Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ich hab den Beruf verfehlt

Hadmut
23.1.2011 12:59

Chef von Google und Milliardär hätt ich werden sollen. Was mich daran so besonders wurmt: So abwegig wäre das gar nicht gewesen.

Die zwei Gründer von Google sind jünger als ich. Eigentlich wären wir damals an der Uni denen weit voraus gewesen. Wir haben am Europäischen Institut für Systemsicherheit Anfang der Neunziger Jahre – lange bevor Google, Yahoo und die vor Google aktuelle Suchmaschine Altavista gegründet wurden – schon intensiv mit Internet-Techniken gearbeitet. Ich habe damals Gopher und das WWW am Institut eingeführt (noch Mosaic selbst kompiliert, ersten Webserver betrieben usw., und war damit nicht nur der erste an der Uni Karlsruhe, sondern unter den ersten weltweit), und mit die ersten deutschen Internet-Übersichtsseiten (noch von Hand per Text-Editor) erstellt. Meine meistbesuchte Seite war einige Jahre später meine Webseite mit Links zu den Webseiten der wissenschaftlichen Verlage, die – natürlich mit Zielrichtung wissenschaftliches Publikum, denn damals hatte und kannte außer den Uni-Wissenschaftlern und einigen wenigen Firmen kaum jemand das Internet, Provider für Privatleute gab’s auch noch nicht – so als erste private Anbieter im Web auftauchten. Ich hatte damals sogar ein erstes Skript gebaut, das mir bekannte Webseiten nach Links auf weitere Seiten durchsuchte – quasi ein halbautomatischer Vorläufer der Suchmaschinen. An den Grundprinzipien von Yahoo und Google habe ich damals schon vor denen rumgekratzt.

Die Idee war da, das Know-How war da, und auch die Rechenleistung usw. wären an der Uni Karlsruhe da gewesen, der ersten deutschen mit dem Internet verbundenen Universität. Die sich damit brüstet, die erste deutsche E-Mail versandt zu haben. Google und Yahoo hätten also – rein technisch gesehen – durchaus auch in Karlsruhe entstehen können.

Ist es aber nicht. Wegen der grenzenlosen pseudowissenschaftlichen Borniertheit, der allumfassenden Inkompetenz und Blödheit der Professoren und – paradoxerweise – ihrer Geldgier, die vor lauter Geilheit, mit irgendeiner kleinen Firma Millionär zu werden, die Möglichkeit, mit einer großen Firma Milliardär zu werden, kaputt gemacht haben.

Obwohl Karlsruhe die erste deutsche Uni am Internet war (und daraus auch der erste deutsche Internet-Provider Xlink hervorgegangen ist, bei dem ich dann auch war, da war also durchaus Potential gegeben) waren die meisten Professoren dort inkompetent und vor allem Internet-feindlich eingestellt. Das Internet galt als völlig unwissenschaftlich, inakzeptabel, eine Spielwiese. Ein wissenschaftliches Paper über das Internet zu versenden galt als so entwürdigend und verwerflich, als würde man einen Staatsbesucher zum Bankett zu McDonalds laden. Als wissenschaftlich galt nur, was als Formel an der Tafel stand. Reine Theoretiker und Formeldompteure, die den Dr. rer.nat. als den einzig überlegenen und würdigen Grad und den Dr. ing. als unwürdiges Industriehandelsobjekt ansahen. Implementierungen und reale Umsetzungen? Eines Wissenschaftlers unwürdig, wertlos. Der Institutsleiter rühmte sich damals extrabreit und öffentlich, als erster die Nutzlosigkeit von E-Mail erkannt und sie wieder abgeschafft zu haben (weil er zu blöd war, Mailprogramm und Webbrowser zu bedienen, und nicht verstand, daß mit der „Mailaddress” etwas anderes als die Anrede „Sehr geehrter Herr …” gemeint war). Noch Jahre später mußte die Fakultät ihre Mitteilungen an ihre Informatikprofessoren zu Hälfte per E-Mail und zur anderen Hälfte per Papier verteilen, weil einfach nicht alle Professoren es begriffen, wie man mit E-Mail umgeht. Und Web sah man als etwas an, was man sich nur im äußersten Notfall und mißbilligend mal von der Sekretärin ausdrucken lassen konnte (heute formt sich für sowas das Schimpfwort „Internetausdrucker”). Und diese „Wissenschaftler” haben das damals eben verboten, sich näher mit dem Internet auseinanderzusetzen. Die haben damit unglaublich viel kaputt gemacht. Wir waren damals durchaus nicht weit weg von der Chance, Google-Milliardäre zu werden. Wir waren eigentlich unter den ganz wenigen in der Welt, die damals die Mittel und das Know-How gehabt hätten, die Idee war da, und wir waren zeitlich Google und Yahoo deutlich voraus.

Die deutschen Universitäten jammern immer darüber, daß sie nicht die Kapitaldecke haben, über die die amerikanischen Spitzenuniversitäten verfügen. Das wäre die Gelegenheit gewesen. Stellt Euch vor, die Uni Karlsruhe hätte damals die Entwicklung solcher Techniken gefördert und finanziert, statt sie zu verbieten. Und dafür einen Anteil erhalten. Dann säßen die heute auf einem Multi-Milliarden-Vermögen und wären weltweit unter den Top-Ten, und nicht irgendwo auf den Rängen um 160. Soviel Dämlichkeit müßte bestraft werden. In Deutschland wird sie auf Lebenszeit verbeamtet.

Eigentlich hätte man die Bande zum Teufel jagen müssen. Damit der sie mal so richtig durchprügelt und ins ewige Höllenfeuer für das steckt, was sie in ihrer Blödheit alles kaputt gemacht haben. Dafür, daß sie wesentlich daran schuld waren, daß Deutschland im Internet nur als Konsument hinterherläuft und nicht Firmen wie Google oder Yahoo hervorgebracht hat.

Man hat sie sogar wirklich zum Teufel gejagt.

Also zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Erwin Teufel. Aber der war selber so blöd und desinformiert, daß er die Bande nicht – wie es richtig gewesen wäre – komplett gefeuert hat, sondern einem von ihnen noch ein Bundesverdienstkreuz hat umhängen lassen. Dafür, daß er dann bei der Einführung des Internet in China geholfen hat. In China! Vor deren technologischer Übermacht und Innovationsfreude wir heute alle Angst haben. Dort führen wir es ein, und bei uns schlagen wir es kaputt. Sowas beklopptes!

Es heißt immer, man müsse das Positive sehen. Das Glas, das halb voll sei.

Das halte ich für Quatsch. Die Bilanz muß man sehen. Dann würde man auch erkennen, daß viele der „Wissenschaftler” in ihrer Borniertheit und ihrem Geschwurbel weit mehr Schaden als Nutzen verursachen. Den Schaden sieht aber keiner, will keiner sehen.

Milliardär hätt ich werden können. Ich war nicht weit davon weg. Nur im falschen Land.


8 Kommentare (RSS-Feed)

| Nur im falschen Land.

Nur im falschen Land — die richtige Erkenntnis am Ende des Artikels. Deutschland ist ein Land der Kaputtredner und Bedenkenträger. Es gibt aber zu jeder Zeit Chancen. Man muß nur seinen Kopf durchsetzen. Auf Unterstützung hoffen ist immer schlecht. Die Gründerzeit war die Aufbruchzeit Deutschlands — und wir zehren zum Teil noch davon. Bürokratischen Verhinderungsspielchen geht man in einem anderen Land aus dem Weg, das scheint mir auch so.

Es gibt immer Chancen, also ran an den Speck!

Carsten

Terroristen schaffen Arbeitsplätze


ins
28.1.2011 14:53
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Was für ein Frustartikel. Mag ja alles stimmen, wer weiss das schon, ist auch egal weil man es nicht mehr ändern kann aber schon mal daran gedacht eine eigene Firma zu gründen? Wenn die Uni und die ganzen Hochschulen so scheisse sind, warum nicht gleich selber machen?

Verstehe sowieso nicht wie man freiwillig länger an einer Hochschule bleibt (für Diss.), verlorene Zeit beim Aufbau einer eigenen Firma.


Hadmut
30.1.2011 14:22
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@ins: Mal wieder so ein typischer Motz-Kommentar von der Sorte, die ich eigentlich gleich in den Mülleimer werfen möchte. So von der Sorte „Jeder Kritiker ist selbst schuld und jede Kritik grundsätzlich verfehlt und in der Person des Kritikers begründet.”

Ich wette, Du bist an einer Uni.

Warum man länger freiwillig für eine Diss an einer Hochschule bleibt? Weil ein Doktor auf der Visitenkarte (und auch beim Firmen-Gründen) deutlich mehr Vorteile (auch finanzielle) bringt, als man – unter seriösen Bedingungen – in die Promotion investiert. Ursprünglich war die Promotion ja auch für nur 2 Jahre angelegt.

Ich gebe aber zu, daß ich einen kapitalen Fehler gemacht habe, in Karlsruhe Doktorand zu werden, und daß das naiv war. Es hat mir aber auch keiner gesagt und mich keiner gewarnt. Und hinterher ist man immer schlauer.

Das richtig üble daran ist aber nicht nur, daß einen keiner warnt (oder nur wenige warnen), sondern daß die, die warnen, von Leuten wie Dir noch angegurkt werden, doch so in die Richtung, eher die Klappe zu halten.

Warum ich keine Firma gegründet habe? Erstens war ich damals in einer frisch gegründeten Firma. Zweitens bin ich durch die Verzögerung mit der Promotion mit den Plänen einer Firmengründung in den Zeitraum des Platzens der Dot-Com-Blase gerutscht, und da ging dann erst mal gar nichts mehr. Guck Dir mal die Zeitverläufe an.


123
11.2.2011 19:54
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Welche Promotion ist/war auf 2 Jahre ausgelegt? Erst recht nicht damals an der Uni Karlsruhe. Du warst wohl zu naiv, an 2 Jahren zu glauben, obwohl du schon dein Studium an dieser Uni und Fakultät verbracht hattest?
Erzähl doch bitte einfach ein wenig mehr, warum es “verboten” war, sich mit dem Internet damals auseinander zu setzen? Waren alle Professoren der Informatikfakultät damals so drauf? Kann ich mir schwer bei den damals vermutlich ~20 Professoren vorstellen…
Des weiteren gibt es in Karlsruhe ja noch viele weitere “Informatik”-Einrichtungen wie FZI, FZK…


Hadmut
11.2.2011 21:01
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@123: Das stimmt so nicht. Abgesehen davon, daß es eine ganze Menge Fächer gibt, in denen die Promotion in der Regel nur wenige Wochen oder Monate dauert (was an sich ja schon ein verfassungswidriger Unterschied ist, weil die Anforderungen nur der Gesetzgeber festlegen darf und der hat in keinem Bundesland die Anforderungen nach Fach unterschieden) gab es auch in Informatik in Karlsruhe, sogar an dem Institut, an dem ich war, einige Promotionen, die in deutlich weniger als 2 Jahren gelaufen sind. Und zwar vor allem dann, wenn der Professor mal schnell jemanden Promovierten für eine Stelle oder eine Promotion im Jubiläumsband brauchte, oder einfach weil der Doktorand schlecht war und man ihn problemlos und schnell loswerden wollte.

Kaum einer, der da promoviert hat, hat effektiv länger als 1-2 Jahre an seiner Diss gearbeitet. Das andere war alles Arbeit für das Institut oder für den Prof. Und je besser der Doktorand, desto länger hat man das verzögert, bei einigen Leuten bis zu 7 Jahre. Je dümmer und lästiger der Doktorand, desto schneller läßt man ihn promovieren, damit er die Stelle wieder freigibt.

Und es war auch nicht naiv, denn ich war ja schon während des Studiums an genau diesem Institut jahrelang Hiwi und habe gesehen, daß einige dort in kürzester Zeit promoviert haben. Beispielsweise habe ich als Diplomarbeit einen Parallelrechner gebaut. Für den habe ich zwar meine Eins bekommen, da wurde aber auf der Platine sofort mein Name überklebt, damit ein Doktorand das als sein Werk ausgeben und im Blitztempo promovieren konnte. Es gab auch da Fälle, in denen Leute in wenigen Monaten durchpromoviert wurden. Einer hat sogar ohne Dissertation promoviert, weil’s so eilig war. Als ich 2 Jahre nach der Prüfung gefragt habe, warum ich die in der Bibliothek nicht finden kann, hat man schnell irgendwelchen Käse aus Büchern zusammengeschrieben und das zum Druck gegeben.

Um das hier jetzt allzusehr auszubreiten, vor allem in einem Kommentar, wäre es das falsche Blog (siehe Forschungsmafia.de), außerdem würden sich die Leser beschweren, weil ich es schon mehrfach ausgebreitet und wiederholt habe. Lies einfach mal Adele.

Internet war aus mehreren Gründen „verboten”.

Ein Grund war, daß die Fakultät (oder zumindest einige ihrer Professoren) krankhaft theorielastig ist/war, und alles, was über Formeln an die Tafel schreiben hinausgeht. Der Prof bei dem ich da war sah alles, was nicht rein formelmäßig war, als unwissenschaftlich, wertlos, unseriös, überflüssig, Zeitverschwendung, unwürdig, Dreck an. Der war fest davon überzeugt, daß ein Problem gelöst ist, wenn man die algebraische Formel an die Wand schreibt oder das irgendwie mit Quantenphysik löst. Alles andere war für ihn schlecht und böse. Deshalb hat man ja auch zwei Doktorgrade eingeführt. Dr. rer. nat. für die „echten” Wissenschaftler und den Dr. Ing. zum Verkaufen für die Industrie-Möchtegern-Wissenschaftler, die nur doof sind, aber das Geld haben. Das war die Sichtweise.

Ein zweiter Grund war, daß das Internet für die meisten Profs damals unverständliches Teufelszeug war. Viele hatten selbst nie Informatik studiert und kaum Grundkenntnisse im Umgang mit Computern. Die, die wenigstens ein bischen was konnten, fuhren damals alle auf den Macintosh ab, weil der so leicht zu bedienen war. Für Doofe geeignet eben. Und viele konnten einfach nicht mal das. Der Prof, bei dem ich war, war zu doof zum EMailen und Websurfen. Das hat immer die Sekretärin für ihn machen und ausdrucken müssen. Er selbst war überzeugt, daß wissenschaftlich nur handschriftliches Gekritzel per Fax ist, alles andere übles gefährliches Zeug. Schon vor ISDN hatte der eine Mords-Angst weil er glaubte, daß ihn böse ISDN-Telefone immer und überall überwachen und abhören. Lies mal in Adele den Abschnitt über Cookies. Die Rundschreiben der Fakultät an die Profs gingen damals zur Hälfte per E-Mail und zur anderen Hälfte auf Papier raus, weil die Hälfte der „Informatik-Professoren” unfähig war, mit einem E-Mail-Programm umzugehen (und die Fakultät kein brauchbares E-Mail-System hatte, weil die unbedingt dieses bescheuerte Macintosh-Mailprogramm einsetzen wollten, weil ihnen alles außer Macintosh sowieso als unbedienbar erschien).

Es war nicht direkt verboten, sich mit dem Internet zu befassen, aber es wurde als unwissenschaftlich und wertlos angesehen, und deshalb nur als privater Zeitvertreib, nicht während der Arbeitszeit. Und dann eben die Sache, daß wissenschaftliche Veröffentlichungen unter gar keinen Umständen im Internet veröffentlicht werden durften, weil der Prof sich einbildete, daß die ganze wissenschaftliche Welt nur hinter seiner Genialität her sei.

Lies dazu bitte noch diesen Blogartikel über die Schote mit der Uni San Francisco. Oder in diesem Blogartikel die Anekdote über die Sprachkompression. Dann bekommst Du mal eine Vorstellung davon, wie die Zustände an dieser Fakultät bzw. an diesem Institut damals waren und warum die Forschung am Internet verboten war.


123
12.2.2011 9:34
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ich habe dein Adele zum größten Teil gelesen und finde es amüsant und interessant, zumindest wie du aus der damaligen Zeit an der Uni (aus deiner Sicht) berichtest. 🙂


quarc
18.2.2011 22:08
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Ich halte die im Beitrag geäußerte Kritik an den damaligen Karlsruher
Zuständen, und auch den Ärger über verpasste Chancen durch die
beschriebene Wissenschaftsverhinderung, für berechtigt, denn das ist
erst einmal ganz unabhängig davon, ob Hadmut nun nach der Promotion
an der Uni weiterarbeiten wollte oder nicht.

Aber ich muss gestehen, dass ich angesichts dieser Motivation

> Warum man länger freiwillig für eine Diss an einer Hochschule bleibt?
> Weil ein Doktor auf der Visitenkarte (und auch beim Firmen-Gründen)
> deutlich mehr Vorteile (auch finanzielle) bringt, als man – unter
> seriösen Bedingungen – in die Promotion investiert. Ursprünglich war
> die Promotion ja auch für nur 2 Jahre angelegt.

mein Mitleid begrenzt ist: da habe ich den Eindruck, dass jemand, dem
die Wissenschaft egal ist und der nur die beiden Buchstaben für Türschild
und Visitenkarte abholen will auf einen Professor getroffen ist, dem
ebenfalls die Wissenschaft egal ist und der bloß die Arbeitskraft des
Doktoranden im Tausch gegen eine Promotion haben will.

Allerdings bin ich mir als Adeleleser nicht sicher, ob das wirklich
Deine (Hadmuts) ursprüngliche Motivation war. Bis jetzt hatte ich den
Eindruck, dass Du erst im Laufe Deiner Mitarbeiterzeit am Institut
(angesichts der Zustände) den Entschluss gefasst hast, der Uni den Rücken
zu kehren.

Aber noch was: nach welchen Kriterien hast Du Dir denn ausgesucht, _wo_
und _bei_wem_ Du promovieren willst? Haben denn da mögliche Themengebiete
gar keine Rolle gespielt? Natürlich ist man hinterher immer schlauer,
aber selbst zu meiner Diplomzeit ging ich davon aus, dass die für die
Dissertation erwartete _selbstständige_ Forschung insbesondere bedeutet,
dass man nicht weiß, ob (und wenn ja, in welcher Zeit) man ein Ergebnis
bekommt, dass also (anders als bei einer Diplomarbeit) das Forschungsrisiko
erstmals beim Doktoranden liegt. Insbesondere hätte ich nicht erwartet, dass
man die Zeit hierfür überhaupt vereinbaren kann, und hätte eine derartige
Zusicherung als unseriös empfunden.


Hadmut
18.2.2011 22:22
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Ich habe ja auch damit nicht gemeint, warum ich es getan habe, sondern den Hauptgrund genannt, warum man es tut.

Meine Motivation war damals die, daß ich einfach mal vertieft in IT-Security arbeiten wollte, und bereits als Hiwi schon relativ stark in die damalige, hervorragende E.I.S.S.-Truppe hineingewachsen war (mit einigen Leuten bin ich heute noch in engem Kontakt). Mein Motivation war dabei in erster Linie wirklich die IT-Sicherheit. Ich war zwar damals schon seit über 5 Jahren Hiwi an diesem Institut, hatte aber Beth nicht als so unfähig und bösartig kennengelernt.

Grundsätzlich war ich mir damals auch gar nicht so sicher, in Karlsruhe zu bleiben, sondern haben eigentlich auch schon meine Finger an andere Universitäten ausgestreckt. Dann kam aber Beth an, wollte mich unbedingt (weiter) haben, und wir haben als Promotionsthema (das ich durchaus vorher hatte, und nicht, wie manche Leute behaupten, erst nach 3 Jahren gefunden habe, aber eben nur mündlich bekommen hatte) verreinbart, daß ich mit einem Kollegen zusammen eine der ersten kommerziellen deutschen Firewalls bei der HOECHST AG installiere. Das habe ich auch gemacht und mich genau an den Zeitplan gehalten. 1994 war das Ding installiert, 1995 hätte ich die Diss schreiben sollen (was ich auch überwiegend getan habe), aber Beth hat nicht mitgespielt. War alles Schwindel.

Allerdings muß ich auch sagen, daß ich zwar mit angesehen habe, wie Beth auf andere losging, mir aber wegen meiner Admin-Rolle relativ sicher vorkam (was ja im Prinzip auch stimmte). Richtig Krach habe ich mit Beth ja erst 5 Wochen vor der Promotionsprüfung bekommen. Und gemerkt, wie der Laden läuft und wie verlogen das alles ist, habe ich erst durch die Akteneinsichten und den Rechtsstreit gemerkt, aber eben erst, nachdem ich schon von der Uni weg war.

Eigentlich hatte ich eine Wissenschaftskarriere schon ernsthaft in Betracht gezogen. Das war ja auch mit ein Grund, warum ich auf der Flucht vor Beth zunächst mal zu Xlink gegangen bin, die nur 300 Meter von der Uni weg waren.

Eine Professur hätte mich damals schon sehr interessiert. Und ich habe mich ja auch mehrfach auf Professuren beworben, u.a. auf die Nachfolge Beth. Die hätte ich mir sogar erfolgreich einklagen können, war vor Gericht kurz vor dem Erfolg – wenn mir der Doktor nicht gefehlt hätte. Hätte ich den Doktor zwischenzeitlich irgendwoanders her bekommen, hätte ich die Klage gewonnen und die Nachfolge Beths bekommen, obwohl ich damals von der Uni weg wäre. Dann wäre ich schon seit ein paar Jahren tatsächlich Professor. Ich habe ja damals auch eidesstattlich versichert, daß die Professur haben will und nicht nur bluffe oder stänkere. Hätte ich gewonnen, hätte ich sie auch tatsächlich angenommen. Also ist der Weg zur Professur nicht nur hypothetisch.

Allerdings muß ich sagen, daß ich mich in Karlsruhe sicherlich nicht sehr wohl gefühlt hätte.