Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die seltsame Ungleichverteilung bei der Forderung nach der Frauenquote

Hadmut
8.6.2011 12:37

Wißt Ihr, was ich komisch finde? Alle schreien sie, daß wir doch für die gutbezahlten bequemen Vorstandsposten eine Frauenquote brauchen. Will ich jetzt mal so stehen lassen.

Auf sämtlichen Bildern und Filmen über das Reaktorunglück in Fukushima oder auch das in Tschernobyl sieht man bei den Katastrophenmannschaften, die in die verstrahlten Kraftwerke zum Aufräumen müssen, immer nur Männer. Da findet es jeder normal, daß dort Männer verheizt werden. Und auch bei den inzwischen doch schon einigen Toten der Bundeswehr bei deren Afghanistan-Einsatz waren das – wenn ich das richtig mitbekommen habe – immer Männer, ohne daß sich jemand über die zu niedrige Frauenquote beschwert hätte. Komischerweise fordert niemand eine Frauenquote, wenn es gefährlich wird. Frauenquoten werden nur gefordert, wenn es um Geld und Macht geht.

Warum ist das eigentlich so?

6 Kommentare (RSS-Feed)

Ignaz J.
8.6.2011 13:44
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Die Frauen sind schlauer und vorsichtiger als die Männer und lassen diesen wenn es gefährlich wird gerne den Vortritt. Könnte reproduktionsbedingt so sein; das Reproduktionspotential eines Mannes kann durch andere Männer ersetzt werden; nicht jedoch das einer Frau durch andere Frauen (bezogen auf eine Zeitdauer von ca. 9 Monaten).


mkind
8.6.2011 18:25
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“Frauenquoten werden nur gefordert, wenn es um Geld und Macht geht.”

oehm ja, liegt doch auf der hand. weil genau DAS maenner nicht teilen wollen 😉


unwichtig
8.6.2011 20:17
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” weil genau DAS maenner nicht teilen wollen”

das kann man genauso in die andere Richtung argumentieren:
weil die Frauen genau DAS (=das Gefährliche) nicht teilen wollen,
können die Männer eine Frauenquote von 50% bei Bundeswehr, Atomunfällen etc. fordern


Anna Freud
9.6.2011 0:02
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In diesem Zusammenhang darf man sich gerne ungedeckte Gedanken darüber machen, warum Frauen auf der ganzen Welt im Schnitt 7-10 Jahre länger leben. Männer ruinieren ihre Körper einfach mehr, müssen sie mehr ruinieren (unselige Folge des Patriarchat, die Macht ist bitter bezahlt), sowohl rein arbeitstechnisch (“harte” Jobs), zum anderen aber auch durch Kompensation der Folgen ihrer Existenz allgemein (bspw.: Männer, die klagen, sind “Weicheier”, folglich klagen sie weniger über ihre Schmerzen etc. und trinken dann häufiger oder schonen sich seltener (“Männer auf der Wellnessfarm” sind so “Weichei” wie die, die über ihre existenziellen Schmerzen klagen); Frauen, die klagen, sind normal, Frauen die nicht klagen sind “tough”; insofern das auch von Frauen so gesehen wird sind sie an dieser Sache nicht unbeteiligt).

Kann man auch an sehr einfachen, alltäglichen Gesten erkennen: Frauen, die sich bspw. gegenseitig die Kleider zurechtzuppeln oder irgendwas in den Haaren machen oder sich in irgend einer Art bussies geben oder einfach ohne besonderen Grund länger umarmen sind normal. Männer, die dasselbe machen sind tendenziell “schwul” und bei aller vorgetäuschten oder echten Liberalität ist männliche Homosexualität (bzw der bloße Verdacht) immer noch folgenschwerer und verachteter als weibliche Homosexualität (die eher “süß” ist), Homosexualität also die man Frauen bspw. bei Haare zuppeln nicht mal unterstellt, bei Männern aber fast für evident erkennt. Das heißt: gegenseitige Sorge unter Männern ist tendenziell “anrüchig”, während sie bei Frauen normal ist. Bei Frauen ist auch die Forderung nach solcher Sorge normal, während das bei Männern wie gesagt die verachtete oder mindestens geringgeschätzte Homosexualität oder das “Weicheitum” bedeutet, wobei die Folgen konvergieren (Isolation, Ausgrenzung, Stigmatisierung).
Man könnte sagen, Sorge für und unter Männern (als “Ingroup”) führt viel schneller zur Isolation von der Outgroup als bei Frauen (was für die isolierten Männer das Problem verstärkt, weswegen diese Sorge häufiger gelassen wird – nicht:”ich schenk dir mein Ohr” oder “lass dich mal umarmen” sondern “lass uns einfach einen trinken gehen”). Männer, die sich um ihre Sorge sorgen sind im ganzen “anrüchiger” als Frauen die das tun. Und diese Sorglosigkeit kürzt das Durchschnittsmännerleben am Ende um einige Jahre, weil die Folgen sich addieren.
Perfekt kommt dieser Umstand übrigens in den Suizidraten zum Ausdruck, bei denen Männern anteilmäßig weltweit vorne liegen: im Schnitt werden 80-90% aller erfolgreichen Suizide, aber auch aller Suizidversuche von Männern durchgeführt. Unter anderem eben deswegen, weil sie ihren Schmerz und ihre Probleme so lange geheim halten und kompensieren (zb Alkohol, aber auch Gewaltausbrüche), bis es nicht mehr geht – und dann beenden sie es selber, soweit ich weiß auch häufiger erfolgreicher als Frauen (weil Männer dann auf Nummer Sicher gehen und sich zumindest um die Vergewisserung sorgen, dass die Sache auch endgültig ist: die Schande ist nämlich bei Männern hier auch größer als bei Frauen: das “Weichei” hat selbst seinen Suizid in den Sand gesetzt, während bei Frauen der Hilfeschrei gar nicht mehr überhört werden kann und die Sorge also erzwingend wird).

Die Ikonen des “Harten Mannes” und der “Weichen Frau” ist gefährlicher als viele verstanden haben. Der 1. Platz in der Suizidstatistik sind der traurige Beweis. Wobei hier eine Frauenquote sich selbst verbietet, falls man das hinzufügen muss…

Männer sind aber auch durchaus (sozialisationsbedingt?) unwissender, wie dieses sich-selbst-sorgen, sich-um-die-anderen-sorgen eigentlich funktioniert (dieses Wissen ist aber wie gesagt auch recht riskant für den sozialen Status). Sie sind da recht planlos meistens. Sie haben dafür ein priveligierteres Wissen in der Geheimhaltung der eigenen Sorgebedürftigkeit, was man häufig (fälschlicher weise) mit “Robustheit” oder Indolenz attribuiert. Das Problem reicht jedenfalls in der Tat sehr viel weiter als bis zu zu einfachen Bezahlungsungleichheiten.


Manuel
9.6.2011 7:12
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@Anna
Das was du schreibst ist tendentiell richtig. Man muss hier aber auch hinzufügen, dass sich Männer schon um sich sorgen, aber sie legen die Prioritäten auf was anderes. Das Seelenleben ist als primäres Ziel der Sorge weniger im Fokus, als eher die auf die Seele wirkenden Eigenschaften.
So sorgen sich Männer im Freundeskreis untereinander darum, dass jedem bei seinem beruflichem wie privaten Erfolg geholfen wird, was letztendlich auch das Seelenglück stark beeinflusst. Hinzu kommt, dass eine Männerfreundschaft anders geartet ist als eine Frauenfreundschaft. Die Männerfreundschaft ist in gewissem Sinne selbstloser und stabiler, man akzeptiert den Makel des anderen deutlich mehr. Der Grund dafür liegt auch darin, dass die Hierarchie in Männergruppen deutlich stabiler und eindeutiger ist. So wird Konkurrenz vermieden.
Die Hilfe unter Männern entspricht in dem Sinne mehr einer Art Fordern und Fördern, während bei Frauen es eher eine Art Kümmern ist.


boejgaewd
9.6.2011 20:19
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Wenn ich die Kommentare hier so lese, fällt mir spontan ein Spruch ein: “Ich mag keine Österreicher, die verallgemeinern immer alles…”

Ich kenne durchaus eine Vielzahl von Frauen, die sich nicht davor scheuen, sich die Hände schmutzig zu machen. Frauenquoten halte ich insofern für problematisch, weil Quotenfrauen immer unter besonderer Beobachtung stehen werden. Man sollte also eher die Möglichkeiten schaffen, dass Frauen da von alleine hinkommen, denn das klappt momentan kein Stück.