Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Klagelied eines Handwerksmeisters

Hadmut
30.6.2015 21:39

Neulich hatte ich ein bemerkenswertes Erlebnis.

Ich hatte einen Handwerker in der Wohnung, weil es was zu reparieren gab.

Der wusste nicht, wer ich bin, dass ich blogge, worüber ich blogge. Ich war einfach nur ein Kunde auf einer Liste derselben Arbeit in mehreren Wohnungen, die er abklapperte.

Wir kamen so ins Gespräch über die Reparatur, und auf einmal fing der an zu erzählen.

Schlossermeister ist er. Und er erlebt denselben Effekt in zwiespältiger Hinsicht. Sie bekommen nämlich keinen Nachwuchs mehr, immer weniger Leute wollen Handwerk erlernen. Nicht nur weil es insgesamt in absoluten Zahlen weniger junge Leute gibt, sondern auch, weil zusätzlich der relative Anteil sinkt. Handwerk ist out. Was paradox sei, weil sie gefragt und gesucht seien wie nie zu vor, sich vor Aufträgen nicht mehr retten können und ihre Preise stetig nach oben gingen. Der Beruf mache ihm Spaß, er kann sich bewegen, lernt Leute kennen, und bekommt mehr Geld als erhofft. Er hat dafür sogar eine – nach meiner Wertung deutlich bessere – Position im Ausland flitzen lassen, weil’s ihm einfach Spaß mache. Umso dramatischer empfinde er es, dass es nicht genug Nachwuchs gäbe.

Und dann fing der – ich schwöre, ohne mein Zutun, ich habe das nicht angesprochen – an, über Akademiker, dann über Geisteswissenschaftler und besonders über Soziologen und Politikwissenschaftler zu schimpfen. Nur Schwätzer. Können nichts, machen nichts, blöd und faul.

Ich habe mich da so in mich hineinamüsiert, und überlegt, wieviel Kontakt zwischen Schlossermeistern und Soziologen bestünde, aber dann fing der an auszupacken. Er hat sogar mal an irgendeiner Hochschule (krieg ich nicht mehr zusammen, irgendwas FH-Artiges an der Grenze zwischen Handwerk und Fachhochschulausbildung, ich habe nicht näher nachgefragt) ein paar Jahre Vorlesungen gehalten, irgendwas zu Handwerkstechnik. Der schien da ziemlich gut zu sein und auch ne Menge drauf zu haben. Er sagte, er hätte noch nie so begriffsstutzige Leute wie an der Hochschule erlebt. Viele Leute würden an dem scheitern, was sie von ihren Auszubildenden und Gesellen verlangen, irgendwas ausrechnen und konstruieren. Die würden einfach nur irgendwas daherschwätzen und sich nie fragen, ob es richtig ist oder stimmt. Mit solchen Leuten wäre nichts anzufangen, denn was sie bauen muss ja passen und funktionieren, da könne man nicht einfach irgendwas abgeben und das dann hinschwätzen. Die Akademisierungs- und Hochschulwelle habe zu einer Katastrophe geführt. Die Leute meinten alle, sie könnten da mühelos an gutbezahlte Jobs kommen und müssten nichts mehr lernen und können, nur reden, reden, reden. Da würde überhaupt nichts mehr produziert und aufgebaut. Völlig wertlos, aber Geld wollen sie haben.

Die Leute dort seien ihm so gegen den Strich gegangen, dass er das aber wieder aufgegeben hat und keine Vorlesungen mehr hält. Der geht lieber raus und baut selbst. Er sieht Handwerk als intellektuell überlegen an und meinte, die Handwerksberufe seien heute intellektuell viel anspruchsvoller, als die meisten Leute sich vorstellen können.

Das freue ihn zwar, weil er damit genug Arbeit hat und so gut verdient, dass er es sich sogar leisten kann, etwas weniger zu arbeiten, aber eine Zukunft sehe er nicht. Alle guten Handwerksmeister, die er kennt, und er kenne viele, seien alle schon im fortgeschrittenen Alter und alle etwa gleich alt. Wenn die irgendwann in Rente gehen tut’s einen Schlag und dann geht gar nichts mehr, dann fällt das Handwerk zusammen und es gäbe nur noch die Geisteswissenschaftler.

Fand ich erstaunlich, dem zuzuhören, denn was der sagte entsprach so völlig meiner Sichtweise, nur dass er die Konsequenzen noch viel dramatischer zeichnete, als ich sie bisher eingeschätzt habe.


71 Kommentare (RSS-Feed)

Tolan
30.6.2015 21:48
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In England hat mir mal eine recht hochnäsige Kollegin ihr Leid geklagt. Ihre TOilette war verstopft, in ihrer Eigentumswohnung in London (sie war IT-Managerin). Der Klempner hatte ihr einen Notfalltermin verschafft, mit viel gutem Zureden, und der kam dann auch. Reparierte das, dauerte eine halbe Stunde, dann ging das Ding wieder.

Dann machte er ihr eine Rechnugn auf,d ass die Ohren klingelten. 380 Pounds, und da sum die Jahrtausendwende, eine Menge Kies. Sie meinte, das würde SIE ja nicht verdienen, und sie wäre eine Studierte in leitender Position.

Und er meinte nur, “Und Leute wie mich, ohne Studium, ohne leitende Position, aber mit Ausbildung brauchen Sie dringender als Ich Sie.”

Ich muss zugeben. mein Mitglied hielt sich sehr in Grenzen.


Hadmut
30.6.2015 21:51
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> “Und Leute wie mich, ohne Studium, ohne leitende Position, aber mit Ausbildung brauchen Sie dringender als Ich Sie.”

😀


derdiebuchstabenzaehlt
30.6.2015 22:17
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Was wird wohl der Unterschied sein, wenn alle Schlosser streiken und wenn alle Soziologen streikten … 🙂


stefan
30.6.2015 22:22
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Hallo,

Ich bin Handwerker, und kann nur zustimmen.
Es herrscht extremer Personalmangel, vor allem in den technischen Handwerksberufen, in den anderen aber auch. Und das macht sich durchaus beim Enzgegenkommen der Chefs bemerbar.
Handwerk hat durchaus goldenen Boden, und es ist bei weitem interessanter und abwechslungsreicher, als es sich der durchschnittliche Schreibtischtäter vorstellen kann.

An sonsten fällt mir auf, das die Leute immer unfähiger werden, und mit den einfachsten Dingen überfordert sind. Die brauchen wirklich für jeden Käse jemanden, und müssen den auch immer teurer bezahlen.

Ich bin sehr froh, das auch mein Sohn eine Ausbildung im technischen Handwerk gemacht hat. Mit 20 ist er jetzt zwei Jahre fertig, geht auf die Meisterschule, verdient gutes Geld, ist es gewohnt Verantwortung zu tragen und selbstständig zu sein. Er ist ein erwachsener Mann.
Das konnte ich auch bei unseren Lehrlingen beobachten. Jungs die in der Schule total untergingen, blühen in einer Männerumgebung mit richtigen Aufgaben und Herausforderungen auf.

Längerfristig gesehen, wenn die Wirtschaftslage schlechter wird,wird der Bedarf an Orchideenstudierten drastisch sinken, aber Leute die Dinge bauen und reparieren können, werden immer gebraucht. Hier und sonstwo auf der Welt.


Dieter
30.6.2015 22:28
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Stimmt genau,
Leute mit Abi meinen sie seien etwas besonderes und die, die auch noch studiert haben, sind von sich so überzeugt, das sie die restlichen Menschen, nur noch für Trottel halten. Ich kann alle Handwerker nur aufrufen erhöht die Preise und euer ansehen steigt.


buchstabensalat
30.6.2015 22:29
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Es ist zwar nicht so wichtig, aber vermutlich war von einer Technikerschule die Rede.


Rechnungsprüfer
30.6.2015 22:41
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@hadmut das ist der Grund, warum nach mehr Zuwanderung gebrüllt wird. Alle wollen studieren, kaum noch einer, der eine Ausbildung machen will, wo man sich die Hände schmutzig machen muss. Warum machen die dämlichen Politiker eigentlich die Mädels für solche Jobs fit oder fördern so was. Geht Ende eben immer nur um die zwei beinige Elite.
Warum das alles so ist, liegt schlicht am Bildungswesen. Wo werden denn noch Jungen oder Jungstypische Eigenschaften gefördert?


aga80
30.6.2015 22:49
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Das kann man auf viele Berufe zb Pflege auch anwenden, nur warum werden Krankenpfleger, Altenpfleger, Physiotherapeuten etc. seit Jahren Jahrzehnten systematisch finanziell ausgetrocknet, wenn es doch so essenziell wichtige Berufe für die Gesellschaft darstellen … .

Hier noch ein Pispers von 2004 https://youtu.be/WkTAimxWu88


Slartibartfast
30.6.2015 22:50
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Dumm nur, dass die Geisteswissenschaftler dieses Ding mit der Politik gepachtet haben und uns Macher über Bande ausnehmen.


Peter Suxdorf
30.6.2015 22:55
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Ich kenne das von der Realschule meines Sohnes. In deren 9.Klasse habe ich meinen Beruf – Werkzeugmachermeister – vorgestellt. Von den ca. 90 Schülern kamen dann tatsächlich 6 zu mir und machten große Augen, weil sie niemals sich hätten vorstellen können, daß und wie u.a. Stahl zerspant werden kann, daß man dafür heute ohne CNC-Technik und CAD/CAM nicht mehr vorwärts kommt und daß so ein Beruf durchaus nicht so schmutzig ist wie er in 50er Jahre Filmchen dargestellt wird.

Nur wie die Kids darauf bringen, weiß ich leider auch nicht.

Btw ist mir letzte Woche auf der A81 beim SWR3-hören ein Anrufer aufgefallen, weil er sich beim Musikwunsch beschwerte, daß die Moderatoren immer nur die Hörer in den Büros ansprechen und er als Werker, der 10 Stunden am Tag Radio hört, quasi in der Ansprache übergangen wird.

Sollten hier Eltern mitlesen, deren Kinder demnächst Ausbildung benötigen: Zerspaner, Werkzeugmechaniker, Werkzeugschleifer und Mechatroniker werden in den nächsten Jahren mehr Geld verdienen als Ärzte…und sich den Arbeitsplatz aussuchen können.


Juergen Sprenger
30.6.2015 22:57
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Alte Handwerkerregel: Wenn man will, daß etwas gut wird, muß man es selber machen.

https://www.youtube.com/watch?v=kiXLgh5wAsU


peter
30.6.2015 22:59
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zweifellos hat Handwerk goldenen Boden. Wurde auch auf einer andere IUnfo/Blog-Seite (die sich mit Geld beschäftigt, Kenner wissen wen ich meine) schon vor Jahren vorausgesagt.
Vor meinem Studium habe ich als Fernsehtechniker gejobbt. Damals hat man Fernseher noch repariert (nicht wie heute nur die Platine getauscht). Wir sind auch Samstags und Sonntags ausgerückt (ohne Rechnung versteht sich ;-). Kaputte Fernseher rechtzeitig zur Sportschau wieder vor Ort gangbar gemacht, hat am meisten in die Kasse gespült.


Christoph
30.6.2015 23:09
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Naja, der Punkt ist ja, die Soziologen und Genderisten will ich auch nicht als Handwerker haben, gerade weil der Job Einsatz und Gründlichkeit erfordert, und auch einigermaßen anspruchsvoll ist.


Daniel Frey
30.6.2015 23:25
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Ich bin, wie dereinst schon mal erwähnt, auch Meister meines Handwerks. Und ich sehe dass es kaum noch möglich ist halbwegs brauchbare Lehrlinge zu finden. Und ich höre von meinen Kumpels (als Unternehmer) in andren Branchen (zB Maler, Klempner) dass sie mit den Aufträgen grad noch fertig werden, viele Anfragen ablehnen müssen weil sie keine Mitarbeiter finden. Und die haben die ganzen Jahre ausgebildet und eingestellt.

Derzeit stellt sich mir das so dar: 2 Typen potentiell Auszubildender. 1. Die sind “zu klug” (lassen sich das Abi nachschmeissen und studieren evtl was) und 2. sind wirklich so strunzdumm dass man die im Handwerk auch nicht brauchen kann.

Was sich aber nach dem ganzen Gejammer wieder zeigt ist: Der Handwerker kanns, insbesondere wenn alles andere zusammenbricht. Wir wissen unsere Hände zu gebrauchen und Neues zu schaffen.

Zum Schluss etwas dass ich Holz geschnitzt an der Wand einer Kneipe las
” Ehr das deutsche Volk und hüte treulich Deinen Handwerksstand. Denn solang das Handwerk blühte blühte auch das deutsche Land.”


Hadmut
30.6.2015 23:29
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> Wir wissen unsere Hände zu gebrauchen und Neues zu schaffen.

Das ist eben der Punkt. Das braucht man auch und vor allem in der Krise.

Die Schwätzer sind reiner Luxus und Geldverschwendung, und eigentlich braucht man sie nie.


Teardown
30.6.2015 23:33
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>>”Jungs die in der Schule total untergingen, blühen in einer Männerumgebung mit richtigen Aufgaben und Herausforderungen auf.”

Ich muss bei solchen Sätzen immer meine Wut im Zaum halten.

Bei erwachsenen Männern ist die Diskriminierung und Abwertung ja noch das eine. Wir wissen das und leben dementsprechend unser Leben. Aber bei kleinen Jungs.

Die Jungs die in einem zunehmend auf weibliche Bedürfnisse optimierten Bildungssystem verzweifeln, weil sie unfair bewertet werden, immer mehr subjektiv über Verhalten statt Leistung geht, Inhalte die Jungs interessieren reduziert werden (Hier auch das gnadenlose Zusammestreichen des Jungenfachs Sport) und die Feminisierung des Lehrkörpers verbunden mit einer Pädagogik, die immer drastischer die Narrative vom weiblichen Bessergeschlecht und männlichen Tätergeschlecht in die Schulen tragen will.

Jungs die daraufhin “innerlich kündigen”, in virtuelle Welten immigieren, sich Süchten hingeben um so ihre Erfolgserlebnisse zu generieren. Ihre Anerkennung. Eine Anerkennung die ihnen das Schulssystem versagt, weil sie sich falsch verhalten und einfach nicht auf gutes Zureden hören wollen. Denen man die Anerkennung genommen hat, denen die diese dann auf der Straße suchen und finden, im Sammeln von Führungszeugniseinträgen…

Und dann kommen die in die Lehre und bekommen mal eine Ansprache, ein Ziel, eine Struktur. Vertrauen in ihr Können und Lob wenn sie etwas schaffen. Und siehe da…der Intensivstraftäter, der Schulabbrecher kann doch was! Verändert sich! Formuliert Wünsche von Familie und Kindern, fängt an zu planen! Das normale Leben!

Ein Ding!

Macht das einen wütend…

Und ja: Es gibt auch die Unverbesserlichen, die nicht erreicht werden können. Sogar von Männern. Das sind aber viel weniger als wir hier sehen. Weibliche Kommunikation scheitert hier, weil sie einfach nicht Perspektiven aufzeigen kann. Und, so Leid es mir tut, ihr Wort geringergeschätzt wird. Denn gerade der Verunsicherte Schulfastabbrecher lässt sich doch gerade von einer Frau nichts sagen! Die wissen das sie ganz unten sind und generieren dann Selbstwert aus dem einzigen was sie haben: Ihrer Männlichkeit.

Mal schauen…mittlerweile haben wir auch in SEKII über 75 Prozent Lehrerinnnen, Tendenz weiter steigend…herrlich!


_Josh
30.6.2015 23:58
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@Daniel Frey: Weia, ohne diesen absurden, hijackenden Nationalistenschmuh geht’s wohl gar nicht mehr, oder?

Ich hab’ mal auf einem Kneipenklo Here I sit, all broken hearted, tried to shit, but only farted. gelesen.

Wer hat jetzt gewonnen?


euchrid eucrow
1.7.2015 0:12
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ein arbeitskollege, ich war als diplomierter akademiker in der böschungsmähereri tätig (45°+ mit motorsense), erzählte mir, dass er seinen ritalinsüchtigen kindern die gebäudereinigung empfiehlt. da wäre man das ganze jahr im trocknen und warmen.schöne handwerksberufe wie zimmermann, dachdecker, maurer oder schlosser will doch heute kein checker mehr lernen.

momentan befinde ich mich im ende des ersten jahres einer berufsbegleitenden erzieherausbildung. die soziologin kündigte an, dass im dritten jahr gender dran wäre. ob es das da noch gibt?


Manfred P.
1.7.2015 0:18
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Ja, aber das Lobeslied gilt nur für Handwerker, die was können. Es gibt auch unter den Handwerkern welche, die genauso doof und unfähig sind wie Soziologen. Leider.


Hanz Moser
1.7.2015 2:26
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Ich glaube die Dichotomie “Handwerker”-“Studierter” ist irreführend.

Wenn man sich gute Handwerker und, ziemlich fächerunabhängig, gute Akademiker anschaut, dann stellt man fest, dass die sich in den Kerneigenschaften, die sie von den weniger tauglichen Kollegen absetzen, sehr ähnlich sind.
Freude an der Tätigkeit, Verve, Neugier, der Wille zum eigenständigen (dazu) Lernen, logisches Denken, räumliche Vorstellung etc. Das alles sieht man bei guten Ingenieuren, Informatikern, Chemikern genau so wie bei guten Handwerksmeistern. Die Menge derer, die zum Handwerk taugen, zum Studium aber nicht, wird auch dadurch beständig kleiner, dass der “Hand”-Aspekt im Handwerk mit der Zeit immer weiter abgenommen hat und auch nicht mehr ausreicht.

Deswegen wird man auch das Problem mit dem Nachwuchs im Handwerk nicht einfach lösen können. Die Pfeifen, die man als Akademiker nicht brauchen kann, werden auch keine guten Schlosser und Zerspanungsmechaniker. Die, die gut genug für eine Handwerksausbildung sind, sind mittlerweile auch meist gut genug für ein Studium. Und das hat in den technischen Berufen noch mehr Prestige, Verdienst und Aufstiegschancen als die Handwerkslehre.

Anders gesagt: Die Schere im Anspruch zwischen Handwerk und Studium geht zu. Handwerk wird anspruchsvoller, Studium einfacher. Der Talenpool, aus dem beide schöpfen, fließt zusammen. Was den Handwerkernachwuchs kannibalisiert ist nicht das Soziologie- oder BWL-Studium.

Das ist zumindest meine Sicht als jemand, der neben Informatik auch ein paar Handwerksdisziplinen aus der Nähe kennen gelernt hat.


Pete
1.7.2015 2:58
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Ja klar ein Loblied auf unser Handwerk.
Ich habe da auch so meine Erfahrungen damit 🙂 Ich mache grundlegend alles selbst mittlerweile. Damit meine ich auch alles, außer mir fehlt eine passende Maschine und da wird man dann schön geschröpft. Eine abgerissene Schraube ausbohren in einem Zylinderblock von MB, mal eben 1100€, obwohl das passende Werkzeug mich ca. 200 gekostet hätte. Die wollten mir vermitteln das sie ca. einen Arbeitstag Leistung gebraucht haben eine Schraube auszubohren, dummerweise ging der Vorsitzende der Schlichtungsstelle in dem Laden per Handschlag ein und aus.

Was eine Ausbildung im “Handwerk” betrifft, kann man sich ja gerne mal Brösels Werner reinziehen.
Und klar das jeder “Handwerker” über die “Studierten” lästert, gehört halt zum Programm, ist denen schon in die Wiege gelegt.

> Das ist eben der Punkt. Das braucht man auch und vor allem in der Krise.
> Die Schwätzer sind reiner Luxus und Geldverschwendung, und eigentlich braucht man sie nie.

Weshalb hast Du denn den Handwerker bestellt? Ich dachte immer ein Blog sei auch nur schwätzen 😉


Dänemark
1.7.2015 4:19
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Ich mein ist ja schön wie hier der kleine Mann im Schutz des Internet zeigt was für einen dicken Pimmel er hat. Die blöden da oben die doofen studierten die soviel Geld verdienen! Bald brauch man euch nicht mehr!11

Ich bin selbst ausgebildeter Handwerker (SHK), hab 270 Brutto im ersten Lehrjahr bekommen. im 3,5 warens 540 Brutto beim Aldi an der Kasse gibts im ersten Lehrjahr 600€ und dann wundern sich die Leute das niemand Bock hat sich den Rücken im Handwerk kaputt zu machen?!

Und die Ausbildung im Handwerk ist auch DRECK, es wird keine Sekunde in die Ausbildung investiert, weil das kostet ja Geld. Es muss gearbeitet werden! Wenn mal 30 Minuten Luft ist kann der Azubi lieber die Werkstatt fegen als das man ihm mal etwas zeigt.

PS: Bin jetzt Ingenieur, ohne mich gibts keine Bauteile die ihr überhaupt einbauen könnt. 🙂


drudi
1.7.2015 5:50
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Moin,

mein Großvater ist 82 Jahre alt und Schlosser. Er hat gesagt in den 60er und 70er war es normal das ein Handwerker mehr verdient als ein Ing. oder Meister. Nach Feierabend warteten schon Mitbewerber und boten den Handwerkern 50 Pfennig mehr pro Stunde wenn sie wechseln. Kann amn kaum glauben wenn man es hört.


CountZero
1.7.2015 7:42
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> Die Leute meinten alle, sie könnten da mühelos an gutbezahlte Jobs kommen und müssten nichts mehr lernen und können,

Volle Zustimmung auch von mir! Die Idee, das man tatsächlich etwas leisten kann, was objektiv meßbar ist (z.B. einen Stuhl schreinern oder eine Heizungsanlage aufbauen) und nicht ständig alles dekonstruieren müßte ist völlig auf dem Rückmarsch.

> gerade weil der Job Einsatz und Gründlichkeit erfordert,

Das was ich daran so schlimm finde ist ja, dass die Geistis alle glauben, sie seien ja noch viel gründlicher beim ‘Denken’…. Einbildung ist auch ‘ne Bildung.

Wie oben schon mehrfach angedeutet: DA ist der ‘Facharbeitermangel’ in Deutschland, bei den CNC-Fräsern, Heizungstechnikern und Werkzeugmachern. Wie die spezialbegabten Führungskräfte dieses Landes gleichzeitig den Fachkräftemangel beklagen können und trotzdem die OECD-Vorgabe von zwei Drittel Hochschulabsolventen in einem Jahrgang erzielen zu müssen, ist mal wieder bestes Zwiedenk.

> Jungs die in der Schule total untergingen, blühen in einer Männerumgebung mit richtigen Aufgaben und Herausforderungen auf.

Ist auch meine Erfahrung.

> Wo werden denn noch Jungen oder Jungstypische Eigenschaften gefördert?

Genau das ist das Problem. Aktuell leiden wir unter einer völlig irsinnigen Übergewichtung ‘weiblicher’ Eigenschaften bei gleichzeitiger Verdammung ‘männlicher’ Eigenschaften. Das müssen wir ändern, das geht nicht lange gut, u.a. z.B. weil sonst plötzlich keiner mehr in der Lage ist, das Klo im Großstadtloft wieder gangbar zu machen. Alles, was zur Funktion einer modernen Gesellschaft notwendig ist, wird von Leuten mit ‘Jungstypischen Eigenschaften’ erzeugt oder am Laufen gehalten. Und ich glaube, das gilt für antike und mittelalterliche Gesellschaften genauso…


Peter Suxdorf
1.7.2015 8:39
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Ich erwähnte in einem anderen Blogpost, daß mein Zentralgestirn Erzieherin ist. Ihrer Ansicht wäre es extremst wichtig, daß auch bereits in den Kindergärten Männer und in den Grundschulen mehr Lehrer arbeiten sollten, damit die Jungs entsprechend gefordert, gefördert und vor allem verstanden werden. Erzieherinnen haben eben ein Problem mit Brusttrommeln und Exessivtoben, was doch eher Männerdomäne ist.

Problem eins: Männer in Erzieherberufen…ich denke, da braucht es eine gehörige Portion Selbstbewußtsein

Problem zwei: Die Entlohnung…ich denke, da braucht es eine gehörige Portion Sparsamkeit zu Hause


Robert
1.7.2015 9:26
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Nach meinem Eindruck geht ein Großteil der Handwerker (die normalen Gesellen in den Betrieben “um die Ecke”) mit eher unterdurchschnittlichen Gehältern nach Hause. Bei manchen Spezialisten oder in der Industrie mag es anders sein, aber an einen flächendeckenden “goldenen Boden” im Handwerk kann ich nicht so ganz glauben.


Christian
1.7.2015 9:38
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Tja, was soll ich als Geisteswissenschaftler dazu sagen….?
Dumpfbacken habe ich überall kennengelernt – ob sie bei den Geistis tatsächlich prozentual häufiger vorkommen als bei Handwerkern oder Informatikern – ich kann’s nicht sagen. Vielleicht ist es so, aber ich kann es aus eigener Erfahrung (gut, bin jetzt auch schon 16 Jahre aus der Uni raus) schlicht nicht bestätigen.
Eher scheint mir die ganze Gesellschaft immer verrückter zu werden – an allen Ecken. Hm – stimmt, es wäre mal interessant, zu versuchen zu erheben, welche Themen von Soziologen erhoben werden und was darunter gesellschaftlichen Wert hat. Und wie sich das über die Jahre verändert hat. Könnte interessant sein (wirft aber natürlich neue Probleme auf – was hat gesellschaftlichen Wert).
Dann vielleicht doch lieber wie beim kaisertreuen Walter E. von Hartgeld: Akademiker – auf den Acker mit ihnen! 😀
Ansonsten haben Hans Moser u.a. schon wesentliches gesagt und damit will ich’s hier gut sein lassen.
@Josh:
Reagier doch nicht so blind-wütig auf diesen Spruch. Diese Reflexreaktion ist gar nicht so weit von einer Gendertante entfernt, die bei einem Frauenwitz “Sexismus” schrillt. Diese Pawlowschen Reaktionen bei eigentlich intelligenten Leuten wundern mich immer wieder…
Gutes Schwitzen
C


Daniel Frey
1.7.2015 9:51
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@josh_

Im Gegensatz zu dir liebe ich mein Vaterland und ich bin stolz auf meinen Beruf.

Und denk doch mal über den Unterschied zwischen Nationalist und Patriot nach. Ich bin Patriot.


KW
1.7.2015 10:03
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Es gibt viel mehr Leute da draußen, die wie wir denken, nur haben wir alle keine Stimme. Ich möchte so gern den Saustall, den die 68er hinterlassen haben, aufräumen. Dieser Staat ist zum Irrenhaus verkommen.


JochenH
1.7.2015 10:05
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Das korrespondiert mit der Tendenz, dass auch minderbegabte studieren dürfen/sollen. Wer früher Dachdecker wurde, der geht nun auch auf die Uni. Da aber die klassischen Fächer zu schwer sind, studiert er/sie etwas “Gesellschaftspolitisches”. Diese Tendenz ist bei Frauen stärker als bei Männern.

Das Handwerk wird nicht aussterben, weil einfach insbesondere die zugewanderten Osteuropäer hier einsteigen. Wohl auch deutsche junge Männer, die kapieren, was gefordert ist in der Arbeitswelt.


Bob
1.7.2015 10:39
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Mein Vater ist Handwerker und ich habe mich früh dafür entschieden die Firma nicht zu übernehmen.

Der schuftet von früh bis spät und ist schon total kaputt. Im Grunde hat er nichts anderes als seinen Beruf / seine Firma. Natürlich hat er sich etwas geschaffen, aber zu welchem Preis?

Gejammer der Kunden das es soooo teuer ist. Rechnungen werden zögerlich bezahlt. Abzüge seines Verdienstes um die 60%. Da muss man mal Lohnsteuer und die Unternehmenssteuern zusammenzählen um die ECHTEN Abzüge zu ermitteln. Da wird einem Schlecht wenn Vater Staat mal wieder einen Brief schickt “Hey, 50k Euro überweise, aber Pronto”.

Sämtliche Lehrlinge die er versucht hat, haben aufgegeben. Ja, das wird wirklich schlimm wenn die guten Alten aufhören.
Die Kunden fragen ja jetzt schon jede Woche ob hoffentlich noch lange weitermacht.


Benutzername
1.7.2015 10:47
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@slartibartfast: “Dumm nur, dass die Geisteswissenschaftler dieses Ding mit der Politik gepachtet haben und uns Macher über Bande ausnehmen.”

Die haben ja auch di ezeit für Politik. Und die notwendigen Laberfähigkeiten um sich gegenseitig was in die Tasche zu lügen. Handwerker haben genug zu tun und keine Zeit dafür. Im Bundestag sitzen mittlerweile Juristen, Lehrer und diverse Geisteswissenschafler in der Mehrheit, und das großteils aus dem öffentlichen Dienst und Verwaltung. Da fehlt dann natürlich der Sinn für das Praktische. Haben sie ja nie gebraucht oder jemanden dafür bezahlt.

Als Konsequenz also mehr Handwerker in die Parlamente? Müllmannquote?


Horsti
1.7.2015 11:16
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Sorry, aber ich kann dieses Gerede nicht mehr hören. Wenn die Jobs im Handwerk so supergeil sind, ja warum arbeitet ihr denn nicht dort? Ein Ingenieur oder Informatiker sitzt auch oft nur am Schreibtisch, genau wie die Soziologen-Sesselpuper. Ja, erstere sind Produktivkräfte, ein Soziologe/Politologe nicht, stimmt, dann erschöpfen sich aber, in Bezug auf die Arbeitsplatzgestaltung, die Unterschiede auch schon. Sind alles Akademiker, im Gegensatz zu den Handwerkern.
Man sollte da schon ehrlich zu sich selbst sein. Die meisten (mich eingeschlossen) würden wesentlich lieber für 8,50 Euro in der warmen Uni-Bibliothek Bücher sortieren, als für 10 Euro eine Straße zu teeren oder in der Kanalisation rumzukrabbeln und darüberhinaus den handwerkstypischen Umgangston zu ertragen.

Ja, das Handwerk findet keine Azubis mehr, stimmt. Ich kenne einen Betrieb (SHK), der jedem Azubi einen Smart als Firmenwagen kostenfrei stellt. An diesen Zuständen ist das Handwerk aber selbst schuld, denn man hat über viele Jahre einfach billige Ost-Arbeitskräfte rangeholt, anstatt auszubilden. Jetzt ist die Sättigungsgrenze längst erreicht und man jammert über fehlenden Nachwuchs. Dafür soll jemand Verständnis aufbringen? Ernsthaft? Kleiner Tip: Das Lohnangebot regelt auch hier die Nachfrage.

Die Frauenbevorzugung in den Schulen ist inzwischen schon so weit fortgeschritten, daß für viele handwerkliche Beruf gar keine Fachlehrkraft mehr vorhanden ist. Berufsschullehrer für Tischler, Metaller, Farbe und inzwischen selbst Kfz sind absolute Mangelware geworden. In der Folge erhalten diese Berufsschüler gar keinen Fachunterricht mehr. Ich kennen einen Schüler (Anlagenmechaniker), dessen Klassenlehrerin Deutsch und Geschichte studiert hat und -natürlich- keinerlei Fachfragen beantwortet, weil sie gar keinen Plan vom Stoff hat. Bei Lageristen ist es inzwischen ähnlich, da unterrichten Berufsschullehrerinnen, die ein Lager nie von innen gesehen haben. In NRW müssen Fachklassen aufgelöst und zusammengelegt werden, ebenfalls weil es keine Fachlehrer mehr gibt. Somit ist der hohe Lehrerinnenanteil ursächlich für eine immer schlechter werdende Berufsausbildung verantwortlich.

Wer die Akademisierungswelle stoppen will, muß zunächst einmal die berufliche Bildung stärken. Schaut man sich die Tarifverträge so an, dann erhalten Akademiker jedoch im ÖD (und auch in der Privatwirtschaft) immer noch viel mehr Geld. Ein Ingenieur fängt oft mit Stufe 13 an, während ein Techniker mit langjähriger Berufserfahrung nie Stufe 13 erreichen kann. Der Staat ist also selbst Verursacher dieser Zustände die er lautstark beklagt. Da gibt es inzwischen den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), der Bildung in 8 Stufen einteilt. Ein Techniker ist, ebenso wie ein Bachelor, auf Stufe 6 eingestuft. Aber, leider, leider begründet dies natürlich keinen Anspruch auf eine gleiche Tarifeinstufung.

Auch die Druchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung ist nicht gegeben. Ein Techniker, der auf Ingenieur studieren will, muß oft ganz von vorne anfangen. Mit Glück wird ihm ein oder zwei Semester angerechnet. Im Grunde ist die Technikerausbildung somit eine Sackgasse.


Dirk S
1.7.2015 11:26
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Es sind die Handwerker, Facharbeiter, Techniker, Ingenieure (ich zähle jetzt mal Informatiker zu den Ings) und Kaufleute, die ein Land am laufen halten und den Wohlstand mehren, nicht die Schwafologen, Rechtsverdreher und Neidhammel, die am liebsten alle anderen bevormunden und ausplündern wollen.
Nur wird das erst erkannt, wenn das Licht aus ist und keiner mehr da ist, der den Schalter bedienen kann. Na ja, irgendwann kapieren es alle, wer für eine Gesellschaft wichtig ist und wer nicht. Und dann jammern die, die mit durchgezogen wurden. Wobei, das tun die auch schon vorher.

Wenigstens zeigt der Handwerker, dass das Volk an sich nicht dumm ist und bestens bescheid weiß. Wir sollten uns zu mehr Demokratie entschließen und so die Schwafologen entmachten. Es kann nur besser werden.

Optimistische Grüße,

Euer Dirk

PS: Meine Kinder können auch ohne Hammer-App einen Nagel in die Wand bekommen. 😉


Heinz
1.7.2015 13:38
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Ich kann
Dänemark
1.7.2015 4:19
nur Zustimmen, habe ähnliche Erfahrungen gemacht.

Wobei das bei Ausbildungsberufen außerhalb des Handwerks auch nicht anders ist, aber da beklagen die sich ja genauso über einen “Fachkräftemangel”.


Heinz
1.7.2015 13:46
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Es gibt auch unter den Handwerkern welche, die genauso doof und unfähig sind wie Soziologen.

Nein, es gibt natürlich auch dort Flaschen, aber die sind nicht annähernd so schlimm wie die Geistes”Wissenschaftler”.

Die mussten nämlich alle eine, nach klaren Vorschriften erstellte, Prüfung ablegen die es (je nach Beruf) in sich hat.


Manfred P.
1.7.2015 14:14
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@Hanz Moser

Das sehe ich ganz genauso. Bei einem intelligenten Menschen ist es völlig egal, was er anpackt.

Selbst wenn er Soziologe wird, wird das einer, der treffende Beobachtungen macht und konstruktive Vorschläge erarbeiten kann.

Man kann das nicht an der Ausbildung an sich festmachen. Ich habe im Studium auch echt dumme Physiker kennen gelernt. Einer glaubte, das man spritsparend Auto fährt, indem man die Gänge bis zum Abregeln hochzieht. Das ist leider kein Witz…


Manfred P.
1.7.2015 14:16
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@CountZero

>Das was ich daran so schlimm finde ist ja, dass die Geistis alle glauben, sie seien ja noch viel gründlicher beim ‘Denken’…. Einbildung ist auch ‘ne Bildung.

Wahahahaaa, ich weiß…


Manfred P.
1.7.2015 14:17
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@drudi

Mein Vater war Werkzeugmacher in der Metallindustrie. Der hat auch mehr verdient als ich heute…


Manfred P.
1.7.2015 14:25
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@Pete

Ich hatte grade das Problem, das der Anlasser kein Strom kriegte. Also musste das Zündschloss ausgebaut werden. Nun gut.

Ruft am nächsten Tag der KfZ-Meister an und meint: “Ihr Schloss hat doch auch schon immer mal geklemmt, oder?” Ich so: “Nö, wieso?”

“Naja, wir mussten das Alte aufbrechen und ein Neues rein tun. 600 Euro bitte.”

Geschissen auf solche Handwerker. Große Fresse haben ist halt einfach, selbst für einen Handwerker.


anonKlaus
1.7.2015 14:43
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Ich bin sicher der Handwerker hat sein lebenlang SPD/CDU und später die Linke gewählt. Das taten und tun die meisten. Also hätte er sich die Suppe selbst eingebrockt und er merkte es nicht einmal. Schuld sind immer die anderen…

> Jungs die in der Schule total untergingen, blühen in einer Männerumgebung mit richtigen Aufgaben und Herausforderungen auf.

Jop. Sie blühen auf, studieren und einige werden Doktoren, wollen eine Familie gründen und dann kommt die knallharte Realität: Keine Frau interessiert sich für sie. Die meisten gebärfähigen Frauen wollen den Brad Pitt und keinen Beta-Heini.
Ich habe in meinem näheren TH Akademikerkreis einen Selbstmordversuch in 2013, einen in 2014 und einen erfolgrichen Selbstmord in 2014 miterleben dürfen – alles wegen gescheiterten Familienwünschen bzw. Frauenallüren. Diese Deppen haben wohl den Feminismus nicht verstanden..

Naja, bald hat es diese Gesellschaft hinter sich. Freuen wir uns also auf eine neue mit Schariagerichten und Islamisierung.


Rechnungsprüfer
1.7.2015 14:51
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der Artikel passt auch ganz gut dazu

“Soziologen sehen bei diesen Männern schon länger die Tendenz, sich der gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen, und die Gefahr einer männlichen Unterschicht. Die Folgen sind bereits zu erkennen: Auf dem Arbeitsmarkt fehlen männliche Auszubildende und Fachkräfte; die Sozialsysteme werden durch die Aussteiger übermässig belastet; die Geburtenrate sinkt, und das demografische Ungleichgewicht vergrössert sich.”

http://trennungskinder.net/themen/single-maennlich-sucht-keine-heirat/


Jan Lul
1.7.2015 16:32
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“Mit 20 ist er jetzt zwei Jahre fertig, geht auf die Meisterschule,”

Genau das hat man meinem Bruder als Landkreisbesten(!) verweigert, er sollte erst ein paar Jahre mehr als billig zu habender Geselle abhängen. Konsequenz: Studium. Mit dem war er lang fertig, da hat sich dann mal jemand erkundigt, warum er keinen Meister macht, er wäre doch der LK-Beste in dem Jahrgang gewesen. Da kam die Antwort: Studium fertig, mit einskomma, ich mach jetzt was anderes!

Ich kenne beide Seiten und beide Seiten haben recht, teilweise. Aber solange da noch immer alte Zunftordnungen hochgehalten werden, die “Quereinsteigern” (solche ohne Meister-Papa) auch bei sehr guter Leistung Steine, Schwellen und Tretminen in den Weg nach oben legen, braucht sich “das Handwerk” nicht wundern.

Einem Bekannter von mir wurde sein Fahrradgeschäft hier zugemacht. Meisterzwang. Er war und ist gut, kam aus der Rennradszene und hat im Verein geschraubt, hat das irgendwann mal offiziell gemacht, hatte seine Kunden, aber das war jemand anderem ein Dorn im Auge. Wäre er ein EU-Ausländer gewesen, hätte keiner etwas sagen können. Konsequenz: er sitzt jetzt in Dänemark, und betreibt sein Geschäft und seinen Webshop von dort.

Ich bin Mitte 40 und könnte hier jetzt noch drei Bildschirme voll schreiben.
Die Unis mögen schlimmer geworden sein, aber das Handwerk ist voll mit Bremsern. Was ich auch schlimm finde ist, dass ein Meister immer noch meint definitiv “ausgelernt” zu haben.

Es gibt nicht nur einen Grund, warum das Handwerk als Ausbildungsplatz “uncool” geworden ist. Dass sich Leute vom Gymnasium mit drei Sprachen in ein mittelalterlich-traditionelles System fügen sollen, wo ein Halbsprachler sie das erste Jahr nur Deppenjobs machen lässt (und ich rede nicht von Feilen, sondern von Müll im ganzen Betrieb raustragen und Schmierkühlmitteltanks vom Pilz befreien, etc.) Und nach meiner Einschätzung muss Bologna und der Akademikerüberschuß noch ein bisschen wirken, bis die Attraktivität eines Studiums wieder abnimmt.

Aber ich habe jede Hoffnung verloren, dass sich daran etwas ändern könnte, weil die Ausbildung im Handwerk besser geworden ist!


Jan Lul
1.7.2015 16:39
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>> Jungs die in der Schule total untergingen, blühen in einer Männerumgebung mit richtigen Aufgaben und Herausforderungen auf.
>Ist auch meine Erfahrung.
Unterschreibe ich sofort. Wobei “Männerumgebung”… ich bin der typische Beta, ehemals ewiger Junggeselle, und ich bestehe auch Alk/Tabak/Drogenverbot in der Werkstatt.

Ich hab ein paar Jungs MCU-basteln gelernt, einmal mit Arduino, einmal zu Fuß mit AVR auf Lochraster. Der Blick in diese strahlenden Augen, als das zum ersten Mal lief, als denen zum ersten Mal klar wurde, *was* sie jetzt alles können…

Das schlimmste war, sie von der “Anleitung” im Internet wegzukriegen. Aber woher sollen sie es auch wissen, in Zeiten, wo man mit Universalbaukästen wie Lego und Fischer nur noch die Sachen in der Anleitung bauen kann?


vortex
1.7.2015 16:47
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@Dänemark

“Ich bin selbst ausgebildeter Handwerker (SHK), hab 270 Brutto im ersten Lehrjahr bekommen. im 3,5 warens 540 Brutto beim Aldi an der Kasse gibts im ersten Lehrjahr 600€ und dann wundern sich die Leute das niemand Bock hat sich den Rücken im Handwerk kaputt zu machen?!

Und die Ausbildung im Handwerk ist auch DRECK, es wird keine Sekunde in die Ausbildung investiert, weil das kostet ja Geld. Es muss gearbeitet werden! Wenn mal 30 Minuten Luft ist kann der Azubi lieber die Werkstatt fegen als das man ihm mal etwas zeigt.”

Seh’ ich genauso. Lehrlinge werden oft unglaublich schlecht behandelt, abgesehen davon dass man sich wie ein Hilfsarbeiter* vorkommt. Ausbildung? Nee, macht ja die Berufsschule. Bezahlung? Mieser geht’s in Deutschland kaum. Und dann erfährt man was dem Kunden für Lehrlingsstunden berechnet wird. Überstunden ohne Ende, bei gleichzeitiger Gewissheit kaum Vergütung für den Mehraufwand zu erhalten. Als ich meinen Meister darauf ansprach wollte er mir pro Stunde 1.50 zahlen. Würde ja ungefähr meinem Stundenlohn entsprechen. Da hat’s mir gelangt und bin wieder Eis kellnern gegangen. Um sich eine Lehre leisten zu können braucht man bald schon ein kleines Vermögen oder viel Glück mit den Umständen.

Darum kriege ich immer das kalte Kotzen wenn sich einer von diesen Heinis beschwert, es gäbe keinen Nachwuchs. Ja natürlich nicht. Diese Vollhorste sorgen für schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten, all das für drei Jahre und wundern sich darüber dass ihnen niemand die Bude einrennt.

Dachdecker und Zimmermänner sind von meiner Tirade ausgenommen, deren Lehrlinge bekommen ein ordentliches Gehalt.

*Nichts gegen Hilfsarbeiter, aber ein Lehrling soll angeleitet werden, nicht als billiger Rücken fungieren.


potor
1.7.2015 18:18
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Naja, wenn ich mir Handwerker aus dem Ausland holen kann, muss ich in Deutschland Menschen ausbilden, die ein Unternehmen leiten können.

Handwerk kann spannend und kreativ sein, ist es aber die meiste Zeit genauso wenig jeder Bürojob auch. Kein Klempner oder Gleisbauer kann mir erzählen, dass er Erfüllung und höchstes Glück findet während er seiner Arbeit nachgeht. Auch Bäcker können Kreativität ausleben, am Ende des Tages kaufen die Leute aber dann doch Brot und Brötchen und da ist auch tausendfach hintereinander jeden Tag das selbe zu tun.


Werner
1.7.2015 18:58
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Ich mal wieder.
So vor 20 Jahren, oder um die Jahrtausendwende herum, genauer weiß ich es nicht mehr -müßte nachsehen- wurde hier an den Mietwohnungen eine Zeitlang kräftig saniert und renoviert. Und es begab sich zu der Zeit, daß ausgerechnet in diesen Jahrgängen ein Schwung Mädels durch das Handwerk geschleust worden war- ihr wißt schon, Mädchen in Männerberufe und so. Die bildeten so ca.1/4 bis 1/5 (ja…) der Werktätigen, alle so im selben Alter mit den Jungs, etwas gehandikapt weil weniger beweglich (Mädchen sind nun mal etwas draller als Jungs, vor allem wenn sie hart arbeiten müssen) und etwas kürzer als ihre männlichen Kollegen. Haben aber gut zugelangt, gefliest, gemalt, geklempnert etc. Das Ergebnis ließ sich nicht unterscheiden.

Nur: nach zwei Jahren waren sie alle weg und tauchten nie wieder auf (und da ich seit dem hier wohne, habe ich das Privileg des konstanten Beobachtungsraumes).

Wahrscheinlich Heirat, Kinderkriegen. Ist ja auch das Alter. Die Ausbildung können sie sich als Trophäe an die Wand hängen. Für die Katze, sozusagen.

Dekaden davor gab’s ein Programm “Akademikerinnen in Handwerk und Büro” wo arbeitslosen selbigen das Schlossern u. ä. beigebracht wurde, meist von Meistern kurz vor der Rente. War auch nix. Brauchte auch damals niemand.

Klar gibt es immer fähige und unfähige. Aber auch bei der einen oder anderen Ärztin habe ich mich gefragt, warum nur… bis sie dann weg war. Heirat vermutlich, da sonst schwer vermittelbar.

Gleichberechtigung ist schön und gut, aber Gleichstellung, egal wie, hat eine sehr schlechte Rendite, scheint mir. Wahnsinn bedeutet in der Tat, immer das gleiche zu tun, und unterschiedliche Resultate zu erwarten – Clark Griswold.


industriemeister
1.7.2015 20:41
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Berliner/Großstadt Probleme?!
Bei uns in der süddeutschen Provinz ist das Erlernen eines Handwerks Gang und Gäbe.


stefan
1.7.2015 21:06
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Die Trennlinie geht nicht zwischen den tollen, praktischen Handwerkern, und den dummen, sesselfurzenden Schreibtischtätern, sondern zwischen denen die realitätsbezogen arbeiten, und denen die es ideologiebezogen tun.

Ein guter Handwerker, hat genau wie ein guter Wissenschaftler, eine Vorstellung der Welt, bzw des Dings, das er bauen oder reparieren will im Kopf. Und genau wie ein guter Wissenschaftler passt er seine Vorstellung immer aufs neue der Realität an.
Dahinter steckt die Vorstellung eines objektiven Realität, an die sich das denken anpassen muss. Wer einmal einen guten Schweisser gesehen hat, oder einen guten Automechaniker bei der Fehlersuche, hat das vielleicht schon gesehen.

Es gibt natürlich auch schlechte Handwerker, die finden den Fehler dann nicht, weil sie die Anlage nicht verstehen, oder bekommen keine saubere Schweissnaht hin, weil sie kein Gespür für das Material haben.

Genau so gibt es Geistesarbeiter, die sich im Geiste verlieren, ohne einen Bezug zur realen Welt.

Der Mangel an Facharbeitern macht sich mittlerweile bei Entlohnung und Entgegenkommen der Chefs bemerkbar, das einzige wirklich tragfähige Indiz für einen Mangel


kardamom
1.7.2015 23:22
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Hatte mal einen schönen Schrank erhalten, der aber abgeschlossen war und dem auch der Schlüssel fehlte. Der Schrank war aber schön.

Nun gut, dachte ich, da kenn’ ich doch einen Bewährungshelfer, der kennt doch bestimmt ein paar Leute, die geschickt ein Schloss auch ohne Schlüssel öffnen.

Pustekuchen. Meinte er: “Die Zeiten als es noch echte “Schränker” gab, sind vorbei. Die Knackis von heute können kein Handwerk mehr, das geht alles mit Gewalt.”


Juergen Sprenger
2.7.2015 9:03
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@kardamom

Da wendet man sich am besten an ambitionierte Amateure:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sportsfreunde_der_Sperrtechnik

Es gibt dafür auch Werkzeuge (Bumpkeys), die man selbst herstellen kann:

https://en.wikipedia.org/wiki/Lock_bumping


CountZero
2.7.2015 9:57
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@kardamom:
>Die Knackis von heute können kein Handwerk mehr, das geht alles mit Gewalt.

LOL! 🙂 Verdammt, nicht mal mehr anständige Verbrecher gibts noch… 😀


CountZero
2.7.2015 10:05
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@Christian:
> ob sie bei den Geistis tatsächlich prozentual häufiger vorkommen als bei Handwerkern oder Informatikern

Ausnahmen bestätigen die Regel, Du selbst erscheinst mir auch als eine. Ich bin auch mit ‘echten’ Geisteswissenschaftlern befreundet, und denen bestätige ich gern die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten unter Anleitung (bis auf einen, der stimmt mir aber vollkommen zu was das angeht… 🙂 ).

Der Unterschied zwischen den Fahimis, Stefanowitschens, Schaschecks, Wizoreks und Stricks und den mäßig fähigen Handwerkern und Informatikern besteht mE darin, dass sich letztere (fast immer) an den objektiv erkennbaren Ergebnissen ihrer Arbeit messen lassen müssen (ein befreundeter Heizungstechniker erschrickt immer, wenn er in der Lokalzeitung liest, dass in der Gegend ein Haus wg. Gasleck abgebrannt ist und überprüft sofort, ob seine Leute an der Installation beteiligt waren), während ähnliches bei Wizorek und Co. (praktisch) nie möglich ist, weil deren Arbeitsergebnisse prinzipiell nicht in diesen Maßstäben bewertbar sind.


CountZero
2.7.2015 10:13
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@Jan Lul et al.

Die von Dir und anderen beklagten Zustände der Lehrjahre (die ja bekanntlich keine Herrenjahre sind, was man als Allererstes lernt dort…) und die (was mir neu war) desaströse Lage der Berufsschullehrerinnen-Qualifikation zeigen ja eigentlich, dass hier politische Initiativen notwendig wären.

Bessere Ausbildungsbedingungen im Betrieb und Förderung von qualifizierten Lehrern in die Berufs- und Technikerschulen (klang ja auch im OP von Hadmut schon an) wären doch die Dinge, die man mit der Kohle für <a href="https://www.youtube.com/watch?v=zj–FFzngUk"'Science: it's a girl thing!' oder GenderStudies-Professuren machen könnte…


FünfzigPlus
2.7.2015 11:32
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Ich empfehle folgende zwei Experimente (die ich in eben dieser Form bereits durchgeführt habe):

(1) Man suche auf Google Books den Titel “The Mechanic’s Companion” von Peter Nicholson. Das ist ein altes Buch aus dem Jahr 1845. Es richtet sich an Handwerker und umfasst alles Wesentliche (aus der damaligen vor- bis früh-industriellen Zeit) zum Thema Holzbau (Tischlerei und Zimmerei), Steinmetzkunst etc. Das Buch beginnt mit einer ziemlich umfangreichen prektischen Einführung in die Geometrie. Natürlich sind die englischen Formulierungen heute so nicht mehr zeitgemäß und daher etwas schwer zu lesen, aber jeder, der Englisch kann, wird es verstehen. Anschließend werden in jedem Themenbereich zunächst Begriffe definiert und essentielle Werkzeuge in präzisen Beschreibungen vorgestellt, unter anderem auch die Setzwaage als damaliges Pendant zur heutigen Wasserwage. Man nehme die Beschreibung dieser Setzwaage und übersetze sie zusammen mit den relevanten Abschnitten des Geometrie-Kapitels ins Deutsche. Damit gehe man nun zu Handwerkern und Akademikern und bitte Sie, dieses einfache Gerät nachzubauen.

Das, was früher selbstverständlich war, nämlich Grundlagen der Geometrie zu beherrschen, diese praktisch anzuwenden und dann einen rechten Winkel zu konstruieren, um ein paar Holzlatten rechtwinklig aneinanderzuleimen und ein Senkblei zu befestigen und eine einfache Skala einzukerben, ist heute alles andere als selbstverständlich. Akademiker können mit der Beschreibung gar nichts anfangen, bringen oft noch nicht mal mehr den rechten Winkel mit dem Zirkel zustande. Aber selbst viele Handwerker schalten ab, wenn sie sehen, dass das “was mit Mathe” zu tun hat. Trotzdem werden es am ehesten die Handwerker (der Generation 50+) sein, die am Ende sogar eine einfache Senkwaage aufgebaut haben.

Wohlgemerkt, dieses Buch aus dem 19. Jahrhundert ist nur ein “Kompendium”, also eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Dinge, die damals bei Handwerkern selbstverständlich zum Wissen gehörten.

(2) Man nehme eine Gruppe von Elektronikern, stelle sie in ein ordentlich ausgestattetes modernes Elektroniklabor und gebe ihnen ein paar Oszillatoren. Dann erläutere man ihnen, dass alle Oszilloskope leider defekt und kein Frequenzzähler vorhanden sei. Man bitte sie nun, die Frequenzen der Oszillatoren zumindest näherungsweise zu bestimmen.

Bis in die 80er Jahre wäre das kein Problem gewesen. Jeder Elektroniker hätte gewusst, was ein Dipmeter ist und die Thompsonsche Schwingkreisformel gekannt. Das hätte er schnell improvisiert und die Aufgabe wäre erledigt gewesen. Heute herrscht blankes Entsetzen in den Gesichtern, eine Gruppe wird versuchen, Mikroprozessoren und Programmiergeräte zu finden, um einen Frequenzzähler nachzubauen, die andere wird alle Schränke auf der Suche nach einem Spektrumanalysator durchwühlen. Nach einer Stunde sucht die erste Gruppe auf Google nach “C für xy-Mikrocontroller” und philosophiert, ob man das nicht besser in Assembler machen solle. Die andere Gruppe hat keinen Spektrumanalysator gefunden und fängt an, die Oszillatoren “reverse zu engineeren”. Dann könne man die Frequenz bestimmt berechnen.

Fazit: Wir haben irgendwann zwischen den 68ern und der Wiedervereinigung damit begonnen, kompetenzlose Fachidioten heranzuziehen.


Manfred P.
2.7.2015 12:48
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@stefan

So ist es.


Knut
2.7.2015 15:44
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“Man kann das nicht an der Ausbildung an sich festmachen. Ich habe im Studium auch echt dumme Physiker kennen gelernt. Einer glaubte, das man spritsparend Auto fährt, indem man die Gänge bis zum Abregeln hochzieht. Das ist leider kein Witz…”

Bis zum Abregeln nicht, aber bis 80% also zum besten Motorwirkungsgrad. Nur interessiert der nicht, sondern der Gesamtwirkungsgrad des Autos.
Dazu gibt es dann die Theorie, dass zunächst einmal zügig beschleunigen und dann erst in den hohen Gang schalten günstiger ist, als früh hochzuschalten.

Da zeigt sich die Tendenz bei Physikern alles in Einzelteilen zu analysieren und das Zusammensetzen den Ingenieuren zu überlassen. Gibt es auch gerne in Foren, wo mit maximalen Motorwirkungsgraden argumentiert wird, die kein Auto auf die Strasse bringt.

Es gibt schon Gründe, warum Theoretiker häufig abschätzig benutzt wird. Das hat häufig nichts mit der Theorie zu tun, sondern mit dem Versuch aus mehreren, gegenläufigen qualitativen Überlegungen quantitative Abschätzungen zu machen. Das funktioniert bei nicht offensichtlichen Entscheidungen auch nicht viel besser als eine Münze zu werfen.


Wolf
2.7.2015 21:02
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@ Josh

Mach die Tür zu, es stinkt nach alten 68er Mief.


stefan
2.7.2015 22:11
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@ Fünfzigplus

Das spricht doch für die praktische Handwerksausbildung.
Ich ahbe in meiner Jugend mal Zimmerer gelernt, undda war es ganz klar, das man zu erst aufreißt und konstruiert ( Rechten Winkel mit einem pythagoräischem Dreieck), und das ganze dann mit Handwerkzeugen aus arbeitet. Wenn man die Grundlagen beherrtscht, dann kommen die Maschinen und Hilfsmittel.
Ein Freund meines Sohnen ist gerade in der Ausbildung zum Zimmerer und die lernen das immer noch so.

Soweit ich weiss ist es in allen Gewerken noch so, dass an Anfang HANDwerklich gearbeitet wird. Allerdings ist der Fortschritt nirgendwo stehen geblieben, und es gibt heute in jedem Beruf auch eine Menge Technik zu verstehen.
Überhaupt ist ist in Handwerksberufen die Innovationsgeschwindigkeit sehr hoch. innerhalb weniger Jahre ändert sich die Arbeitsweise iimmer wieder Grundlegend.


Sebi
3.7.2015 0:35
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So siehts aus Knut. Manche verwechseln die grafische Kurve des Motordrehmomentes mit einer Wirkungsgradkurve.
Dabei ist es doch eigentlich recht einfach: Früh hochschalten und genug Gas geben dann. Oder so ähnlich.

Ich trau mich hier kaum offen zuzugeben dass ich eine geisteswissenschaftliche Ausbildung habe. Über Geisteswissenschaftler wird hier ja des öfteren gemosert.

Meine Ausbildung hilft mir enorm bei meiner beruflichen Tätigkeit: Verwaltung und Sanierung (alter) Häuser und Reparatur alter Autos.

Man muss halt eines bedenken: Sozialwissenschaft etwa ist keine reine Geisteswissenschaft, sondern stellt eine Verbindung zu anderen Bereichen dar, etwa auch zur Naturwissenschaft.
Man lernt manchmal ganz handfeste Sachen dort.
Meine Abschlussarbeit handelte übrigens von Gusseisen im 19. Jahrhundert. Auch habe ich mich im Studium viel mit Kriegführung und Militärtechnik befasst. Dazu kam noch etwas “Gender” Geschichte der Frauen im Alten Griechenland (ja, da wurden die noch im Zaum gehalten!!!!) und auch sonst war das alles recht handfest.
Auch lernte ich wie man Statistiken fälscht ähhhhh interpretiert usw.
Auch die GEschichte von (Kriegs-) Pferden war Teil meiner Ausbildung, ebenso Grabungstätigkeit im Bereich Archäologie und Archäozoologie.
Das Studium war damals in Berlin.

In Ddorf habe ich dann Jahre später ein Zweitstudium angefangen,aber die trotteligen Männer und doofen Tussen dort an der Uni gingen mir auf den Senkel. Das habe ich dann abgebrochen und beruflich weiter gemacht.

Gibt halt solche und solche Studenten. Manche nerven mich übelst. Manche sind echt gut drauf.


Hanz Moser
3.7.2015 1:13
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@ Knut

Bitte nicht maximale Leistung mit höchster spezifischer Leistung verwechseln. Letztere liegt bei normalen Motoren praktisch immer in der unteren Hälfte des Drehzahlbandes. Such mal nach “Muscheldiagramm”.


Dirk S
3.7.2015 8:44
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@ Rechnungsprüfer

der Artikel passt auch ganz gut dazu

“Soziologen sehen bei diesen Männern schon länger die Tendenz, sich der gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen, und die Gefahr einer männlichen Unterschicht. Die Folgen sind bereits zu erkennen: Auf dem Arbeitsmarkt fehlen männliche Auszubildende und Fachkräfte; die Sozialsysteme werden durch die Aussteiger übermässig belastet; die Geburtenrate sinkt, und das demografische Ungleichgewicht vergrössert sich.”

Ja, ja, scheiß Gleichberechtigung! Jetzt erdreisten sich junge Männer genau das zu tun, was junge (und ältere) Frauen schon seit langem tun. Geht ja gar nicht! Zwangsausbildung! Arbeitspflicht! Zwangsverheiratung! Alles zum Besten von Volk, Mutterland und Feminsmus! Warum tut keiner was? (Hysterisch kreisch.)

War sonst noch was? Ach ja, ich glaube nicht, dass sich die Geburtenrate bei jungen Männern signifikant geändert hat. Die düfte seit Jahrtausenden konstant geblieben sein. 😉

Gleichbrechtigte Grüße,

Euer Dirk


Manfred P.
3.7.2015 9:15
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@Knut

Empirisch zeigt sich, dass bei vielen Fahrzeugen das frühe Hochschalten sich günstiger auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt als Hochjubeln. Warum und wieso, mag evtl. berechenbar sein, aber direkt auf den ersten Blick ist doch klar, dass das Problem so kompliziert ist, dass es nicht ohne weiteres einer rechnerischen Behandlung ab inition zugänglich ist.

Dennoch gibt’s Firmen, die Fahrzeugsimulationen machen, die sogar ziemlich gut sind. Da arbeiten auch ‘ne Menge Physiker. Die Modelle sind aber eher “makrospkopisch” und empirisch. Solange sie richtig sind, soll’s einem recht sein.

Besagter Typ hat sich ja nicht nur diesen Klopfer geleistet. Der hat fachlich so viel Scheiße gelabert, nach eigenem Bekunden bei Klausuren beschissen, usw.

Bei der Mechanik-Klausur hatte er einen falschen Ansatz richtig gerechnet. Der Hiwi wollte ihm dafür keine Punkte geben. Da hat er den solange auf so penetrante und bescheuerte Art und Weise genervt, dass der Hiwi ihm die Punkte aufgeschrieben und dann wütend den Kuli in die Ecke gefeuert hat, nur damit der endlich die Fresse hält.

Zum Glück ist der nicht verantwortlich für Systeme, von denen Menschenleben abhängen…


Manfred P.
3.7.2015 9:15
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ab initio


Knut
3.7.2015 13:41
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@FünfzigPlus

Ich habe keine Handwerkerausbildung.
Dennoch verwende ich elementare Geometrie um z.B. eine rechteckige Plattform schwerkraftgerecht aufzubauen. Geht ja auch nicht anders. Bei 3 auf 4 Meter ist das Auge zu ungenau und die Winkel aus dem Werkzeugkasten ungeeignet.

Der Laie, also ich, versagt meist, wenn es um Werkstoffe und Verbindungstechniken geht. Manch’ anfangs feste Verbindung wird über die Jahre durch Wind, Sonne und Regen zermürbt. Der stete Tropfen höhlt den Stein letztendlich doch.

Bei den Profis sehe ich allerdings oft Materialoverkill. Das ist bei den vom Kunden zu zahlenden Stundenlöhnen dann der Ausweg. Material ist vergleichsweise günstig, da bringen aufwändige Techniken um Material zu sparen nichts auf Kundenseite.


kdm
3.7.2015 17:15
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@so manche hier: “Eher scheint mir die ganze Gesellschaft immer verrückter zu werden”
.
War das nicht schon so seit Beginn der Menschheit? Jeder Generation meint immer wieder “neu” (aber das gleiche): Früher war alles richtiger, normaler (=besser).

Wenn’s so wäre, wenn jede Generation ärmer dran wäre als die davor, müssten wir alle längst in der Hölle leben.
Der Renaissance-Mensch Baldassare Castiglione hat das schon von 500 (fünfhundert) Jahren in seinem Buch “Der Hofmann” festgestellt.


Arnold Kruppke
3.7.2015 17:36
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In unserer Nachbarschaft gehört das schönste Haus mit dem grössten Grundstück einem Glaser, der seinen Betrieb von seinem Vater geerbt hat. Der musste, als er bei seinem Alten angefangen hatte, bestimmt nicht nur ständig Müll wegbringen und so. Heute macht er nur einen primitiven Website und macht auch sonst nicht viel Werbung – er braucht es nicht, weil er einen guten Ruf hat und darüber seine Kundschaft bekommt.

Es kommt also wirklich sehr auf die Umstände an.

Und dann natürlich die Automechaniker. Von denen sind wir völlig abhängig.


Trollversteher
3.7.2015 21:41
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Für jedem dem es in seinem Handwerkerberuf richtig gut geht gibt es in diesem Land vermutlich 1.5 die heute nur noch verarscht und ausgebeutet werden. Zeitarbeit ist gerade in diesen Berufen weit verbreitet. Der deutsche Mittelstand ist nicht unbedingt für seinen sorgsamen Umgang mit Mitarbeitern oder Azubis bekannt – Deshalb ja die große Verwunderung warum kein junger Mensch mehr eine Ausbildung machen will. Warum auch, bei zumeist beschissenem Lohn, beschissenen Vorgesetzen und beschissenem Druck?


boes
5.7.2015 10:25
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An Josh

Und ich finden deinen Namen ekelhaft.
Typen wie du geben ihr Hetzprogramm gegen alle Deutsche wohl nie auf, weil sie eine Agenda haben.
Tut mir leid Hadmut, aber das musste sein.
Schmeiss mich raus, aber schmeiss solche PsyOP-Kanaillen besser auch raus.


Masi
6.7.2015 15:01
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Ich bin Dipl.-Ing. (FH) für Elektrotechnik und Telekommunikationstechnik, habe an der Hochschule viel gelernt, aber wirkliches Verständnis für den Job kommt woanders her. Nämlich von Neugierde und der Bereitschaft sich mit der Materie zu befassen. Wir hatten im Studium Leute, die waren in den Klausuren spitze, haben einem jede Formel um die Ohren klatschen können und wussten auch worum es ging. Die konnten auch mit dem Oszilloskop umgehen wenn es um praktische Versuche ging.
Aber ne Glühbirne wechseln oder gar ne Schaltung selbst entwerfen, haben die nicht hin bekommen. Solange sie ne Anleitung hatten war alles super, aber selbstständiges Denken und Arbeiten, war einfach nicht drin. Ich bin als Kind von meinen Eltern dazu erzogen worden Probleme alleine oder mit kleinen Hilfestellungen zu lösen. Wenn ich manchmal sehe, wie Eltern ihren Kindern alles machen, weil sie es alleine nicht hin bekommen, wie sollen die Kinder dann selbstständig werden?
DAS ist ein Problem, dass massiv auf uns zu kommt und auch erklärt, warum die Leute gerne BLUBB Studieren, weil man da nix können muss und einem genau vorgegeben wird, was man zu denken und zu tun hat.

Btw. ich hatte letztlich auch einen Handwerker (Wasserinstallation) da, der hat mir meine undichte Spülarmatur wieder dicht gemacht. Nachdem ich gesehen habe, wie einfach das geht, werde ich es das nächste mal selbst machen, zumal ich die Armatur danach nochmal auseinander nehmen musste, weil der Handwerker sie schief wieder zusammen gebaut hatte. Ich muss bis jetzt sagen, dass ich noch keinen Handwerker im Haus hatte, der wirklich ordentlich gearbeitet hat, sobald es komplizierter wurde.

Noch ne Anekdote zu Wasserinstallateuren: Hat mir in der Zuleitung der Küche einen Wasserhahn für die Waschmaschine neu eingehanft, damit der wieder dicht ist. Dann geht der Dödel hin und reißt mir, ehe ich einschreiten kann, die niederdruck Küchenarmatur auf. War klar, dass die Hanf und Metallreste von der Installation in den Druckminderer gespült werden. Mit Durchfluss wars dann natürlich Essig. Es gab noch einen Hahn ohne Druckminderer, den man problemlos hätte benutzen können um den Dreck raus zu spülen. Bzw, gleich so sauber arbeiten, dass kein Dreck in die Leitung kommt. Der Dödel hat nichtmal verstanden, was er denn angerichtet hat, als ich ihn auf die nun erfolgte Verstopfung hinwies. Da er es nicht verstand hab ich ihn dann raus geschmissen unter dem Hinweis, dass ich das jetzt selbst mache. Die niderdruck Armatur falschrum angeschlossen und den Dreck in einen Eimer gespült, schon gings wieder. Ähnliche Beispiele könnte ich auch für Elektriker anbringen, aber ich glaube jetzt gabs genug Beispiele, dass das Handwerk nicht immer unbedingt soo viel besser ist als Akademiker. Aber umgekehrt gilt das natürlich auch.

Masi


eberhard pfaff
19.8.2015 8:26
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Eine absurd-konkrete Arroganz der den politischen Focus ausmachenden akademischen Schulwissenschaftsebene haben wir, die auch die politischen Steuerungsmechanismen innehat.

und sie glauben, weit mehr zu wissen und zu können als die echten Handwerkerschaften an Wissen und Können.
Ich war Vielwerkstätten durchgemachter Tischlermeister. An Wissen und können ging einem einfach alles nur so aus Hirn und Hand.
Weil ich nebenbei leidenschaftlicher Geiger war, entschloss ich mich noch mal zur “Geigenbaulehre”, und in dem Glauben, damit “den Berg Zion des handwerklichen Könnens und wissenschaftlichen Höhepunktes zu erreichen .-Pustekuchen-Es kam alles ganz anders.ich kam in einen könnensmäßigen Jammerzustand hinein. Die dortigen frischen Abiturientchen an jener Geigenbauschule glaubten zuerst schon mal, sich dort auf der höchsten Ebene des handwerklichen Könnens und künstlerischer Bewertungen zu befinden,–und wurden auch ständig von den die Lehrwerkstätten durchstreifenden Besuchergruppen entsprechend ehrerbietigst- höchstverehrt—-NICHTS davon! NICHTS konnten sie ausser akademisch angehauchtem Geblaber und handwerklichem Nichtskönnens die 3 1/2 Jahre lang,-Nur-Geige !sonst nichts an variabler Handwerksgestalung. Ich als durchgekochter Tischler war einfach wie im Schlaf so gut, dass der Direktor nach 2 Jahren schon frdl.sagte,ich könne jetzt doch ruhig gehen. Und mein gerade zuletzt gebautes Stück wurde als das Beststück der Ausbildungsstätte im Kultusministerium München ausgestellt, als das Renomeestück der Geigenbau-Ausbildungsstätte.Die Einteilungen zu den berufsbezüglichen Verehrungen bestimmen nicht die Könnensstufen der einzelnen Berufe,sondern die Vergöttlichungen der Gesellschaft. Auch vergleichsweise :Wie hoch ist der Kloreiniger, vielleicht sogar Klempnermister gesellschaftlich eingestuft gegenüber dem direkt neben Gott sitzenden Professor, dem sein Klo vielleicht bis zum Hintern anschwillt?
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