Ansichten eines Informatikers

Generation Anspruch

Hadmut
28.4.2015 21:48

Schon oft bebloggt: Feministinnen fallen penetrant durch Anspruchsdenken auf: Nichts können, nichts machen, nichts arbeiten, aber alles beanspruchen und an allem beteiligt werden, natürlich mühelos. Scheint gerade generell Zeitgeist zu werden. Was machen die eigentlich, wenn die Baby-Boomer, die gerade alles bezahlen, mal in Rente gehen?

36 Kommentare (RSS-Feed)

Emil
28.4.2015 22:52
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Das größte Problem ist: wenn das Studium nichts kostet und es obendrein noch BAföG gibt, kann jeder jeden Scheiß studieren (z.B Gender Studies), ohne hinterher auf einem Berg Schulden zu sitzen. Hohe Studiengebühren zwingen zumindest die weniger Begüterten dazu, ein Fach zu studieren, dass sie hinterher auch ernähren kann.


Fredi
28.4.2015 23:15
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Scheint eher der ganz normale Zeitgeist zu sein, auf die ach so faulen und gierigen Studenten zu wettern.
Ja, ich weiß, da gibt’s einige von. Aber diese ganze dämliche Polemik und die Verallgemeinerung hängt mir zum Hals raus. Immer das Gleiche.
In allen Sparten, wirklich. Immer das gleiche Gefasel, nur mit anderen Worten.


Klaus
28.4.2015 23:33
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Ne ganz falsche Schiene, hier geht es darum amerikanische Elite Universitäten, letzlich Bildung gegen Geld der Eltern zu “verkaufen”.

Zitat:
Während man für Reisen, Zigaretten – selbst gedrehte, man muss ja sparen – und Hobbys gerne sein Geld ausgibt, will man für Bildung nichts bezahlen. Ausgerechnet in Bildung, das Tor zur Gesellschaft, zur Kultur und zu materiellem Wohlstand, ist man nicht bereit zu investieren.

Dabei ist Bildung ja auch in Deutschland nicht kostenlos – sie wird nur nicht von denjenigen bezahlt, die am meisten von ihr profitieren. Den Studenten ermöglicht das auch, sorglos durch das Studium zu kommen und dann fast ohne Schulden im Ausland zu arbeiten.
Ende

Das ist doch billige Polemik.
Von einem möglichst breit und gut ausgebildeten Volk, profitieren wir alle.

Der Satz:
“nur nicht von denjenigen bezahlt, die am meisten von ihr profitieren”
entlarvt doch alles.

Bedeutet doch:
Studenten zahlt eure Ausbildung selbst, wenn nicht aus der Portokasse, dann verschuldet euch doch gefälligst.

Wohin das führt, siehe USA.

Ich behaupte mal:
Wenn die Amis nicht so viel gute Leute aus dem Ausland abzögen, dann wären die fast eine Entwicklungsland.

Zeigt auch der Satz:
“dann fast ohne Schulden im Ausland zu arbeiten”

Die Frage ist natürlich, müssen 60% der Leute Abitur haben?
Welche Fächer werden zum Studieren angeboten?
Können junge Wissenschaftler in D überhaupt zu diesen befristeten Verträgen arbeiten.

Usw.

Wären wie früher nur 10 bis 20% der Schüler Abiturienten, gäbs auch die überlaufenen Hochschulen nicht.

Also in diesem Artikel wird vieles über den Kamm faule Studenten gekämmt. So einfach isses nicht.

Und noch was:

Kuck Dir doch mal die Chefredation an:

Dr. Stephanie Caspar

Caspar ist seit 2009 Geschäftsführerin von Mirapodo. Ihre berufliche Laufbahn startete sie als Unternehmensberaterin bei McKinsey.

Axel Springer SE
https://lobbypedia.de/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

und kuckst Du hier :-):
“Das 6. INSM-Hauptstadtforum wurde am 27. September 2011 zum dritten Mal in Kooperation mit der Welt-Gruppe veranstaltet. ”

cu


Makko
29.4.2015 1:13
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Mir ist es immer noch lieber wenn die Fähigsten studieren und nicht die Reichsten.


Manfred P.
29.4.2015 2:07
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Keine Ahnung, in was für ‘ner Welt der Typ lebt.

Das ist nicht an allen Hochschulorten so. Und außerdem ist hier die Feministenseuche eine Randerscheinung.


Johnny
29.4.2015 2:33
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@Klaus: >Wohin das führt, siehe USA.

Du meinst die Führerschaft in praktisch allen modernen Forschungsdisziplinen? Ja, das wäre schrecklich, das müssen wir unbedingt verhindern.


Wildlife
29.4.2015 3:49
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Wer fordert, daß Studenten ihr Studium selbst bezahlen sollen, muß ihnen auch zugestehen, daß sie die Früchte ihrer späteren Arbeit für sich behalten. Er hätte es etwa ohne Murren hinzunehmen, wenn Verkauf und Weitergabe von Produkten, die künftige Entdeckungen oder Erfindungen verwenden, an Nichtakademiker verboten würden.

Erfindungen und wissenschaftliche Ergebnisse sind eine Bereicherung der gesamten Menschheit; alles zu ihrer Erlangung Notwendige, also auch die Ausbildung der Wissenschaftler, ist deshalb vom Kollektiv zu finanzieren. Wenn dies geschieht hat auch niemand mehr ein moralisches Recht, seine Erfindungen und Erkenntnisse irgendjemandem vorzuenthalten, Verbreitungs- und Verwertungshindernisse wie Patentschutz und Copyright gehörten dann ersatzlos gestrichen.
Was die geistigen Güter angeht ist Kommunismus Naturrecht.

Soziologie und Gender natürlich ausgenommen, die gehören ersatzlos gestrichen. Da ist es Naturrecht, davon verschont zu bleiben.

Wer fordert, daß Studenten ihr Studium selbst bezahlen sollen, ist ein kleinlicher Neiddenker ohne Blick für das große Ganze, der nur der sozialen Stellung und dem Geldbeutel Bedeutung beimißt.


Owen
29.4.2015 7:16
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Studieren ist ein Volzeitjob, natürlich stimmt das nicht für alle Fächer.
Aber es stimmt für die auf die es ankommt, Naturwissenschaften Technik etc…

Das man in einigen EU Ländern studieren kann ohne zu arbeiten zu müssen ist eine der besten Errungenschaften der moderne, gesellschaftlich gesehen.


Joe
29.4.2015 8:16
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Hohe Studiengebühren zwingen zumindest die weniger Begüterten dazu, ein Fach zu studieren, dass sie hinterher auch ernähren kann.

Dieser Unsinn ist doch irgendwie amerikanisch, oder? Studiert wurde doch eigentlich mal für die Forschung. Nannte man das mit dem Ernähren nicht früher mal Berufsausbildung?

Warum zahlt plötzlich die erwerbstätige Unterschicht der Mittelschicht ihre Berufsausbildung?


Dirk S
29.4.2015 8:56
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@ Fredi

Scheint eher der ganz normale Zeitgeist zu sein, auf die ach so faulen und gierigen Studenten zu wettern.

Ach Quatsch, das ist nicht der Zeitgeist, dass war eigentlich schon immer so. Studenten waren schon immer faul, gierig und hart an der Grenze zum Alkoholiker. Wobei, in ganz alter Zeit, als vor allem die Gören wohlhabender Eltern studieren konnten, mag das sogar zutreffend gewesen sein. Eben ein altes (Vor-)Urteil, dass sich noch die nächsten 374 Jahre halten wird. Und von den auffälligen Studenten (Gender, Politik und Geisteswissenschaften etc.) zu einem nicht geringen Teil auch bestätigt wird.

Vorurteilsfreie Grüße,

Euer Dirk


Emil
29.4.2015 8:56
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@Joe
> Studiert wurde doch eigentlich mal für die Forschung. Nannte man das mit dem Ernähren
> nicht früher mal Berufsausbildung?

Ich sehe da keinen Widerspruch. Wenn man so gut ist, dass man nach dem Studium in der Forschung bleiben kann, dient das schließlich auch der eigenen selbständigen Ernährung.

Mir geht nur auf den Sack, dass irgendwelche mittelmäßigen Studenten auf Steuerzahlerkosten Fächer studieren, wo sie hinterher mit Sicherheit keinen Job bekommen und dann wieder dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Hadmut hat ja schon mehrfach hier solche Beispiele gebracht:

https://www.danisch.de/blog/2015/03/03/vom-aufschrei-ins-dschungelcamp/
https://www.danisch.de/blog/2015/02/11/promoviert-mit-note-10/

Wir brauchen m.E. durchaus auch Soziologen, Kulturwissenschaftler oder Archäologen, aber eben nicht so viele, wie diese Fächer studieren. Von daher haben Studiengebühren durchaus eine lenkende Funktion und schonen den Steuerzahler in doppelter Hinsicht.


Dirk S
29.4.2015 9:47
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@ Klaus
28.4.2015 23:33
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Ne ganz falsche Schiene, hier geht es darum amerikanische Elite Universitäten, letzlich Bildung gegen Geld der Eltern zu “verkaufen”.

In den USA läuft viel über Stipendien, also dass Spender (meist Firmen oder der Staat) Talentierten das Studiem (teilweise) finanzieren. Setzt natürlich Leistungsfähigkeit und -willigkeit voraus.

Dabei ist Bildung ja auch in Deutschland nicht kostenlos – sie wird nur nicht von denjenigen bezahlt, die am meisten von ihr profitieren.

Der erste Teil der Aussage ist vollkommen korrekt, Bildungseinrichtungen kosten Geld und das wird von der Gesamtheit der Steuerzahler aufgebracht. Der zweite Teil ist auch nicht völlig falsch, der Klempnergeselle bei Röhrich hat nun nicht wirklich was davon, dass er Studenten der Genderstudies mitfinanziert. Die Fragestellung ist eher, inwieweit ein gesamtgesellschaftlicher Ausgleich nötig ist.

Den Studenten ermöglicht das auch, sorglos durch das Studium zu kommen und dann fast ohne Schulden im Ausland zu arbeiten.

Die Aussage selbst ist ebenfalls korrekt, wenn auch polemisch. Wobei, will DE nicht auch von der Ausbildung in anderen Ländern partizpieren?

Von einem möglichst breit und gut ausgebildeten Volk, profitieren wir alle.

Da stimme ich dir voll und ganz zu. Wobei ich ein Studium in Genderstudies nicht als gute Ausbildung bezeichnen würde.

Studenten zahlt eure Ausbildung selbst, wenn nicht aus der Portokasse, dann verschuldet euch doch gefälligst.

Wer das fordert, wird sich aber ganz schnell umsehen. Denn, wenn ich als Student meine Ausbildung komplett selbst finanziere, dann will ich auch einen entsprechenden “Return of Invest” haben, das heist, die Einstieggehälter müssen in vielen Bereichen steigen. Bei einem Einstiegsgehalt von 30k brutto lohnt sich ein Studium, das 250k kostet, einfach nicht (die Zahlen sind vollkommen willkürlich und dienen nur der Verdeutlichung).

Wohin das führt, siehe USA.

Da kann ich mich nur Johnny anschließen. Aber, wie schon oben geschrieben, die wenigsten zahlen da ihr Studium komplett selbst.

Ich behaupte mal:
Wenn die Amis nicht so viel gute Leute aus dem Ausland abzögen, dann wären die fast eine Entwicklungsland.

Nö, wären sie nicht. Die USA haben sich seit ihrem Bestehen ganz langsam an die Weltspitze vorgearbeitet. Wobei sie durchaus von der Angewohnheit der Europäer, sich gegenseitig zu zerfleischen, provitiert haben.
Außerdem rennen denen die (Fach-)Leute die Grenzen ein. Sollte gerade in DE einem zu denken geben.

Die Frage ist natürlich, müssen 60% der Leute Abitur haben?

Kommt auf das Abitur-Niveau an. So wie das inzwischen abgesenkt wurde, nein. Beim alten Niveau wäre “ja” die richtige Antwort, denn dann hätten wir wirklich so viele schlaue Köpfe. Und nicht so viele einfältige.

Welche Fächer werden zum Studieren angeboten?

Möglichst viele. Die Frage wäre allerdings, ob nicht Studiengebühren in variabler Höhe je nach “Retun of Invest” anfallen sollten. Also Genderstudies hohe Gebühren, Ingenieurswissenschaften geringe.

Können junge Wissenschaftler in D überhaupt zu diesen befristeten Verträgen arbeiten.

Können schon, fragt sich blos, wie lange die das mitmachen, wenn es woanders bessere Bedingungen gibt. Und das ist das eigentliche Problem in DE: Die Besten werden verjagt. Als wenn man hier keine Spitzenforschung haben möchte.

Wären wie früher nur 10 bis 20% der Schüler Abiturienten, gäbs auch die überlaufenen Hochschulen nicht.

Nicht die Hochschulen an sich sind überlaufen, sondern bestimmte Fächer. Und da ließe sich mit fachabhängigen Studiengebühren gegensteuern. Weil die überlaufenden Fächer sind nun mal meißt auch die, die den schlechtesten gesellschaftlichen “Return of Invest” haben.

Gebührenfreie Grüße,

Euer Dirk


Christian
29.4.2015 10:17
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Hm – das Bild ist noch komplexer, scheint mir – ja, das Anspruchsdenken nimmt überall zu, die Leistungsbereitschaft oder besser Lernbereitschaft an manchen Stellen ab. Aber diese Forderung nach Studiengebühren – die stinkt nach Bertelsmann o.ä.
Als ob Studiengebühren wirklich helfen würden – Studenten sehr früh zu Schuldnern machen, das würden sie allerdings erreichen. http://www.rottmeyer.de/dr-habenichts-kommt-nach-hause/
Höchstleistungen in der Forschung gabs im Kaiserreich auch ohne Studiengebühren – als das Studium noch für die wenigen (Guten) und nicht für die vielen (nicht so Guten) war.
Schlussendlich möchte ich persönlich auch heute kein Student mehr sein – das Maß an Manipulation und Indoktrination ist viel höher als zu meiner Zeit (Ende der Neunziger Jahre). https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/03/09/studenten-heute/
Brr – unschöne Gesellschaft, die wir da ansteuern.
Schönen Gruß
Christian


JochenH
29.4.2015 10:39
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Auf die Frage was passiert, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen habe ich Antworten gefunden …

Es wird eine Einheitsrente geben

Jeder Rentner bekommt einen Flüchtling zugewiesen, dessen Kosten er zu tragen hat.

Die Arbeitenden werden zu 80% ihres Einkommens abgabenpflichtig

Jeder Rentner ist verantwortlich dafür sich selber zu verteidigen. Die Polizei sieht Überfälle und Kleindiebstähle als bunttolerante Kultur an, die es zu verteidigen gilt

Wahlen werden nur noch offen per Akklamation stattfinden, da die Einheitsmeinung der Parteien alternativlos ist

Printmedien werden über Zwangsabgaben finanziert, die dort erscheinden Artikel können nicht mehr im Internet kommentiert werden

Subversive Blogs werden geschlossen

Es gibt eine Ministerin, die Gleichstellung auf allen Ebenen der Gesellschaft durchsetzt

und so weiter.


Gast
29.4.2015 11:38
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Boah, Leute … Ich studiere wieder, und das danke Förderung, ich schohne mich nicht (bin mir selbst härtester Kritiker), und bin mir sicher, das würde hier niemand durchgehen. Das Leben ist alles andere als rosig, aber es gibt ein Ziel. Könntet ihr mit dem Generalisieren und Verdächtigen aufhören? Und ja, international sind STudienplätze limitiert, muss man ein Heidengeld dafür bezahlen, reproduzieren sich Bildungseliten und die Gesellschaftsschere ist weit weiter geöffnet als in Deutschland. Das Abzuschaffen bestanden gute Gründe, und das wird von vielen Leuten rund um den Globus so gesehen. Wenn ich lese, wie hier immer das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird, schüttelt’s mich. Weil es Leute gibt, die mit Krankschreibung und Rente Missbrauch betreiben, schaffen wir das ab, weil gibt’s ja in anderen Ländern auch nicht?!


peter
29.4.2015 11:50
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Meine Meinung:
– wir brauchen eine Begrenzung der max. Studienplätze für Orchideen-Fächer und Schwafelwissenschaften. Ob Studiengebühren sich hier als ausreichend zeigen, bezweifle ich
– 10 % Akademikerquote für ein Volk ist völlig ausreichend und hat sich gesellschaftspolitisch bewährt. Wer mehr ausbildet, tut dies zu Lasten anderer Gesellschaften (Stichwort “Brain Drain” und “Werkbänke im Osten”).
– eine zu hohe Akademikerquote einer Gesellschaft geht zwangsläufig auch zu Lasten der Qualität. Was sich bei mir mittlerweile als Bachelor und Master vorstellt, sind solche Flachzangen, die keinen geraden Gedanken mehr denken können geschweige denn schreiben.


chmt08
29.4.2015 12:09
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Das Problem mit dem Vergleich USA vs. Deutschland zeigt doch immer auch, dass man hier Systeme vergleicht die nicht wirklich vergleichbar sind.

Ein Student der in einem technischen Fach von einer der Top Unis abgeht, der nimmt z. B. in der Bay Area kaum weniger als eine 6-stellige Zahl als Einstiegsgehalt (bei weniger Steuern und Sozialabgaben). Dazu kommt, dass es üblich ist schon in jungen Jahren für die Ausbildung der Kinder zu sparen (wenn man kann) bzw. es an allen Unis ein gut ausgebautes Stipendiensystem für die talentierten gibt — und ich meine hier nicht etwas im Vergleich zur Studienstfiftung des Deutschen Volkes — sondern wirklich nur talentiert, nicht unbedingt genial, aber arm…

In der Firma für die ich arbeite (dt. Konzern) würde man in Deutschland, wenn man gefragt ist, mit ~50000 (der durschnitt eher mit einer 4 vorner) einsteigen. Da würde es schon deutlich schwerer Fallen, auch noch Studiengebühren abzustottern.

Ansonsten kann ich mich über die Neuen und die Praktiken die wir hier so haben, eigentlich, nicht beschweren. In anderen Fachrichtungen mag das anders sein, dass kann ich nicht beurteilen.


Stannis Baratheon
29.4.2015 12:33
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Du meinst die Führerschaft in praktisch allen modernen Forschungsdisziplinen?

Klar, und eine Blase an Studienkrediten die mittlerweile mit 1300 Milliarden US-Dollar beziffert wird. Selbige sind übrigens im Gegensatz zu allen anderen Krediten nicht per Privatinsolvenz loszuwerden.


Manfred P.
29.4.2015 13:00
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@Emil

Ich bin auch nicht in der Grundlagenforschung gelandet. Hätte ich denn dann von vorneherein auf das Studium verzichten sollen? Wie hätte ich das denn vorher wissen sollen, wo ich lande?


Peter
29.4.2015 13:44
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Klar würden Studiengebühren die Zahl der Studenten in Laberfächern verringern, aber sie würden nicht die Schlechten rauswerfen, sondern die Armen.

Was diese Fächer brauchen, sind höhere Standards. Dann fliegen eben in den ersten Semestern auch in Soziologie 80% raus, aber die, die übrig bleiben, sind richtig gute Soziologen. Und weil es dann weniger von ihnen gibt, finden sie auch alle einen guten Job.

Wer Lust hat, kann sich ja einmal nach “Philosophy, Politics and Economics” in Oxford umsehen. Kein Vergleich zu deutschen Philosophie- oder Politikwissenschaftsabschlüssen.


thorstenv
29.4.2015 17:05
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Noch grundsätzlicher
“Anscheinend haben sie vergessen, dass die Gesellschaft ihnen rein gar nichts schuldet.”
Warum eigentlich nicht? Wer legt das fest, ob oder was die Gesellschaft jemandem schuldet?

Schon zu Zeiten von Thomas Hobbes war es ja nur eine höchst abstrakte Fiktion, dass erstmal eine Art Gesellschaftvertrag zwischen Gleichen ausgehandelt wird und es wäre mir neu, dass seit Kurzem die Menschen in eine freie Welt geboren werden, wo sie sich einfach irgendwo hinbegeben, nehmen, was sie finden und damit ihr Leben aufbauen. Sitzt ja schon überall einer. Gehört ja schon alles irgendwem. Aufgrund langer Ketten historischer Zufälligkeiten.

Ich dachte, der ständige Zwang in alle Richtungen, den die Gesellschaft ausübt wird damit überhaupt erst gerechtfertigt, dass er zum größeren Wohle aller dient. Und jetzt ist es plötzlich eine Unverschämtheit zu fordern, dass das Wohl, was einem dauernd versprochen wurde vielleicht auchmal eintreten soll? Sollte man nicht vermuten, dass Zeiten explodierender Produktivität am Besten geeignet sein sollten Wohlstand für alle zu schaffen, statt zu knausern? Wenn nicht jetzt, wann dann?


Fred
29.4.2015 17:25
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Studenten brauchen (fast) nichts zu bezahlen. Oki. Wenn ich daran denke, wie ich vor ca 25 Jahren meine 3 Meister gemacht habe, da bekam ich für den 1. noch einen (sehr) zinsgünstigen Kredit und die anderen beiden waren dann komplett mein Problem. Summasummarum sind dafür ca. 90.000 DM draufgegangen. Wer das zu heutigen Verhältnissen nicht einordnen kann, soll einen Mercedes CLK mit allen Extras vollwerfen und dann die Endsumme anschauen.
Da hat sich auch keiner Beschwert.

Fred


OBerger
29.4.2015 20:12
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Bißchen pauschal, Deine Bewertung – die Babyboomer, die alles bezahlen? Reden wir hier von den selben Babyboomern, die seit Jahrzehnten ihre ausufernden Ansprüche, die die Realwirtschaft und die grassierende Steuerhinterziehung der Betuchten einfach nicht mehr hergeben, durch mittlerweile 2 Billionen Euro Schulden finanziert?
Schulden, die sie skrupellos den folgenden Generationen aufbürden und die dann bei schrumpfender Bevölkerung und wachsendem Lebensalter aber bitte steigenden Renten von ebendiesen Generationen bezahlt werden sollen? Und dann noch meckern, wenn die wenigstens Bildung haben wolllen um das zu schaffen, weil die Produktion hierzulande eigentlich nicht mehr existent ist, da man sie zur Ertragsmaximierung ins Ausland ausgelagert hat? Kann man natürlich so sehen als Mitglied der Babyboomer. Als heute 30jähriger sieht man das zwangsweise ein bißchen anders.


Fredi
29.4.2015 20:16
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@Christian: Woher kommt eigentlich diese Behauptung, dass “das Maß an Manipulation und Indoktrination viel höher [ist]” als früher? Was für eine schwachsinnige Aussage. Von welchem Fach reden wir? Welche Uni? Welcher Professor? Wird im Hinterland nicht nachgedacht bevor man Dünnsinn faselt?
Aber, ach, man muss sich ja selbst bestätigen: Früher war eben alles besser. Man muss ja jammern. Alle werden sie indoktriniert, überall gilt nur noch political correctness und überhaupt darf ja niemand mehr seine Gedanken aussprechen! Also, die meisten machen’s zwar und kriegen außer ein paar beißenden Kommentaren bezüglich ihrer Dummheit keinerlei Strafe, aber um solche Kleinigkeiten wollen wir uns mal keine Gedanken machen, wenn doch die fiesen, faulen, geldgierigen Studenten doch zu geifernden Genderisten erzogen werden!
Ich kann’s nicht mehr hören, ehrlich.


peter
29.4.2015 21:28
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@peter: ich war der erste Peter hier. Mach dir ne Nummer dahinter 🙂
> Was diese Fächer brauchen, sind höhere Standards. Dann fliegen
> eben in den ersten Semestern auch in Soziologie 80% raus,
> aber die, die übrig bleiben, sind richtig gute Soziologen.

hmm, würde das nicht zunächst erfordern, dass man Sozi standardisiert und messbar macht? Ist die Bewertung am Ende nicht doch nur eine subjektive Sache? Da bleiben nicht die “richtig guten” übrig, sondern die stromlinienförmigsten …

@Fred: wieso hast du denn 3 Meister gemacht? Konnte dich einer allein nicht ernähren? Klingt ja mehr nach Hobby als nach lebensnotwendig. Und ich fahre als Hobby einen CLK, somit paßt das ja.


tuka
29.4.2015 22:35
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@Stannis Baratheon: “Blase an Studienkrediten die mittlerweile mit 1300 Milliarden US-Dollar beziffert wird. ”

Bei 37 Millionen Ex-Studenten macht das im Schnitt pro Nase <38.000 Dollar. Bei einer Regelzeit von 10 Jahren für die Rückzahlung sollte sowas zu stemmen sein.

Ansonsten. Wenn man mal Zeitungen querliest, werden auch Ursachen genannt. Die da wären:

1. Persönlich Unfähigkeit. Wer einen Job anpeilt, für den er 35.000$ Jahreseinkommen erreichen kann, aber 200k Schulden anhäuft, hat offensichtlich irgendwie nicht gerechnet.

2. Studium von Orchideenfächern. Wer unbedingt Theaterwissenschaften studieren will, der kann in den USA tun. Und vermutlich in besserer Qualität studieren als in Deutschland. Aber er kann nicht von der Gesellschaft verlangen, dass die Gesellschaft für ein privates Hobby aufkommt.

3. Staatliche Markteingriffe. Der amerikanische Sozialismus ist zwar anders als in Deutschland, aber letztlich auch wieder nur Gleichmacherei. Ich wollte mal in den USA studieren. Per Fernstudium. Geht aber nicht. "Wegen der Armen" und wegen "Gleiche Chancen für alle" muss jeder Studienplatz gleich viel kosten UND muss jeder Student kostenlos auf dem Campus wohnen können UND muss jeder Student vollverpflegt werden UND muss jeder Student ärztlich versorgt werden UND … Mit der Folge, dass es keinerlei Einsparmöglichkeiten gibt. Man kann nicht mit einer billigen Wohnung oder einer WG Geld sparen. Man kann nicht zu Hause wohnen (und Geld sparen), man kann nicht bei Aldi einkaufen. Selbst Fernstudenten die niemals die Uni von innen sehen (Fernstudiengänge in den USA sind übrigens deutlich weiter entwickelt als in Deutschland), müssen Campus, Krankenversicherung und Essen mitbezahlen. Mein Fernstudium hätte mich so pro Semester 20k Dollar gekostet…

4. Es ist Studenten erlaubt zu arbeiten. Wer es nicht macht …

Fazit: Amis müssen nicht mit einen Berg von Schulden von der Uni gehen. Sie können es aber. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass in Deutschland Steuerzahler für Hobby-Studenten bezahlen und den USA jeder selbst die Rechnung bekommt.


Peter2
30.4.2015 8:19
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Hier der andere Peter 😉

@peter: Ja, das kommt raus, wenn Inkompetente Professor spielen dürfen. Gute Professoren fühlen sich nicht bedroht, wenn Studenten eine andere Meinung haben, sie sind in der Lage, die Argumentation anzuerkennen, auch wenn sie sie nicht teilen.


Christian
30.4.2015 9:03
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@Fredi: Gut gebrüllt Löwe! 😀 Sowas kann grad morgens besser als Kaffee sein. Aber ad rem:
Du hast recht, es wäre besser gewesen zu schreiben “mir scheint, dass..” – denn es ist mein ganz persönlicher Eindruck.
Als ich an der Uni war, gab es Multikulti-Aktionen, Anti-Kriegs-Demos und am Rande irgendwelche Antifas. Mehr nicht. Ansonsten wollten die meisten einfach gut durchkommen, ne gute Zeit haben (birds, booze and…. hab ich vergessen) und das dürfte wohl heute nicht anders sein.
Es gab aber kein Gender, der Ausweis bestimmter Begriffe als diskriminierend hatte erst begonnen, dass Studenten “getriggert” werden könnten, gab es nicht (es sei denn vom anderen Geschlecht in einer bestimmten Weise) ;-), es gab keine Handys und Smartphones und das System war weniger verschult (Prä-Bologna) und es gab manchmal sogar interessante Debatten über dies und das – nachts an der Tankstelle beim Dosenbier etc.
Klar – man neigt zur Romantisierung, ich bestimmt auch, doch bleibt mein Eindruck eben der, dass
a) früher mehr Zeit und weniger Druck war, insofern
b) die Studis heute stromlinienförmiger und glatter sind (habe in den letzten Jahren genug Praktikanten in der Firma erlebt – aus dem Ei gepellt, aber keine eigenen, originellen Gedanken, cool wirkend, aber innerlich unsicher – nicht alle, Ausnahmen bestätigen die Regel)
c) die Studis einer medialen Dauerbeschallung unterliegen, was hip und was cool ist und was man denken sollte (und was nicht) und sie auch wegen dieser Dauerbeschallung
d) emotional hysterischer oder meinetwegen kindischer erscheinen (s. Reaktionen auf Tucge etc.)
Insofern die Studis auch als Spiegel der Gesellschaft – mehr Druck, weniger Zeit zum Denken und Reflektieren, mehr Anpassung ans System, weniger Hinterfragen von Dingen etc.
Soweit mein Eindruck.
Wie ist denn Deiner im Gegensatz dazu? Schildere doch mal, ich wäre gespannt, es zu erfahren.
Schönen Gruß
Christian


Dirk S
30.4.2015 9:05
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@ Peter

Klar würden Studiengebühren die Zahl der Studenten in Laberfächern verringern, aber sie würden nicht die Schlechten rauswerfen, sondern die Armen.

Was in dem Fall sogar noch ein Vorteil wäre, denn die mit vermögenden Eltern würden dann der Allgemeinheit nicht so sehr auf der Tasche liegen, während dann weniger von den armen Arbeitslosigkeitsstudenten direkt von der Uni in Hartz 4 wechseln. Volkswirtschaftlicher “Return of Invest” ist nun mal für die einen ungerecht. Genauso ist es ungerecht, dass mein beispielhafter Klempnergeselle nicht nur das Laberfachstudium mitfinanzieren soll, sondern auch noch die nachfolgende Grundsicherung. Ist das gerecht? Nein, ist es für den Klempnergesellen nicht. Des einen Gerechtigkeit ist des anderen Unrecht, Gerechtigkeit ist sehr stark vom Standpunkt abhängig. Also, ein Interessenausgleich muss her und der kann in variablen Studiengebühren liegen.

Was diese Fächer brauchen, sind höhere Standards. Dann fliegen eben in den ersten Semestern auch in Soziologie 80% raus, aber die, die übrig bleiben, sind richtig gute Soziologen. Und weil es dann weniger von ihnen gibt, finden sie auch alle einen guten Job.

Auch eine Möglichkeit, aber die wirst du in der derzeitigen politischen Lage vergessen können. Wir haben derzeit den Trend weg von der Leistung hin zum Formalismus. Damit bleiben höhre Standards erst einmal ein Traum. Wobei ich dir durchaus recht gebe, auch das wäre ein probates Mittel für einen Interessenausgleich mit denen, die den Spaß (mit-)bezahlen aber nicht nutzen (können/dürfen).

Gerächte Grüße,

Euer Dirk


JochenH
30.4.2015 10:02
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Ich glaube, dass neben den Quotenregelungen bald weitere Zwangsabgaben für Printmedien eingezogen werden. Die Zeitungen gehen kaputt, da sie eigentlich wie früher in der DDR die Fakten ignorierend Ideologie-Mist schreiben, der die Bürger nicht anspricht. Die Senioren lesen das verdrossen weiter, aber die U50-Bürger kaufen kaum noch diese Zeitungen und abonnieren sie nicht.

Darum denke ich wird man das System der Printpropaganda staatlich am Leben halten mit Gebühren. Das wiederum bringt die Zeitungen noch strammer auf Linie und wir kriegen dann in der Tat die Einheitsmeinung alternativlos.


Werner
30.4.2015 12:55
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Leicht OT: Mir ist gerade ein Buch von 2012 oder 13 in die Finger gekommen, Schlechte Medizin: Ein Wutbuch von Dr. med. Gunter Frank, in dem dieser die Studien auseinandernimmt, die das Expertenwissen zur Gesundheitsfürsorge und – vorsorge untermauern sollen. Das medizinische Fazit kann ich hier gleich sagen: Rauchen schadet der Gesundheit und verkürzt das Leben, das ist amtlich, alles andere ist laut dem Autor zweifelhaft bis widerlegt – aber darum geht es gar nicht. Das Buch ist für Laien (wie mich) ein netter Einstieg in die Kunst der Statistikfälschung und deren Aufdeckung. (Disclaimer: nein, ich verdiene am Verkauf nix!)

Es geht um Pseudo- wissenschaftlichen Klüngel zur Durchsetzung des eigenen finanziellen Vorteils bis hin zu glattem Betrug, hier vorgeführt anhand der statistisch (absichtlich?) fehlerhaften Auswertung von medizinischen Untersuchungen, die laut dem Autor teilweise das glatte Gegenteil von dem ausweisen, was nachher offiziell aus ihnen herausgelesen und politisch in diktatorische PC-konforme(!) Gesetze gegossen wird.

Wie er an einer Stelle richtig bemerkt, wo es Gewinner einer solchen Strategie gibt, da gibt es auch Verlierer (hier insbesondere die Kassenmitglieder und Patienten, über den Umweg der Fitness aber letztendlich alle Arbeitnehmer, Ärzte und sonstwie betroffene), aber leider verfestige sich wissenschaftlicher Humbug, solange er für die Gewinner nur genügend Geld abwirft.

Wie gesagt, der Inhalt, strikt aus dem Bereich der Medizin, läßt sich gut auf Themen hier in diesem Blog übertragen. 🙂

Scheint auch ein universelles Problem zu sein.


Fredi
30.4.2015 13:20
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@Christian:
Nun, meine Studienzeit ist jetzt gerade mal zwei Monate her (Master in Physik) und ich kann insofern zustimmen, dass das Studium stromlinienförmiger und geregelter ist. Man hat weniger Versuche für eine Klausur, der Notendruck ist stärker und der Arbeitsaufwand während des Semesters ist höher (zumindest bei uns, weil wir für fast jede Klausur Zulassungsvoraussetzungen haben: mind. 50% der Punkte in den Übungsaufgaben erreichen). Aber ansonsten? Es kommt wirklich stark darauf an, in was für einem Kreis man verkehrt. Ich kenne einen einzigen politisch korrekten Studenten, ein Informatiker ist das. Alle anderen sind völlig normale Menschen, und zu später Stunde in der Kneipe werden die Gespräche auch heutzutage zunehmend philosophischer bis philodoofischer. Und wirklich hart an der Grenze des guten Geschmacks. Ich habe mit dem AStA und der Fachschaft nur wenig zu tun gehabt, aber besonders politisch korrekt ging’s da nur selten zu. Ideologiedauerbeschallung? Nicht wirklich. Es steht allen frei, wegzuhören oder wegzusehen. Kein Problem. Von den Genderleuten habe ich hier nie was mitbekommen, aber die haben in meinem Fachgebiet auch nichts zu melden. Aber auch von anderen habe ich nie was gehört. Aus meiner Perspektive (welche Physiker, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker und einen Germanisten umfasst) ist das Studentenleben noch so wie immer. Nur, dass der Lehrplan strikter ist. Und zumindest bei uns wird eigenständiges Denken weiterhin groß geschrieben. Einfach, weil es ohne nicht geht, mit Auswendiglernen kommt man da einfach nicht weit. Man muss den Stoff verstehen und anwenden können.
Wie gesagt, es ist die Perspektive eines Physikers. Ein BWLer studiert sicherlich anders, und bei den Maschbauern läuft es wieder anders. Aber soweit ich es sehen kann, ist diese apokalyptische Vision von denkbefreiten Ideologiekämpfern, die hier ja gerne auftaucht, einfach nicht haltbar. Die gibt es, sicherlich. Hier kenne ich einen einzigen, und den mag niemand. Aber die sind eine zugegebenermaßen laute Minderheit, die einfach nicht repräsentativ ist. Das Abendland ist immer noch nicht untergegangen, und ich würde mich wirklich freuen, wenn diese bescheuerte Panikmache mal aufhören würde.


peter
30.4.2015 16:00
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Ahahahahaaaaa
„Sie können heute einfach andere Dinge als früher. Manches können sie besser, wie Präsentationen oder den Umgang mit digitalen Medien, manches schlechter wie Kopfrechnen oder Rechtschreibung.“

was für eine beknackte Aussage. Oder um mal die Erkenntnisse aus einem anderen Thread hier einzubeziehen: bald wird bei dem was die besser können “Wichsen” stehen.
http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kritik-an-studenten-ist-legitim-und-notwendig-13564263.html


Juergen Sprenger
1.5.2015 7:48
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Ich weiß gar nicht was ihre wollt. Das ist doch genau das, was seit Einführung der geistig-moralischen Wende allen eingebleut wurde getreu dem Motto ‘wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht’.

Wer heute eigenverantwortlich handelt muß sich nun mal zuerst um seine eigenen Ansprüche kümmern, denn die Verpflichtungen gegenüber anderen werden einem ganz von selbst von tausenden neunmalklugen Besserwissern nachgetragen.


Christian
1.5.2015 8:19
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@Fredi. Danke für die Antwort. Es stimmt – man (auch ich), neigt dazu, bestimmte Sachverhalte (an den Unis wird’s ideologischer) auch mal ungeprüft als gegeben anzusehen – daher sind Zustandsberichte wie der Deine (quasi von der Front) so wichtig. Und es ist schön, zu wissen, dass es noch philodoofische Gespräche unter Studenten gibt (die habe ich damals sehr genossen).
Auch an der Front sieht man freilich nicht immer alles. Daher noch drei Anmerkungen bzw. Fragen:
a) Du schreibst: „Aus meiner Sicht ist das Studentenleben noch so wie immer“. Das ist insofern falsch, da Du ja nicht beurteilen kannst, wie das Studentenleben vor 20 oder 40 Jahren war. Dass bei Euch keine Fackelaufmärsche stattfinden, wo ihr Genderparolen brüllt, will ich gerne glauben – die Zeit solcher Aktionen ist vorbei. Aber Dauerbeschallung geht auch subtiler vor sich.
Die Veränderungen im Denken, denen Du und Deine Kommilitonen u. U. unterliegen, können ja erst einsichtig werden beim Kontakt mit solchen, die andere Denkmuster aufweisen.
Ein Beispiel: Als ich Student war, führte ich lange Diskussionen mit arabischen, russischen, indonesischen, polnischen und anderen Studenten, die mein Weltbild an der ein oder anderen Stelle ankratzten. Bzw. merkte ich später, als ich selber in diesen Ländern war und/oder mehr gelernt hatte, wie westlich zentriert und falsch mein Bild an manchen Stellen gewesen war. Doch ich hatte es für gegeben hingenommen und nie hinterfragt.
Daher die Frage an Dich: Gibt es bei Euch noch wirklich kontroverse Diskussionen um so Dinge wie die Überwachung durch die NSA, die Entwicklung der Staatsschulden in der BRD, die Sinnhaftigkeit des kapitalistischen Systems, das Infragestellen der Darstellung offizieller Verlautbarungen, offizieller geschichtlicher Versionen (WK II, Holocaust etc.), Fragen zu False Flag Aktionen des Westens (MH 17, 9/11 o. ä.).? Das fände ich spannend, wieweit solche oder ähnliche Fragestellungen bei Euch diskutiert werden (gar nicht/manchmal)?
b) Drückt Ihr Euch denn selber noch politisch inkorrekt aus – verwendet also noch Begriffe wie Neger, Zigeuner, Negerkuss, macht Witze über Randgruppen (auch über Juden), lacht über Araber oder andere Nationen und nicht nur über Deutsche, macht Euch über den Nazischuldkult lustig etc. – gibt es das bei Euch auch, oder werden aus Deiner Sicht bestimmte Begriffe oder Witze über bestimmte Gruppen vermieden (man will ja nicht anecken – was dann schon PC ist und in gewisser Weise auch Indoktrination bzw. Steuerung)?
c) Wieweit beschäftigt Ihr Euch denn noch mit dem kulturellen Erbe Deutschlands oder des Westens? Sprich – gibt es unter Euch welche, die noch die Zeit finden (und die Lust haben) Nietzsche zu lesen oder Plutarch oder Celine oder die über philosophische Fragen aus deren Werken diskutieren. Oder einfach ins Staunen geraten durch manche Gedankengänge von Platon, Schopenhauer, Sartre etc.? Das fand ich nämlich damals an der Uni sehr schön, wenn auch mal Zeit für diese Sachen war – es gab damals auch etwas, das nannte sich Studium Generale und damit konnte man in fachfremde Vorlesungen rein hören, was ich sehr spannend fand. Und auch die Debatten, die sich daraus ergaben. Manches verstand ich freilich erst viel, viel später….

Es wäre nett, wenn Du dazu noch kurz Deine Erfahrungen bzw. Einschätzungen schildern könntest. Grazie. Ich schätze mal, dass manche der Veränderungen (durch Technik, Verschulung des Unibetriebes, weniger Zeit plus natürlich medialer Beschallung „dies ist so und dies ist so“ etc.) im Denken erst auffallen, wenn man eben mit anderen Denkmustern, anderen Formen der Darstellung konfrontiert wird. Das hoffe ich, dass dies noch manchen Studenten wiederfährt. Die Tatsache, dass Du auf diesem Blog bist, ist ja schon ein Nachweis einer gewissen Offenheit.
(Und ich hoffe, Studenten von heute feiern auch noch gerne! Das haben wir jedenfalls damals gern gemacht – werde nie vergessen, wie wir in betrunkenem Zustand einen Raum im Studentenwohnheim mit unseren Körpern oder Teilen derselben bemalt hatten – oder besser bedruckt – sprich, man setzt sich in einen Eimer Farbe und drückt dann den Allerwertesten an die Wand – oder andere Körperteile – das gab lustige Muster. Und damals lernte ich: Frauenbusen schlägt Männerpo! Jedenfalls was die Schönheit des Abdrucks angeht). 🙂
Schönen Gruß
Christian


quarc
3.5.2015 1:33
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Einmal angenommen, die Generation der heute 20-30jährigen wäre so besonders anspruchsvoll — von wem hätten sie das denn wohl gelernt? Es sieht nicht so aus, also ob die “Baby-Boomer” (also der heute 50-65jährigen) allzuviel Anlass hätten, sich als Vorbilder selbst auf die Schulter zu klopfen.

Der Zeitungsartikel bezieht sich ja in erster Linie auf die heutigen Studenten. Überzeugt hat er mich nicht so recht, meine Beobachtungen sind deutlich anders. Mögliche Gründe für die andere Sicht des Autors:

– Einwandererfamilien sind häufig mit einer deutlich höheren Leistungsbereitschaft ausgestattet als die bereits hier lebenden. Außerdem bringen sie oft ein antiquiertes Deutschlandbild mit. Dies führt dann zu Entäuschungen. Es ist nicht verwunderlich, wenn der Autor seine eingeborenen Altersgenossen als schlappe Weicheier wahrnimmt.

– der Autor studiert “Wirtschaftswissenschaften”, also ein Fach, zu dessen Bewältigung bereits die kognitive Ausstattung eines Toastbrotes ausreicht. Es ist daher ebenfalls nicht verwunderlich, dass er das Studium auch noch mit Arbeit und “Kontakte knüpfen” vereinbaren kann. Das ist nicht überall so.

Möglicherweise ist der Versuch der Wiederbelebung der gescheiterten Studiengebühren auch schon Bestandteil dieses Knüpfens von Kontakten, indem er sich entsprechend bei Proponenten der Gebühren andienen möchte. Das immer wieder neu aufgelegte Füllersche Argument, ein gebührenfreies Studien sei ungerecht, weil dann “die Kassiererin mit ihren Steuern das gebührenfreie Studium des Arztes finanziert”, setzt voraus, dass das Kind der Kassiererin gar nicht erst studieren kann. Denn diese Steuerfinanzierung vollzieht sich in der Regel nicht horizontal innerhalb einer Alterskohorte (wobei man dann auch gleich Schulgebühren für die Sek II fordern könnte), sondern in Richtung der jeweils nachfolgenden Generation. Sowohl der Arzt als auch die Kassiererin finanzieren also dejenigen Generation ein Studium, in der sich auch ihre eigenen Kinder befinden. Man kann sich nun ausmalen, welches Kind denn wohl durch zusätzliche Studiengebühren eher belastet und gegebenenfalls vom Studium abgeschreckt wird.