Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ich hab den Beruf verfehlt

Hadmut
8.1.2011 12:48

Lottogewinner hätt ich werden sollen…


5 Kommentare (RSS-Feed)

Arno Nym
8.1.2011 20:44
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hmm.. passt das wirklich in diese Berufs-Reihe? Ein qualitativer Unterschied: der Erwartungswert des Einkommens des Berufs “Lottospieler” dürfte ja eher negativ sein. Relevant ist dieses Kriterium, weil man (mal Hartz IV oder sowas ausgeschlossen (in USA ohnehin irrelevant)) davon im allgemeinen überhaupt nicht leben kann* … während die anderen Berufe der Reihe durch ein bizarres Einkommen/Aufwand-Verhältnis glänzten (wobei es auch da z.T. vom Glück/Beziehungen abhängt, an jene Posten zu kommen; aber: auch wenn man das nicht schafft, verhungert man nicht sofort).

* das erinnert mich an eine schöne Episode von Switch Reloaded, in der dieser Schuldnerberater parodiert wird, und es losgeht mit: “Das ist Herr XY. Nach einer anhaltenden Pechsträhne hat er über 500.000 € Schulden angehäuft…” 😉


Steffen
9.1.2011 16:20
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Von der Mathematik her sollte dir als Informatiker aber klar sein, daß Geschichten wie diese hier (Paar gewinnt 190 Millionen Dollar) nur dazu dienen, die große Masse zum Lottospielen zu verführen?

Natürlich hat Lotto insgesamt einen negativen Erwartungswert. Deahalb wurde es auch schon treffenderweise als “Dummheitssteuer” bezeichnet.

Daß man sich die Zahlen aussuchen kann die man ankreuzt, ist noch ein weiterer hinterhältiger psychologischer Trick: Von der Gewinnwahrscheinlichkeit her ist es völlig egal, was man ankreuzt. Das ganze gibt aber einem die Illusion, daß man das Spiel irgendwie damit kontrollieren könne. Und wenn man sich das nächstemal mehr ‘anstrengt’, dann gewinnt man. Ganz sicher!

Im übrigen ist noch bekannt, daß Lottogewinner meist innerhalb kürzester Zeit das Geld wieder loshaben. Weil sie normalerweise nicht gelernt haben, wie man mit soviel Geld umzugehen hat.


Hadmut
9.1.2011 16:49
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Hallo Steffen,

natürlich ist mir das völlig klar. Ich wollte halt einfach mal den Link drauf setzen, wie obszön viel Geld manchen Leuten auf den Kopf regnet, und dazu die passende Rubrik suchen.

Daß solche Gewinne „psychologisch” wichtig sind, ist mir schon klar, genauso wie die Versicherungsbranche immer wieder mal sehr drastische Schadensfälle braucht, in denen sie äußerst großzügig und super-kulant den Schaden super-ersetzen, damit die Leute auch wissen, warum sie eine Versicherung kaufen wollen.

Und daß an Glücksspielen grundsätzlich nur einer gewinnt, nämlich die Spielbank, ist mir auch klar. Ich war mal 1999 auf einer größeren USA-Bus-Reise, mit einer aus der ganzen Welt bunt zusammengewürfelten, aber sehr guten und netten Reisegruppe. Und habe mir da – zu meinem eigenen Erstaunen – schon mit dem, was man hier als Normal- und Informatiker-Grund- und -Allgemeinwissen ansieht, und man dazu ein bischen was über Mathe und USA weiß, relativ schnell einen allwissenden Ruf erworben. Als wir dann nach Las Vegas kamen und durch die Spielhöllen gezogen sind, haben die sich gewundert, daß ich so gar nicht spiele (da hat halt jeder mal zwischen 20 und 100 Dollar verzockt, mal am einarmigen Banditen ziehen oder irgendein Kartenspiel, dessen Regeln man nicht mal verstanden hat, oder wie im Film mit der Tussi hinter sich weltmännisch ein paar Würfel werfen). Die fragten erstaunt, daß man mit Mathewissen doch ganz locker in der Lage sein müßte, in den Spielhöllen ein Vermögen zu machen. Und waren noch mehr erstaunt, als ich ihnen sagte, daß das tatsächlich mathematisch nachweisbar möglich wäre und es wirklich die gewinnsichere Strategie gibt, mit Glücksspiel Geld zu gewinnen. Nämlich indem man eine Spielbank eröffnet. Weil das System darauf ausgelegt ist, daß die Bank gewinnt.

Die besten Chancen als Spieler gegen die Bank hat man meines Wissens noch beim Roulette, wo die normalen Zahlen (ich glaube, 1 bis 36, oder?) im Prinzip sogar fair mit Gewinnchancen belegt sind, und die Bank allein durch die Existenz der zusätzlichen 0 gewinnt, also die Bank gegenüber fair einfach einen Vorteil von 1/37 hat.

In der Informatik wird auch immer gern das Beispiel kolportiert, wie man – mathematisch theoretisch sicher – gewinnen kann, nämlich indem man bei einem Spiel, bei dem man eine Gewinnquote von 100% mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit hat (sprich im Gewinnfall den doppelten Einsatz bekommt, wie beispielsweise beim Roulette auf eine Farbe setzen, wo sich der Einsatz mit einer Chance von 18/37 verdoppelt) zunächst eine Einheit (Dollar, Euro,…) setzt und bei jedem Verlust den Einsatz des nächsten Spieles verdoppelt. Durch diese Zweierpotenzen erhält man im Falle eines Gewinnes die Summe aller bisher verlorenen Einsätze plus einen zusätzlichen Dollar. Weil es aber sehr unwahrscheinlich ist, daß man n Mal in Folge verliert, bzw. mit steigendem n immer unwahrscheinlicher wird, hätte man irgendwann ganz sicher gewonnen. Tut nur in der Realität nicht, weil die Spielbanken an den Tischen stets das Verhältnis von Mindest- zu Höchsteinsatz begrenzen. Man kann natürlich bei Bedarf von einem „billigen” zu einem „teuren Tisch” wechseln und dort weitermachen, trotzdem ist das Verhältnis von Mindest- zu Höchsteinsatz irgendwann begrenzt. Und wie Wahrscheinlichkeit, daß man alle Zweierpotenzen durchverliert jedenfalls höher als die eines Lotto-Jackpots. Dabei gibt es auch ein psychologisches Problem: Der Mensch glaubt, es sei ausgeschlossen, daß etwa zwanzig Mal hintereinander nur schwarz oder nur rot kommt. Ist aber nicht unwahrscheinlicher, als jede beliebige Farbfolge, die man setzt. Selbst wenn es ein solches Verhältnis zu bieten gäbe, müßte man mal locker eine Million mit sich herumschleppen, um mit dieser Sicherheit einen Dollar zu gewinnen, oder eben die Million zu vergurken. Was die schlauen Informatiker, die das als Super-Methode ansehen, dabei übersehen: Selbst wenn das Spiel fair wäre und eine 50%-Chance hätte, würde man im Mittel bzw. als Erwartungswert gar nichts gewinnen (oder verlieren), weil man bei einem Maximalen Mindest-/Höchsteinsatz-Verhältnis von 220 mit eben dieser Wahrscheinlichkeit ca. eine Million verliert, und im anderen Fall einen Dollar gewinnt. Bringt also nichts. Bis auf das dusselige Ergebnis, daß ich mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Dollar gewinne, aber eine Million verlieren kann. Und mit dem Dollar (oder auch zwei oder drei) nicht mal das Getränk finanzieren kann, was ich dabei verbrauche. Lege ich die 220 Dollar aber zu 3% auf das Tagesgeldkonto, bekomme ich 87 Dollar am Tag. Also ist auch die vermeintlich mathematisch sichere Methode (die zumindest häufig als solche kolportiert wird) wieder mal ein Schuß ins eigene Knie.

Um beim Glücksspiel als Spieler (und nicht als Bank) tatsächlich und effektiv zu gewinnen, muß man sich Spiele ohne Spielbank suchen, außerdem Spiele, die nicht allein Glücksspiele sind, sondern bei denen man auch Taktik, Können und Erfahrung einsetzen, und dann gegen „Dumme” spielen. Es gibt Berufsspieler, die beim Poker systematisch die Anfänger und Möchtegerns ausnehmen, die glauben, das zu können. Und die damit richtig stinkreich geworden sind. Das geht.


yasar
9.1.2011 20:08
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Lottogewinner ist doch gar nicht mal so schlecht. Mann sollte es halt nicht mit einem Lottospieler verwechseln. Der gemeine Lottospieler muß i.d.R. eher mit Verlusten rechnen, hingegen kommt der Lottogewinner durchaus positiv weg, manchmal sogar extrem positiv.


Manuel
11.1.2011 2:40
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Es gibt beim Poker auch Berufsspieler, die die anderen Berufsspieler ausnehmen.
Das interessante bei vielen Pokervarianten im Vergleich zu anderen Spielen ist eben, dass das Verhältnis von Information im Spiel zu Ungewissheit im Spiel ein Verhältnis hat, mit dem es auch bei den Weltbesten noch Unterschiede im Können gibt.

Vergleicht man Poker zum Beispiel mit dem Spiel Mühle, dann gibt es bei Mühle gar keinen Unterschied mehr im Können der weltbesten Spieler, weil Mühle ein Spiel ohne Ungewissheit und mit vollständiger Information ist, weil es gelöst ist, sprich es gibt bei Mühle schon eine optimale Strategie mit der man nie verlieren kann und die weltbesten haben das eben drauf.

Solange Schach noch nicht gelöst ist, bleibt es dabei noch interessant.

Aber was ich damit sagen will: Poker kann eine strategische Herausforderung sein, mit der man sich sehr lange beschäftigen kann, so wie es Menschen gibt die sich mit Schach oder Fussball oder Aktienmärkten oder sonst was lange beschäftigen.

Man sollte dabei nur nicht vergessen, dass viele Menschen aufgrund ihrer menschlichen Schwächen nicht geeignet sind Poker erfolgreich zu spielen und deshalb sollte man sich nicht von irgendwelchen Erfolgsstorys usw. blenden lassen.