Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Gefälligkeitsblatt BILD-Zeitung

Hadmut
20.1.2011 22:15

Schon mal aufgefallen, wie sehr die BILD-Zeitung nach politischem Bedarf Personen anpreist und positiv ganzseitig herausstellt?

Schon bei den zu Guttenbergs ist mir das kürzlich aufgefallen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg findet sich häufig in positivster Helden-Darstellung auf Titelseiten usw., und als es mal eine 3D-Version der BILD gab, hatten sie als Großbild zu Guttenberg vor einem Kampfflugzeug. Und auch seine Frau Stephanie zu Guttenberg wurde in der Bild mit ihrer dämlichen Tatort-Internet-Sendung (wobei ich mal anmerken möchte, daß sie da ja eigentlich nur ganz kurz als Interview-Gast zu sehen war und sonst eigentlich nichts beigetragen hat) als die große Kämpferin und Beschützerin hingestellt.

Und nachdem letzte Woche eine böse Sendung im Ersten über Carsten Maschmeyer kam, kam kurz darauf das große Helden-Interview in der BILD, das die BILD zwar „Verhör” nannte, aber letztlich nur eine PR-Kampagne zu seinen Gunsten war.

Früher galt BILD mal als das Käseblatt der dummen Bevölkerung, das jeden Mist druckt. Von unfreiwilligen Zusammenkünften von Leuten jeden Bildungsniveaus wie Bundeswehr und Krankenhausaufenthalten kann ich mich erinnern, nähere Kontakte zu damaligen typischen BILD-Lesern gehabt zu haben, von denen einige nicht mal die Texte lesen konnten und schon Mühe hatten, die Überschriften zu entziffern, die dann gerade auf deren Niveau waren. Wie sagte man früher? Leiche durch den Fleischwolf gedreht – BILD sprach mit der Frikadelle. Das einzige Blatt, das es jemals fertigbrachte, täglich auf der Titelseite ein Nackte-Busen-Mädchen als die nette Nachbarin von nebenan zu bringen und sich auf Seite 3 moralinsauer entsetzt darüber zu ereifern, daß sich irgendwer hat oben ohne fotografieren lassen, als wär’s was ganz, ganz schlimmes.

Ich habe das Gefühl, daß die Zeit der BILD als Proletenblatt vorbei ist, in dem sie für ein paar Pfennige – wie sangen es doch die Ärzte? – Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht lieferte.

Ich habe so den Verdacht, daß die BILD – wie so viele Medien heute – korrupt durchseucht und von politischem Einfluß unterwandert ist, und die Politik (und Carsten Maschmeyer hat ja beste Kontakte bzw. seine Reinwaschung war ja in unmittelbarem politischen Interesse) dort nach Belieben jede PR und jede Volksverdummung bestellen kann.

Einen ähnlichen Verdacht habe ich bei der FAZ.

Ich habe daher wirklich den Eindruck, daß die Politik sich für so die verschiedenen Bevölkerungsschichten jeweils mindestens ein, ehere mehrere Medien gegrapscht haben und als Propogandaorgan umfunktioniert hat.


9 Kommentare (RSS-Feed)

Björn
20.1.2011 23:59
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Hast Du gut auf den Punkt gebracht. Ich denke auch schon lange, dass die Bild-Zeitung eher gefährlicher geworden ist.


Stefan W.
21.1.2011 8:08
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Speziell bei Guttenberg hat mich gewundert, wie er aus dem Nichts kam, und rundum von allen für den neuen, großen Hoffnungsträger gehalten wurde. Und begründet wurde das gar nicht, nur dass er ‘flott’ aussieht – nicht wie ein schwer übergewichtiger Bürokrat, wie man sie sonst aus der Politik kennt.

Und als Beweis seiner Erlöserqualitäten wurden dann auch Fotos gezeigt, aber nicht Erfolge genannte, die er gehabt habe. Aber Medienübergreifend, keineswegs nur bei Bild.

Ob es in der Bild früher anders war kann ich nicht sagen. Da müßte man nochmal das Walraff-Buch lesen.


gPunkt
21.1.2011 9:07
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Ganz genau gefährlich beschreibt es gut.
Gefährlich ist allerdings auch der Umgang mit dem Blatt.
Ich spreche die Leute auch gern mal auf die rumliegende Bildzeitung an um denen anschliessend klarzumachen das die keinen deut drauf geben sollen was da drin steht.
Man sollte allerdings erst gar nicht mit so einem scheiss anfangen.
Es heisst dann aber immer: ich hab die nicht gekauft.
Ja mein Gott warum liest du Sie dann.
Da ist nichts was einen interessieren könnte nur klatsch und tratsch und Propaganda.
Ja sagen dann die meissten aber ich leses das trotzdem gern.
Na gut, dann friss scheisse Millionen von Fliegen können nicht irren…


insider
21.1.2011 9:32
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Schön dass sie das auch schon gemerkt haben, das ist bei der BILD schon seit ihrer Gründung der Fall, das war der Zweck dahinter, die breite öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der Spiegel ist, seit Augstein weg ist, ebenso ein Verlautbarungsblatt geworden.
Im Prinzip trifft das auf alle etablierten Medien zu, was auch kein Wunder ist wenn man sich mal anschaut wer hinter den Blättern steckt, selbst die kleinen ‘unabhängigen’ Provinzblätter sind mehrheitlich in der Hand der Grossen, da ging vor Jahren die grosse Übernahme/Verkaufstour los, dementsprechend haben sie sich auch diese Blätter massiv gewandelt.

Schröderzitat: “Gib mir die BILD und die Glotze, mehr brauche ich zum regieren nicht”


Elton John
21.1.2011 13:57
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An dieser Stelle sei die Lektüre von “Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug” (Kapitel von “Dialektik der Aufklärung” von Adorno/Horkheimer) empfohlen. Die beiden stellen dort die Hintergründe dieser Entwicklungen dar – besonders beeindruckend, da das Buch erstmals 1944 veröffentlicht wurde.

Halbwegs niveauvoller Artikel bei Wikipedia dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturindustrie_%E2%80%93_Aufkl%C3%A4rung_als_Massenbetrug


yasar
24.1.2011 18:53
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Apropos herumliegende Bild lesen:

Ich finde es ganz gefährlich, nicht ab und zu mal ein Blick in eine herumliegende Bild zu werfen. ich wertwarte da zwar keine neuen Erkenntnisse, aber nur so bekommt man mit, wenn in der Bild wieder Volksverhetzung und ähnliches drinsteht. Ansonsten wird man womöglich kalt erwischt.

Man braucht selten mehr als eine oder zwei Minuten um sich einen Überblick zu verschaffen. Und vor allem weiß man dann, worauf man achten sollte.


Hadmut
24.1.2011 20:36
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Ich kauf mir die auch nicht, laufe aber jeden Morgen an einem betrieblichen Pressespiegel-Regal vorbei, in dem auch die diversen Käseblätter stecken.


bitzeli
26.1.2011 23:33
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Zu der Ministergatting empfehle ich folgende Lektüre:

http://www.focus.de/panorama/welt/innocence-in-danger-kritik-an-guttenbergs-kinderschutz-organisation_aid_576340.html

Diese Organisation finde ich seeeehr fragwürdig.
Und die Bild stellt einen Kritike des Vereins als Verlierer dar:
http://www.piksa.info/blog/2010/11/29/wer-innocence-in-danger-kritisiert/

Passt wieder alles so schön zusammen…


Reiner Antrup
27.3.2011 19:50
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Es ist immer wieder beeindruckend, wie direkt so ein Hype verglüht. Durch Libyen und Japan ist zu Guttenberg von einem Tag auf den anderen entschwunden. Man hat noch den Großen Zapfenstreich mit Smoke on the water in Erinnerung, seit dieser Zeit hört und sieht man nix, weder von Guttenberg selbst noch von seinen angeblich vielen Fans.