Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Rakete flog wirklich

Hadmut
29.5.2012 17:28

Es gibt Dinge im Leben, die muß ein Mann einfach klären. Nach fast 40 Jahren ist es mir nun heute gelungen, eine Antwort auf eine der wichtigsten und bewegendsten Fragen überhaupt zu bekommen.

Ich bin ein Kinofilm-Fan und habe unzählige Filme gesehen. Unter all diesen Filmen gibt es eine kleine aber feine Auswahl meiner persönlichen ultimativen Kult-Filme.

Einer dieser meiner Kultfilme ist Hatari! von 1962 mit John Wayne und Hardy Krüger. Den hab ich das erste Mal als Kind und seitdem immer wieder gesehen. Der ist einfach zu gut. Natürlich hab ich den auf DVD. Und natürlich habe ich ihn mir gleich wieder angesehen, als er neulich wieder im Fernsehen kam. Wer den Baby Elephant Walk nicht kennt, hat ne Bildungslücke. Stammt übrigens von Henry Mancini, von dem auch das Pink Panther und das Peter Gunn Theme kam.

Und in diesem sowieso schon verrückten Film gibt es eine Szene, die fand ich schon als Kind zum Brüllen. Sie fangen da Affen, indem sie mit einer gebastelten Rakete ein Netz über einen Baum hinweg schießen, den Baum umsägen und dann mit Vogelkäfigen auf dem Kopf als Schutz die Affen einsammeln. Und weil Pockets, im Film der Erfinder der Rakete, ausgerechnet als sie losging nicht hinschaute, müssen sie ihm dann immer wieder erzählen, wie schön die Rakete geflogen ist. Herrlich.

Aber seit ich den Film kenne, hatte ich Zweifel, daß die Rakete tatsächlich so geflogen sein kann. Weil sie irgendwie nicht geradeaus fliegt, sondern einen Winkel einnimmt, der nicht zum Strahl zu passen scheint, als ob sie an Schnüren gezogen würde. Was sie ja auch tatsächlich wird, immerhin hängt ja das Netz an der Rakete, das sie über den Baum schleppt, und irgendwoher muß die Kreisbewegung ja kommen. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, daß da nochmal zusätzlich Leinen im Spiel sind, die die Rakete einfach so ziehen, wie sie fliegen soll, und sie nicht wirklich wie eine Rakete mit Rückstoß fliegt.

Nun hab ich irgendwo mal gelesen, daß der Film eigentlich eine Einfachproduktion war und sie eigentlich auch kein richtiges detailliertes Drehbuch hatten, sondern einfach drauflosgemacht hätten. Stuntmen hätten sie auch nicht gehabt, getrickst sei schon gar nichts, die hätten das mit wilden Tieren alles selbst und genau so gemacht, wie es im Film zu sehen ist. Jeder Schauspieler spielt seine Rolle komplett selbst und hat das alles so gemacht. Keine Filmtricks.

Was war also mit der Rakete?

Ich konnte nicht widerstehen und habe Hardy Krüger angemailt und gefragt, denn der war ja nicht nur dabei, sondern hat die Farm sogar gekauft und dort gelebt, kennt sich da also aus.

Er schrieb mir, daß sie die Affen wirklich so gefangen haben, wie man es im Film sieht. Die Rakete flog wirklich so und ohne Schnüre. Und Spass hätte es ihnen auch noch gemacht.

Meine Welt ist gerettet. Das wollte ich schon immer wissen.


10 Kommentare (RSS-Feed)

Anmibe
29.5.2012 20:36
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Den Film sehe ich auch immer wieder gerne, und das mit der Rakete hat mich seit meiner Kindheit auch immer wieder fasziniert. Vielleicht kommt der Reiz des Filmes gerade daher, weil kein exaktes Drehbuch vorhanden war und es auf den persönlichen Einsatz des Schauspielers ankam. Bei manchen Filmen, merkt man wenn es dem Team Spaß macht. Wie oft musste die Raketenszene wiederholt werden oder sollte die tatsächlich beim ersten Mal gesessen haben?


Hadmut
29.5.2012 21:04
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Das hat er nicht gesagt.


FF
30.5.2012 11:03
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Toll! Bin perplex, daß Hardy Krüger Ihre Mail beantwortet hat. Das machen von hundert vielleicht drei… Der Mann hat(te) halt Format. Vermutlich hat er sich deswegen auch aus dem “Geschäft” zurückgezogen.

PS.: Für die “schauspielerischen” Darbietungen seine Sohnes darf man ihn natürlich nicht verantwortlich machen. 😉


Hadmut
30.5.2012 11:16
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Warum? Der macht sein Geschäft doch ganz ordentlich. Ist halt ne andere Zeit und ein anderes Geschäft, aber da kann der doch nichts dafür.


Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Wenn man die Rakete mit einem Dreieck wie einen Drachen befestigt, dann bleibt sie senkrecht zum Halteseil und beschreibt einen Bogen. Es muß natürlich eine kräftige Komponete nach unten eingestellt sein. Sie soll doch das Netz anheben.

Carsten

Das Credo der Etatisten: Mehr Bürokratie wagen!
Carlos A. Gebauer


Rainer
30.5.2012 23:05
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Danke für diese wunderbare Erinnerung! Als Kind habe ich diesen Film total geliebt – und nicht nur wegen des unvergesslichen Szene mit den kleinen Elefanten. Ich erinnere mich noch, dass vor dem Start die Bemerkung kommt, dass die Rakete in die falsche Richtung zeigt. Danach erklärt der “Daniel Düsentrieb” des Films, dass das wegen des Netzes als Gegengewicht schon seine Richtigkeit hat. Hatari sollte man unbedingt mal wieder zeigen!

P.S.: Extrapunkte für Coolness, dass Herr Danisch gemailt und Herr Krüger geantwortet hat!


@FF: Nun ja, ohne selbst ein großartiger Fan von Hardy Krüger junior zu sein, er spielt, was er angeboten bekommt, finanziert damit sich, seine Familie und die Sozialkassen, und ganz im Ernst, sein Part in Jo Baiers Neuverfilmung “Stauffenberg” von 2004 war ziemlich überzeugend, wie ich finde. Im übrigen kann er nix für sein gutes Aussehen, was wohl nicht zuletzt dazu führt, gerne in Schmonzetten genommen zu werden. However, wie schon erwähnt, alles besser als ALG I und Hartz IV.

@Hadmut: Sei herzlich bedankt für Deinen Aufwand nebst Posting, ich selbst hätte nicht gedacht, daß es andere Filmfreunde gibt, die sich auch solche Gedanken machen, was wie warum in Filmen funktioniert.
😉

@Hardy Krüger, wenn Sie hier mitlesen sollten: Danke für die (meisten :)) Filme, die sie gemacht habe, Ihre Dokumentationen und Ihr voice acting in vielen, weiteren Dokus.


yasar
8.6.2012 12:51
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Also wenn man sich im Bild http://www.pic-upload.de/view-14565430/Hatari-Rakete.png.html die Befestigungen anschaut, ist klar, daß es so funktioniert hat. Es sind (mindestens) zwei Seile an der Rakete zu sehen.


JoDerBaer
21.6.2012 16:07
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Und wenn Du seine Autobiographie “Eine Farm in Afrika” gelesen hättest, dann wärst Du schon viel früher schlauer gewesen… da steht das und viele andere Anekdoten nämlich drin.
U.a. daß die Filmgesellschaft _alle_ verfügbaren Autos gemietet hatte und einige Einwohner Kinshasas sich durch Vermietung ihrer Privatautos noch kräftig was zuverdient haben…


Hadmut
21.6.2012 16:10
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Woher soll man, bevor man sie gelesen hat, wissen, daß es darin steht?

Und warum soll ich auf Verdacht ein Buch kaufen und lesen, wenn es per E-Mail einfacher, schneller und billiger geht?