Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Verblödungsdruck: Ist Internet für Dummheit was Junk-Food für Verfettung?

Hadmut
15.6.2015 19:01

Lesenswertes Interview mit einer alten Lehrerin auf Welt.de (Danke für den Hinweis!)

Abgesehen von der allgemeinen Verblödung, die sie beschreibt, finde ich diesen Punkt recht interessant:

Dreßler: Die Schüler machen sehr unregelmäßig Hausaufgaben; seit etwa vier oder fünf Jahren wird das deutlich schlechter. Man kann den Eltern noch so oft eine Mail schreiben, es passiert nichts. Die Kinder sitzen zu viel am Computer und Handy und hinterfragen das Wissen nicht. Ich lasse zum Beispiel in der achten Klasse ein Portfolio anfertigen. Da sollen die Kinder etwa zum Thema “Tropischer Regenwald” ausdrücklich zusammentragen, was ihnen begegnet, in Zeitschriften, im Lebensmittelladen, Flyer, Rezepte, sie sollen malen und so weiter. Von 30 Schülern drucken 25 nur Artikel aus dem Internet aus. Klick, fertig. Ich gebe das dann zurück und drohe mit einer Sechs wegen Betrug. Da ist die Verzweiflung dann groß.

Eine praktisch identische Aussage, nur mit ausgetauschten Begriffen, habe ich mal in den USA gelesen, als es um die Verfettung der Bevölkerung ging, weil Junk-Food/Fast-Food billiger und leichter verfügbar ist als ordentliches Essen. Und je mehr Leute Junk Food fressen, desto mehr Läden für hochwertige Lebensmittel gehen ein, und so wird das immer schlimmer.

Und es erinnert mich an Tastaturen.

Ja, Tastaturen.

Die gab’s früher mal richtig gut. Dann kamen die billigen Gummimattentastaturen, die die breite Masse gekauft und den Markt kaputt gemacht hat, und jetzt gibt es nur noch den Scheiß.


39 Kommentare (RSS-Feed)

Owen
15.6.2015 19:08
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Qualitativ hochwertige keyboards gibts noch: http://www.amazon.de/Qpad-3200-MK80-Gaming-Tastatur-Deutsch/dp/B0093XDITU
mit echten mechanischen schaltern,
kostet halt entsprechend.

Ich habe so eine mit den “blue” tasten die ist echt geil 😀


RF
15.6.2015 19:16
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Hadmut, es gibt noch gute Tastaturen, und auch noch zu einigermaßen akzeptablen Preisen. Ich tippe diesen Text gerade auf QP MK-80, blau beleuchtet mit Cherry Blue Switches. Hat mich knapp 100€ gekostet, wurde mir nach ~4 Jahren (und damit weit außerhalb der Garantiezeit) anstandslos wegen einem prellenden Schalter getauscht. Kann ich nur weiterempfehlen.
Seit die Gamer die Tastaturen entdeckt haben kommt da relativ viel, fast alle namhaften Tastaturhersteller haben inzwischen auch mechanische Tastaturen im Angebot, mit guten (Medientasten) bis überflüssigen (farblich pulsierende Beleuchtung) Dreingaben. Und wenn es nicht so extravagant sein soll hat Cherry immer noch das 0815-Modell im Angebot, iirc 40€ kostet da die Tastatur mit echten Schaltern. Ist nicht ganz so stabil wie eine schwere Gaming-Tastatur (die MK-80 hat ‘ne Stahlplatte als Basis), aber zum Kollegen-über-den-Kopf-ziehen reicht es trotzdem.
Und wenn deine Finger unbedingt eine Model M haben wollen, es gibt inzwischen auch wieder Tastaturen mit buckling spring.


Buckling Spring
15.6.2015 19:28
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IBM Model M kannste immer noch kaufen. Neu und mit gängigen Schnittstellen.

http://www.pckeyboard.com/

Der Artikel legt allerdings den Finger sehr deutlich auf das eigentliche Problem: die Eltern. Wer seine Kinder nicht erzieht (und dazu gehört nunmal auch Forderung und Zielsetzung), sondern am besten noch jeden entfleuchten Darmwind lobt, der muss sich nicht wundern, wenn sich der Nachwuchs verhält wie der sprichwörtliche an die Wand genagelte Pudding. Da wird der Weg des geringsten Widerstandes gesucht — und dafür qua bisheriger Prägung dann auch noch ein Lob eingefordert.


der eine Andreas
15.6.2015 19:39
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Ich kann es nur wiederholen:
https://www.danisch.de/blog/2015/06/13/gleiches-geld-fur-gleichwertige-arbeit-wege-aus-der-entgeltungleichheit-zwischen-den-geschlechtern/#comment-84821
Wenn die “studierten” linken Knalltüten sowas ablassen und deutlich zeigen, dass sie keinerlei Ahnung von “Begabung” haben und nur noch Mittelmaß haben wollen, wird Deutschland untergehn.


Klaus
15.6.2015 19:50
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Da könnte ich auch wieder auf Dr. Spitzers LERNEN verweisen.

In der Tat ist es ab er so, was die Leute (hier Eltern und Kinder) draus machen.

Ich nutze PC Spiele und Internet als Motivation, nur wer Lesen, Schreibe und Rechnen kann, darf mit Papi gemeinsam zocken.

Na, mein kleinster konnte mit 5 schon lesen, schreiben ind bis 50 zählen.

cu


Phil
15.6.2015 19:52
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@Owen gibt es die auch in sinnvoll geformt (*), mit Funktionstasten und Beleuchtung?

(*) Stichwort Ergonomie

Zum Artikel: Den Schülern wird keine Leistung mehr abgefordert, also verzweifeln sie, wenn sie tatsächlich mal etwas leisten müssen.
Dazu kommen die völlig falschen Bewertungen von Abgaben, also gute Bewertungen von Copy&Paste, schlechte Bewertungen für das selbstständige zusammentragen und bewerten.
Soll das Ganze dann als Slide-Show präsentiert werden, muss auf jeden Fall jede Folie einen anderen Effekt haben 🙁 Der Inhalt ist nebensächlich.

Die Schüler machen also das, was sie tun müssen um die vermeintliche Erwartung des Lehrer zu erfüllen (bei den anderen klappt es ja so).


gewihir
15.6.2015 20:01
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Cherry G80-3000 in allen Varianten, alles mit Cherry-Switches. Es gibt noch gute Tastaturen, der Markt ist eine Nische, aber eine grosse.

Ich habe Cherry blue fuer das Home-Office und die mit soft-Click fuer Arbeit wenn andere im selben Raum sind.


Jck
15.6.2015 20:02
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Ich mag meine logitech wireless illuminated, und ich schreibe viel.


Schorsch
15.6.2015 20:31
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Zum Glück konnte ich mir noch IBM M Tastaturen sichern 🙂

In der Firma (Überbestand von Servern)
Und privat. Ein Händler hatte sie vor ca. 4-5 Jahren für 10€ verramscht.


Stefan Müller
15.6.2015 20:34
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Na, Hadmut wirklich das ganze Interview gelesen? Kann man das hier ohne Schaum vorm Mund ertragen, noch dazu von einer Kommunisten Lehrerin:

Dreßler: Nein. Es war immer so. Solange ich zurückdenken kann, waren die Mädchen die Leistungsstärkeren. Aber schon im Studium verändert sich das. Im Berufsleben schaffen sie es dann nicht in die höheren Ebenen, und das hat nicht nur damit zu tun, dass sie Kinder großziehen.

Die Welt: Sondern?

Dreßler: Frauen wollen sich nicht so in den Vordergrund schieben. Das merken Sie schon in der neunten oder zehnten Klasse. Die Jungs sagen: Pah, ich bin, ich kann. Die Mädchen machen so etwas nicht.


Hadmut
15.6.2015 21:15
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@Stefan Müller: Ja, ich hab’s gelesen, finde ich jetzt aber nicht so schlimm. Wenn sie das so beobachtet hat (und ihr nicht indoktriniert wurde), soll sie es auch sagen können und dürfen.


Klaus
15.6.2015 20:36
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Es gibt da noch ein paar Stellen:

Die Welt: Dass die Mädchen die Jungs in der Schule überflügeln, wird aktuell debattiert. War das früher anders?

Dreßler: Nein. Es war immer so. Solange ich zurückdenken kann, waren die Mädchen die Leistungsstärkeren.

Tja seit ca. 120 Jahren werden Buben in Schulen diskriminiert.

Dreßler: Wenn Sie beide die Abituraufgabe kriegen würden, müssten Sie sich gar nicht vorbereiten, Sie würden allemal mit der Note Drei abschließen. Viele Texte verraten schon Lösungen.

Was ich hier schon geschreiben habe, die Kompetenzen

Dreßler: … und die Klassen kleiner. Also kam der Rest bei uns an. Darunter viele, die sich schwertun. Man muss sich so sehr um die Leistungsschwachen kümmern, dass wir für die Leistungsstarken keine Zeit und keine Fördermöglichkeiten mehr haben. Das tut mir am meisten weh. Das ist aber politisch gewollt, leider.

War doch schon vor 30 Jahren so, Hochbegabtenförderung?
Nein diese bösen Eliten.

cu


Andreas
15.6.2015 20:36
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Hadmut
15.6.2015 21:07
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> Abituraufgaben demnächst aus der HU Berlin:

Das ist heftig. Heftig dämlich.


Jan Lul
15.6.2015 20:36
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IBM Model M mit buckling spring-Tasten kannst immer noch kaufen und auf USB Umrüsten, mit N-key roll over!

Ich hab aber leider noch keine 3D-Drucker gesehen, die imstande wären, mir ein Model-M-adäquates Keyboard herauszulassen (ich hätte gerne nicht versetzte Buckling-Spring-Tasten *und* ein etwas anderes Layout für die Daumen *und* eine Tastenanordnung wie bei einem Maltron-Keyboard).

Davon abgesehen: Früher gab es zum Internet eine Intelligenz-Zugangsbeschränkung! Man musste sich den ganzen Zoo an Techniken und Protokollen aneignen, um mitspielen zu können. Ich bin ein Jahr vor dem Endlosen September (https://de.wikipedia.org/wiki/Eternal_September) dazugestossen (mit geschenktem 9.6k Modem), und ja, danach war es ein deutlicher Unterschied (überall wurden dann Netiquette-Regeln aufgestellt, auch da wo es vorher keine gebraucht hatte), aber das hat mich damals nicht bedroht. Obwohl meine Adresse damals in der emailsignatur war!

Heute halte ich Deckung für wichtig, da der tollwütige Forums- oder Zwitschermob einen zur Not auch zu Hause aufspürt und belästigt, wenn nicht gar bedroht.

Die Schüler heute verhalten sich schlicht der Evolution entsprechend: Energiesparend! Schuld sind da meines Erachtens zum Großteil die Lehrer, die jedes Jahr die gleichen Aufgaben stellen (wollen). Wäre ich Lehrer, würde ich nicht das Referat(Ergebnis) benoten, sondern den dokumentierten Weg dahin und natürlich den Vortrag.

“und hinterfragen das Wissen nicht!” selbst Schuld, das heutige Schulsystem zwingt einen ja zu Kopf auf, “Wissen” rein, Prüfung, “Wissen” raus. Bei uns war es noch Rattenrennen im Labyrinth (und die gewitzten hatten einen Faden dabei) mit links/rechts/geradeaus/rückwärts, heute ist es ein Rattenrennen im Labyrinth *auf Zeit* mit links/rechts/geradeaus, wer stillsteht oder rückwärts geht, ist raus.

Wie soll man da die zum Perspektivwechsel nötige Ruhe und Abstand zum Problem kriegen?


stm
15.6.2015 20:37
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> Die Schüler machen sehr unregelmäßig Hausaufgaben…

Ich habe, als ich zur Schule ging, Hausaufgaben abgelehnt. Diese sollten angeblich das Wissen vertiefen, in Wahrheit förderten sie nur das Auswendiglernen. Jemand, der den Stoff verstanden hatte, brauchte keine Hausaufgaben. Ich habe die Hausaufgaben nebenbei in den anderen Unterrichtsstunden erledigt. Das Schlimmste war, wenn in einem Fach in der letzten Unterrichtsstunde Hausaufgaben erteilt wurden, und dieses Fach am nächsten Tag in der ersten Stunde wieder kam. Dann mußte ich wirklich meine Freizeit mit den Hausaufgaben vergeuden. Denen, die den Stoff nicht verstanden, nützten die Hausaufgaben dadurch, daß sie dafür eine gute Note bekamen, die sie, hätte man überprüft, ob sie mit dem “Gelernten” etwas anzufangen wissen, nicht verdient hätten. Oft haben sie ohnehin alles von Anderen abgeschrieben. Hauptsache: Klassenziel erreicht.


Alt Kölner
15.6.2015 20:37
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Ja leider.

Die meisten Tasten haben nur noch den Unterbau aus Gummi.
OK bei Laptops kann ich es wegen dem Platz verstehen, aber bei Desktop Tastaturen ??

Ich kann mich noch gut an meine Kirsch Tastatur erinnern. Die hatten auch noch eine Eisenplatte drin, prima als Ersatz für ein LART.


hirni
15.6.2015 21:00
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Du vermischst hier mehrere Sachen:

a.) Verbloedung von Kindern:
tja – zukuenftige Qualifikationen der angehenden Studenten von Leberwurst-University – passt doch alles zusammen.
“Medienkompetenz” nennen sie das heutzutage.
Und es scheint wirklich “von oben” ‘organisiert’ zu sein…

Meine berufliche Zukunft scheint sicher zu sein – wenn ich sehe was da nachkommt – wird man mich auch noch mit 67 sicher brauchen.
(notfalls nur – “um das Internet zu reparieren” – aber das wird teuer)

b.) USA + Qualitaets-Food:
JEDES Produkt in den USA, welches mehr als EINEN Zwischenschritt zwischen Ernte und (Verkaufs)Verpackung benoetigt ist faktisch Junk-Food. Die Amis sind Meister im industriell organisierten verhunzen von Lebensmitteln.

c.) Tastaturen: gibt es selbstverfreilich immer noch gute.
Razer Black Widow – kostet halt ein bisschen mehr als der Edelschrott im MediaMarkt….


Hadmut
15.6.2015 21:04
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> Du vermischst hier mehrere Sachen:

Ja.

Man nennt es Analogie.


Junknerd
15.6.2015 21:04
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Ich denke genauso, dass die Einführung der Tablets und das WLAN daran schuld sein könnte. Als es noch keine Tablets gab, musste man noch mit seinen bloßen Händen das Essen vom Kühlschrank zur Tastatur tragen. Man lief viel öfters als heute, hatte sich vorzubeugen und die Kühlschranktür zu öffnen und wieder zu schließen. Heute dagegen werden mit einem Male gleich mehrere leckere Sachen aus dem Kühlschrank genommen und dann auf das Tablet gestellt. Das mehrmalige Aufstehen vom Drehstuhl und die wiederholten Gänge zwischem Kühlschrank und Computer werden dadurch ausgespart. Allein der Gang zum Klo ist wie früher geblieben.


Incognito
15.6.2015 21:18
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“Von 30 Schülern drucken 25 nur Artikel aus dem Internet aus. Klick, fertig. Ich gebe das dann zurück und drohe mit einer Sechs wegen Betrug.”

Hätten die doch bloß auf Prof. Spitzer gehört und die Artikel per Hand abgeschrieben. Und wenn man aus einem (nicht im Internet verfügbaren) Buch abschreibt fällt das Plagiat auch keinem auf.

Dummheit Internet verhällt sich eher wie Verfettung Spiegel. Immerhin macht das Internet die Plagiate sichtbar.


Joe
15.6.2015 21:58
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Hätten die doch bloß auf Prof. Spitzer gehört und die Artikel per Hand abgeschrieben.

Dann hätten sie immerhin was dabei gelernt: durch die Hand in den Kopf. Immer wieder schön zu sehen, wie wenig Kommentatoren über Didaktik wissen.

Und wenn man aus einem (nicht im Internet verfügbaren) Buch abschreibt fällt das Plagiat auch keinem auf.

In der Schule werden keine wissenschaftlichen Arbeiten zur Erlangung der Doktorwürde verlangt, nur Beschäftigung mit dem Stoff. Bei Strg+C und Strg+V passiert genau das eben nicht. Das, was Schüler heute abgeben, wird von diesen vorher nicht mal mehr quergelesen.


jannndh
15.6.2015 22:13
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wenn ich Schülern eine Hausaufgabe gebe, die mittels einer einzigen Google Abfrage lösbar ist, dann ist nicht der Schüler schuld.

Ja heutige Schüler sind dümmer als noch vor 15 oder 20 Jahren.

Und mit dümmer mein ich nicht das die heutige generation weniger intelligent ist.

wenn ich eine Aufgabe bekomme die schnellstmöglich mittels Google lösbar ist, dan wäre es ja eben dumm es eben nicht mit Google zu machen!


osthollandia
15.6.2015 22:53
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Erfahrung aus dem Leben, Anno 2002:
Elternabend in der Grundschule. Große Themen auf dem Zettel, Gewicht des Tournisters, Wahl der Ausgangsschrift, Hausaufgaben.

Lehrerin:
Es müssen immer alle Bücher mitgenommen werden, auch wenn der Tournister dann 6 Kilo wiegt und das Kind nur 20.
–>Habe ich immer anders gesehen. Aus meiner Sicht hätte die Tafel, der Griffel, die Fibel und das Mathebuch alles abgedeckt, was man in Klasse 1 braucht. Aber die armen Pänz hatten 4 Bücher und 8 Hefte.

Wir sollten die vereinfachte ausgansschrift für das schreiben lernen nutzen, das ist viel leichter für die Kinder
–>Das konnte ich gerade so verhindern. Wenn ich mir meine Azubis angucke, die malen noch immer ihre Namen.

Die Hausaufgaben sind freiwillig, die können sich das ja noch gar nicht alles merken…
–>Das konnte ich nicht verhindern. Mein Kind hat dann nie Hausaufgaben gemacht, und das war auch ok bis einschl. Klasse 6, dann wurde das Zwang. Und das Familienleben zur Hölle.


Alfred
15.6.2015 23:04
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Ich muss sagen, dass ich etwas ärgerlich werde, wenn ich, ohne die Einbindung in tiefere Kontexte, etwas von “Verblödung der Kinder” lese. Welche Aussichten in der Welt bietet ihnen denn die gesamte Gesellschaft (also auch die Leute ohne Kinder?) Nur Wüstensand in weiter Ferne, und ein paar verheissungsvoll glitzernde Fata Morganas. Und ferner: auch unsere Eltern und Grosseltern haben so geredet; Bildung hat es in grösserem Maßstab auch niemals gegeben, sondern war stets in Händen Einzelner.
Bisweilen sind die Kinder auch weiter als die sog. Erwachsenen, die stumpf genug an einem schwachsinnig-verrückten System festhalten, obwohl sie bereits die abbröckelnden Teile vor ihre Füsse fallen sehen. Überdies haben die meisten Kinder noch einen gesunden Sinn für Kreativität, solange noch nicht verpfuschend daran gerührt worden ist – der dem Mittel der “Grossen” vollkommen abhanden gekommen ist! Damit wären wir jetzt weiter, als wir sind. Mensch!


Roy Dick
16.6.2015 0:13
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Besser als Hausaufgaben zu verteilen wäre es einmal pro Woche ein Referat zu halten. Dieses sollte man nach Inhalt und Qualität des Vortragens bewerten. Mit Qualität des Vortragens meine ich Dinge wie:

-freies und sicheres sprechen. Spicker ist dabei ok, solange der kurze Blick nicht den Redefluss stört.

-Betonung und Ausdrucksvermögen. Klar und deutlich, nicht monoton, abwechselnde Wortwahl.

-Abwechslungsreichtum und Begeisterung des Publikums. Schüler welche es schaffen ein tendeziell langweiliges Thema interessant zu verpacken sollten extra belohnt werden.

-Körperhaltung und Gestik.

Das alles sind Dinge, die man mit 8-12 in kürzester Zeit lernen kann und sein Leben nie wieder vergisst. Und einem zudem immer und in fast jeder Situation des Lebens von nutzen sind. Sei es um der Liebsten ein Gedicht vorzutragen, oder eine Idee zu präsentieren.

Das wäre dann mal was, das die Bezeichnung interdisziplinäre Kompetenz auch wirklich verdient.

beste Grüße

Roy Dick


Bärle
16.6.2015 2:28
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Ich habe mir jüngst eine Matias-Tastatur angeschafft. Die ist ungefähr so gut wie einstmals eine IBM-Kugelkopfschreibmaschine. Jedenfalls ein sinnliches Erlebnis mit dieser Tastatur zu schreiben.
Hier ein Testbericht: http://www.computerbase.de/2013-09/matias-quiet-pro-test/


Heinz
16.6.2015 6:32
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> Und es erinnert mich an Tastaturen.

Die früher auch noch Schwarz auf Weiß waren und nicht umgekehrt.


der eine Andreas
16.6.2015 6:42
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Beim Jauch:
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/studentin-scheitert-an-jauchs-erster-quizfrage-13649340.html

“Erstmals ist in der Geschichte der RTL-Show „Wer wird Millionär?“ ist nach Senderangaben ein Gast bei der ersten Frage rausgeflogen. Eine 20-jährige Studentin aus Aachen scheiterte bei Günther Jauch innerhalb von 45 Sekunden und fuhr mit null Euro und vier unbenutzten Jokern nach Hause “


TOPCTEH
16.6.2015 8:53
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@Phil:

Soll das Ganze dann als Slide-Show präsentiert werden, muss auf jeden Fall jede Folie einen anderen Effekt haben. Der Inhalt ist nebensächlich.

Und wird das Ganze dann mit (unkomprimierter) Musik hinterlegt und mit (unkomprimierten) Bildern versehen, dann wird die 20-Folien-Powerpoint-(2003)-Datei schon mal 95MB groß und braucht gefühlte 5 Minuten zum Öffnen. Hat mein Sohn dann auch nur einmal gemacht…


Manfred P.
16.6.2015 17:50
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Statt Referate aus dem Internet gepastet einfach jede Stunde ein kurzes Quiz mit 15 Fragen schreiben lassen und knallhart bewerten.

0 Fehler -> Note 1
1 Fehler -> Note 2,
etc.

So bekommt man mit ca. 75% ein “Ausreichend”.

Da kommste mit Gugel nicht mehr so weit.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ein Lehrer, der sowas macht, öffentlich auf dem Schulhof von Eltern und Kollegen geschlachtet, gepfählt und gevierteilt wird, dann auf den Scheiterhaufen kommt, und dann verklagt wird wegen Verbauen der Zukunftschancen.

Es sind doch diese lächerlichen Eltern, die zum einen keine Leistung abfordern, und zweitens nicht einsehen wollen, dass ihr genetischer Nachwuchs halt vielleicht nicht so schlau ist, wie sie das gerne hätten.

Die kommen dann wegen einer 2 direkt mit dem Anwalt, anstatt dem Kind mal in den Arsch zu treten. Der “Arschtritt” kann ja auch auf die sanfte Tour laufen, dass man dem Kind klar macht, dass man nur durch Leistung und Anstrengung etwas Wertvolles erreichen kann.

Vor allen Dingen muss eigentlich jedem klar sein, dass nicht jeder eine 1 haben kann. Die 1 sollte denen vorbehalten sein, die wirklich weit überdurchschnittliche Leistungen bringen. Und so weiter.

Alles andere zerstört die Chancengleichheit. Da kriegt der Depp aus gutem Hause die guten Noten, obwohl er ein Vollidiot ist, und das Hartzerkind mit ähnlichen Noten zieht den Kürzeren, weil hinterher bei all den Einsern keiner mehr sehen kann, wer wirklich gut ist, und wer nicht.


DrMichi
16.6.2015 18:53
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stm: Exakt, so werden die Duckmäuler und Bürotanten gefördert. Wie damals, als eine ganze Bankreihe wegen mangelnder Ästhetik im Arbeitsheft genügend hatte, während die, die noch farbige Linien nachzogen, summa hatten. War am Gymnasium, schon 15 Jahre her. Meine Grosseltern haben ähnliche Geschichten im Angebot. Scheint am System zu liegen.


Leerer
16.6.2015 21:39
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Schon mal die aktuellen Mathebücher für Klasse 6 in Sachsen-Anhalt gesehen?
Da wird mit Begriffen herumgewirbelt, dass alle verwirrt sind. Wenn es um negative Zahlen geht, spricht man dort von Rationalen Zahlen. Aber die kommen erst in Klasse 7 dran. In Klasse 6 geht es um Gebrochene Zahlen. Und dann gibt es Zehnerbrüche und Dezimalbrüche.
Im Arbeitsheft soll man Zehnerbrüche als Dezimalbrüche schreiben. Wenn einen das verwirrt, kann man auch die Sache von hinten aufdröseln. Erst das Lösungswort erraten, und dann die richtigen Antworten reinschreiben.

Am 9. Juni war zentrale Klassenarbeit.
Eine Aufgabe war a=3,5 b=0,8. Was ist a+b, was ist 100*b. An 100*b sind viele gescheitert. 0,80 war sehr beliebt.
Eine andere Aufgabe war “Gebe eine gebrochene Zahl an, die zwischen 1/4 und 0,3 liegt!” Da es nach Anleitung für Lehrer für 3,5+0,8=4,3 einen Punkt für das Addieren von gebrochenen Zahlen geben soll, wird wohl 0,27 eine gebrochene Zahl sein.
Bei der Aufgabe “Das Produkt von a und b ist 20. Gebe zwei passende Zahlen a und b an!” haben die meisten a=16, b=4 oder a=10, b=10 angegeben.
Und dann kam etwas von durchschnittlichem Niederschlag über fünf verregnete Tage. 14 ml (sic!) pro Quadratmeter stand da, und nicht nur einmal sondern zweimal. Das hat keiner im Ministerium bemerkt. Die Schüler bemerken es natürlich auch nicht.

Das Beste war aber noch der, der bei der Aufgabe mit der Tabelle über vier Städte mit Einwohner, Wohnungen, Wohngebäude und Bodenfläche auf die Frage “Welche Stadt hat zehn mal so viel Bodenfläche wie Dessau-Roßlau?” Dessau-Rosslau geantwortet hat. Manchmal geht das mit Text-Lesen, und das Erwähnte abschreiben, schief.


Manfred P.
16.6.2015 23:17
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@Leerer

*Ächz*

Aber was soll dieser verfluchte Blödsinn mit den “Kompetenzen”? Was bringen denn Kompetenzen, wenn die sich schon nicht mal mehr merken, was der Unterschied zwischen Summe und Produkt ist?

PS. 14 ml pro Quadratmeter gibt nicht mal ‘ne ordentliche Pfütze 😉


Dirk S
17.6.2015 9:53
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@ Manfred P.

Alles andere zerstört die Chancengleichheit. Da kriegt der Depp aus gutem Hause die guten Noten, obwohl er ein Vollidiot ist, und das Hartzerkind mit ähnlichen Noten zieht den Kürzeren, weil hinterher bei all den Einsern keiner mehr sehen kann, wer wirklich gut ist, und wer nicht.

Um die Chancenglichheit brauchst du dir keine Gedanken machen, die Chance auf Verblödung haben alle gleich. Und in anderen Bereichen werden inzwischen Eignungstests Usus und da kann das “Harzerkind” mit einem 4er-Zeugnis gegenüber dem “Kind aus guten Hause” mit 1er-Zeugnis durchaus punkten. Weil, Betriebe betrachten inzwischen jeden Schulverlasser als nicht ausbildungsfähig. Ein echter Erfolg der Bildungspolitik.
Wobei natürlich das “Kind aus gutem Hause” keine Lehre anfängt, sondern auf der Uni irgendetwas nutzloses studiert. Oder, wenn das Elternhaus besonders gut ist, auf eine Privatuni geht. Wobei, gerade die nehmen inzwischen auch nicht mehr jeden Deppen. Nur richtig reiche oder kluge Deppen 😉 .

Bildene Grüße,

Euer Dirk


Karl J
17.6.2015 13:02
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Das kann man mit dem auch in diesem Blog verlinkten Vortrag von Manfred Spitzer zusammenbringen: Die Lehrerin beklagt, dass die Kinder heute zu sehr durch Computer, Smartphone etc. abgelent seien, und sich folglich nicht mehr auf ihre Schulaufgaben konzentrieren können. Das ist sicherlich ein Punkt, dem man nicht widersprechen kann. Wenn dann die Eltern nicht eingreifen, kann es nur schieflaufen.

Man kann es aber auch mit etwas anderem zusammenbringen: Dem massiven Qualitätsverlust der Presseerzeugnisse aller Art der vergangenen Jahre. In vielen Haushalten sind heute kaum noch Zeitungen oder Zeitschriften abonniert. Nicht, weil das Geld dafür fehlt, sondern weil man für diesen Unsinn nicht mehr bereit ist, zu zahlen. Wenn die Lehrerin nun möchte, dass ihre Schüler Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zu einem bestimmten Thema sammeln, dann können die das oft gar nicht mehr – es sind ja keine mehr im Haus.

Und man kann es noch mit einem dritten Aspekt kombinieren: Frau Lehrerin hat höchstens eine eingeschränkte “Medienkompetenz”, was digitale Technologien angeht: Den Artikel ausschneiden bedeutet bei ihr, dass die Aufgabe erfüllt sei. Den gleichen Artikel über die Webseite auszudrucken bezeichnet sie hingegen als “Plagiat”. Ich meine, sie vereinfacht bzw. polemisiert hier etwas zu stark.

Fazit: Das Problem ist viel komplizierter als Eltern, die ihre dauerabgelenkten Kinder nicht lenken können/wollen.


Leerer
17.6.2015 19:01
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@.Manfred P
Kollege!

Ich weiß, was du meinst. Ich bin auch gerade dabei, diesen Blödsinn auseinanderzuviechern – und zwar so, und nur zu dem Zweck, die Leute, die das Geld zu verteilen haben, ruhigzustellen. Dass ich die Schüler wegen so etwas vernachlässigen muss, ist leider nicht zu vermeiden.

Hier nur ein Hinweis: Schau mal, wer die Lehrpläne mit dem Blödsinn verzapft hat, und wer der erste Autor des wichtigsten Mathebuches in Sachsen-Anhalt ist!
Wenn die weg ist, gibt es andere Leerpläne und neue Bücher.

Ich empfehle derweil Mathebücher, deren Autor schon 70 Jahre tot ist. Wegen des Lex Mickey Mouse.


Manfred P.
19.6.2015 21:38
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@Dirk S

Das ist zwar in der Sache richtig, was Du schreibst, aber dann kann man sich die Schule (und Universität) als gesellschaftliche Institution auch gleich in den Arsch schieben.

Klar soll (und darf) Schule keine Angst verbreiten, aber so kann’s doch nicht laufen.

Aber früher fand jeder Mensch seinen Platz in der Gesellschaft. Heute werden wenig qualifizierte Menschen vom Neoliberalismus wie “Sondermüll” behandelt. Das ist auch nicht richtig.

Und gleichzeitig hat man das Phänomen, dass laberbegabte Hohlköpfe in höchste Positionen aufsteigen, siehe “Tschänder-Professur”.

Das kann es echt nicht sein.


Manfred P.
19.6.2015 21:42
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@Leerer

Wenigstens versuchst Du, den Kindern noch was beizubringen. Dafür meinen Respekt!