Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kulturelle Selbstvermüllung

Hadmut
12.7.2014 1:00

Da kann man mal sehen, was daraus wird, wenn man jedem Trend hinterherläuft.

Geschätzte 700.000 Leute sind in Deutschland mit ihren Tattoos unzufrieden und wollen sie loswerden.

Selbst schuld. Wer nach der ersten Arschgeweih-Welle, nach der ja Leute auch sowas von out herumliefen wie Manta-Fahrer mit Fuchsschwanz (einen Manta konnte man aber leichter verschrotten) immer noch nichts gelernt hat… tja.

Wobei mir ja gerade hier in Berlin mit der enorm hohen Tattoo-Quote immer wieder auffällt, dass das eigentlich gar nichts mit Kunst zu tun hat, sondern mehr so eine Art Auto-Vandalismus. Graffiti an sich selbst statt an Häusern.

Ich habe mich immer gefragt, wie die Tätowierer das eigentlich machen. Jeder Maler, jeder Comic-Zeichner kritzelt das erst mal grob vor, bevor er dann richtig loslegt. Neulich habe ich die Antwort gefunden. Da saß mir eine in der S-Bahn gegenüber, den Oberkörper zumindest auf einer Seite komplett und flächendeckend zugedonnert, aber sah alles aus wie Probegekritzel. So wie man bei einem Telefonat so nebenher auf dem Papier rumschrabbelt.

Kein Wunder, dass das jetzt ein Riesen-Geschäft entsteht, um den Müll wieder loszuwerden.

Man könnte mit etwas Grips ja mal drüber nachdenken, ob es wirklich sinnvoll ist, allen diesen Modewellen zu folgen, oder ob die vielleicht manchmal nur völliger Bullshit sind.

Schön ist auch der Vergleich aus der WELT mit der Vokuhila-Frisur. Hatte auch mal fast jeder, wirkte dann aber auch total bescheuert. War aber eben leicht zu ändern.

Ich habe schon mehrfach gelesen, dass es bei den Tattoo-Farben keine Standards gibt und da jeder anrührt, was gerade noch im Keller rumstand und vom letzten Lackieren übrig war. Könnte noch interessante Spätfolgen geben. Mir sagte mal eine Röntgen-Assistentin im Krankenhaus, dass man bei manchen Leuten auf den Röntgenbildern die Schatten der Tattoos sehen kann, weil da manchmal irgendwelche metallhaltigen Farben verwendet wurden.

Was mich schon zu einer juristischen Frage bewegt hat: Oft sieht man ja auf Bildern, dass Leute, die zufällig im Hintergrund rumlaufen, im Gesicht verpixelt oder unscharf gemacht wurden, damit man sie nicht erkennen kann. (Neulich irgendwo was Witziges gesehen: Da hat einer den Leuten zur Anonymisierung per photoshop den ganzen Kopf weggesägt, da laufen dann Leute ohne Kopf herum.) Was aber, wenn man Leute am Tattoo erkennen könnte? Muss man die dann auch verpixeln?


20 Kommentare (RSS-Feed)

Caless
12.7.2014 2:07
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Hatte mal eine Seminararbeit eines Kollegen gesehen, der hat etwas Material zusammengesucht um automatische Tattooerkenung zu machen. Dreimal darf geraten werden, welche Institution sich damit am ausfuehrlichsten beschaeftigt hat?


kokko
12.7.2014 2:31
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Ich habe mich immer gefragt, wie die Tätowierer das eigentlich machen.

Es gibt für die Umrisse so Papier auf dem man das Motiv aufmalt (+Chemikalenzeug dazugibt?) und das dann wie so ein Aufklebetattoo ist. Dieses wird auf die Haut aufgebracht und dort dann mit der Nadel nachgezogen.

Einige Sachen werden auch mit Stift direkt live auf die Haut gemalt und dann nachtättoowiert – muss man künstlerisch halt etwas begabt sein, weil man zwar vorher das Bild sich ordentlich auf Papier vormalen kann aber dann auf beim per Hand-auf-die-Haut-übertragen nicht mehr stundenlang rumzeichen und probieren kann

Meine Einstellung zu tattoos ist:
entweder ganz oder gar nicht
dh entweder man macht ein richtiges Gesamt-Kunstwerk draus (mit dem man dann auch ein bestimmtes Ereignis/Gefühl/Wunsch verbindet) oder man lässt es bleiben
Bsp
http://www.design-tattoos.info/wp-content/uploads/2012/01/Free-Tiger-Tattoo-Design-for-Men-Back.jpg

Und dies ist auch der Grund warum ich wahrscheinlich nie eins haben werde, denn sowas ist etwas teuer…

Andere Leute machen sich zu jedem einschneidenden Lebensereignis ein neues kleines und haben dann einen Flickenteppich aus lauter nicht immer zusammenpassenden Sachen – aber die Funktion dort ist ja nicht ein harmonisches Gesamtkunstwerk sondern eher sowas wie Verarbeitung/Dokumentation des Geschehenen + man hat am Ende ein “Fotoalbum” des eigenen Lebens, wo man dann in chronologischer Abfolge der tattoos in Erinnerungen schwelgen kann.

Wieder andere machen sich nen lustig/blödes tattoo – wie eine Uhr ans Handgelenk, weil sie ihre richtige Uhr sowieso immer vergessen umzumachen oder was weiß ich.

Und wieder andere machen sich halt nen paar schwarze tribal-Striche, weil das grade cool ist…

___
PS
kann mir nicht vorstellen, dass es bzgl der Farben in Deutschland keine Einschränkungen gibt


Olivetti
12.7.2014 2:37
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>Was aber, wenn man Leute am Tattoo erkennen könnte?

Was heisst könnte. G-Such/Stichworte: “Anne Helm” Dresden Herz-Tattoo.


kokko
12.7.2014 2:40
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PPS: hab mal in ner Doku gehört, dass man als Tattoowierer sich auch selbst als Versuchsobjekt nutzt. Denn allzuviele andere Freiwillige, an denen man neue Sachen ausprobieren (und ggf scheitern) kann wird es sicher nicht geben – selbst wenn man es kostenlos macht. Und Tierhäute (Schwein?) sind vielleicht menschenähnlich und können zum Üben benutzt werden, aber sie sind eben nicht das selbe wie Menschenhaut an der dann auch noch ein Mensch dranhängt.


Sexualtherapeut
12.7.2014 4:04
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Tattoos verändern sich leider mit der Zeit. Wenn sich eine Frau vor der Ehe einen Schmetterling auf die Haut tätowiert hat lassen, kann nach der Hochzeit daraus schnell ein Adler werden.

Außerdem sind BerlinerInnen sehr hässliche Menschen. Deswegen zieht es in diese Stadt Hässlons von überall heran. Beispielsweise Informatiker, weswegen dort die Start-Up Szene zur Größten in Deutschland angewachsen ist. Zugleich sind auf attraktive Menschen fremdenfeindliche Übergriffe keine Seltenheit. So haben Schönlinge nur die Wahl sich irgendwie dem “ugly style” anzuschließen, weil sie es charakterlich nicht durchhalten bei sich selbst zu bleiben, während sie als Aussätzige von der hässlichen Masse unterdrückt werden.


Michael
12.7.2014 6:45
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Gut, wenn es nun den Tattoo-Radiergummi gibt, kann man sich doch gleich das nächste stechen lassen. Die Jugendzeitschriften führen die Kinder auch mit solchen Klebern für die Hand an ihr späteres Tattoo heran. In jedem Fall ein großes Geschäft für Menschen mit kleinem Charakter.
Ich kannte so was nur von verkommenen Seefahrern und Nazis, daß die so was in die Haut gemacht haben.
Und man sieht wie resistent Kulturen gegen Moden sind. Bei der Adolf-oder Marx-Mode gab/gibt es auch nie echten Widerstand. Insofern auch ein Prüfstein zur Ideologie-Resistenz einer Bevölkerung.


Jens
12.7.2014 7:52
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“Was aber, wenn man Leute am Tattoo erkennen könnte? Muss man die dann auch verpixeln?”

Bombergate ist bekannt?


nullplan
12.7.2014 8:11
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Ach ja, Tatoos. Erinnert mich an einen ehemaligen Kommilitonen, der sich den Namen seiner Freundin aufs Bein tätowieren ließ. Alle, die ihn kannten (mit Ausnahme der Freundin natürlich) warnten ihn, das wirklich nur dann zu machen, wenn er sich ganz sicher ist, mit ihr für den Rest seines Lebens zusammen sein zu wollen. Er winkte ab. Ein halbes Jahr später waren die beiden auseinander und er hatte schon die nächste Freundin. Und er redete davon, wie er jetzt einen Laden finden will, um das Tatoo wieder los zu werden. Und alle, die ihn kannten, sagten “Told you so!”


Julius
12.7.2014 8:46
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Bzgl. der Qualität und Nachhaltigkeit der Arbeit: Geiz ist nicht immer geil. Ein anständiger, ehrbarer Tättowierer arbeitet selbstverständlich mit Schablonen und “gesunden” Farben. Und man kann sich Arbeitsproben des Tätowierers ansehen, ob einem Stil etc. zusagt. Der kostet aber auch das Geld eines Fachmannes.
Wer halt “irgendwen” ranlässt, weil es die Hälfte kostet: Selber schuld.

Eine ähnliche wie die Privacy-Frage habe ich neulich im Netz gelesen: Hat der Tättowierer (ohne eine ausdrückliche Abtretungserklärung in einem schriftlichen Vertrag) Urheberrechte an seinen Werken, d.h. kann er den Tättowierten (kostenpflichtig, Geeeeld!) abmahnen wenn Dieser das Werk (das Tatoo) verbreitet (z.B. durch Photographieren und evt. nachfolgender Veröffentlichung)?


Holger
12.7.2014 8:52
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Und richtig interessant wird die Frage, wer für die Beseitigung der Körperkunst bezahlt. Da sollte sich doch ein Weg finden lassen, das wegen der psychischen Folgen der Krankenkasse anzulasten. Viel besser als die Tattoos finde ich die 2 cm Bohrungen in der Ohrlappen, wie bekommt man sowas wieder entfernt?


Julius
12.7.2014 9:23
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@Sexualtherapeut: ??? Vielleicht mal einen Kollegen aufsuchen? (Nein, ich bin kein Berliner)

@Michael: Die Aufkleber-Tattoos gab’s doch schon in den 70ern. Und die “verkommenen Nazis” hätten Dir was gehustet, wenn Du tättowiert da angetanzt wärest. Deren Tattoos waren nur zur Markierung/Identifikation. Du meinst evt. Neonazis? Die “verkommenen Knackis” hast Du auch vergessen.

@Holger: Bzgl. der Ohren: Google mal “van Gogh” 😉


yasar
12.7.2014 9:34
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> Viel besser als die Tattoos finde ich die 2 cm Bohrungen in der Ohrlappen, wie bekommt man sowas wieder entfernt?

Ohr Abschneiden. Zählt dann als “Kunst”.


yasar
12.7.2014 9:43
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Wenn man sich Bilder von mehrere jahre alten Tattoos anschaut, sollte es eigentlich jedem vernünftigen Menshcnen klar sein, was man sich da antut.

Imho sollte man wenigstens einführe, daß sich jeder strafbar macht, der Kindern und Jugendlichen unter 21 (ja, 21) Jahren ein tattoo erlaubt oder sticht. Ab dem Alter sollten die meisten vernünftig genug sein, die Folgen zu beurteilen.

Und zu den Kosten: Tattoo-Entfernung sollte in keinem einzigen Fall auf Gemeinschaftskosten geduldet werden. Die einzige Ausnahme wäre imho wenn man ein “Zwangstattoo” bekommen hat, wie z.B. die Vampirsklaven in Blade.


Sexualtherapeut
12.7.2014 10:22
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@Julius
Noch kein Berliner? In eine der jeweilig genannten Gruppen dürftest du dich jedoch schon einordnen lassen. 😉

Auch relevant: http://www.zeit.de/2012/05/Gesellschaftskritik-Tattoos


Cpt.Chilli
12.7.2014 10:42
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@Holger

Du meinst die Riesenösen im Ohrläppchen? Das ist relativ einfach, da jede Menge Überschussmaterial vorhanden ist. Die Dinger wirken ja wie ein Gewebeexpander, den plastische Chirurgen in Fällen von Mangel an verschiebefähigem Gewebe implantieren, um per Wachstum die Haut zu dehnen und zu vermehren.

Einfache Y-Plastik oder auch doppelte, vorher die Kontaktfläche zur Öse exzidieren, feine Subcutannaht, absteppen, fertig ist die Laube.

Schwieriger, weil oft mit Komplikationen einhergehend, ist es, die Schlitze zu verschließen, die entstehen, wenn die Froilleins kiloschweres Geschmeide mit den Ohren herumschleppen. Nicht selten bleiben das Schlitzohren, die nach dem Eingriff natürlich noch unästhetischer aussehen als zuvor schon.


Missingno.
12.7.2014 12:03
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Was mich schon zu einer juristischen Frage bewegt hat: Oft sieht man ja auf Bildern, dass Leute, die zufällig im Hintergrund rumlaufen, im Gesicht verpixelt oder unscharf gemacht wurden, damit man sie nicht erkennen kann. (Neulich irgendwo was Witziges gesehen: Da hat einer den Leuten zur Anonymisierung per photoshop den ganzen Kopf weggesägt, da laufen dann Leute ohne Kopf herum.) Was aber, wenn man Leute am Tattoo erkennen könnte? Muss man die dann auch verpixeln?

Ja, muss/müsste man.
Vgl. auch http://www.golem.de/news/getty-images-fotograf-muss-freigabe-fuer-tatoo-foto-einholen-1208-94155.html


Matze
12.7.2014 12:23
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“Was aber, wenn man Leute am Tattoo erkennen könnte? Muss man die dann auch verpixeln?”

Das war doch ein fester Bestandteil dieser extrem peinlichen #bombergate Affäre in der Piratenpartei. Diese Abgeordnete aus Berlin hatte da ja in Dresden blank gezogen und später dementiert, das Sie es auf dem Foto sei. Später musste Sie das ja kleinlaut zugeben, weil der mediale Druck zu stark wurde.

http://www.taz.de/!133432/


brak
12.7.2014 15:07
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3.Mose 19,28 – 3.Mose 21,5
Zitat: Ihr sollt kein Mal um eines Toten willen an eurem Leibe reißen noch Buchstaben an euch ätzen; denn ich bin der HERR.

Das ist die mosaische Begründung, es gibt noch eine magische und eine der bloßem rationalen Vernunft, nämlich, gesund bleiben zu wollen und nichts in dieser Richtung zu riskieren …..


janndh
12.7.2014 22:50
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@brak

Nimm aus den ollen schriften mal das ganze religionsgeblubber raus, und am ende hat man einen Gesundheitsratgeber und Lebensmittelrechtliche Verordnungen.

Ich gehe stark davon aus das auch vor 5000 Jahren schon viele clevere Leute rumgelaufen sind die bemerkthaben das eben zb. dieses wasserreiche Schweinefleisch im schwülwarmen Gebiet keine gute Nahrung ist.

Nur wie das den Leuten beibringen? Da es die Aufklärung ja noch nicht gab, also für die meisten auch Sachen wie Sonnenaufgang oder Mondfinsternis das Handekn eines Gottes wahr, na da liegt es docg nahe die Überlebensregeln als Gottes willen zu verkünden.

Man stelle sich mal vor in 2000 Jahren findet jemand in einer Höhle ein paar Bücher aus unserer Zeit, einen Harry Potter, ( aber nur band zwei, fünf und sechs)
Dann noch ein paar Fragmente von Shade of grey und zu guter Letzt dann noch ein paar Teile von der amerikanischen Verfassung, und vielleicht die Hälfte einer kommentierten Ausgabe von BGB.
Juhu, was eine religiös anfällige Gesellschafft darus sich baxteln würde, das könnte Lustig werden 🙂


TOPCTEH
13.7.2014 18:36
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Hiermit bekommt man es wieder weg: http://cheezburger.com/6394362880