Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

“Sex Sting” für Autos?

Hadmut
14.6.2015 11:09

Ein Leser schickt mir gerade einen Link auf etwas, was so schräg ist, dass ich es nicht mal ganz verstanden habe.

Nämlich auf diese Story (einer regulären amerikanischen Nachrichtenseite).

Darin taucht mehrfach und zentral der Begriff „sex sting” auf. Ich habe allerdings noch nicht so richtig verstanden, was das bedeutet, denn sting heißt für mich erst mal nur „Stachel” (z. B. sting ray). (Ein Gedanke, der mir kam, ob es sich um eine Art inverse Verballhornung von „sexting” handeln könnte, scheint aber nicht so.)

Es geht jedenfalls um Ermittlungen gegen Pädophile, bei der die Polizei angeblich mit sehr unsauberen Mitteln arbeitet und Leute erst selbst zu Internet-Taten anstiftet oder Leute hinhängt, die nichts getan haben.

Der Hintergrund soll angeblich sein, dass nach amerikanischem Recht dann immer auch gleich das Auto beschlagnahmt wird, weil man unterstellt, dass sie damit ja herumfahren um nach Kindern Ausschau zu halten, es also Tatwerkzeug wäre (nach der Logik könnte man auch die Schuhe beschlagnahmen, weil sie ja in Schuhen herumlaufen).

Der Punkt ist: Die Autos darf die Polizei dann behalten und für sich selbst verwenden, oder zugunsten ihrer Kasse versteigern. Manchmal ist es angeblich auch so, dass die Beschuldigten das Auto für den halben Marktpreis zurückkaufen können, also wieder die Kasse bei der Polizei klingelt. Riecht also danach, dass da einfach Reibach mit falschen Anschuldigungen gemacht wird oder die einfach das schöne Auto da gerne haben wollen.

Erinnert mich daran, dass in den USA angeblich auch Leute allein deshalb verknackt werden, weil die Verträge mit privaten Gefängnisbetreibern über Mindestinsassenzahlen erfüllen müssen.

Was jemand, was „sex sting” genau ist?

(Danke für den Hinweis.)


23 Kommentare (RSS-Feed)

informativ
14.6.2015 11:17
Kommentarlink

Ich denke, dass das ne Undercover Operation beschreibt bei der Leute “in eine Falle” gelockt werden.
https://www.google.com/webhp?q=define:+sting
informal
a carefully planned operation, typically one involving deception.
“five blackmailers were jailed last week after they were snared in a police sting”
synonyms: swindle, fraud, deception; trickery, sharp practice; informalrip-off, con, fiddle, bunco
“the victim of a sting”


EBecker
14.6.2015 11:21
Kommentarlink

Ohne jetzt ein Wörterbuch o.ä. zu konsultieren, könnte das vielleicht Ganoven-Slang sein: Ein Ding, das gedreht wird. So hiesst das Einbruchssimulationsspiel “Der Clou” im engl. “The Sting”.


K
14.6.2015 11:32
Kommentarlink

“sting” ist erst mal nur das Wort für einen Zugriff bzw die Operation, bei der dieser erfolgt.


Lars
14.6.2015 11:32
Kommentarlink

Scheint so was wie ne Lockvogel-Operation zu sein. Siehe
http://forum.wordreference.com/threads/sex-sting.631186/
und
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Sting_operation

So wie hier in Deutschland die alkoholkäufe durch Jugendliche.


Will Anders
14.6.2015 11:36
Kommentarlink

It means that undercover police officers posed as normal people while they were looking for illegal sexual activity.

https://answers.yahoo.com/question/index?qid=20070901131132AAUpeKY


Missingno.
14.6.2015 11:39
Kommentarlink

Wie bereits geschrieben “sting (operation)” ist eine “verdeckte Operation”.


Markus W.
14.6.2015 11:50
Kommentarlink

> So hiesst das Einbruchssimulationsspiel “Der Clou” im engl. “The Sting”.

Bin anscheinend schon zu alt, mir ist nämlich sofort dieser Klassiker eingefallen: http://www.imdb.com/title/tt0070735/


only_me
14.6.2015 12:15
Kommentarlink

Der Film mit Robert Redford und Paul Newman, der in Deutschland “Der Clou” hieß, hieß im Original “The Sting”.


Mirco
14.6.2015 12:28
Kommentarlink

Es geht jedenfalls um Ermittlungen gegen Pädophile, bei der die Polizei angeblich mit sehr unsauberen Mitteln arbeitet und Leute erst selbst zu Internet-Taten anstiftet oder Leute hinhängt, die nichts getan haben.

Davon ist auszugehen und ferner, dass der Großteil der kriminellen Angebote für Pädophile, sowie jene die sich als Pädophile ausgeben, die Polizei selbst ist. Pädophile werden als Lockvogel eingesetzt, wie die V-Männer bei der rechtsextremen Terrororganisation NSU. V-Männer sind daher meistens pädophil. Das ist eine Form der Strategie der Spannung für mehr Einfluss der Polizei, wie Gesetzesverschärfungen zur Überwachung der Bevölkerung. Während die Politiker, die die Polizeistaat-Gesetze schaffen, wie Sebastian Edathy allesamt Pädophile sind. Vermutlich werden die Pädophilen aus Kreisen der Sicherheitsdienste gefördert, um sie gezielt auf die legislativen Posten zu setzen, weil sie als Pädophile erpressbar wären, falls nicht im Interesse eines verbrecherischen Polizeistaats handeln würden.


Ich
14.6.2015 13:11
Kommentarlink

Ich hab den Text nicht gelesen, aber es klingt für mich nach “Civil Forfeiture” https://www.youtube.com/watch?v=3kEpZWGgJks


Dirk Moebius
14.6.2015 13:27
Kommentarlink

Oh, es gibt da in den USA schon seit Laengerem die Praxis, den Leuten einfach Geld, Auto und was sonst noch so greifbar ist, wegzunehmen – bis sie denn beweisen, dass sie das rechtmaessig erworben haben.

Nennt sich “Forfeiture Law” –> http://www.bigeye.com/forfeit.htm
und nach Angaben des US-Justizministerium hat das allein seit 2008 mehr als drei Millarden $$$ eingespielt
http://www.washingtonpost.com/investigations/holder-ends-seized-asset-sharing-process-that-split-billions-with-local-state-police/2015/01/16/0e7ca058-99d4-11e4-bcfb-059ec7a93ddc_story.html


DrMichi
14.6.2015 14:48
Kommentarlink

Land of the free, home of the brave.

Ja, tapfer muss man dort schon sein.


Emil
14.6.2015 15:25
Kommentarlink

Stichwort “Forfeiture Law”.
Das kennt man doch noch aus “Miami Vice”. Die Undercover-Bullen Crockett & Tubbs fuhren immer in den geilsten Kisten rum (Ferrari, Lamborghini, Porsche, …), die die Polizei zuvor bei irgendwelchen Drogendealern beschlagnahmt hatte.


klaus
14.6.2015 18:00
Kommentarlink

Das erschreckende bei der Forfeiture ist, dass die Polizei, das Finanzamt etc. praktisch jederzeit Geld oder Autos beschlagnamen kann, wenn sie nur glaubhaft machen können, dass diese Dinge für Straftaten benutzt worden sind.

Wer sein Geld wiederhaben will, der muss selbst klagen. Dabei wird das Geld angeklagt (und da lachen wir darüber, dass früher Pferde angeklagt worden sind, wenn die Kutsche einen Unfall hatte)

“The United States of America, Plaintiff, v. $107,702.66 in United States Currency, Defendant” ist ein typischer Prozesstitel.

Die Prozesse sind Zivilprozesse, d.h. du musst beweisen, dass du nicht gegen Gesetze verstossen hast.

Übrigens: In den USA zahlen beide Parteien praktisch immer ihre Gerichtskosten selbst, d.h. selbst wenn man gewinnt hat einen der Spaß ab 20000$ gekostet.
Für ein Auto lohnt es sich deshalb gar nicht erst, zu klagen.

http://www.texasobserver.org/preying-innocent-civil-forfeiture/
https://en.wikipedia.org/wiki/Civil_forfeiture_in_the_United_States
http://www.politico.com/magazine/story/2015/02/irs-civil-forfeiture-115089.html#.VX2i_9J3lQI
http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2015/05/15/how-the-irs-seized-a-north-carolina-businessmans-life-savings-without-ever-charging-him-with-a-crime/

Ich frage mich, wann wir das auch in Deutschland haben.


Jan Lul
14.6.2015 20:14
Kommentarlink

Civil Forfeiture explained:

https://www.youtube.com/watch?v=3kEpZWGgJks


David
14.6.2015 20:49
Kommentarlink

“… wenn sie nur glaubhaft machen können, dass diese Dinge für Straftaten benutzt worden sind.”

Ich befürchte, diese Bedingung ist nicht nötig.


Stingray Baujahr 65-Fahrer
14.6.2015 23:09
Kommentarlink

“Der Film mit Robert Redford und Paul Newman, der in Deutschland “Der Clou” hieß, hieß im Original “The Sting”.”

Welch Zufall, vor einer Woche erst wieder gesehen nach Jahrzehnten.


Andreas
15.6.2015 13:26
Kommentarlink

Johann
15.6.2015 17:49
Kommentarlink

doch, “glaubhaft machen” ist schon nötig, allerdings ist das ja ein leicht zu erfüllender Standard im Gegensatz zum im Strafrecht normalen “beyond a reasonable doubt”.

So finanzieren sich ganze Polizeidistrikte. Auf vielbefahrenen Straßen werden Autofahrer rausgefischt und gefundene höhere Bargeldbeträge mit dem Argument eingezogen, daß damit ja Drogen gekauft werden könnten. Möglich wäre das, und so ist “glaubhaft machen” schon erfüllt.

Der große Unterschied zw. civil und criminal forfeiture ist daß der Beschuldigte in ersterem sein Zeug nur wiederbekommt, wenn er sich freibeweisen kann. Es muß also nicht der Staat die Schuld des Angeklagten beweisen, sondern der seine Unschuld- und das ist vor allem eins: teuer. Daher trifft es heute, im Gegensatz zu den 80ern, wo tatsächlich Milliarden von Drogenkartellen geholt wurden, ärmere, die nicht das Geld haben, sich dagegen zu wehren.


Christian
17.6.2015 20:01
Kommentarlink

Wenn man dieser Meldung glauben darf, ist Civil Forfeiture allerdings in den USA gestoppt worden (was freilich nicht heisst, dass Papa Staat nach neuen Einkünften Ausschau halten wird).
http://www.washingtonpost.com/investigations/holder-ends-seized-asset-sharing-process-that-split-billions-with-local-state-police/2015/01/16/0e7ca058-99d4-11e4-bcfb-059ec7a93ddc_story.html
Wie sagte Freund Nietzsche:
Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.

Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.«

Lüge ist’s! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

………

Aber der Staat lügt in allen Zungen der Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s.
Quod erat demonstratum.
LG
C


Christian
17.6.2015 20:02
Kommentarlink

Ach – fehlt ein “nicht” im Klammersatz nach dem Komma).


klaus
18.6.2015 5:11
Kommentarlink

@Christian

Leider nur vom Justizministerium und nur für ganz offensichtliche Fälle, z.B. wo ein Restaurant immer unter 10000 einzahlt und dann das gesamte Vermögen wegen Geldwäsche eingezogen wird (ab 10000 wird jede Transaktion an das Finanzamt gemeldet, und eine Überweisung aufzusplitten ist eine Straftat). Die Staaten und einzelnen Polizeieinheiten, DHS, DEA, etc. machen fröhlich weiter.


Christian
18.6.2015 8:41
Kommentarlink

@klaus.
Danke schön. Hast Du nochn Link dadefür?
LG
C