Ansichten eines Informatikers

Fotografieren zunehmend verboten

Hadmut
25.11.2010 0:17

Es wird immer schlimmer.

Ich habe doch kürzlich was über Fotografierverbote in Australien, Dubai und Deutschland berichtet (Street View läßt grüßen).

Nun haben sie in Kuwait Spiegelreflexkameras in öffentlichen Bereichen (außer für Journalisten) prinzipiell verboten. (Gefunden über DigitalRev).

Es ist etwas unklar, was der Grund dafür ist. Ob es darum geht, nicht fotografiert zu werden (was die Frage aufwirft, warum es dann nur die Spiegelreflexen betrifft) oder ob sie eher Angst haben, daß man in einer Kamera mit dickem Objektiv auch eine kleine Rakete oder Knarre einbauen könnte (was die Frage aufwirft, warum sie es nur für digitale Spiegelreflexen verboten haben).

Es ist aber auf jeden Fall erschreckend, was für eine Panik, Angstmache und Urheberkrieg da verstanstaltet werden. Es sieht mehr und mehr danach aus, als würde man das Fotografieren als Kulturelement austreiben wollen.

Irgendwer hat da ein ganz großes Interesse daran, daß normale Leute nicht mehr so leicht fotografieren können.

Da kommt mir allerdings in den Sinn, daß man immer öfter ließt und mir ziemlich viele Fotografen auch schon erzählt haben, daß der Bildermarkt so ziemlich kaputt ist, weil die Konkurrenz durch gut arbeitende Amateure mit guten Fotoausrüstungen, die ihre Bilder für umme oder billig verschleudern. Die Zeitungen und Zeitschriften bieten immer weniger Geld für Fotos, verlangen aber immer mehr Nachbereitung durch die Fotografen und werden immer unverschämter bei den immer weitergehenden Verwertungsrechten, die sie verlangen.

Ein Beispiel ist etwa das Reisemagazin Merian, das schon wieder mal einen „Wettbewerb” für Bilder ausschreibt. Hintergrund ist, daß sie sich mit ihren Fotografen in der Wolle haben und ihre Webseiten nicht mehr auf ehrlich-billige Art gefüllt bekommen. Also versuchen sie, sich die Bilder von Amateuren zu holen, die sich schon darüber freuen, daß ihre Bilder überhaupt gezeigt werden.

Dazu kommt, daß die Stockphoto-Agenturen, die von Amateuren vollgepumpt werden, immer mehr Bilder für Pfennigbeträge auf den Markt werfen. Immer mehr Zeitschriften bedienen sich bei den Stockphoto-Agenturen für Kleingeld, und selbst die seriösen Agenturen füllen bei den Billigheimern nach oder sogar bei Flickr & Co., und machen andererseits mit ihren Riesenarchiven den Preis und damit die Konkurrenz kaputt.

Die Folge ist, daß da gerade ein ganzer Berufsstand zusammenbricht. Immer mehr Fotografen können davon nicht mehr leben. Insofern könnte man auch auf den Gedanken kommen, daß da an manchen Stellen der Markt, der durch Breite kaputtgegangen ist, durch Verengung wieder korrigiert werden soll. Paßt aber auch nicht alles in diese Überlegung.

Jedenfalls gruselt es mir vor dem, was da noch alles kommt. Über kurz oder lang muß man seine Kamera wie eine Waffe registrieren, und jedes Bild muß ein Watermarking der Kamera tragen.

6 Kommentare (RSS-Feed)

joschi
28.11.2010 10:49
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Auch wenn es deinen Artikel an sich betrifft, hat sich der Aufhaenger (das Spiegelreflexkameraverbot in Kuwait) als Ente herausgestellt: http://www.kuwaittimes.net/read_news.php?newsid=MzAwMTg4ODg1

“The article wrongly stated that a ban on DSLR cameras was implemented by the Ministries of Information, Social Affairs and Finance. This information is false.”


Hadmut
28.11.2010 14:17
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Oh, danke für den Hinweis.

Allerdings gibt es in den arabischen Ländern tatsächlich viele Fotoverbote und kein Fotofreiheit, in manchem Ländern kann man ziemlichen Ärger bekommen, wenn einem in der Öffentlichkeit eine Frau aufs Foto gerät.

Insofern glaube ich – auch von der Art der Formulierung her – gar nicht mal an eine Ente, sondern eher daran, daß da in einem Ministerium wieder mal ein selbsternannter Sittenwächter vorgesprescht und dann nach Hinweisen an die Führung ob der Blödheit des Unterfangens zurückgepfiffen wurde.


Hadmut
28.11.2010 17:34
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Sogar das Deutsche Auswärtige Amt hatte das aufgegriffen und Reisende gewarnt.


Rhydel
28.11.2010 20:26
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J.
29.11.2010 18:52
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“Nach kuwaitischen Pressemeldungen untersagt eine Regierungsverordnung” … Meine Fresse. Hat die deutsche Botschaft niemanden, der Arabisch spricht und im Verkündungsblatt der kuwaitischen Regierung einfach mal nachschauen kann? Man würde ja erwarten, dass solche Quellen eh regelmäßig ausgewertet werden.


Hadmut
29.11.2010 19:10
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Ich glaub, die sind gerade alle mit Englisch beschäftigt…