Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie konnte die Wissenschaft an Gender-Krebs erkranken?

Hadmut
27.6.2015 20:20

Es finden sich inzwischen Antworten.

Ich habe schon öfters beschrieben, dass „Gender-Studies” keinerlei wissenschaftlichen Gehalt haben, dass die mit Wissenschaft überhaupt nichts zu tun haben. Die wissen nicht mal, was Wissenschaft überhaupt ist. Sie simulieren nur die äußeren Tätigkeiten, äffen es nach, ahmen die äußeren Tätigkeiten nach, also würde man Wissenschaftler soziologisch danach einteilen, was sie machen, als wäre es sinnentleert:

Ein Wissenschaftler heißt Professor und veröffentlicht Papers.

Also glauben sie, man wäre oder würde Wissenschaftler, wenn man diese Äußerlichkeiten nachahmt. Der übliche Soziologenschwachsinn, das beobachtete Verhalten mit dem beobachteten Objekt gleichzusetzen.

Oder anders gesagt: Der übliche Soziologenschwachsinn, eine Korrelation für ein Freilos zu halten, sich eine beliebige und bequeme Kausalität auszusuchen. Stimmt halt manchmal nicht, oft liegt die Kausalität andersherum oder ganz anders. Man schreibt Papers, weil man Wissenschaftler ist, aber man wird nicht Wissenschaftler, indem man irgendwas auf Papier schreibt.

Darin liegt die Ursache für die tiefe Lächerlichkeit von Gender-Professorinnen wie Lann Hornscheidt oder Sabine Hark.

Hört man denen zu oder liest man deren Texte, dann erstaunt die brachiale Diskrepanz aus deren völliger Unwissenschaftlichkeit und wissenschaftlichen Unfähigkeit einerseits, und deren subjektiver fester Überzeugung andererseits, Wissenschaftler zu sein und zu »forschen«. Quasi die verbeamtete Groteske von Dunning-Kruger. Manchmal kommen mir die Leute vor wie ein Kind, das Erwachsene nachahmt, indem es auf dem Computer herumtippt und wichtig guckt, so wie Papa das immer macht, aber noch nicht begriffen hat, dass das Rumtippen nicht die eigentliche Tätigkeit ist, weil es nicht begreift, dass man den Computer einschalten muss und dann da innendrin etwas funktioniert, was man durch bloßes Beobachten äußerlicher Tätigkeiten nicht nachbilden kann.

Oder anders gesagt: Soziologisches Betrachten von Wissenschaftlern führt zu dem Irrtum, dass Wissenschaft sich in äußeren Handlungen erschöpft, so wie das Kind glaubt, Papa wäre damit beschäftigt, die Maus in Bewegung zu halten.

Erinnert mich übrigens auch an Wirtschaftswissenschaftler. Als ich im 5. Semester und Tutor war, wurden im Rechenkeller des Rechenzentrums die alten Apple-II-Rechner durch Mac-II-Rechner ersetzt. Sauteuer, mit hübscher Maus, aber die Informatiker mussten sie sich mit den Wirtschaftswissenschaftlern teilen. Was zu Reibereien führte, weil die zwar – auch im ersten Semester – schon im 80er-Jahre Look im lächerlichen Anzug mit schmaler (meist Leder-)Krawatte rumliefen, natürlich das edle Aktenköfferchen daneben, doof wie Stroh, aber arrogant-überheblich auf Informatiker herabblickten, weil die in Sandalen und T-Shirt unterwegs waren.

Jedenfalls konnten die Informatiker mit der Maus umgehen, die Wirtschaftswissenschaftler aber nicht. Die saßen da, als säßen sie auf dem Chefsessel, bewegten das komische (damals noch neue) Ding mit spitzen Fingern hin und her, als müsste das so sein, wussten damit aber nichts anzufangen. Wir haben uns mit denen dann einen Spaß erlaubt: Weil die Rechner-Tische nämlich immer alternierend Rücken an Rücken standen, haben wir die Mäuse einfach über Kreuz vertauscht: Man saß vor dem Rechner und hatte eine Maus, aber angeschlossen war sie an dem jeweils gegenüberliegenden Rechner, vor dem jemand anderes saß. Maus- und Zeigerbewegung hatten deshalb nichts mehr miteinander zu tun.

Sie haben es nicht gemerkt. Mehrere Sitzungen gebraucht, um es zu merken. Die dachten, man macht das eben so, dass man da rumsitzt, schlau guckt und so tut, als wüsste man, was man macht, ab und zu schiebt man halt das komische Ding entschlossen herum, aber nur nicht zugeben, dass man nicht weiß, wofür es gut ist. Und beobachtet konzentriert und gebannt den komischen Zeiger, der manchmal so willkürliche Bewegungen machte, die ja wohl irgendwas zu bedeuten haben mussten. Reines Nachahmen des äußerlichen Verhaltens ohne den Sinn verstanden zu haben. Und wir standen daneben und haben uns ausgeschüttet vor Lachen. Aber sie hielten sich für die Schlaueren.

Gender Studies machen das auch. Sie ahmen einfach Äußerlichkeiten nach, nennen sich »Professorin«, reden ständig davon, dass sie »forschen«, veröffentlichen irgendwelche Sammelbände, halten Konferenzen ab, stellen Förderanträge, vergeben Abschlüsse. Und glauben, damit wären sie Wissenschaftler.

Wie konnte das passieren?

Wie ist das möglich, dass sich Simulanten an Universitäten festfressen konnten?

Es liegt daran, dass der Wissenschaftsbetrieb völlig sinnentleert und auf Rituale reduziert wurde, die leicht zu imitieren sind. Der Begriff der Wissenschaft wurde vom intellektuellen Arbeiten gelöst und auf einfache, ritualisierte Handlungen reduziert. Wissenschaftler ist, wer das, das und das macht, denken kommt darin nicht mehr vor. Dadurch wurde man anfällig für Simulanten.

Wie komme ich jetzt darauf?

In der ZEIT beklagen gerade fünf Wissenschaftler, dass der Wissenschaftsbetrieb zum sinnentleerten Rituale-System verkommen ist.


46 Kommentare (RSS-Feed)

Owen
27.6.2015 20:22
Kommentarlink

Stimmt alles, auser
das idr. kinder mehr ahnung von computern haben als ihre ältern 😉


Bill
27.6.2015 20:29
Kommentarlink

da MUSS einfach der Verweis auf Feynman hin:
http://neurotheory.columbia.edu/~ken/cargo_cult.html


Emil
27.6.2015 20:33
Kommentarlink

> Die wissen nicht mal, was Wissenschaft überhaupt ist. Sie simulieren nur die
> äußeren Tätigkeiten, äffen es nach, ahmen die äußeren Tätigkeiten nach, …

Ein Kommentator hier hatte mal den Genderismus mit einem Cargo-Kult verglichen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult

Ich finde, das trifft es ganz gut. Der einzige aber entscheidende Unterschied ist, dass die Genderisten an den Unis nicht als primitive Eingeborene ohne Durchblick angesehen werden, sondern als Kollegen.


klaus
27.6.2015 20:48
Kommentarlink

Cargo Cult Science

<blockquote cite=http://neurotheory.columbia.edu/~ken/cargo_cult.html
I think the educational and psychological studies I mentioned are examples of what I would like to call cargo cult science. In the South Seas there is a cargo cult of people. During the war they saw airplanes with lots of good materials, and they want the same thing to happen now. So they've arranged to make things like runways, to put fires along the sides of the runways, to make a wooden hut for a man to sit in, with two wooden pieces on his head to headphones and bars of bamboo sticking out like antennas–he's the controller–and they wait for the airplanes to land. They're doing everything right. The form is perfect. It looks exactly the way it looked before. But it doesn't work. No airplanes land. So I call these things cargo cult science, because they follow all the apparent precepts and forms of scientific investigation, but they're missing something essential, because the planes don't land.


Alex Schwarzer
27.6.2015 20:54
Kommentarlink

Solchem Krebs wurde mit Dingen wie der Bolognareform massiv Vorschub geleistet. Seitdem geht es im Studium auch nicht mehr um wissenschaftliche Leistungen sondern darum die Credit Points zu bekommen.

Oh guck, 5 CP für Anwesenheit und schriftlicher Abschlussarbeit. Themen seit 5 Jahren die selben. Mal eben im höheren Semester nachfragen oder eben irgendeinen sinnentleerten Kack schreiben, die Arbeiten über 10 Seiten von 300 Studenten liest und bewertet eh niemand bei klarem Verstand.

Dann noch Bachelorarbeit, irgendein Thema, viel Blabla, keine Substanz, einfach all das reinbringen was irgendwann mal in Methodenlehre drankam. Hier ein schöner Graph, da eine Statistik, alles schön schwammig formulieren, soll mich ja keiner darauf festnageln.

Bei der Bewertung gleiches Spiel. Den Scheiß lesen und sich tiefgehend damit beschäftigen um den korrekt zu bewerten und den wissenschaftlichen Gehalt der Arbeit festzustellen? Am Arsch, hier deine 2. Taucht der Kandidat später noch in meinem Büro auf und heult bekommt er eben eine 1. Wen störts? Ich bin hier nicht wegen der Lehre sondern der Forschung.

Das Problem ist seit jeher das Forschung und Lehre ein Luxusgut sind. Da gibt es initial kein Geld, der Staat verbrennt dort nur Kohle, je mehr um so besser wird es.

Allerdings kostet das alles auch Zeit, Zeit in welcher die Studenten nicht der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Genau die kam aber an und meinte der Bachelor sei das Beste aus allen Welten.

Das ging so weit, dass man ja mittlerweile einen Bachelor braucht um überhaupt Minimalstchancen auf einen Job zu haben. Ausbildung? Nur noch für den von der Hauptschule, demnächst auch für Flüchtlinge. Alle anderen brauchen einen Uniabschluss.

Und so verkommt das ganze System zu einem Absitzen, zu eben diesen Ritualen. Sitzen bleiben kann man bis zum Abitur nicht mehr, es wird nur Anwesenheit gefordert. So jemanden kann man unmöglich an die Uni schicken also wird das auch dort zu einem Absitzen. Dann hat man irgendwann seinen Abschluss aber dieser ist nutzlos. Es gibt schlicht nichts was man damit machen könnte. Also muss der Master her. Der fällt als nächstes.

In so einem Umfeld blüht Shitscience wie Genderstudies geradezu auf. Credit Points für das Nichtrasieren, Workshops zum Basteln von Dildos, Diskussionen über feministische Pornografie.


Fachkraft
27.6.2015 21:10
Kommentarlink

Es ist viel schlimmer. Tatsächlich hat sich die Wissenschaft zum Adels-Ersatz pervertieren lassen.

Als der Adel in Deutschland bedeutungslos wurde, verschwand damit nicht das Bedürfnis der Oberschicht, sich mittels Titeln zu Erhabenen zu machen.
Es hat schon seinen Grund warum fast alle Politiker irgendwelche Pseudo-Doktoren-Titel haben. Solche Titel sind notwendige Eintrittskarten um zu den adeligen Kreisen zu gehören. Die soziologischen Genderisten haben das begriffen und drängen nun mit Macht in die Adelskreise, an die Tröge.
Irgendwelche ernsthafte Gegenwehr aus der Wissenschaft ist nicht zu erwarten, die hängen alle selbst viel zu tief mit drin in diesem Geltungs-Zirkus.

Die Wissenschaft hat sich schon vor der Vereinnahmung der Genderisten in einer tiefen Krise befunden, Paradigmenwechsel sind längst überfällig. Bis dahin wird alles noch viel schlimmer werden.


Jan Lul
27.6.2015 21:14
Kommentarlink

“Credit Points für …”
Na, Belegungspunkte und Scheine sammeln hat es vor Bologna schon gegeben.

“Nur noch für den von der Hauptschule, demnächst auch für Flüchtlinge. Alle anderen brauchen einen Uniabschluss.”
Einer unserer Programmierer hat einen 1a Abschluß – als Zahntechniker (da gibt es keine Jobs mehr, alles automatisiert). Ich bin froh dass wir ihn haben. Wir hatten auch schon Uniabschlüsse, die wieder gegangen sind (woanders gab es mehr Geld) und welche die gegangen wurden (menschliche Defizite, oder unfähig trotz gutem Abschluß).


Klaas
27.6.2015 21:24
Kommentarlink

Dann sind die Genderisten doch viel schlauer als die Wissenschaftler. Das gleiche Gehalt, den gleichen Titel für einen Bruchteil der Leistung. Wie viel arbeitet das Lahn Hornscheid pro Woche? 4 Stunden? Und wie viel arbeitest Du Hadmut? Das 10 fache? Kriegst Du auch das 10 fache Gehalt? Siehst Du, gar nicht so dumm die Genderisten.


Roland S.
27.6.2015 21:24
Kommentarlink

LOL! Habe mich köstlich über die vertauschten Mäuse amüsiert.
Ich glaube, du siehst das nur zu eng. Das ist jetzt weibliche Wissenschaft, weg vom Objekt zum Subjekt. Da spielt nicht nur der Fakt eine Rolle, sondern auch wer es wann zu wem, in welcher Umgebung, in welcher Sprache, mit welcher Hautfarbe etc. gesagt hat. Das ergibt jetzt diese interessante Intersektionalität, ein multidimensionales Modell, wo man an jedem Schnittpunkt eine Form der Diskriminierung feststellen kann, die jetzt natürlich eingehend untersucht und bekämpft werden muss. Wie sollen wir denn sonst zu einer gerechten Welt gelangen?


DrMichi
27.6.2015 21:47
Kommentarlink

Rituale macht auch die (kath.) Kirche.

Ui, und im Büro, wo nichts gemacht (ggü. Architekten, Programmierer oder Erfindungen im weitesten Sinne), sondern nur verwaltet wird, sind Rituale von 9 bis 5 auch das allllller, alllllerwichtigste…


Horsti
27.6.2015 22:28
Kommentarlink

Mein ehemaliger Chef (Geschäftsmann) hat, ohne je einen PC oder eine Maus bedient zu haben, Millionen gemacht.
Der würde jetzt sagen: “Informatiker leiden selber unter dem Dunning-Kruger-Effekt, weil sie glauben daß Rituale wie das korrekte Bedienen einer Maus irgendetwas mit Kompetenz zu tun haben soll.”


ein anderer Stefan
27.6.2015 22:30
Kommentarlink

“Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der.”

Wilhelm Busch.


Hadmut
27.6.2015 22:58
Kommentarlink

@ein anderer Stefan

> So irrt sich der.”
> Wilhelm Busch.

Stinkt nach Fisch und glaubt, er wär der weiße Hai.

(Keine Ahnung von wem)


Gast$FF
27.6.2015 23:00
Kommentarlink

> Wie konnte die Wissenschaft an Gender-Krebs erkranken?

Ganz einfach: Weil der politische Feminismus es geschafft hat, dem Geldgeber der Wissenschaft abzuringen, die Verteilung der Forschungsmittel von “gendergerechtem Verhalten” der Universitäten und Professoren abhängig zu machen. Damit hat der Feminismus die über Dekaden so widerspenstigen Wissenschaftler dort getroffen, wo sie am empfindlichsten sind, und so die Hochschulen schließlich femogefügig gemacht.

Wer sich für ein aktuelles Beispiel interessiert, bemühe die Suchmaschine seiner Wahl nach den Suchbegriffen “Horizon 2020 Gender” und kotze. Zur Erläuterung, “Horizon 2020” ist das aktuelle, fast 100 Mrd Euro (!) schwere EU Förderprogramm für Forschung und Innovation.

Forschungsmafia…


Klaus
27.6.2015 23:16
Kommentarlink

JGonz
28.6.2015 1:41
Kommentarlink

Hmm.

Der MacII hatte bereits ADB (Apple Desktop Bus). Das Mauskabel war _sehr kurz_ und reichte bestimmt nicht unter den Tisch – denn man schloss es üblicherweise an der Tastatur an (die wiederum über ein _langes_ Kabel an den Mac angeschlossen war, und einen speziellen Slot für die Maus hatte).

Die Story glaub ich nicht. Ich hab so Teile noch in Betrieb gehabt.

Sorry.


Hadmut
28.6.2015 9:18
Kommentarlink

@JGonz: Quark!

Nur weil Du ne Maus mit kurzem Kabel hattest, heißt das nicht, dass alle Geräte, die Apple je hergestellt hat, so waren, wie Deine.

Die Version des Mac II, die wir damals im RZ-Keller hatten, hatte lange Mauskabel, und die wurden auf der Rückseite des Rechners angeschlossen. Da muss man nur mal Googlen und findet sofort jede Menge Fotos, beispielsweise da und da.

Und wie Du auf die Idee kommst, dass das Kabel unter den Tisch reichen müsste, kann ich auch nicht nachvollziehen. Was soll denn da unter dem Tisch sein?

Die Rechner standen auf Tischreihen zu vier Tischen, und die Tischreihen standen immer paarweise Rückseite an Rückseite. Damit standen immer zwei Macs direkt Rückseite-an-Rückseite. Die Mäuse über Kreuz zu vertauschen hat nur ein paar Zentimeter Kabel weggenommen, und dafür waren die lang genug. Zumal die Wiwis nicht wussten, wie lang die Kabel richtig sein müssten. Denn auf den Werbefotos, die auch aushingen, eins davon das oben verlinkte, hatte Apple die Kabel immer hinter dem Rechner aufgewickelt, damit das Foto schön ordentlich aussieht. Das sah auf den Fotos so aus, als hätte die Maus ein kurzes Kabel und müsste neben dem Rechner und nicht neben der Tastatur liegen, obwohl das Kabel dafür lang genug war (siehe zweites Foto). Das haben die nicht gemerkt, dass da ein paar Zentimeter Kabel fehlten. Die Kabel waren lang genug. Unter dem Tisch war da gar nichts. Stand alles auf dem Tisch.


Henriquatre
28.6.2015 5:28
Kommentarlink

Es geht gar nicht um die wissenschaftlichen Rituale bzw. deren bloße Imitation, sondern um den Deutungsanspruch, der sich aus der vorgeblichen Wissenschaftlichkeit ableitet.

Wenn sich also bei Max Mustermann und Lieschen Müller der gesunde Menschenverstand meldet, weil die vielleicht nicht so begeistert davon sind daß ihre Kinder Lea-Marie und Björn-Thorben in der Grundschule über Natursekt, Analverkehr und Gruppensex „aufgeklärt“ werden, dann kommen Kreaturen wie ProfessX Murx Dummscheisz aus ihrem Kellergewölbe ans Tageslicht gekrochen, und erklären, daß das alles seine schon seine Richtigkeit hat, weil „wissenschaftlich“ für gut befunden.

Genauso können Kritiker und Unwillige ganz einfach mit dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit, Rückschrittlichkeit usw. niedergeknüppelt werden.

Nur dazu dient die Infektion der Wissenschaft mit der Gender-Krebs.


Carsten
28.6.2015 8:59
Kommentarlink

Es liegt daran, daß es in den 70ern schon mit Pädagogik und Soziologie ganz gut funktioniert hat. Jetzt setzt man eben noch einen drauf.


Schwärmgeist
28.6.2015 9:16
Kommentarlink

Was ist denn nun ein soziales Geschlecht? Was ist, wenn es das gar nicht gibt?

Wie sieht das eigentlich an den Unis aus? Müßte ich jetzt als Informatiker oder Physiker irgendwelche Abrakadabra-Gender-Kurse belegen, ohne Möglichkeit des Widerspruchs? Warum überhaupt Gender und nicht, sagen wir, eine Einführung in die Geologie? Geologie ist immerhin eine anerkannte Wissenschaft.


Der (r)echte Staat
28.6.2015 9:17
Kommentarlink

Das Lann Hornscheidt ist keine Gender-Professorin.
Das nennt sich Professx.
Eine Frau ist das auch nicht, sondern ein geschlechtsneutrales Subjekt.
Deswegen NIEMALS mit “Frau” oder “Sehr geehrte” ansprechen.

Damit ist bewiesen: Das Gender-Dings macht Satirikern das Leben schwer. Doch würde ich gerne mal von einem BWLer den Gewinnzuwachs durchgegenderter Unternehmen im Gegensatz zu althergebrachten Firmen berechnet haben… gibt es das irgendwo?


Emil
28.6.2015 10:06
Kommentarlink

@Klaus
> Noch besser, weil erklärender:
> http://derstandard.at/2000018125086/Feminismus-und-Ressentiment

Klasse Kommentar! Danke für den Link.

Wie es dazu kommen konnte, dass gerade der antiliberale, radikale Feminismus heute in vielen Kreisen Konsens geworden ist, ist an sich eine hoch interessante Frage. Ich glaube, das hat mit institutionellen Gründen wie dem Beharrungsvermögen von feministischen Lobbygruppen im Angesicht der eigenen ungeplanten Obsoleszenz zu tun. Zum andern sicherlich auch mit dem tieferen ideengeschichtlichen Grund, dass sich in einem historischen Moment der allgemeinen Unaufmerksamkeit ein Wust an antiliberalen Thesen über die Konstruier-und Dekonstruierbarkeit von allem und jedem mit dem vakant gewordenen marxistisch-utopischen Impuls verbunden hat.

Von angloamerikanischen Fakultäten ausgehend, vornehmlich aus den Fächern Französisch, Englisch, Anthropologie und eigens dafür geschaffenen Gender-Studies, haben diese Ideen Gutteile der öffentlichen Verwaltung und des Medienwesens unterwandert. Was in den 1970ern als radikaler, postmoderner Schwachsinn einiger Wichtigtuer im Fahrwasser von Derrida und Foucault galt, wird heute von jedem zweiten Magistratsbeamten und Zeitungspraktikanten als gegeben genommen.


Meine Maus ist aus Hamsterfell
28.6.2015 10:49
Kommentarlink

Da gibts doch dieses nette Photo von einer Werbung oder Zeitungsartikel wo ein Büromensch konzentriert vor einem Rechner sitzt, mit Maus in der Hand und man den Stecker der Maus sieht wie er daneben liegt. Finde es gerade nicht, vielleicht kennt das ja jemand und hat einen Link dazu.


Meine Maus ist aus Hamsterfell
28.6.2015 11:02
Kommentarlink

ein anderer Max
28.6.2015 11:29
Kommentarlink

man muss wohl eingestehen, dass diese Form von Wissenschaft sehr gut funktioniert (bezogen auf das, was heute vom Markt gewünscht wird).

Dieser Ungeist ist ja nicht nur bei den Gender anzutreffen. Ich erinnere nur daran, dass Pharmaforschung heute ähnlich funktioniert. Publiziert werden nur die Ergebnisse, die genehm sind. Sieht auch aus wie Wissenschaft, ist aber nur Werbung.


Frank
28.6.2015 12:44
Kommentarlink

@Gast$FF

>weil der politische Feminismus es geschafft hat

Irrtum, solch inkontinente Scheiße SCHAFFT es nirgendwo hin.
Da läuft ne Agenda der Zerstörung, alles Destruktive wird gepusht und mit Milliarden gefördert!


Pjotr
28.6.2015 12:48
Kommentarlink

>>Wie konnte das passieren?
Wie ist das möglich, dass sich Simulanten an Universitäten festfressen konnten?<<

Weil das politische Programm "gender mainstreaming", abgesegnet durch die Politik und breit institutionalisert, genau so konzipiert wurde, nämlich als durchgehende, in allen gesellschaftlichen Bereichen gültige Maxime. Folgerichtig haben sich die Genderisten u.a auch in den universitären Fachbereichen installiert und fordern die politisch abgesegnete Richtlinienkompetenz ein, obwohl sie vom eigentlichen Fach genau Null Ahnung haben und nichts als gender können.


yasar
28.6.2015 13:05
Kommentarlink

@JGonz

Abgesehen davon, daß im Rechnerpool gar keine “überlangen Kabel benötigt wurden, weil die ja direkt auf dem Tisch und “Rücken an Rücken standen, gibt/gab es für ADB auch Verlängerungskabel, um den Mac notfalls auch aus mehreren Metern Entfernung fernzubedinen.


Nur ein Kommentator.
28.6.2015 15:18
Kommentarlink

Ich sehe das ähnlich wie im Artikel “Feminismus und Ressentiment”.

Angefangen hat es in den Geisteswissenschaften, z.B. ist es normal, Literatur in der Literaturwissenschaft aus einer ‘feministischen Perspektive’ zu erfassen. Dadurch, dass man explizit die Geisteswissenschaften durch die “feminstische Linse” erfasste und sie danach richtete, gab die Forschungsmafia bzw. die Forschungspolitik den Takt vor. Scharlatane kommen da von selbst.

Das Problem, meiner Ansicht nach, ist, dass die Gegner das Feld der Geisteswissenschaften zugunsten der ‘feministischen Perspektive’ und dem Gender-Gedöns beinahe kampflos aufgegeben haben.


Chefauspeitscher auf der Unigaleere
28.6.2015 16:00
Kommentarlink

Weil alle Professoren nicht dagegen gemeutert haben. Wenns dann mal etabliert ist heulen sie rum.
Bei Umstellung auf Bachelor/Master war es genauso. Keiner hat das Maul aufgemacht, könnte ja den warmen Beamtensessel kosten aber später über Schmalspurakademiker heulen. Ok ein paar haben Widerstand geleistet, der Rest hat den Arsch hingehalten und sich gebückt.

Das verlogenste und verkommenste Gesocks sind Professoren, vom warmen und sicheren Beamtwensessel aus ein bischen empören aber wenns ernst wird ziehen sie den Schwanz ein, hauptsache es geht nicht an die eigenen Pfründe, alles andere ist im Zweifel egal.


petpanther
28.6.2015 16:47
Kommentarlink

Es wird auch vor Augen geführt warum wir ein Säkularisierungsgebot hatten.

Die Politik und der Staat haben dagegen verstossen. Sie sind eigentlich nicht mehr ernst zu nehmen. Auch mit dem aktiven GG Paragraphen ist das GG und die gesamte Rechtsprechung hinfällig. Medien lügen und propagandeln entsprechend.

“Eigentlich” deswegen, weil der Staat das Gewaltmonopol hat. Was nun unsittlich geworden ist und eine Bedrohung darstellt.


Cerberus
28.6.2015 17:28
Kommentarlink

Die „Zeit“ und deren Verbalakrobatentruppe war eines der wichtigsten Propagandaorgane zur Zerstörung der früher einmal weltweit angesehenen deutschen Hochschullausbildung (Dipl.-Ing.). Die „kritischen Theoretiker“ von der „Zeit“ und ihre Lügenpresse-Konsorten in diesem Land wollten aber die totale und bedingungslose Internationalisierung aller deutschen Hochschul-Abschlüsse. Koste es, was es wolle. Das Ergebnis ist heute, das internationale Arbeitgeber vernichtend über die neuen deutschen Absolventen urteilen, und sagen „Deutsche Hochschulabsolventen sind nichts mehr wert.“.
Und bei diesen Lügenpresse-Verbalakrobaten sollten sich Bernhard Dick, Niko Ernsting und Marc Reimann in erster Linie für den “Bachelor” bedanken. Aber davon steht in dem “Artikel” leider nichts.
Und die anderen „Wissenschaftler*Innen“ die sie hier auffahren, haben offenbar auch sehr wenig mit “kritischen” Wissenschaftlern gemein, die dieses Land und das deutsche Hochschulwesen aus der selbst gebauten Schlucht wieder rausführen könnten. Da wären:
-Barbara Zehnpfennig, sie lehrt “Politische Theorie” und Ideengeschichte an der Universität Passau. 1999 habilitierte sie sich an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg mit einer Arbeit über Hitlers „Mein Kampf“. Von derartigen „Mein Kampf“ – Arbeiten gab es ja vor 1999 sicher bisher gar nichts (Ironie off). Und „Politische Theorie“ ist fast genauso ein Monster-Quatschtitel wie die „Kritische Theorie“ der mit Adorno gehorkheimerten „Frankfurter Schule“ (jede “Kritik” ist zunächst eine “Theorie”, genauso wie jede neue “Theorie” zunächst eine “Kritik” an bestehenden alten Erklärmustern darstellt). Und „Politik“ ist immer praktisch umgesetztes Handeln und im Kern seiner Bedeutung die Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch verbindliche Entscheidungen. Mit einer “Theorie” hat der Begriffsinhalt für “Politik” zunächst einmal also gar nichts zu tun. Aber vielleicht arbeitet sie ja an einer Politiksimulation wie „Sim Earth“. Dann stimmt ihr Lehrauftrag für “Politische Theorie” vielleicht sogar.
Sehr erhellend ist dann ihr Satz: „Zusätzliches Geld brauche ich so ebenfalls nicht, denn der Gang in die Bibliothek und das Schreiben einer E-Mail sind völlig kostenfrei zu haben.“ Brüll!
So denken sie, unserer führenden „politischen Theoretiker*Innen“ von der Uni Passau.

– Marcus Kracht ist Professor für Theoretische Computerlinguistik und Mathematische Linguistik an der Universität Bielefeld. Sein Spezialgebiet sind die „räumlichen Ausdrücke der Sprache“. Als Computerlinguist und Logiker studiert er, wie Wissen erworben und vermittelt wird. Wow! Kracht meint dann, dass das Wissen „fragil“ geworden ist, welches „Wissen“ er meint, sagt er nicht, denn ein paar „Wissensbausteine“ sind heute genauso gültig, wie vor hundert Jahren. Und das sind nicht wenige. Da gibt es für mich dann ein paar Lücken in den „räumlichen Ausdrücken seiner Sprache“. Er meint weiter: „heute wird alles auf Festplatten abgelegt, die alle paar Jahre ausgetauscht werden müssen. Wenn das nicht geschieht, war all die Arbeit umsonst“ und: „Das Stromnetz ist unsere Achillesferse. Doch wir forschen kaum über solche wachsenden Abhängigkeiten.“. Ich finde das etwas zusammenhanglos. Aber die wichtigste Frage ist doch, warum fängt er nicht selbst an seinen steilen Thesen „zu forschen“ indem er z.B. seine „räumlichen Ausdrücke der Sprache“ und die wachsenden Abhängigkeiten dieses fragilen Wissens dazu nicht wie bisher, auf alle paar Jahre austauschbare Festplatten schreibt, sondern in Jahrtausende überdauernde stromlose „Rosetta Stones“ einmeißelt?

-Andreas Fischer-Lescano lehrt Jura an der Uni Bremen. Immerhin hat er einen heute sehr wichtigen Doppelnamen. Er will mehr „Autonomie für die Rechtswissenschaft…und die Rechtswissenschaft muss wieder an die Gesellschaft und die Menschen heranrücken…” und er will “Monopolisierungstendenzen abwehren.“ Soweit ich weiß, besteht Recht aus Regeln, die gewohnheitsrechtlich entstehen oder von staatlichen oder überstaatlichen Gesetzgebungsorganen oder satzungsgebenden Körperschaften geschaffen werden. Und nur DIE haben das Monopol zum „Schaffen“ von Recht. Und darauf kann sich auch eine „Rechtswissenschaft“ eigentlich nur stützen. Fischer-Lescano will aber lieber eine „autonome“ Rechtswissenschaft betreiben, weil die bisherige Praxis eine inakzeptable „Umklammerung“ für ihn ist, von der er sich und seine „Rechtswissenschaft“ durch einen „internen Pluralismus“ befreien will. Wow!!! Der schaut aus, klingt oder boxt für mich aber ein kleiner neuer Diktator , dieser “Jura” Professor aus Bremen.
Der Artikel in der “Zeit” zeigt ganz gut, wie kaputt das deutsche Hochschulsystem ist. Das hat aber mit dem „Gender-Krebs“ erst mal wenig zu tun.


Gast$FF
28.6.2015 18:53
Kommentarlink

@Frank:
Nenne es wie Du willst, für das Resultat ist es irrelevant.

Die Frage ist: Was tun, um diese antidemokratische Sch…. wieder zurückzudrängen? Habe ich leider auch kein Patentrezept. Was auf alle Fälle nichts bringt: über die Mauskabellänge historischer Computer zu diskutieren.


Hadmut
28.6.2015 19:02
Kommentarlink

> Was auf alle Fälle nichts bringt: über die Mauskabellänge historischer Computer zu diskutieren.

Wenn sowas als Vorwand aufgefahren wird, um Artikel unglaubwürdig zu machen…


Frank
28.6.2015 20:45
Kommentarlink

@Gast$FF

Nicht Irrelevant.
Wenn diese antidemokratische Sch…von Oben durchgeboxt wird, heißt das das wir uns diese Scheindemokratie in die Haare schmieren können.
Also wird sich da “demokratisch ” nichts ändern lassen.
Wird nur so laufen wie damals in der DDR.


rote_pille
29.6.2015 0:08
Kommentarlink

die weltregierung (UN) hat den mist beschlossen, genauso wie die klimaspinnereien. man macht das, um das staatliche bildungssystem zu zerstören, damit man es hinterher privatisieren kann. eigentlich eine positive sache, weil ein privates bildungssystem viel effizienter und vielfältiger wäre. außerdem könnten sich dann die unterrichtsfächer und -methoden ändern, sodass frauen nicht systematisch bevorzugt wären, was dazu führen würde, dass sie nicht so viel zeit mit nutzlosen studiengängen verschwenden. wahrscheinlich ginge dann die geburtenrate auch wieder hoch. aber den schwachsinn werden wir wohl solange ertragen, bis die eliten glauben, dass sie uns von der dysfunktionalität des staatlichen bildungssystems überzeugt haben.


wunderhaft
29.6.2015 7:55
Kommentarlink

Einen Weltklimarat, gibt es ja schon, den IPCC, der die Welt auch mit gefälschten Daten von der hanebüchenen Ideologie eines durch CO2 verursachten Klimawandels zu überzeugen versucht und alle Wissenschaftler, die auf Grund empirischer Forschung zu anderen Ergebnissen gelangen, ächtet und aus dem erlauchten Kreis der Allwissenden verbannt.

Obwohl es noch keinen Weltgenderrat gibt, gewinne ich immer mehr den Eindruck, daß beide Ideologien die selben Wurzeln haben und ähnliche Strategien verfolgen.

Hier ein unterhaltsames Beispiel:

Dagmar Vinz, Nachhaltigkeit und Gender – Umweltpolitik aus der Perspektive der Geschlechterforschung


wunderhaft
29.6.2015 7:58
Kommentarlink

Hier die Originaladresse, da der Link nicht zu funktionieren scheint.
http://www.fu-berlin.de/sites/gpo/int_bez/globalisierung/Nachhaltigkeit_und_Gender/vinz.pdf


TOPCTEH
29.6.2015 9:26
Kommentarlink

Es regt sich Widerstand: “Dozentin darf Studenten nicht zum Gendern zwingen” (http://www.heise.de/tp/artikel/45/45291/1.html).


Frank
29.6.2015 13:19
Kommentarlink

@rote Pille

Du glaubst also man betreibt die systematische Zerstörung aller funktionierenden Strukturen letztlich für einen guten Zweck?
War wohl doch die Blaue…


Benutzername
29.6.2015 14:45
Kommentarlink

Ich glaube es konnte unter anderem dazu kommen, weil über die Gelder Nicht-Wissenschaftler entscheiden. Politiker haben meistens keinen blassen Schimmer, worum es geht in den Anträgen, also wird nach anderen Kriterien bewertet und bewilligt. Also wer am schönsten Schreiben kann, wer die richtigen Leute kennt usw. usf. Ob es ein förderungswürdiges Vorhaben ist, ist da nachrangig.

Passt ja auch zu den Genderixen, die netzwerken doch immerzu und so schanzen sie sich Gelder zu. Sie kennen eben die richtigen Leute und wissen sie zu manipulieren.


O.
29.6.2015 19:51
Kommentarlink

Man braucht kein Gender, um so zu tun als ob.
Guttenberg & Co. haben auch so getan als ob – ganz ohne Gender.
Ist ebnen nur ein Symptom – jeder Betrüger (m/w) hat eben seine eigene Masche.


O.
29.6.2015 20:04
Kommentarlink

Ist wie beim Turing-Test: obwohl digitaler Computer und analoges Gehirn komplett anders arbeiten, ignoriert man das in der angewandten Informatik und statt echter Denkprozesse – die man auf den digitalen Knechten nicht nachbilden kann – bastelt man so lange herum, bis man eine bestimmte menschliche “Intelligenzleistung” äusserlich nachbilden kann, und wenn man’s von aussen nicht mehr unterscheiden kann, sagt man a la Turing-Test: ist attestiert menschlich-intelligent.

Moderne Metaphysik.


quarc
30.6.2015 4:15
Kommentarlink

Die Wissenschaft gibt es noch, nur sind die Orte an denen sie betrieben wurde — die Universitäten — mittlerweile kaputt. Das wurde in den Zeit-Artikeln teilweise auch sehr gut illustriert.

Das kam in mehreren Wellen:

(1) die Universitäten bekamen Juristenpest.
Das soll jetzt nicht bedeuten, dass Juristen an und für sich schlecht sind. Nur ist deren natürliches Biotop der geregelte Streit. Sie fechten Streit aus, sie regeln Streit und sie vermeiden Streit. Es ist auch sinnvoll, solche Fachleute in angemessenar Zahl an einer Universität zu haben, aber im Übermaß sind sie schädlich, dominieren den ganzen Laden und machen produktive Arbeit unmöglich. Kurz gesagt ist es wie mit dem Feuer: Juristen sind gute Diener aber schlechte Herren.

(2) der akademische Mittelbau wurde geschleift.
Das vergrößerte den Einfluss der (auf Dauerstellen sitzenden) Verwaltung und derjenigen Wissenschaftler, die den sicheren Hafen der Professur bereits erreicht hatten. Um von den sich ergebenden Verschlechterungen in der Lehre abzulenken, kamen putzige “Qualität der Lehre” Programme.

(3) die Verschiebung von Grundfinanzierung auf Projektfinanzierung
zusammen mit dem “Praxis! Praxis! Praxis!” Gebrüll der Politik stieg manchen Professoren zu Kopf, die sich schon als große Unternehmer sahen. Auf jeden Fall wurde hier der Grund für “1-Produkt-Firmen” wie X-pire gelegt.

Unter “http://podcast-ww.wdr.de/medstdp/fsk0/72/726520/wdrfeaturedepot_2015-06-14_wissenschaftohnewerteinlehrstueckausjuelich_wdr3.mp3” ist übrigens eine interessante Dokumentation darüber wie so etwas schiefgeht.

Hier bietet sich ein Zitat aus einem Buchnachwort eines meiner alten Professoren an, der sehr produktiv war, aber diesen Blödsinn nicht mitmachen brauchte:

| Die Muße, dieses Buch zu schreiben, fand ich, weil ich als Beamter
| vom Lande Rheinland-Pfalz alimentiert und als Professor vom Grundgesetz
| gestützt mir meine Freiheit wahren und allen Versuchungen widerstehen
| konnte, ein prestigeträchtiges, mit Drittmitteln finanziertes Projekt
| selbst zu unternehmen oder bei einem Projekt anderer mitzuwirken. Das
| Projektwesen wird zusammen mit den neu geschaffenen Graduiertenkollegs
| unserer Universität endgültig den Garaus machen, so wie die Reform
| der gymnasialen Oberstufe aller Gymnasien dem humanistischen Gymnasium
| — und wohl nicht nur diesem — den Todesstoß versetzte. Vielleicht
| ist mit den Überresten der im neunzehnten Jahrhundert neu konzipierten
| Universität wirklich kein Staat mehr zu machen. Es ist jedenfalls
| interessant zu beobachten, wie geschickt Politiker den Ehrgeiz von
| Professoren für ihre Zwecke nutzen. Einzelheiten brauche ich nicht zu
| schildern. da alles, was ich schildern könnte, in aller Öffentlichkeit
| geschieht.

Man muss aber zugestehen, dass durch Schritt (2) bereits eine Situation eingetreten war, in der Professoren oft kaum noch eine andere Möglichkeit hatten, Mitarbeiterstellen zu finanzieren. Die heutigen Drittmittelhuren wurden damals in die Zwangsprostitution getrieben.

(4) Die Universitäten wurden auf Bologna dressiert.
Da wurde schon viel zu geschrieben. Erwähnenswert ist noch, dass zu dem Zeitpunkt die Universitäten schon nicht mehr zu Gegenwehr fähig waren: die Lehrstuhlinhaber konnten sich ausrechnen, dass sie von der Reform gar nicht mehr betroffen sein würden. Die Nachwuchskräfte, die das ganze 5-10 Jahre später ausbaden würden, waren zu dem Zeitpunkt bereits ohne den erforderlichen Einfluss. Auf jeden Fall konnten sie schon einmal das Vortanzen üben, dass sie später für Exzellenzinitiativen brauchen würden.

(5) Die Universitäten wurden zu Fernsehanstalten.
Im Rahmen der Reform der Hochschulgesetze wurde vielerorts die inneruniversitäre Mitbestimmung geschleift und die Rektorate mutierten zu Befehlszentralen. Zumindest bei dem in NRW durch Pinky(FDP/Bertelsmann) initiierten Gesetz von 2006/2007 war das so. Beworben wurde das unter dem Namen “Hochschulfreiheitsgesetz” als Verminderung staatlichen Einflusses. Das genaue Gegenteil war der Fall. Musste die Politik vormals mühselig alle Gruppen einer Universitäte berücksichtigen, brauchte sie nunmehr bloß am Rektorat drehen und konnte gewiss sein, dass dessen Entscheidung durchgesetzt wird. Außerdem war den Rektorate nur noch die Außenwerbung wichtig, Lehre und Forschung kam in deren Prioritätenliste gar nicht mehr vor. Natürlich ist in den resultierenden Hofstaat eine Gleichstellungskommissarin wichtiger als ein Professor. Vollkommen klar, denn sie bringt aus Sicht des Rektorats mehr.

Insgesamt wurden die Universitäten im Lauf von (2)-(5) zunehmend darauf dressiert, über jedes Stöckchen zu springen, dass man ihnen hinhält, ganz egal wie wissenschaftsfern es ist. Da brauchte die Gendertruppe gar keine Türen mehr einrennen — es waren keine mehr da.


quarc
30.6.2015 4:17
Kommentarlink

Siehe auch “Der Aufstand der Biologen”:

Gender Mainstreaming: ‘Unfug, Religion, feministische Sekte.’
Prof. Dr. Ulrich Kutschera, Evolutionsbiologe, Uni Kassel. Ein Gespräch mit Ingo Kahle darüber, warum Frauen und Männer nicht gleich sind.

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/zwoelfzweiundzwanzig/201507/220887.html
Downloadlink: http://http-stream.rbb-online.de/inf/programm/zwoelf22/201507/220887.mp3