Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Politische Rechtschreibung

Hadmut
3.7.2014 18:57

WELT berichtet (danke für den Link), dass nur noch jeder fünfte Schüler der neunten Schulstufe in Deutschland die deutsche Rechtschreibung beherrsche.

Naja, die Aussage ist fragwürdig, denn was genau heißt „beherrschen”? Komplett fehlerfrei wird das kaum jemand können, aber wo will man die Grenze setzen und wie will man das messen? Mit einem Normtext? Bis 3 Fehler gilt als Beherrschen, aber 4 Fehler ist „Idiot”?

Zustimmen muss ich aber, dass ich auch an mir selbst beobachte, dass ich massiv abgebaut habe. Meinen höchsten Bildungsstand in dieser Hinsicht hatte ich ungefähr zum Abitur. Da war ich zwar literarisch schlecht, aber in Orthographie, Grammatik und angrenzenden Bereichen sehr gut. Einen gewissen Verlust habe ich natürlich bei der Bundeswehr (da konnten einige so gar nicht lesen und schreiben, und als Abiturient war man da ein Bildungsmonster) erlebt, vor allem aber an der Universität in Informatik. Da kamen lange Jahre eigentlich keine natürlichsprachlichen Text vor, nur Computer-Zeugs. Und wenn Texte, dann englisch.

Tatsächlich aber war ein Knackpunkt, an dem ich viel von meinem Orthographiegefühl verloren habe, eben jene Rechtschreibreform, die ich lange Zeit komplett abgelehnt und bis heute nicht verstanden, weil nicht drum gekümmert habe. Die einzige Neuerung, die ich angenommen habe, und das auch nur wegen des Buches, war, das kurze ß nun als ss zu schreiben. Sieht zwar nicht schön aus, aber ist die einzige Neuerung, die mir zwar nicht sprachlogisch, weil rein phonetisch und nicht etymologisch, aber immerhin als einfache Regel konsistent vorkommt. Schon damals hatte ich aber den Eindruck, dass die Reform von Leuten ohne jedes Sprachgefühl und ohne etymologisches Wissen gemacht wurde, und sich mehr daran richtete, dem Dummen die Sprache darzureichen, als die Sprache zu verbessern. Denn Sprache dem Dummen zu erleichtern, heißt überhaupt nicht, sie zu verbessern. Und auch sie zu politisieren, hilft nicht, wie man an diesem unsäglich dummen Gender-Gekrache feststellt. Komischerweise scheinen gerade Kultusminister, Linguisten, Feministen usw. am wenigsten verstanden zu haben, worauf es bei Sprache ankommt, nämlich dem Empfänger dessen Rezeption zu erleichtern. Sprache dient nicht dem Sprechen, sondern dem Hören. Schrift soll nicht leicht fallen, sondern leicht lesbar sein. Sie soll mitteilen und nicht von unerwünschten Informationen gereinigt werden.

Komm mir noch einer von diesen Deppen, die immer erklären, Sprache ändere sich, sei kreativ, dem Wandel unterzogen. Klar, solange man mit sich selbst oder der Parkuhr spricht, also keiner zuhört. Oder solchen Mist absondert, dass ohnehin keiner zuhören oder es lesen will.

Jedenfalls habe ich gemerkt, dass dabei auch mein Gefühl für und mein Wissen über Rechtschreibung enormen Schaden genommen haben, zumal ich gelegentlich beobachte, dass es eigentlich keine Rechtschreibung im engeren Sinne mehr gibt, sondern sich da so eine gewisse Willkür breit macht.

Was aber gerade vor dem heutigen politischen Hintergrund, nämlich dem Unterfangen der Soziologen und benachbarter „Geisteswissenschaftler”, die Gesellschaft und jegliches Wissen zu zertrümmern, alles auf total dumm und willkürlich herunterzufahren (um die Welt ihresgleichen anzupassen), interessant ist, ist die Überlegung, ob hinter der Rechtschreibreform nicht etwa – wie es damals hieß – der Versuch stand, Sprache zu erleichtern, sondern ein politisches Unterfangen gestanden haben soll:

Dabei ist allein der Eindruck irrig, dass die Reform aus einem echten gesellschaftlichen Bedürfnis erwachsen sei und die Fachwissenschaft geschlossen hinter ihr stehe. In Wahrheit war sie das Anliegen einer kleinen Gruppe von Linguisten um den Siegener Germanisten Gerhard Augst, die im “elaborierten Code” der geltenden Rechtschreibung ein Instrument zur “Unterdrückung” breiter Volksschichten sahen und die Sprachgemeinschaft aus solcher Regelknechtschaft “befreien” wollten.

Hören wir den gleichen Mist nicht gerade von Feministin zum Thema Sexismus und „Truth Regime”? Und von solchen Schwachköpfen haben wir uns – als hätten wir nichts Wichtigeres zu tun – eine hyperidiotische Rechtschreibreform aufdrängen lassen?

Nach dem, was die WELT da schreibt (und das entspricht meinem Eindruck), hat die Reform uns gar nichts gebracht außer Verwirrung, und enorm geschadet. Der Prozentsatz derer, die ordentlich schreiben können, sei massiv gesunken, die Kluft dafür gewachsen. Keine Vorteile, nur Nachteile. Wie immer, bei solchen linksgerichteten Projekten.

Was mag uns der Schwachsinn volkswirtschaftlich gekostet haben? Die ganze Arbeitszeit der Ein- und Umarbeitung, das Ändern von Texten, all die neuen Schulbücher? Hat vermutlich Milliarden gekostet und nichts als erhebliche Nachteile gebracht.

Warum geht man dem nicht mal nach und klärt das auf, wie dieser Blödsinn eigentlich zustandekam, um zu verhindern, dass so etwas erneut passiert? Denn dieses ganze dämliche Sprachgegendere ist ja eigentlich nichts anderes, als den Blödsinn zu wiederholen. Wieder müssen Bücher – ob nun Pippi Langstrumpf oder Schulbücher – geändert und neu gekauft werden.


49 Kommentare (RSS-Feed)

jan
3.7.2014 19:17
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Rechtschreibung ist ein Ideal.

Es ist sehr gut wenn ich einen Text lese und der im Prinzip fehlerfrei ist.

Allein durch das lesen dieses Ideals verbessert sich meine Fähigkeit, Texte mit weniger Grammatik- und Rechtschreibfehlern zu schreiben.

Aber das ganze ist kein Selbstzweck.

Wichtig ist ja der Inhalt eines Textes.

Und eine Germanistiker, oder jemand mit Abitur und Deutsch Leistungskurs wird in der Regel besser bzw. richtiger schreiben wie ich.

(Ich hoffe zumindest das es ist, ansonsten hat derjenige sein Abitur zu Unrecht)

Was ich nervig oder Seltsam finde sind Ausdrücke wie Tu- oder Dingwörter,
Da versteh ich immer Bahnhof.

Zu meiner Schulzeit gabs nur Verben, adkektive, Pronomen usw, also die lateinisierten Bezeichner. Mit den eingedeutschtennkomm ich nicht klar.

Ansonsten, Rechtschreibfehler sind mir relativ egal, einzig das komplett unterlassen von groß/kleinschreibung. Das muss wirklich nicht sein.
Und Schachtelsätze, ist auch extrem unschön zu lesen.


Hadmut
3.7.2014 19:59
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@jan: Neulich hat hier irgendwer Kommentare nur in Kleinbuchstaben abgegeben. Da gab es gleich heftige Reaktionen, weil man das kaum lesen konnte. Ist mit Rechtschreibung genauso.


aristo
3.7.2014 19:26
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Der Knaller ist aber, das nun gefordert wird, Kinder sollen so schreiben wie sie es hören! Lautschrift sozusagen. “Ich kome heute speter.”


phaidros52
3.7.2014 19:28
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Wenn ich mich recht erinnere, war die Bildungshoheit der Länder ein Problem. Daher musste aus jedem Ländle mind. ein Lebenslänglicher an einem Tisch mitsitzen und seinen Quark auch den “Fachleuten” (ich kann Professoren einfach nicht mehr ernst nehmen nach deinen Berichten) und wer weiß wem sonst noch verklickern. Hat so ca. 10 Jahre gedauert.

Herausgekommen ist ein Riesenschwachsinn, der mich als Journalist und Übersetzer aber auf den Punkt genau trifft. Wenn ich nicht nach dem ausgewürfelten Regelwerk schreibe, gibt’s Honorarabzug…

Das größte Versäumnis ist aus meiner Sicht, dass man nicht die Kleinschreibung nach englischem Vorbild eingeführt hat. Alles klein, bis auf Satzanfang und Eigennamen. Das versteht auch der Bildungskümmerling, der sonst nur meint:” Ich geh voll Komma ej”.


jan
3.7.2014 19:31
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Ach ja,
Ich habs eben vergessen noch zu tippen, das die Schüler immer weniger lernen:
Es liegt wohl auch daran das Schulen immer schlechter werden.

Übergrosse Klassen, schlecht ausgestattet, Lehrer die nicht motiviert sind. Usw.

Volker Pispers hatte da mal was in seinem Programm dazu.

Natürlich kostet es viel Geld Schulen auszubauen.
Natürlich ist es teuer Klassen zu verkleinern, und maximal 16 Schüler in einer Klasse zu haben.

Aber eine Idiotenausbildung, die dürfte auf jedenfall auf längere Sicht teurer werden.

Aber die Doktrin ist ja alle sind gkeich und jeder kann alles sein.
Also braucht man ja auch keine individuelle Bildung und Förderung mehr.

Talentförderung gibts höchstens noch im örtlichen Fussballverein.

Alle sind geich und jeder kann alles können, und das in einer Arbeitsteiligen Gesellschafft, das tut echt weh.


Heinz
3.7.2014 19:47
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> dass es eigentlich keine Rechtschreibung im engeren Sinne mehr gibt, sondern sich da so eine gewisse Willkür breit macht.

nicht zuletzt wegen der Rechtschreibreformen, die genau das erlauben.


Andreas
3.7.2014 20:31
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> jemand mit Abitur und Deutsch Leistungskurs wird in der Regel besser bzw. richtiger schreiben wie ich.

Entweder haben wir den gleichen Humor oder Du hast den Fehler aus Versehen gemacht… Auf jeden Fall: http://www.youtube.com/watch?v=U5z18bxoCzg#t=1m18

🙂


yasar
3.7.2014 20:45
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Übergroße Klassen könne nicht allein der Grund sein. Zu miner Schulzeit waren wir über 40 kinder in der Grundschulklasse und und 35 bis 39 in den Unterstufenklassen. Stpäter richtugn Oberstufe waren das dann durch “natürliche Auslese” dann imerm weniger, bis man bei kannp über 30 pro Klasse ankam.

Es sind imho eher die verkorksten Lehrpläne, Experimente mit neuen Lernmethoden, Schwerpunkte auf falsche Aspekte (Hörschreiben statt Rechtschreiben), Fixierung auf “neue Medien” statt den Computer und Taschenrechern bis in die Mittelstufe aus dem Unterricht zu verbannen. Durch die Powerpoint-GFS lernen die Kinder frühzeitig nur, daß es auf die Form und nicht auf den Inhalt ankommt. Mein Junior, der seine Gehaltvolle Präsentation nur mit Tafelanschrieb und freier Rede vorträgt, kommt deutlich schechter weg als ein Blender, der eine bunte Powerpointshow vorlegt.

Apropos Rechtschreibung: zu Zeiten meines Abiturs war meine auch auf dem Höhepunkt, udn meine deutschnote war zwiegespalten. Alles was sich mit Regeln erfassen ließ (Grammtik rechtschreibung & co.) ist mir sozusagen in Fleisch und Blut übergeangen. Nur als Literat taugte ich nciht, oder bessr geagt, der Lehrer hatte andere Ansichten, was an Inhalten wichtig war. 🙂

Das Sprachgefühl ist zwar trotz Informatik und viel Englisch immer noch einigermaen da (nach alter Rechtschreibung), aber was mir heutzutage zu schaffen macht, sind die vielen Tippfehler, die in meine Fingern inzwischen festverdrahtet zu sein scheinen. Wenn ich schnell tippe mache ich diese Fehler garantiert.


euchrid eucrow
3.7.2014 20:47
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@jan
und jetzt lass mal die viel gelobte inklusion in vollem umfang hinzu kommen. da wird es einen weiteren einbruch geben.
wer kinder im schulfähigen alter hat wird bestätigen können, dass lehrerwechsel, klassenumgestaltungen und ausfallstunden in grundschulen nichts ungewöhnliches sind. es wird noch lustiger werden, wenn die lehrer mehrfach ihre sechs wochen krank mit einem f-schein* in anpruch nehmen oder gar länger.
* http://www.icd-code.de/icd/code/F00-F99.html

@hadmut
bei uns ging damals das gerücht um, dass die rechtschreibreform von der schulbuchlobby ausging um die karten der schulbuchverlage neu zu mischen damit, kurzfristig oder wenigstens auf lange sicht kurzfristig, kapital in die kassen gespült wird.
wirtschaftliche interessen halte ich für plausibler als das geschwafel von einem germanisten der versucht, sich als ein neuer luther zu etablieren.

btw: beim ausfüllen der bücherzettel unserer kinder ist mir aufgefallen, dass überdurchschnittlich oft der verlag “volk und wissen” vertreten war (sachsen-anhalt). die werde ich mal gesondert unter die lupe nehmen.


Das mit dem ß ist keine Neuerung. Das hat ein Herr Heise 1820 erfunden. Er beherrschte seine eigene Regel nicht und schrieb immer anders, weil es eine Sache der Aussprache ist. Welche Vorteile ergeben sich, wenn man jetzt solchen Quatsch einführt? Die bisherige Regel, nach Adelung, ss wird zu ß, außer an Trennstellen, ist einfach und gut. Die Schreibung kann jeder jederzeit herleiten.

Carsten

noch ein Selbstmord mit zwei Patronenhülsen / Vera Brühne
http://www.youtube.com/watch?v=c31eQ1IEtV0


Urbs
3.7.2014 21:06
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@aristo

Deine Bemerkung hat einen durchaus ernsthaften, von dir wohl nicht so intendieren Hintergrund.

Wenn man in Kurzschrift (Stenographie) schreibt, führt man in der Tat häufig solche Transformationen “nach Gehör” durch, um schneller zu schreiben, und wendet die (nach Duden) korrekte Schreibung nur dann an, wenn es Verwechselungen geben könnte – das kann jede in Stenographie erfahrene Sekretärin bestätigen. Dies ist auch der Grund, warum man erst mit Stenographie lernen beginnen sollte, wenn man sicher in der deutschen Rechtschreibung und Zeichensetzung ist.

Natürlich wird im Allgemeinen verlangt, dass wenn man die Stenogramme in Langschrift transkribiert, dies unter Anwendung der amtlichen Rechtschreibregeln erfolgt. 🙂


jan
3.7.2014 21:07
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@hadmut

Ja ich weiß, hab ich mitbekommen.

Aber lesbar war sein Text durchaus. Er hätte es ja auch als mp3/podcast bfingen können. Da merkt man dann nichts von groß oder kleinschribung.

Darauf wollte ich eigentlich hinaus mit der unterscheidung von Inhalt und Form.

So wichtig können die Kapitalien nicht sein, denn im gesprochenen gibt es xie ja nicht.


Pete
3.7.2014 21:27
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Moeglicherweise hier OT, Hadmut kennt es wahrscheinlich schon, aber ich will euch diese Anleitung zur perfekten Rechtschreibung zum Zwecke der Erbauung nicht vorenthalten:
http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4/

Immer wieder nur http://www.lachschon.de/item/109456-DoubleFacepalm/


Hatice Schwarzer
3.7.2014 21:50
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Ich schlage vor die Leute lesen sich ein wenig in den Ableismus ein. Zum einen um einen Geschmack dafür zu bekommen, was uns demnächst bevorsteht und zum anderen um einen Blick in die Zukunft zu werfen, wo Sprache hingeht.

Sprache darf nämlich niemanden diskriminieren, insbesondere den nicht, der diese nicht vollständig beherrscht. Dazu muss Sprache von allem befreit werden, das ein Verstehen für den Dümmsten im Raum erschwert. Das endet dann also in Grunzlauten oder Kiezdeutsch.

Verfechter des Ableismus halten gerade an der HU Einzug. Es ist davon auszugehen, dass es nicht mehr lange dauert bis sich auch Piraten und Faschis … Grüne damit befassen und uns das Thema politisch näher bringen.


pjüsel
3.7.2014 22:08
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@Jan: ist das jetzt von Dir Absicht gewesen, alles mit ss anstatt ß zu schreiben, oder kann Dein Computer kein ß? Wenn Du Schweizer bist sei es Dir verziehen 😉


aristo
3.7.2014 22:42
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@Urbs

Ja, ist mir bekannt. Habe bis vor einigen Jahren 120 Silben pro Minuten geschrieben.

Heute brauche ich Steno nicht mehr. Das erledigt das Smartphone und Spracherkennungssoftware.


Hadmut
3.7.2014 23:57
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> Habe bis vor einigen Jahren 120 Silben pro Minuten geschrieben.

Ich hab’s in jungen Jahren auch mal angefangen und auch deutlich über 60 Silben pro Minute geschrieben. Dummerweise konnte ich es dann nicht mehr lesen.


Emil
3.7.2014 22:49
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Das größte Problem ist nicht die neue Rechtschreibung, sondern die Methode “Lesen durch Schreiben” des “Reformpädagogen” Jürgen Reichen, die an deutschen Schulen wider jede Vernunft durchgedrückt wird:

Die neue Schlechtschreibung
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-98091072.html

Wenn in der Schule Falsches richtig ist
http://www.welt.de/politik/deutschland/article13649071/Wenn-in-der-Schule-Falsches-richtig-ist.html

Die Schüler müssen sich in den ersten Jahren an keinerlei Rechtschreibregeln halten, den Eltern wird sogar verboten, sie zu korrigieren, und irgendwann ist es dann zu spät. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.


Emil
4.7.2014 0:04
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@Hadmut
> Dummerweise konnte ich es dann nicht mehr lesen.

Heute würde man es “verlustbehaftete Komprimierung” nennen. 😉


Fry
4.7.2014 0:29
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“Komm mir noch einer von diesen Deppen, die immer erklären, Sprache ändere sich, sei kreativ, dem Wandel unterzogen.”

Jaja, früher war alles besser, Hadmut.

Warum soll eigentlich ein Übergang von kurzem ß zu ss schlecht sein, weil er “nur” phonetisch ist? Ja, ist denn die Schriftsprache nicht sowieso vor allem phonetisch motiviert (jedenfalls im Deutschen)?

Und by the way, warum nicht “fonetisch”, denn wer sagt denn, dass ein griechisches “Phi” korrekt mit “ph” transkribiert wird und nicht mit f? Hier steht ein Elefant, pardon Elephant im Raum: Rechtschreibnazis sind Ewiggestrige.

Und hier schreibt dir kein Legastheniker, sonder einer, der mit Rechtschreibung noch nie das geringste Problem hatte (weder mit der alten noch der neuen, weder zu Abiturszeiten noch 25 Jahre später, nie formal gelernt sondern einfach durch vieles Lesen) und dem TROTZDEM die Rechtschreibreform entschieden nicht weit genug ging.

Weil’s einfach Quatsch ist, wenn Rechtschreibung zur Klassentrennung genutzt wird. Nehmen wir dazu doch besser andere Bildungsdisziplinen. Rechtschreibung ist was für intellektuelle Hilfspolizisten.


Hadmut
4.7.2014 0:49
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> Jaja, früher war alles besser, Hadmut.

Och, nee, nicht dieser Super-Dummspruch. Immer wenn man irgendwas kritisiert, kommt garantiert einer mit diesem Dummspruch um die Ecke, als ob immer nur alles besser würde und jeder, der eine Verschlechterung feststellt, automatisch so ein Kriegsveteran mit „früher war alles besser” wäre. Der Spruch hat so völlig Null Substanz und Argument. Und die Tatsache, dass er so häufig verwendet wird, zeigt, dass er überhaupt keinen Sachbezug zum Diskussionsgegestand hat und eigentlich nur Rhetorik ist. (Und ja, früher war auch die Rhetorik besser.)

> Ja, ist denn die Schriftsprache nicht sowieso vor allem phonetisch motiviert (jedenfalls im Deutschen)?

Nein, vor allem etymologisch. Jedenfalls war sie das, als man Fotografie noch Photographie schrieb.

> Und by the way, warum nicht “fonetisch”, denn wer sagt denn, dass ein griechisches “Phi” korrekt mit “ph” transkribiert wird und nicht mit f?

Das hat was mit Bildung zu tun. Der Grund ist nämlich, dass griechisch nach lateinisch transkribiert wurde, das griechische phi aber anders ausgesprochen wird als das lateinische f. Es sind einfach verschiedene Konsonanten, und das lateinische Alphabet hatte kein Zeichen für das griechische ph. Siehe auch hier. Kann man natürlich mit heutiger Schulbildung nicht mehr wissen.

Deshalb schreibt man Wörter, die aus dem Lateinischen stammen (z. B. Fenster) mit dem F, das dem lateinischen entspricht, und solche, die aus dem Griechischen kommen (wie Photographie) mit der Umschreibung des phi. Kapieren die heute nur nicht mehr, weil heute sowie keiner mehr richtig aussprechen kann. Man findet beispielsweise kaum noch Leute, die »Mathematik« oder »Chemie« richtig aussprechen können. Und wenn man nicht weiß, wie man es spricht, oder warum man es unterschiedlich spricht, kapiert man natürlich auch nicht, warum man es unterschiedlich schreibt. Symptom des Bildungsabsturzes.

> Rechtschreibnazis sind Ewiggestrige.

Nein. Sie sind solche, die noch in den Genuss einer Schulausbildung kamen, die das noch abgedeckt hat.

Bloß weil man dumm ist und nichts mehr gelernt hat, hat man noch lange nicht Recht. Auch nicht, wenn man sich modern vorkommt.

> Weil’s einfach Quatsch ist, wenn Rechtschreibung zur Klassentrennung genutzt wird.

Sie wird nicht zur Klassentrennung genutzt, sondern zum Verständnis. Und wer das nicht kapiert, dem hilft auch eine Deppen-Schreibe nicht mehr.


rjb
4.7.2014 5:53
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Ein Erlebnis aus dem Reich des real existierenden Schwachsinns: Ein Neffe von mir kam ca. 2006 in die Grundschule. Dort wurde gleich zu Anfang sog. Silbenklatschen praktiziert, also Wörter laut sprechen und bei jeder Silbe einmal in die Hände klatschen, beispielsweise beim Wort “Elefant” insgesamt dreimal – E-le-fant. Da die Ränder bzw. Mitten der Sprechsilben die lokalen Extrema der Stimmbandaktivität sind, gibt es da wohl so etwas wie eine Reflexbahn, dank der die Kinder das in der Regel problemlos und unwillkürlich können; auch die 2 Jahre jüngere Schwester meines Neffen machte da gleich mit.

Zwei Jahre später kam sie dann in die Grundschule, und es war wieder das Silbenklatschen dran. Da wurde sie von der Lehrerin gleich mal für ein bißchen dumm gehalten, weil sie darauf bestand, beim Wort “Elefant” dreimal zu klatschen, entegegen der Anweisung der Lehrkraft, wonach da nur zweimal geklatscht werden sollte: Ele-fant.

Was war geschehen? Nun, es war eine neue der zahlreichen Varianten der Debilschreibreform in Kraft getreten, und gemäß dieser durften bei der Silbentrennung einzelne Buchstaben am Wortanfang nicht mehr abgetrennt werden; vorher war dies zulässig. Die Trennung erfolgt regelungsgemäß nach Sprechsilben, und folglich wurden die beiden ersten Silben beim Elefant zu einer umdeklariert. Daß das
1. phonetisch Blödsinn ist
2. den Kindern ihre Fähigkeit des Silbenklatschens nimmt
und
3. eine Trennungsregelung, wonach nach Sprechsilben getrennt werden soll, aber die dazu nötige komplementäre Festlegung, was eine Sprechsilbe sein soll, dahingehend erfolgt, daß sich das nach der Trennung richtet, logisch schwachsinnig ist,
das alles kümmert dummbratzige (bayerische) Schulbürokraten offenkundig nicht.
Kommentar meines Neffen, nachdem ich ihm anläßlich dieses Vorgangs erklärt hatte, was eine Silbe ist: “Elefant hat also 3 Silben, aber in der Schule sind es nur zwei.”

Was soll man in einer solchen Schule lernen? Das oben erwähnte “Lesen durch Schreiben”, inklusive der Anweisung an die Eltern, die Werke ihrer Kinder nicht zu korrigieren, wurde da auch praktiziert. Antwort der Lehrerin auf die spaßeshalber gestellte Frage, was man tun solle, wenn das Kind darauf besteht, zu erfahren, ob seine Schreibungen richtig sind (weil es nicht blöd ist und mitgekriegt hat, daß es da richtig und falsch gibt): “Wenn sie es unbedingt wissen will, dann sagen Sie es ihr halt.” (Ja sowieso, das Kind kriegt auf eine sachliche Frage eine sachliche Antwort, dafür braucht es keine Lizenz der Lehrerin). So geht das in den ersten beiden Klassen, also zwei Jahre Zeit für die Kinder, sich allen möglichen Blödsinn solide anzugewöhnen, aber ab der dritten Klasse sollen sie dann blitzartig richtig schreiben. Das ist eine regelrechte Verarschung der Kinder; insbesondere der tendenziell eher der Unterschicht entstammenden Kinder, deren Eltern den Unsinn glauben und befolgen, während es Mittelschichtseltern eher suspekt erscheinen dürfte. Die moderne Pädagogik hat somit Methoden entwickelt, die Wurschtigkeit gegenüber der Rechtschreibung mit Klassentrennung aufs Trefflichste vereinigen.


Knut
4.7.2014 7:30
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@jan
“So wichtig können die Kapitalien nicht sein, denn im gesprochenen gibt es xie ja nicht.”

Dafür gibt es Betonungen und Sprachmelodie. Wer schon mal versucht hat gleichmäßiges Genuschel oder russischen Sing-Sang auf Deutsch zu erfassen, wird wissen, was ich meine. Man versteht die Einzelwörter, aber es ist sehr ermüdend den Sinn der Worte zu erfassen.

Auch beim Schreiben gehört ein gewisses Bild zu eine Sprache. Verzicht auf Groß/Kleinschreibung und Weglassen aller Leer- und Satzzeichen führt nicht dazu das man den Text nicht mehr entziffern könnte, aber es wird halt sehr ermüdend.


Fry
4.7.2014 9:22
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Danke für die Antwort Hadmut. Mit allem Respekt, aber selbstverständlich kommt die Schrift (zumindest die lateinische und die griechische) von der phonetischen Umschreibung von gesprochenen Lauten. Woher denn sonst?

Und Sprache entwickelt sich tatsächlich, und auch das, was du als “richtig” empfindest, war vielleicht mal “falsch”. Ist nun “Tür” korrekt? Es wurde mal “Thüre” geschrieben? Freylich oder freilich?

Und wie man die griechischen (oder auch lateinischen) Laute korrekt ausspricht, auch dazu gab es Weiterentwicklungen. Denk nur mal an Circus (“Zirkus” vs. “Kirkus”, keine Ahnung wie man das heute im Vatikan ausspricht). Die Schreibweise “Fysik” ist durchaus richtig – in Schweden! Falsche Transkription des Phi? Warum soll das falsch sein? Weil es ein bisschen anders gesprochen wird? Mit der Logik dürften Amis und Engländer nicht das gleiche Alphabet (Alfabet) verwenden.

> Bloß weil man dumm ist und nichts mehr gelernt hat, hat man noch
> lange nicht Recht. Auch nicht, wenn man sich modern vorkommt.

Da fühle ich mich nicht angesprochen.


Hadmut
4.7.2014 15:39
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@Fry:

> selbstverständlich kommt die Schrift (zumindest die lateinische und die griechische) von der phonetischen Umschreibung von gesprochenen Lauten. Woher denn sonst?

Immer noch nicht kapiert? Von unterschiedlichen Lauten.


Dr. Besserwiß
4.7.2014 10:07
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“Und eine Germanistiker, oder jemand mit Abitur und Deutsch Leistungskurs wird in der Regel besser bzw. richtiger schreiben wie ich.”

ALS ich, Jan, als ich. (Nur, weil wir gerade beim Thema sind…)

🙂


Dr. Besserwiß
4.7.2014 10:23
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Immer noch die Groß / Klein- Schreibung.

Witziger Weise kam diese Diskussion ja im Zusammenhang mit der Computerei auf, genauso wie die Diskussion um den Verzicht auf Umlaute.

Damit sollte der damals begrenzten Verarbeitungskapazität der Rechner, der Internationalisierung der EDV und der Verringerung der Kodetafeln Rechnung getragen werden.

Telegramme / Fernschreiben wurden übrigens Jahrzehntelang nur mit Großbuchstaben geschrieben…


C
4.7.2014 10:34
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>Nein. Sie sind solche, die noch in den Genuss einer Schulausbildung
>kamen, die das noch abgedeckt hat.
Exakt

Ich empfand die neue Rechtschreibreform damals nicht so schlimm (da ich die alte vielleicht nur wenige Jahre gelernt habe und der Umstieg daher kaum auffiel).
Die damalige Begründung war so etwas wie (um des den Kindern beizubringen*) “Damit die Ausländer auch eine Chance haben, die Sprache zu lernen. Denn die alte deutsche Rechtschreibung ist insbesondere schwierig für Ausländer.”

*Solche Floskeln kamen auch bei der Einführung des Euros.

@Hadmut:
Sehr lesenswert ist auch dies hier: http://www.stern.de/tv/sterntv/fehlerhafte-rechtschreibung-warum-kinder-nicht-mehr-schreiben-koennen-2066065.html
Scheinbar eine neue pädagogische Errungenschaft.

P.s. Früher war alles besser©!


Missingno.
4.7.2014 10:37
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http://www.zeitgeistlos.de/gedichte/erhardt/erhardt05.html

> Warum soll eigentlich ein Übergang von kurzem ß zu ss schlecht sein, weil er “nur” phonetisch ist?
Was ist denn ein “kurzes” ß (im Gegensatz zu “langem” ß)? Beim Kuß und Fluß ist das u kurz, nicht das ß. Beim Fuß ist das u lang, nicht das ß. Und warum soll jetzt eine Sonderregelung (nach kurzem Vokal ss, nach langem Vokal ß) einfacher sein als die vorherige Schreibweise mit ß?


kardamom
4.7.2014 11:17
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“Auf den Schulen dann sind Wörter wie “Wissen” und “fachorientiert” Schimpfwörter, nicht “Wissen”, sondern “Kompetenzen” sollen gefördert wären, als würde das eine das andere ausschließen.”

Quelle: http://allesevolution.wordpress.com/2012/11/24/selbermach-samstag-viii/#comment-53686

Aus dem Thread: http://allesevolution.wordpress.com/2014/02/25/es-ist-nicht-moglich-festzustellen-was-biologischer-und-was-sozialer-anteil-ist/ folgender Kommentar von Alexander Roslin:

“Früher lernte man Kompetenz(en), indem man sich Sachwissen aneignete.

Dann entdeckte die gleichstellende Pädagogik, dass das wohl zu mühsam ist für manche und vermittelt Kompetenzen-Kompetenz.

Man lernt “Lernen”, nicht über die Aneignung von Fachwissen (“Mein Gott, das veraltet doch so rasch”), sondern über das Lernen von “Kompetenzen”.

Dann fällt auch weniger auf, dass der Schüler weder etwas weiß noch in irgendeiner Weise kompetent ist.

Und aus meiner eignen Erfahrung als Nachhilfe-Lehrer sehe ich immer wieder, dass Schüler keine Routine-Aufgaben mehr zu lösen haben und damit sich kein “Routine-Wissen” aneignen können.

10 mal hintereinander quadratische Gleichungen lösen? Gilt heutzutage als Quälerei. Meine eigene – vor ca. 35 Jahren angeeigneten und 30 Jahre nicht mehr verwendeten – Routinen reichen immer noch aus, um bei den meisten heutigen Übungsaufgaben auf den zweiten Blick die möglichen Lösungen zu erkennen.

Wie also sollen Schüler heutzutage Rechtschreib-Routinen entwickeln können, wenn Routinen nicht mehr geübt werden, da sie von den Lehrplan-Erstellern als Drill/Quälerei/Faschismus verteufelt werden?

Damit ist für mich logisch, dass die “Rechtschreibreform” eine Folge der Abschaffung von Routine-Übungen ist.

Aber okay – nebenbei verdiene ich noch gutes Geld als Korrektur-Leser für wissenschaftliche Mitarbeiter einer staatlichen Verwaltung – im Gegensatz zu den 30-jährigen stolpert mein Auge beim Überfliegen der Texte über die Rechtschreibfehler…


C
4.7.2014 11:25
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>Sprache ändere sich, sei kreativ, dem Wandel unterzogen
Ich sehe das eher umgekehrt: Sprache verändert sich, aber man kann eine Veränderung nicht durchprügeln und erzwingen (bspw. mit diesem ganzen genderistischen Kauderwelsch). Und das ist ja das, was hauptsächlich bezweckt werden soll.


Melursus
4.7.2014 12:03
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Theodor Ickler hat einen guten Kampf gekämpft und ein brauchbares Wörterbuch Deutsch “Normale deutsche Rechtschreibung” verfaßt.
In meinem Betrieb gilt die und weder in Briefen noch auf Preisschildern gibt es das Dummdeutsch der Ku Mi Ko miker


kokko
4.7.2014 13:52
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… bei uns ging damals das gerücht um, dass die rechtschreibreform von der schulbuchlobby ausging um die karten der schulbuchverlage neu zu mischen damit, kurzfristig oder wenigstens auf lange sicht kurzfristig, kapital in die kassen gespült wird.

Naja es betraf ja nicht nur Schulbücher: Für alle Gesetzestextsammlungen und Vorschriften aller Art, die in bestimmten Berufen in der neuesten Version vorrätig gehalten werden müssen, gab es dank der Rechtschreibreformen auch überall neue. Selbst bei Blättersammlungen, wo normalerweise nur die Seiten mit geänderten Sachverhalten ausgetauscht werden, kam es zu einem 100% Austausch, weil immer irgendwo dann doch ein ‘ß’ stand wo nun ‘ss’ oder ein ‘ph’ stand wo nun ein ‘f’ hingehörte…


Gerald von L
4.7.2014 15:15
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Sprache ist Denken. Denken ist Sprache.

Wie macht man sein Volk dumm? Man darf ruhig langsam mal anfangen zu kombinieren.

Gute/elitäre(!!!) Privatschulen sind die einzige Lösung.

D.h. 4000 Euro oder mehr im Monat zu haben wird Pflicht bei 2 Kindern. Alle anderen müssen sich darin abfinden, Loosereltern zu sein, die Looserkinder gezeugt haben, die automatisch zu Looser werden. Vorallem intellektuell in den elterlichen eigenen Augen.

Wenns Euch stört wählt halt was anderes! lol Zum Terror *hust* Bürgerkrieg, seit ihr ja bestimmt zu feige oder schöner formuliert: “nicht bereit”.


Alex
4.7.2014 15:44
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> Man findet beispielsweise kaum noch Leute, die »Mathematik« oder »Chemie« richtig aussprechen können

Wie ist richtig? 🙂
Bei [Kemii] hätte ich das ja mir noch vorstellen können aber [maddhemaddhigg] kann man doch gar nicht falsch aussprechen?
(Ja, ich kann die Lautschrift nicht)

Die Form, wie man Kindern am besten beibringt, richtig zu schreiben ist durchaus etwas, das nicht von vornherein klar ist.
Zunächst muss man klar stellen, was am besten überhaupt heißen soll, da gibt es Kriterien wie Effizient (Zeitbedarf), wieviele der Schüler in der Zeit aber auch wie viel man von den Kindern erwarten will.
Daran muss man dann die verschiedenen Methoden messen. Zunächst mal ist auch überhaupt nicht gesagt, dass Hilfsmittel wie Silbenklatschen, Tanz-den-Namen oder auch Schreibt-wie-ihr-wollt am Anfang nicht tatsächlich geeignet sind.
Allerdings muss man diese Methoden ausprobieren, überprüfen und bewerten, und sollten sie nix gebracht haben, dann muss man auch beherzt bereit sein sie auf dem Müllhaufen der gescheiterten Versuche zu entsorgen und eben nicht nach 20 Jahren wieder durchzudrücken.


Hadmut
4.7.2014 15:48
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> Bei [Kemii]

Schon falsch…


Missingno.
4.7.2014 16:25
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Wikipedia meint: Chemie ([çe?mi:]; mittel- und norddeutsch auch [?e?mi:]; süddeutsch: [ke?mi:]; selten bzw. veraltend: Scheidekunde oder Scheidekunst), womit Alex falsch oder/und süddeutsch spricht. 😉 Bei Mathematik weiß ich aber auch nicht, was da “falsch” sein kann.


jan
4.7.2014 17:25
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Ich schreibe meine Kommentare von einem Android tablet aus.
Da ist das ß umständlich zu erreichen. Umlaute dagegen sind kein Probem.

Wenn ich an einem Rechner mit einer PC Tastatur schreibe, dann nutze ich das sz natürlich immer gern 🙂


jan
4.7.2014 17:29
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Mist und wieder was vergessen,

Der Verlag Volk und Wissen stammt aus der DDR.

Es ist durchaus verständlich das Lehrer die selbst mit Büchern dieses Verlags gelernt haben dies auch später bevorzugen.

Und einige Lehrbücher von Volk und Wissen sind und waren wirklich gut.

Die Bücher für Physik, Biologie und Chemie sind wirklich gut ausgearbeitet.

Und die Formelsammlung auch bekannt als Tafelwerk ist genial.


anonKlaus
4.7.2014 18:14
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Oh man… etwas OT, aber diese Anekdote hat mit Rechtschreibung und unserer Bildungslandschaft zu tun 😀

CV einer gewissen [ http://www.welt.de/politik/deutschland/article129306841/Bildungsministerin-stuerzt-Kiels-Koalition-in-Krise.html – im Artikel gehts u.a. um ein rundum Sorglospaket für Wende] Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud Wende – aus SH:

[…]
SS 2000 Vertretungsprofessur im Bereich ‘Neuere deutsche Literaturwissenschaft’ an der Universität-Gesamthochschule-Kassel

2000 bis 2010 Lehrstuhl für ‘Literatur und Kultur der deutschsprachigen Gebiete’ in der ‘Faculteit der Letteren’ der Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande)

2010 bis Juni 2012 Präsidentin der Universität Flensburg; [gewählt am 5. Mai 2010]

seit 2011 Jurymitglied des ‘Kulturpreises Deutsche Sprache’; [http://kulturpreis-deutsche-sprache.de/]

seit dem 12. Juni 2012 Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein; [www.schleswig-holstein.de/MBW/DE/MBW_node.html]
[…]
aus: http://www.warawende.de/persoenlich.php

Und nun versuchte sie einen Text zu verfassen:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article129794814/Bildungsministerin-schreibt-Brief-voller-Fehler.html

Es ist schon abenteuerlich, wer bei uns alles an die Fleischtöpfe gespült wird…

PS.
im Kieler Betrieb gab es noch ein Opfer von “Hass” und “testosterongesteuerten Politik- und Medientypen, die unseren Politikbetrieb prägen und deuten”:
Vorhang auf für Oberbürgermeisterin Dr. Susanne Gaschke, die eigenmächtig einem Arzt ein Paar Millionen erlassen hatte:
https://www.youtube.com/watch?v=Ub4dYy2xUms


HF
4.7.2014 18:52
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Man schreibt wie man spricht?
Dabei übersieht man, dass die allermeisten Wörter aus Büchern gelernt werden. Man spricht, wie man schreibt! Beim Wort Stängel spreche ich immer noch ein “e”.
Inzwischen verbieten Eltern ihren Kindern die Bücher, die nicht an die neue Rechtschreibung angepasst sind. Die Stadtbücherei? Nicht doch, du sollst doch aufs Gymnasium!


jan
4.7.2014 19:34
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@hf

Also diese Steilvorlage muss ich nehmen:-)

Wir deutschen schreiben Wie bitte? Und sagen Hä?

Ist im englischen übrigens ähnlich. Da gibt es auch derbe unterschiede zwischen Schreibweise, dem was dann nach dem Schulenglisch gesprochen werden müsste, und der tatsächlichen Aussprache.

Arkansas. Der schulenglischgeübte würde jetzt schlussfolgern, arkänsäs, der Staat Kansas heist ja auch känsäs.

Und stellt fest das die eingeborenen einen etwas verduzt ansehn, sprechen die es doch eher Ärkänsowr aus.

Und da sind feinheiten wie Dialekt noch aussen vor.
Da sind wir hier in Deutschland richtig gut, die mesten sprechen zwar eiben Dialekt, vermeiden den aber beim Schreiben.

( ich stell mir grad die entsetzten Gesichter der Leser vor wenn ich hier im angeborenem Dialekt schreiben würde:-) )

Hadmut müsste es löschen/ sperren weil höcstwahrscheinlich spamposting, sieht aus wie zufällig Buchstaben ausgewürfelt 🙂


Marcionit
4.7.2014 20:32
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“Sprache ist Denken. Denken ist Sprache.”

Richtig. Darum gilt: Primitive Sprache -> primitives Denken.
Bestes Beispiel sind die USAmerikaner. Q.e.d.

Warum wohl hatten/haben die zwei großen Philosophen-Völker so komplexe Sprachen? Zu Alt-Griechisch kann ich nichts sagen, aber die Macht der deutschen Sprache ist unbestreibar und – das kann ich recht polyglott sehr gut vergleichen – sie steht eindeutig über wohl allen eurpäischen Sprachen.

Deshalb soll sie ja zerstört werden. Ein Nebeneffekt des US/UK Sprachimperialismus.

Orwell-Staaten, wie die EU es werden soll, wollen keine denkenden Menschen!


Hadmut
4.7.2014 20:38
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> Zu Alt-Griechisch kann ich nichts sagen,

Geradliniger als deutsch, eine formalere und regelmäßigere Grammatik. Und zumindest nach heutigem Wissensstand auch einfachere Schrift (kann man heute ja nur noch indirekt über Schreibfehler interpretieren, wie es genau ausgesprochen wurde). Obwohl ich in griechisch als Schüler ziemlich lausig war, konnte ich einen geschriebenen Text fehlerfrei und flüssig vorlesen, und gesprochenen Text auch bis auf die Akzente, die mir nicht immer so genau gelungen sind, korrekt hinschreiben. Das geht im Deutschen nur schwer.


Alexander Roslin
5.7.2014 2:09
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@ Hadmut

*Tatsächlich aber war ein Knackpunkt, an dem ich viel von meinem Orthographiegefühl verloren habe, eben jene Rechtschreibreform, die ich lange Zeit komplett abgelehnt und bis heute nicht verstanden, weil nicht drum gekümmert habe. *

Die hat (jenseits meiner vielen Tippfehler – ich schreibe mit 10 Fingern 🙂 )auch meine Rechtschreibesicherheit ruiniert.

In aktuellen Büchern/Texten(Zeitung) lese ich anderes als in den Büchern meiner Bibliothek, anderes als ich es gelernt habe.

So erodiert allmählich die Rechtschreibesicherheit, verführt mich immer wieder zum Grübeln, ob das ein Druckfehler, ein Schreibfehler oder mein Fehler ist.

Macht keinen Spass.

Typischer Versuch unserer “Progressiven”, gleichzustellen durch Vereinfachung.

Sprich, die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Menschen zu verschleiern, indem man die Ansprüche so sehr senkt, dass eigentlich alle sie erfüllen können müssten.

Nur um dann doch daran zu scheitern, weil ein so tiefes Absenken der Ansprüche, wie es nötig wäre, um die Camouflage zu leisten, letzten Endes zur Funktionsuntüchtigkeit des zu reformierenden Systems – hier der Sprache – führte.

Weshalb man so tief gar nicht runter kommen kann, um alle gleich erscheinen zu lassen.

Aber immerhin, man hat es versucht.

Und für die “gute” Sache eine halbwegs gute Sache ruiniert.


Marcionit
5.7.2014 12:16
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“gleichzustellen durch Vereinfachung”

Es ist viel mehr:

Vernichtung von (Feind-) Kultur, Verhindern großen Denkens, denn Sprache ist Voraussetzung und Grundlage formulierenden Denkens (siehe oben, “Sprache ist Denken. Denken ist Sprache.”) – vor allem qualitativ.


Aliquid
5.7.2014 15:26
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Die ‘Schlechtschreibreform’ habe ich komplett verweigert.
Man muß schon ein völlig
etatistisch-gehirngewaschen-verblödetes ‘Sheeple’ sein,
um sich auch noch seine Sprache vom ‘Staat’
vorschreiben zu lassen.

Scheint, daß sich seit Mann und seinem ‘Untertan’ in
BRDLand nichts mehr geändert hat.

‘Fremder, der du hier eintrittst, laß alle
Hoffnung fahren’ (lmao)


Michael
9.7.2014 0:00
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Nein, hört sofort auf mit dem Quatsch.

Kein Angelsachse kann schlüssig erklären, wie touch und tough und though und so weiter und so fort zustande kommen.

Ein Student der Englischen Sprache wollte mir weismachen, dass man sich halt mit der Etymologie der Sprache auseinander setzen sollte.

Tja, genau deswegen fouttiert sich die Masse um Bildung. Weil sie untauglich und irreführend wird! Luhmann hätte seine helle Freude an euch, Komplexität um der Komplexität willen! Heissa!

Sprache ist ein Werkzeug. Wenn es futiert, Portmone und Masse heisst, hat niemand verloren und die Text Goethes sind immer noch lesbar, jedenfalls für die intelligenteren. Die anderen lesen ihn sowieso nicht. Wichtiger sind Übereinstimmung des Geschriebenen, Gesagten und Gemeinten. Da hülfe Wittgenstein weiter als Duden.

Und sich dann wundern, wieso Deutsch im Ausland nicht gelernt wird. Die russische Akademie hat Dutzende Begriffe aus dem Internet “russifziert”, während wir hier Site, Homepage (what the actual fuck) und Server schreiben. Ja, Seit, Digitalplatz, Heimseite und Sörwer sind sinvoller als dieses Geschwurbel, weil jeder Sprachneuling gleich erkennt, um was es geht und weiss, wie er das zu schreiben hat.

Wir sagen übrigens auch Funk und nicht Radio. Nur so als Gedankenfutter. äh, food for thought.


Hadmut
9.7.2014 0:19
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@Michael: Bleib mal auf Empfang, da hab ich noch was interessantes im Blog-Stapel. Bin bloß gerade unterwegs.