Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

“Eine kleine lautstarke Minderheit, getrieben vom Hass auf alles…”

Hadmut
16.6.2015 19:19

Ich komm gerade so nach Hause, was find ich da im Briefkasten?

“mittendrin”

Ausgabe 06/2015

So ein 8-Seitiges Informationsblatt (A4), „Information des Bezirksvorstandes und der BVV-Franktion DIE LINKE Berlin-Mitte | Tiergarten | Wedding” (Eigentlich habe ich ja eine Beschriftung am Briefkasten, dass ich keine Werbung haben will.)

Titelstory: „Sie wollen den Fernsehturm abreißen – Wer soll sie stoppen?”

Sie regen sich darüber auf, dass irgendwelche Leute „DDR-Architektur abreißen” und die Gegend stattdessen „mit pseudohistorischen Retorten-Bauten zustellen” wollen und versuchen das zu vrhindern. (Sie haben ja auch Honeckers Asbest-verseuchten „Palast der Republik” abgerissen und stellen gerade einen Betonklotz hin, den sie als den Wiederaufbau des Stadtschlosses bezeichnen, als ob das alte Schloss aus Beton gegossen worden wäre. Anscheinend soll das so weitergehen.) Ihr Problem scheint zu sein, dass es kaum jemanden interessiert. Eine Webseite zur Information und Diskussion hatte seit Anfang Februar gerade mal 16.000 Besucher (zum Vergleich: an guten Tagen kommen auf dieses Blog hier inzwischen fast zehnmal so viele – pro Tag).

Dazu dann aber diese Rhetorik-Kutsche:

Da verwundert es nicht, dass eine kleine lautstarke Minderheit, getrieben vom Hass auf alles, was mit DDR zu tun hat, versucht, die Diskussion zu beherrschen. Sie fordern immer wieder die Vernichtung der DDR-Architektur und wollen das Gebiet mit pseudohistorischen Retorten-Bauten zustellen und sogar den Fernsehturm abreißen.

Ihnen wurde es einfach gemacht: Jeder konnte, ungeprüft, ob er das gleiche nicht schon hundert mal geschrieben hat, als Gast seine Meinung kundtun. Auf dem gesamten Alexanderplatz ist kein einziger Hinweis auf die Stadtdebatte zu finden. Viele, die den Alex jetzt nutzen, wissen nicht mal, dass um die Zukunft des Platzes debattiert wird. Auch haben viele Anwohner mangels Internet gar nicht die Möglichkeit, an der Online-Debatte teilzunehmen.

Ach.

Ach, was.

Ist das, worüber sie nun selbst jammern, nicht genau, nicht ganz exakt die Masche, mit der die Linken (damit meine ich generell Linke, nicht nur die Partei DIE LINKE) sonst selbst vorgeht? Hat man mit derselben Masche nicht Genderismus und Homo-Politik durchgedrückt?

Ersetzt mal in diesen Sätzen DDR-Architektur durch Hetero-Sexualität.


21 Kommentare (RSS-Feed)

Rechnungsprüfer
16.6.2015 20:03
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Glückwunsch, krasse Zugriffszahlen. Ich wollte schon immer mal wissen, wie viel es sind.
Bei den Anzahl an Kommentaren, kannst du fast mit den schmierblättern mithalten, nur in einer weit besseren Qualität.


Hadmut
16.6.2015 20:08
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> Bei den Anzahl an Kommentaren, kannst du fast mit den schmierblättern mithalten, nur in einer weit besseren Qualität.

Heute sind’s bisher über 100 Kommentar (wovon ich gerade 97 noch moderieren muss. *Seufz*)


Gedöns
16.6.2015 20:25
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Schlimm. Viele Leute halten den Fernsehturm sicher für ein Minarett oder haben schon vergessen, daß es früher noch Riesen gab – und zwar ohne Schnauzer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bargeld_der_Deutschen_Mark#/media/File:1000_DM_Serie3_Vorderseite.jpg


Hartmut
16.6.2015 20:31
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Folgendes passt zwar ganz nicht ganz hier her, ich finde es aber äußerst Bemerkenswert (vor allem, weil es vom ZDF gesendet wurde).

Petra Grimm (Institut für Digitale Ethik Stuttgart) bei einer Diskussion auf dem Kirchentag in Stuttgart:

“Wir bräuchten ein gebührenfinanziertes öffentlich rechtliches Facebook”.

Falls nicht bekannt schaut euch folgendes Video an:
https://www.youtube.com/watch?v=7VwHswmJ4yQ

Dabei spricht Merkel auch das Problem mit der Zwangsmitgliedschaft bei den Öffentlich Rechtlichen an.

Unglaublich, was da vom Stapel gelassen wurde.

Wo ist mein Handtuch, ich muss raus hier.

http://www.kleiner-kalender.de/event/towel-day-handtuchtag/0307c.html


Joe
16.6.2015 21:17
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Dabei spricht Merkel auch das Problem mit der Zwangsmitgliedschaft bei den Öffentlich Rechtlichen an.

Schön, und was sagt sie?


ReVolte
16.6.2015 21:24
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anonyym
16.6.2015 21:59
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Ersetzt mal in diesen Sätzen DDR-Architektur durch Hetero-Sexualität.

…Vernichtung der Hetero-Sexualität und wollen das Gebiet mit pseudohistorischen Retorten-Bauten zustellen und sogar den Fernsehturm abreißen.

Also Retorte hin oder her, MEIN FERNSEHTURM WIRD NICHT ABGERISSEN!


Hadmut
16.6.2015 22:01
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Das DDR-Zeugs ist zwar fast immer sehr hässlich, aber gegen den Turm habe ich nichts, der ist auch eine gute Orientierungshilfe.

Solange der nicht marode und irreparabel ist (was er meines Wissens nicht ist), sollte man ihn erhalten.


Teardown
16.6.2015 22:25
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Pseudohistorische Retortenbauten? Sagt die Nachfolgepartei der Partei, die in den 1950ern die Grundmauern der Ruine abgerissen hat um Platz zu schaffen für eine Tribüne, damit die SED-Bonzen Paraden abnehmen können?

Das Humboldt-Forum wird großartig, wartet mal ab….
Echte Fassade, modernes Inneres, altes und neues zusammen vereint. Dazu ein Starkurator der sicherlich ein super Konzept ausarbeiten wird. Neuer Raum für Kultur was gibt ss besseres?

Die Linke spricht von Retortenbauten….da muss man wirklich lachen. Die sozialistische Architektur ist der Inbegriff der Retorte. Passt das diese Kulturfeinde rumpesten…


Hannes
16.6.2015 22:43
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Macht kaputt, was euch kaputt macht.

Ist doch bei den Linken gängige Weltanschauung. Wie kann man sich also hinstellen und ehemaligen Opfern der DDR Diktatur selbiges verweigern.
Ich will nicht wissen, was Bautzen damals bei einem Menschen angerichtet hat.


Heavy
16.6.2015 22:58
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> “Wir bräuchten ein gebührenfinanziertes öffentlich rechtliches Facebook”.

Das gibt es schon.
https://freundeskreis.einslive.de/


Das mit dem Asbest ist Unsinn. Das war nur vorgeschoben.

Carsten

Arschgeweih
http://stefan-wirkus.de/Cartoon_Wirkus35.html


El_Mocho
17.6.2015 7:51
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Besser als der “Palast der Republik” dürfte der Nachbau des Schlosses in jedem Fall aussehen.


Michael Kumpmann
17.6.2015 8:15
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Ehrlichgesagt fand ich selbst den Palast der Republik deutlich schöner, als die pseudopreussischen Protzbauten, durch die man das ersetzen will. Und abgesehen davon. Die DDR war natürlich eine Diktatur, aber Preussen verdient meiner Meinung nach auch die Bezeichnung Militärdiktatur.

Früher hat man alte Gebäude abgerissen, um neue Gebäude hinzustellen. Mitlerweile reisst man in Deutschland alte Gebäude ab, um noch viel ältere Gebäude wieder neu aufzubauen.

Abgesehen davon, jeder Schwachsinn wird mitlerweile unter Denkmalschutz gestellt, aber die DDR Gebäude muss man restlos tilgen? Was soll das? Gehört die DDR nicht auch zu unserer deutschen Geschichte? Mag sein, dass die DDR schlimm war, aber die Konzentrationslager hat man aus gutem Grund ebenfalls stehen gelassen, genau so wie viele Bauten Albert Speers.


CountZero
17.6.2015 8:45
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> [ich fand] den Palast der Republik deutlich schöner, als die pseudopreussischen Protzbauten

‘Erichs Lampenladen’?? Tja, über Geschmack läßt sich eben nicht streiten.


Dirk S
17.6.2015 9:06
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@ Michael Kumpmann

Die DDR war natürlich eine Diktatur, aber Preussen verdient meiner Meinung nach auch die Bezeichnung Militärdiktatur.

Preussen war keine Militärdikatur sondern eher ein Militärstaat. Aber für damalige Verhältnisse relativ demokratisch. Jedenfalls demokratischer als die DDR (oder das 3te Reich), was allerdings auch nicht allzu schwer ist.

Preussische Grüße,

Euer Dirk


Alexander
17.6.2015 9:08
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Ersetzt mal “DDR” durch “Deutschland” und “DDR-Architektur” durch “Deutsche Geschichte”, dann hat man 1zu1 das was Linke seit Jahren betreiben. Fängt bei Straßennamen historischer Personen an, selbst wenn es absurde Argumentationen annimmt wie eine Verbindung zur NS Zeit hergestellt werden muss.


JochenH
17.6.2015 10:56
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@Hadmut:

wenn deine Info stimmt, kommen also öfter mehr als 100.000 Leser auf deine Seite – PRO TAG!

Das wäre ja der Hammer, du hast dann eine ziemliche Reichweite im Netz.


Hadmut
17.6.2015 19:59
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> wenn deine Info stimmt, kommen also öfter mehr als 100.000 Leser auf deine Seite – PRO TAG!

HTTP-Zugriffe. Um herauszufinden, wieviele Leser das sind, müsste man das auswerten, mache ich aber nicht. Ich gucke da auch nur sehr selten drauf, neulich mal, weil wir den Webserver komplett durchaktualisiert haben, um zu sehen, ob er ordentlich läuft. Da müsste man also noch ein paar CSS-Zugriffe, Bots und sowas abziehen (aber das müsste man auch bei den Zugriffsangaben anderer Webseiten, denn die geben auch die brutto-Zugriffe an.)

> Das wäre ja der Hammer, du hast dann eine ziemliche Reichweite im Netz.

Die habe ich anscheinend. Ich staune immer wieder, wieviele ganz unterschiedliche Leute sich bei mir melden, anrufen und so weiter. Auch aus dem Ausland.


Zaphod B.
17.6.2015 12:25
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Also dass man Erichs Lampenladen dem Erdboden gleichmachte fand ich schon völlig in Ordnung. Eine Schönheit war dieser einfallslose Klotz ohnehin nie und spielte auch während seines 30 jährigen Bestehens keine sonderlich rühmliche Rolle. Dem nachzutrauern ist wohl mehr was für unverbesserliche Ost-Nostalgiker.
Wie spannende, moderne Architektur geht, kann man übrigens recht gut an der Kongresshalle im Tiergarten sehen. Im Gegensatz dazu kannten die sozialistischen Bonzen eigentlich nur zwei Baustile:
Stalinistischer Protz (breite Paradestrassen etc.) und Bauhaus. Letzteres war in den 20ern noch ein Novum. Inzwischen sind das alles nur noch monotone, hässliche Klötze.

Dass man anstelle des Palast der Republik aber das olle Hohenzollern-Schloss wieder aufbaut ist jedoch genau so beknackt. Ebenso wie es aus meiner Sicht keinen ernstzunehmenden Grund gibt der DDR nachzutrauern muss man auch nicht der Kaiserzeit nachtrauern, für die dieses Schloss nun mal repräsentativ stand. Ganz ehrlich, wem es an preußischen Tschingderassassa, ZackZack und den damit einhergehenden Größenwahn mangelt, der möchte doch bitte seinen Wohnsitz in eine Diktatur seiner Wahl verlegen und alle anderen damit nicht weiter behelligen.

Die beste Verwendung für den freigewordenen Platz wäre meiner Ansicht nach eine Grünanlage gewesen. In der Mitte eine Gedenktafel mit der Inschrift:
“Hier standen einst das Stadtschloss des deutschen Kaiserreiches und später der Palast der Republik. Beide Gebäude waren Machtsymbole unfähiger, autoritärer Regierungen. Da diese Zeiten glücklicherweise überwunden sind, hat man diese Gebäude abgerissen.”

Immerhin soll dieser Quatsch ja angeblich nicht aus Steuermitteln finanziert werden.


Dirk S
17.6.2015 15:36
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@ Hadmut

“Eine kleine lautstarke Minderheit, getrieben vom Hass auf alles…”

Warum musste ich bei deiner Überschrift sofort an Feministinnen denken? 😉

Denkwürdige Grüße,

Euer Dirk