität hätten ihm auch viel Veränderungsbereitschaft signalisiert. […] Studierendenvertreter João Fidalgo sagt, Lohse wirkte „informiert über die Lage an der HU“: „Er schien sich darauf vorzubereiten, Präsident zu werden.“ Unter Verwaltungsmitarbeitern heißt es, man habe mit ihm zwar über viele Probleme gesprochen. „Das schien ihn aber nicht zu erschrecken.“

Heißt eindeutig, dass an der HU – finanzielle – Zustände herrschen, die so nicht bleiben können, aus denen man aber aus eigener Kraft nicht herauskommt. Und die man selbst als gruselig wahrnimmt. Jetzt stehen die erst mal ohne da:

Mit der Absage Lohses dürfte es für die HU jedenfalls nicht leichter werden, einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin zu finden. Schon dass Olbertz Anfang des Jahres die Uni mit einer möglichen Kandidatur lange hinhielt (und dann zunächst verzichtete), hatte die Suche erschwert. Neben Lohse gab es wohl dennoch weitere potenzielle Kandidaten. Die dürften jetzt eher abgeschreckt sein, sagt ein Unimitglied: „Wer will schon als zweite oder gar dritte Wahl dastehen?“ Wie geht es jetzt weiter bei der Präsidentensuche? Das sei noch offen, sagt Emmermann. Er wolle sich am Dienstag mit einer Kerngruppe der Findungskommission darüber verständigen.

Kann ich gar nicht verstehen. Die HU ist doch so scharf auf die Frauenquote und Frauenförderung. Und unter den Feministinnen gibt es doch jede Menge, die so karrieregeil und aufstiegsversessen sind, dass die skrupellos und hemmungslos jeden Job nehmen. Passt doch prima zusammen. Warum nehmen die keine von ihren Professxxxen ? Lann Hornscheidt, die würde das sofort machen und zur HU passen wie Faust aufs Auge.

Bisher setzte die HU auf externe Kandidaten für ihr höchstes Amt. Womöglich sollte sie sich jetzt ein Beispiel an den beiden anderen großen Universitäten der Stadt nehmen. FU und TU fahren seit Langem gut damit, die Präsidenten aus ihrer Mitte heraus zu wählen.

Na, also. Frauenquote, interne, also muss eine Gender-Professorin ran. Susanne Baer hat anderes zu tun und ist als Vizepräsidentin da schon mal in kürzester Zeit auf die Schnauze gefallen, also bleibt Lann Hornscheidt. Professx for President!

Apropos Frau in Leitungsamt: Zurück zum ersten Artikel. Darin schreiben sie

Zu den Absurditäten der Landespolitik gehört, dass bei der letzten Senatsbildung die Wissenschaft aufgeteilt wurde. Die Unis wie die HU gehören seitdem zu Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres, Forschungsinstitute wie das MDC zu Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer. Das scheint sich nun zu rächen. Wusste die eine nicht, was die andere tat? Haben sie gegeneinander gearbeitet? Dass beim MDC der Bund das Sagen hat, macht die Sache nicht leichter. Wie auch immer: Die Zuständigkeiten im Senat künftig in eine Hand zu legen, sollte sich von selbst verstehen.

Tja, da hat man offenbar schöne viele Machtposten für Frauen geschaffen und das Ergebnis nun auf der Hand. Eine Präsidentin als Dritte im Bunde würde das abrunden.

Ein Problem hat aber auch die Humboldt-Universität. Wissenschaftlich gehört sie zur Spitze des Landes. Mit ihren Präsidenten hat sie dennoch kein glückliches Händchen. Noch-Amtsinhaber Jan-Hendrik Olbertz geht nicht im Guten; ebenso dessen Vorgänger. Das mag vor allem am Temperament der Präsidenten liegen. Nicht hinwegtäuschen darf das aber darüber, dass sich etwa die finanziellen Zwänge der Unis und die daraus resultierenden Friktionen derzeit an der HU am deutlichsten zeigen.

Sie sind also sowas wie pleite und finden keinen, der den Karren noch fahren will.

Passt exakt zur Aussage des Justiziars der HU, dass sie sich um Gender Studies gar nicht gekümmert haben und die nur reingenommen haben, weil sie das Geld brauchten, das vom Ministerium kam.

Und das ist die wissenschaftliche Spitze des Landes.